Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 431 (18.1.1935)
- Date
- 1935-01-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 431 DIE NEUIS WELT Seite T | Die jüdische Frau und der Juden§taat§zionismu§ Von Dr. Radiel Offner „Was sind die Frauen flir den Zionismus? Nichts! — Vielleicht könnten sie alles sein!" Theodor Herzl. Vielleicht könnten die Frauen für den Zionismus alles sein, sagte Herzl auf einem Kongreß. Sie sind es abor.bisnun doch nicht - geworden. Warum? Ist die Frau wirklich minderwertig, wie sogar Frauen behaupten? Die Stellung der Frau ist durch Vorurteile und Mindcreinschätzung durch die Gesellschaft bedingt. Dies trifft besonders bei der jüdischen Frau zu. Die jüdische Frau hat mit unvergleichlich mehr Schwierigkeiten zu kämpfen als die Frau anderer Nationen. Ihre Stellung ist vor allem von der jüdischen Tradition und Geschichte bedingt, und nicht minder wirkt auf ihre Psyche die Wertung al3 Jüdin durch die Umwelt und schließlich die vorarteilsvolle Erziehung der jüdischen Frau außerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Vom Standpunkt der jüdischen Weltanschaaung wird zwar der Frau die Gleichberechtigung zuerkannt, aber das Hinaustreten der Frau in die Oeffentlichkeit wird abgelehnt. Ein Bibel wort lautet: „Alle Ehre der Königstochter ist i m H a u s e i n n c n." Das alte jüdische Schrifttum will zwar sehr viel für die Frau, aber sehr wenig durch die Frau geschehen lassen. Was nun die Bewertung der Frau als Jüdin durch die nichtjüdische Umwelt betrifft, so müssen wir hier zwei scharf umrissene Typen im Judentum unterscheiden: die moderne und die orthodoxe Jüdin. Der Typus Jüdin existiert im Osten viel reiner, von den äußeren Einflüssen fast unberührt. Die moderne großstädtische Jüdin dagegen will ihre Vorgeschichte abstreifen mit jedem Wort und, in ihrem Acußern betonen, wie reich, wie geachtet sie ist,1 und ahmt blind das Fremde nach. Sie ist tonangebend in der Mode, in der Sucht nach irgend etwas Neuem, bemüht, ihre Abstammung zu verleugnen. Sie entfernt sich feige von der jüdischen Schicksalsgcmcinschaft. Auch das im Unterbewußtsein der allgemeinen Geselschaft verankerte Vorurteil von der Minderwertigkeit der Frau wirkt naturgemäß auf die Erziehung dre jüdischen Frau in der Galuth. Dies ist Erkenntnis. Aber resignierende Erkenntnis taugt wenig. Erwachen, sich aufraffen, an der Seite des Mannes für die große Idee des Judenstaates kämpfen — ist jetzt die erste Pflicht der jüdischen Frau. Als Herzl auf dem ersten Kongreß In Basel die zionistische Bewegung als freie demokratische Partei organisierte, wurde die jüdischnationale Frau als völlig gleichberechtigt anerkannt. Die politische Gleichberechtigung, welche die Frauen sich anderswo erst evkil nofen mußten, war im Zionismus a priori gegeben. Die jüdische Frau hat aber davon keinen Gebrauch gemacht. Leider hat sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, gezeigt, daß dje jüdischen Frauen ohne politisches Verständnis sind. Die große Masse der Frauen ist indifferent geblieben. Vielleicht hat gerade das Fernbleiben der Frau von der zionistischen Bewegung sehr viel dazu beigetragen, daß die reine Idee Herzls verzerrt wurde, der Zionismus von der Judenstaatsidee abgewichen ist, in viele Lager zersplittert, die Geschlossenheit, im Judenstaatsgedanken preisgegeben hat. Gerade die a k tive j ii d i s c h e Frau hätte den Zionismus vor Irrwegen behütet. Denn die jüdische Frau ist gefühlsmäßig für Ganzheit, für konkretes. Das Ungewisse beunruhigt sie. Der kleine, halbe, verzichtende Zionismus entspricht ihr ebensowenig wie der Führerfetischiamus. Das Eindeutige, Klare wirkt auf ihre Seele beruhigend. Als Judenstaatszionistin hätte sie für das jüdische Volk viel geleistet. Aber man hat sie in Untätigkeit be'assen. Gerade das jüdische Volk hat nicht erkannt, daß die