Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1935-01-11 · Heft 429 (11.1.1935) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 429 (11.1.1935)
Date
1935-01-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2712049-2712053--4822-2718355
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 429 DIE NEUE WELT Seite 3 Palästina vor dem Völkerbund Berichterstatter Minieter Dr. Bencsch Sei *totfftfimet$en, rfteumatifrfjen unb gi(f|lr[ff)c?t "Scftfjnierben mitten Zogahtahltiten rufd) unb jidjcr. Äctn anocres äljnltcfjes Präparat — mag tfjm audj nod) [a Diel nodigerüljmt mcrbcn — bcfitji über 6000 fd^rtfts llrfje Mcr^tcgutadjlciT. (£ht ÜScrfud) überzeugt! 3n aUen Slpotfjcfctt bes unb Sfuslcmbes crhältlid). ^rets S 2.40. guter Whitcchapel-Charly auch lebte, das Geschick ereilte ihn dennoch. Sogar der Ruhm eines Chaplin war nicht imstande, die Anonymität künstlerischen Schaffens vor der Jupiterlampe der hakenkreuzlerischen Rassenletn*e zu schützen. Charly, der seine Abstammung vergessen und vergessen machen wollte, ist entlarvt. Die reichsdeutsche Filraoberprüfstelle hat die Vorführung seiner Filme in Hitler-Deutschland verboten. Verboten — denn Charly, der vielgepriesene, einzige, weltberühmte König der Komiker, Charly Chaplin, ist Nichtarier. Er ist Jude. Armer Charly! Er hat die Welt so oft bis zu Tränen lachen gemacht — durch seine grotesken Einfälle, durch die Blitzlichter des Genies. Er hat auf die Tücken der Welt immer eine Antwort gehabt. Wenn ihn ein Leid traf, verstand er, es ins Groteske zu transponierer Wie wird er auf den Beschluß des deutschen Hakenkreuzes reagieren? Der Arzt Die „Jüdische Rundschau" bringt Skizzen aus dem Leben im neuen Palästina. Eine davon: Ort der Handlung: Autobus auf der Strecke Tel- Awiw—Jerusalem. Ein Fahrgast, der wahrscheinlich die Strapazen der Seereise noch nicht ganz überwunden hat, lehnt sich blaß zurück. Schließlich wird er ohnmächtig. -— Gleich springt hilfreich der Nachbar auf, bemüht sich um ihn und wehrt die herzudrängenden Teilnehmenden ab: ..Lassen Sie nur, meine Herrschaften; i ch bin Arzt >— das werden wir gleich haben!" — Da hält der Autobus mit einem Ruck und der Chauffeur tritt zu dem Kranken: „Gestatten Sie, mein Herr: der Mann ist in meinem Autobus krank geworden — der ist mein Patient! Ich bin nämlich auch A r z t, müssen Sie wissen." Erschrocken weicht der hilfreiche Nachbar zurück. Da schlägt der Ohnmächtige die Augen wieder auf und flüstert mit schwacher Stimme.: „Bemühen Sie sich nicht, meine Herrschaften: ich bin nämlich selber Arzt!"... Kampf gegen Jiddisch in Tel-Awiw Aus Tel-Awiw (J. T. A.) : In eine vom Klub Ji'ddischer Schriftsteller und Journalisten Tel-Awiws veranstaltete Konferenz drang eine Gruppe junger Leute ein, protestierte laut gegen den öffentlichen Gebrauch der jiddischen Sprache in Erez Jisroel, schaltete das Licht aus, schlug: die Fensterscheiben ein und zerstörte die Inneneinrichtung. Verletzt wurde niemand. Die Leitung des jiddischen Klubs (Rafalkes, Papirnikow) ersuchte den Warschauer jiddischen PEN -Klub telegraphisch, gegen die Vorgänge in Tel-Awiw zu protestieren. Aus New York: Eine -Konferenz jiddischer Schriftsteller und Kulturarbeiter New Yorks befaßte sich mit der jüngsten Aktion g e g e n Jiddisch in Palästina und beschloß die Gründung einer „Liga für das Recht des Jiddischin Palästina". Vorsitzender der Liga ist Ephraim Auerbach, Sekretär Bezalel Sherman, der Verwaltung gehören J. Apotoschu, A. Glanz, S. Weiner, M. Sigel, Abraham Reisen u. a. m. an. Hingt um Hetzte stet&tieUe Hesie Von Oskar Rosenfeld Eine Rarität In einem Jerusalemer Papiergeschäft. „Haben Sie irgend welche Herzl-Bilder?" fragt ein Tourist den jüdischen Ladenbesitzer, „Gewiß. Aber ich leg' s\c gar nicht,vor!" „Warum nicht? Ist denn kein Bedarf?" „Ein Herzl-Bild in die Auslage zu geben, lohnt nicht." Der Tourist bleibt mit offenem Mund