Mitarbeit der Frau viel Unmögliches möglich macht. In diesem Punkte sind uns andere Völker weit voraus. Der bekannte Antisemitenführer Fürst Liechtenstein sagte in einer Versammlung, daß der Antisemitisnrus ohne Beihilfe der Frauen keine Erfolge erzielt hätte. Dr. Lueger hat seine „Amazonen" immer zu Hilfe gerufen. Die hakenkreuzlerische Bewegung wäre ohne Mithilfe der Frau nicht so stark gediehen. Im guten wie im bösen Sinn kann die Frau, wo sie mitarbeitet, viel bewirken. Die jüdische Frau war immer für eine rein jüdische Idee schwer zu gewinnen. Dafür sind in den Frauenbewegungen anderer Nationen viele jüdische Frauen bis vor kurzem führend gewesen. Es zog die Jüdin naturgemäß dorthin, wo sie nichts gegen Rasse und Konfession zu hören bekam. Das Untertauchen in rein Menschliches tat ihr wohl, entsprach ihrer Furcht vor dem Gebrandmarktsein als Jüdin. Die politische Entwicklung der letzten Zeit hat sie schwer enttäuscht, sie mußte, unfreiwillig, ihre Stellung innerhalb fremder Kulturkreise verlassen. Die eigene Kultur ist ihr aber fremd geblieben ... Die jüdische Frau, die sich bisnun fern von jüdischer Politik und Zionismus gehalten hat, ai^ch aus Furcht um ihre „Weiblichkeit", muß endlich einsehen, daß jetzt ihr tätiges Eingreifen in das jüdsche Leben unerläßlich ist. Aber nicht als „geschlechtsbewußte" Frau, als „Frauenrechtlerin". Dies könnte dem Zionismus nur ßchaden. Die jüdische Frau — Generationen hindurch politisch falsch erzogen — kann sich allein von allen Hemmungen befreien. In dieser Erwägung wurde die Organisation judenstaatlerischer Frauen „Debora h" gegründet. Leider sehen noch viele jüdische Frauen die Notwendigkeit der Schaffung eigener Frauenorganisa-, tionen nicht ein. Sie sind im Verhältnis zum eigenen Geschlecht schlechte Psychologen. . . . . Wenn es politischer Selbsterziehung gelingen wird, die Frau für den Judenstaatsgedanken zu 'gewinnen, sie mit Stolz und Liebe für ihr Volk zu erfüllen, dann wird sie Bich nicht mehr damit begnügen, als „moderne Jüdin*' "die:? Außenwelt durch den Zauber. ihrer Erscheinung zu be-,^ '1 Diese A Preise x IM JAHR!! Dirndl und Kleiden Moderne Blumen-Dirndl aparto Fasson, mit .S.i(ins<:h)lize ......... S K.-Seiden-Taffet-Dirndl mit oi-eandi- BlusenUrmcl u. Scidenschiirze .; . S 1Ö-—, S Schwarze Mongol-Dirndl mit bnntor Blumeit-tickr-rci odor Bordüre S Monsol-Imprime-Dlmdl m. Samikorsagß und SeldonvoisclinUrufig S Neuartige Trachten-Dirndl CrGpo Mongol, mU Samlrtpplikotion, Qrgandi-Bluse und Volnntschflrzö S ■so K.-S.-Morigol-Nachmitfcass-Kleld'- mit lanROi» Acrmi'ln, in .Modriii;l>en . . S l'.c —, S •90 Kleines Abendkleid, K.-S.-Mongol mit anart gc^osenon Aerrnoln und Ansteckblume . S •90 K.-Seiden-flamlsol-BalMeld moderne Linicnftmon . . . . •...... . .S '-• K.-S.-Marocaln-Satin-Kleid or^n. anders, fisrbijro Flfl'TcHvmol (auf 3 Arten zw tnigrm!) . . . S Reizende Abendkleider 1 mit irroJorn Ulleltftndekolletd, mit Lami- oder Velour- ' trai!S;i;irent-Schiirpo . . ,.......• , . . 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U-4C-4.37 Neues Wiener Konservatorium Musik vareinsgsb&ude, I, Böaencforler strafte 12 Unterricht in Gesang, Klavier und allen Orchesterinstrumenten von den ersten Anfängen bis zur künstlerischen Ausbildung. Eigene Kl n d erabteilung. Anmeldungen und Aüfnahnigprüfunge« täglich vor- und nachmittags ausschließlich im Musikvereinsgebäude. Kakteenzüchter' Wir bitten unsere Leser und Freunde, uns jüdische Lieferanten von Kakteen und Kakteensamen bekanntzugeben. Als Lieferungslähder kommen Kalifornien, Mexiko, Chile, Paraguay, Uruguay, Costarica, Brasilien, Bolivien, Argentinien, Guatemala, Peru, Ecuador, Haiti, Venezuela und Südafrika in Betracht. Wir nehmen an, daß sich in diesen Ländern Juden finden' werden, die selbst Sammler oder Händler von Kakteen sind. Diesbezügliche Zuschriften an die Administration unseres Blattes. Maschinen nach Bulgarien; Ein Freund unseres Blattes in Bulgarien will die rjeut s cIi en Firmen, mit denen er arbeitet, durch andere Firmen ersetzen. Es handelt sich um den Import von gebrauchten und Okkasionsmaschinen der Oel- und chejruv sehen Industrie. . , Wir bieten dio entsprechenden Firmen in Oesterreich und anderen Ländern, uns ihre Adressen bekanntzugeben.. Administr. d. Bl. . •, ■ 'Y«reiH iiir jUdlacho OeHchlchte und Literatur in SVion, II., Fei«diiiajidatralJe, 23J8. Montag. 21 Jänner, im Klubsaar der Hakoah, ••I.^.Wieslpgoratraße 11 (Caf6 Atlashof, eigener Eingang. Souterjutfttl» .'Vortrag des Horm Amtsjeiters Rudolf K ra.««^ „Aus den Erinnerungen des Oberrabbiners Dr. Moriz Güilemarin rSv 'A*.'" Anläßlich, seines hundertsten Geburtstages, beginn tf-8 Uhr"Üliehds Eintritt frei. Gäste willkommen. iWiiiliiliftiiii Jüdischer AiigesteÜtenverband Emunah, Wien, I., Biberstraße 17. Samstag, 19. Jänner, 8 Uhr abends, Vortrag, von Dr. I. M a n n Uber ,,J ü d i s c h e M u s i k". Mit Musikbeispielen», — Sonntag, .20. Jänner, 7: Uhr abends, Heimabend ,mit Tan», Gäste herzlich willkommen. Fitane fler Woche (Nach den Herstellungsländern geordnet.) . O e a t e r r e i c h: Herr ohne Wohnung (A r i e r- Paragraph) — Asew (Arierparagraph). Ende'schlecht — alles gut (Szöke Szakall)/—- Ein Stern fällt vom Himmel (Josef Schmidt). •' •' Amerika: Die süße Bestie (Metro-Goldwyn) — Hochzeitsnacht — Eskimo — Viva Villa —Allerweltsliebling — Die Nacht vor dem Henker (Kreuz-Kiho). England: Don Juan. Deutschland (Arierparagrabh-)« Jungfrau gegen Mönch — Reifende Jugend — Fahrt in die Jugend — Man hats nicht leicht— Peter, Paul, Nanette ~ Die Katz im Sack — Peer Gynt. Heute: „Hochzeitsnacht" Der Millionenfilm von Erik C h a r e 11, der überall Triumphe feiert, gelangt mit Annabella, Charlea Boyer und Conchita Montenegro in den Hauptrollen, heute im Elite-, Opern-, Schottenring-, Lustspieltheater- und Flotten-Kino zur Uraufführung. Heute — „Die süße Bestie" Heute 'findet im Schweden-Kino die Premiere dea Metro-Goldwyn-Mayer-Filmes „Die süße Besti e" (Hold Your Man), statt. Die Hauptrolle sipeit Clark Gable, der diesmal eine besonders dankbare' Rolle gefunden hat. Clark Gables Partnerin ist diesmal di» reizende Jean Marlow.. ,.Die Nacht vor dem Henker1' Der beste amerikanische Kriminalfilm dieses Jahres, mit Charlie Chan, dem chinesischen Sherlock Holmes, ist nach einem englischen Detektivroman von Biggers gedreht worden. Charlie Chan,, der von Warner Cland verkörpert wird, verhindert einen grausamen Justizmord in dem neuen Kriminalfilm der Fox, ,;D i. e Nacht vor denr'Henker", der demnächst im Kreuz-Kino erscheinen wird. Uraufführung den Wiener Sz<?ke-Szakall-Filius Die - Aufnahmen zu dem Wiener. Szöke-Szakall-Film „Bretter, die die Welt bedeuten" würden dieser Tage unter der Regie von Kurt Gerron im Tobis-Sascha-Atelier am Rosenhügel beendet,. Das Ensemble umfaßt außer Szöke Szakall, Mary Losseff, Otto Wa}lhurgf Hans Wengraf und, zahlreiche weitere Wiener Darsteller und Darstellerinnen. Die Musik stammt von Paul Abraham. Die Uraufführung dieses GrößlüstSpiels findet am :r. Februar statt. KEREN KOJ6METH, I, Marc-Aureltraße 5 / CLUB iRf Z ISRAEL, II, Praterstrafle 13 (Uoydhof) Das große hebräische Konzert zu Ehren CJialm Xacliniaiiii lllallks s, A. Karten im Vorvorkauf: Zionistisches Landeskomitee,für Oesterreich, I., Marc-Aurel-Straße 5, Tel. U-22-2-11; Zionistische Bezirkssektion'Leopoldstadt. II., Praterstraße 13, Tel R-42-407: Keron Kajemeth, I., Maro-Aur,el-St,ir^Je;;5,^'-.TeU-Ü-29-1-29; ßilcheratube,Rath, H., T.abqrstraße 20a, Tel. R-45-305; Kaufhaus Halpern, II., Förstergasse VfriL J)i^Glicr-;Kiatar«fc9U^''>U;' iÜ»«irtä»Wckpn««»» 21, w4 la 'toen zioiiistlschen Beairks^öktigaeris SONNTAG, 10. Februar 1935, im großen Saale Oes KONZERTHAUSES