stehen. „Und sonst? Werden keine Herzl-Bilder gebraucht?" „In den Kolonien fast gar nicht. Dort ist Theodor Herzl durch Karl Marx verdrängt worden. In den Kwuzoth hängen ausschließlich Portäts von Marx und Lassalle an den Wänden, außerdem von Borochow , und in jüngster Zeit vielleicht Photographien der österreichischen Sozialdemokraten Otto Bauer und Julius Deutsch, die jetzt in gewissen Kreisen sehr populär geworden sind." „Aber wir sind doch hier im zionistischen Palästina", erwidert ungeduldig der Tourist. „Das sollte man meinen. Jedenfalls sind Kunden für Herzl-Bilder eine Rarität. Die einen sind Herzl entfremdet, den andern ist Herzl ein guter Jude, der gestorben ist, dessen Bild im Haus man oh'neweiters entbehren kann: Das sind die Raffer, die tfourgoisie, die'keine Zeit hat für .Rührseligkeit um Herzl'," Beleidigende Geschäftigkeit Alljährlich vor Pessach rauschen Meldungen von der Ueberführung der Leiche .Theodor Herzls nach Palästina durch den jüdischen Blätterwald;, Aus Genf (J. T. A.): Auf der Tagesordnung der am 11. Jänner beginnenden Session des Völkerbundrates figurieren die Berichte zweier Tagungen der Ständigen Mandatskommission, und zwar der 25. Tagung vom 30. Mai bis zum 12. Juni 1934, während welcher auch der Jahresbericht über das Palästina-Mandat geprüft wurde, und der 26. Tagung vom 29. Oktober bis zum 12. November, welche einige Palästina betreffende Petitionen geprüft hat. Die Berichte hätten vom Völkerbundrat bereits im September entgegengenommen werden sollen, aber der Rat hat infolge von Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und Italien Über gewisse das Mandat über Syrien betreffende Fragen die Debatte über diese Berichte bis zur Jännertagung verschoben. Als Berichterstatter des Rates fungiert der Vertreter der Tschechoslowakei Minister des Aeußern Dr. Eduard B e n e s c h. Gefährliche Drohungen in einer arabischen Petition Die Mandatskommission hat durch eine auf eine arabische Petition Bezug nehmendeBemerkung die „Aufmerksamkeit des Rates auf die Geistesverfassung gelenkt", die in dieser Petition ihren Niederschlag findet. Während der Debatte über diese Petition hat der Berichterstatter der Kommission, Herr Orts (Belgier), u. a. folgendes erklärt: „Der beglaubigte. Vertrete/r der Mandatarmacht hat uns anläßlich der Prüfung des Jahresberichtes 1933 über Palästina wohl gesagt, daß die Mandatarmacht unter allen Umständen für die Aufrechterhaltung der Ordnung b i' r g en kann, aber man kann sich nicht verhehlen, daß, angesichts der von arabischen Petenten zum Ausdruck gebrachten Drohungen und der Pogrombef ürchtungen seitens der .Juden, man die Eventualität ernster Vorkommnisse im Lande befürchten muß." Andere Mitglieder der Kommission gaben verschiedenen ähnlichen Befürchtungen Ausdruck, obgleich eines von ihnen, Graf Penha Garcia (Portugiese), darauf hinwies, daß die Petition von in Paris ansässigen Arabern stammt und vielleicht gar nicht die Geistesverfassung der Araber in Palästina widerspiegelt. Die anderen Mitglieder der Kommission waren jedoch der Ansicht, daß derartige arabische Drohungen in der Vergangenheit schon einige Male verwirklicht worden sind und daß die Kommission daher die Pflicht habe, die Aufmerksamkeit des Rates auf derartige. Symptome zu lenken. , Die Petitionen Während der 26. Tagung der Mandatskommission, deren Bericht soeben veröffentlicht wurde, hat die Kommission fünf das Palästina-Mandat betreffende Petitionen, vier jüdische und eine ar'abische, geprüft. Die Petitionen wurden wie folgt erledigt: Petition des palästinensischen Verbandes der Z i oj nisten-Revisionisten. Es ist dies die als Wejtpetition bekannte Broschüre der Revisionisten: „The Meaning of the Mandate: the creation of a Jewish State." (Der Sinn des Mandats: Die Schaffung eines Judenstaates.) In ihren Schlußfolgerungen appelliert die Petition an die Mandatskommission, zugunsten „einer radikalen Revision der Grundsätze der Palästina-Verwaltung" zu intervenieren. Der Berichterstatter der Kommission Herr Orts (Belgier) resümiert die in der revisionistischen Petition enthaltenen Forderungen wie folgt: „Aufhebung der Einwanderungsbeschränkungen für die Juden zwecks progressiver Pjksim ttltskm - Sem*em$ Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina als vorbereitende Maßnahme zur Schaffung eines Judenstaates, der nach Ansicht der Petenten das Endziel des Mandats sei. Dieser Judenstaat soll in der Vorstellung der Petenten anscheinend auch Transjordanien umfassen." Die Mandatarmacht bemerkt begleitend, daß diese Petition auf einer Auffassung der sich aus dem Mandat ergebenden Verpflichtungen fußt, die vollkommen von der vom Völkerbund approbierten Auffassung der Mandatarmacht abweicht. Diese allgemeine Feststellung enthebe daher die Mandatarmacht von dem Eingehen auf detailliert-e Kommentare der in der Petition enthaltenen verschiedenen Vorschläge und Kritiken« „Die Richtigkeit der obigen Bemerkungen der Mandatarmacht", sagt Herr Orts in seinem Bericht, „ist undiskutierbar, denn die These der Petenten über den Sinn des Mandats steht im Widerspruch zu seiner Auslegung durch die Kommission selbst." Immerhin befaßt sich Herr Orts mit einem Punkt der Petition, da dieser „an eine allgemein verbreitete Besorgnis anknüpft", nämlich: die Gefahr, die für die jüdische Bevölkerung Palästinas aus der Tatsache erwächst, daß eine Polizei mit zirka 60 Prozent arabischem Element und eine schwache britische Garnison nur wenig Vertrauen in die Sicherheit des Landes erwecken können. Hier mag jedoch daran erinnert werden, fügt Herr Orts hinzu, daß anläßlich der Tagung der Mandatskommission im Jahre 1982 der Vertreter; der Mandatarmacht die Versicherung abgab, mit den der Mandatarmacht zur Verfügung stehenden Mitteln für die Aufrechterhaltung der Ordnung für jede Eventualität bürgen zu können. Nach Anhören des Berichts von Herrn Orts nahm die Kommission auf seinen Vorschlag hin eine Entschließung an, die feststellt, daß die revisionistische Petition „den Bedingungen der Annehmbarkeit (admissibility) nicht entspricht, weil sie Forderungen aufstellt, die mit dem Palästina-Mandat unvereinbar sind"« Petition des „General Council of Woraen Workers in Palestin e". Diese Petition enthielt einen im Namen von 20.000 jüdischen Arbeiterfrauen zum Ausdruck gebrachten Protest gegen die „Municipal Corporation Ordinance" (Gemeindewahlordnung) vom 13. Jänner 1934, die — abgesehen von Tel- Awiw — den Frauen kein Wahlrecht gewährt. Die Mandatarmacht bestätigte in ihren Bemerkungen zu der Petition, daß die fragliche Verordnung tatsächlich die von den Petenten beanstandeten Bestimmungen enthält, weist jedoch darauf hin, daß der High Cornmissioner diese Bestimmungen ändern^ kann, wenn er hiezu von einer Zweidrittelmehrheit der Gemeinderäte aufgefordert wird, tter Berichterstatter der Kommission, Prof. Palacioa (Spanien), legt in seinem Bericht auf diese Bemerkung der Mandatarmacht Nachdruck und die Kommission nahm eine Entschließung an, wonach dieser Petition „keinerlei Folg e zu leisten sei". Petition des „Brit Kibbuz Galuiot in Palestine" (Verband rückkehrender Landesverwiesener): Diese Petition wendet sich gegen die „Immigration Ordinance" (Einwanderungsverordnung) vom Jahre 1933» die nach Ansicht der Petenten in Widerspruch zu Artikel 6 des Palästina-Mandats steht, wonach die Palästina-Verwaltung „die jüdische Einwanderung erleichtern'* und „die dichte Absiedlung der Juden auf dem Lahde f ö r d e r n" soll. Die Petenten weisen darauf hin, daß die „Immigration Ordinance" entgegen den Bestimmungen des Artikels 6 keinerlei Erleichterungen für die jüdischen Immigranten vorsieht, daß sie, im Gegenteil, in ihrem Artikel 4 besondere Erleichterung, für die Einwanderung einer anderen Kategorie von Immigranten, nämlich' den Einwohnern Trans jordaniens, sichert, da dieselben sich nach Palästina ohne Paß oder einem ähnlichen Dokument begeben können; in der Praxis als.o den Arabern aus allen Nachbarländern, aus Syrien, aus dem Irak und Arabien, freier Eintritt nach Palästina über die transjordanische Grenze gewährt, Die Kommission beschloß, daß „unter den jetzigen Heuer sind wir auch schon so weit. Man beruft sich auf Herzls Testament. Man beruft sich auf Kongreßbeschlüsse. Es ist selbstverständlich, daß wir Herzls Jetzten Willen respektieren — wie es selbstverständlich ist, daß Kongreßbeschlüsse durchzuführen sind. Aber wieder muß man die stereotypen Meldungen von Komitees, Kommissionen, Anregungen betreffs der Ueberführung lesen. Bis zum Ueberdruß. Die alljährliche Wiederholung macht den Widerwillen nicht kleiner. Herzl wünschte, daß dereinst... Dereinst! Obwohl das plötzliche Drängen interessenbeflissener, zweifellos guten Glauben bekundender Menschen höchst peinlich ist, wollen wir es nicht verdächtigen. Wir wollen den halb und ganz mediokren Trabanten rings um Theodor Herzls sterblichen Resten nicht selbstische Absichten unterschieben. Mit Herzls sterblichen Resten sind ja keine „Geschäfte", auch keine politischen, zu machen. Aber die plötzlich eingesetzte Geschäftigkeit beleidigt zweifellos die auch nicht gerade überempfindlichen Seelen. Von Komitees und Kommissionen Erst vor einigen Monaten, in einer Wiener Herzl- Ausstellung, konnte man den Entwurf eines Herzl- Denkmals (Architektonischer Aufbau und Herzl-Figur) sehen, das der Anregung irgend welcher „privater" Kreise entstammte. Kurz vorher ließ eine Gruppe Haifaer Bürger wissen, daß sie auf dem Karmel ein Grundstück für einen Herzl-Hain zur Verfügung stelle. In den jüngsten Tagen verbreitete die Jüdische Telegraphenagentur die Nachricht, daß eine Kommission zur Ueberführung der sterblichen Reste Herzls nach Palästina gebildet worden sei, an ihrer Spitze S. Kaplansky, das einstige Unke Exekutivmitglied, Geslnnungs- sowie Parteigenosse des berüchtigten Weißbuch-Verfassers Passneid und jetziger Direktor des Haifaer Technikums, Und zu allerletzt «ine Wiener ■■■^■■■■■■'■■■■■■■^■■"■■■'■r^ dung, die von Vorbereitungen der zionistischen Landesorgahisation zur Exhumierung und Ueberführung der Gebeine Herzls Kurioses besagt. Also ein Trommelwirbel von Nachrichten rings um die „bevorstehende" Ueberführung. Die Zionistische Exekutive schweigt. Die uns mit dem Tempo, das sie Kongreßbeschluß-Ausführungen widmete, nicht verwöhnt hat, hält es für ratsam, den Akt der Ueberführung privaten Händen, Federn und Mündern zu überlassen. Er1 "ist scheinbar nicht ihre Sache. Sie schweigt. Sie entzieht sich der Verantwortung. Es geht sie nichts an .., Noch nicht Die Gebeine Herzls sollen in Palästina ruhen. In einem Palästina, das Herzl sich erträumte. Erträumte nicht etwa im Sinn eines unerfüllbaren Wunschtraumes, sondern einer menschlich und irdisch erreichbaren Wirklichkeit. . Selbst der wohlwollendste Beurteiler des heutigen jüdischen Palästina wird unserem Intellekt den Glauben, man sei diesem Idealzustand nahe, nicht zumuten. Pie l'-iUachen sprechen allzu eindringlich dagegen,. Die schaffenden und raffenden Kräfte bieten kein vergnügliches Bild. Mit Marxens „ehernem Lohngesetz" in der Tasohe, bezeugen die von der Histadruth Geführten, daß sie die europäische Gesellschaftsideologie ins Altneuland mitgeführt haben. Der alte Ballast! Die alten Phrasen..• Sie schaffen: sie schaffen die Theorie von der Notwendigkeit des Klassenkampfes, der Ausrottung der Bourgeoisie. Kain und Abel in tausendfacher Wiederholung. Sie raffen; Die. andern. Die „Prosperity" ein Anlaß zu Spekulation mit Boden, zu Wucher mit Wohnungszins, zu Verzicht auf kulturelle Durchdringung der Dinge... Die Raffer stehen fern den Fragen rings um Herzlf £ Qcbeiöi,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.