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Die neue Welt · 1934-12-14 · Heft 422 (14.12.1934) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 422 (14.12.1934)
Date
1934-12-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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DIE NEUE WELT Nr. 422 Ith kaie Hut einen Hund angeschafft Humoreske von T u n k e 1 c r, „Wie traurig mir ums Herz ist, wie ich mich langweile, mein Gott", beklagte ich mich meinen Freunden gegenüber. Ich bin Junggeselle, ein freier, flotter Mensch. Hab' keine Frau, keine Kinder, keine Freundin und kein Sparkassenbuch. Ich bin ein Dichter, ein einsamer Poet, der stille und schwermütige Dinge schreibt. Ich gieße meine Schwermut in meine Lieder, meine Einsamkeit in meine Verse. Aber darum werden Schwermut und Einsamkeit nicht kleiner. Meine Freunde sagen darum zu mir: Schaff dir einen Hund an. An ihm wirst du einen Freund, einen Gefährten haben, wirst dir die Einsamkeit vertreiben können, die Melancholie, und du wirst dich wohler fühlen. Diesen Rat ließ ich mir durch den Kopf gehen. Irgendwie fand ich etwas Vernünftiges darin. Denn ich sah, wie Menschen sich mit Hunden sozusagen seelisch verbunden fühlten. Ich sah, wie man sie liebkoste, hätschelte wie Menschenkinder. Ich sah Besitzer von Hunden, die ihres Hundes Zehe nicht für ein Dutzend Freunde hergegeben hätten. Ich sah Menschen, die ihrem eingegangenen Hund nachtrauerten wie einem nahen Verwandten und ihn bejammerten und ihm sogar einen prächtigen Grabstein stellten. Da beschloß ich, mich nach einem Hund umzusehen. Ich suchte einen Hundehändler auf. Dieser fragte mich, welche Rasse ich wünsche: Einen Bernhardiner oder einen Mops oder einen Jagdhund. .. Ich erwiderte, daß ich mich auf die Rasse nicht verstünde. Ich wüßte bloß, daß es wollige und nichtwollige Hunde gebe; große und kleine; Hunde, die bellen und die still sind; böse Hunde, die beißen, und ruhige Hunde, die nicht beißen. Ich meinerseits möchte just einen kleinen und stillen Hund. Es liege mir nichts daran, wenn er nicht bellt, denn ich hätte keine Schätze, die bewacht werden müßten, und es sei auch nicht notwendig; daß' er beiße. Ich bin, sagte ich, ein stiller Dichter, ich beschäftige mich weder mit Kritik noch mit Polemik, und ich schreibe auch keine antisemitischen Artikel. „Was ich mir wünsche", erklärte ich weiter, „ist ein kluger Hund. Er soll niemand "in Anspruch nehmen müssen. Im Gegenteil wäre es vorteilhaft, wenn man gelegentlich von ihm einen Gedanken, ein Thema für ein Gedicht, irgend eine dichterische Anregung beziehen könnte. Das ist allerdings nicht seine Sache. Aber ein Freund wird er wohl sein, und ein guter Freund, der nicht um Unterstützung und Fürsorge bittet, der nicht ein Zigarettel verlangt, der nicht deine Hemden trägt und der" dir nicht deine Freundinnen abspenstig macht....... Kurz und gut, ich habe mir einen Hund angeschafft und ihm den hunde-echten Namen gegeben: Plagiatschik! Einen literarischen Namen von dem Wort Plagiat. Ich nahm an, es wäre jetzt alles in Ordnung; aber es ergab sich, daß das, was für ändere gut war, für mich Pein und Sorge bedeutete. Für einen großen Herrn, für einen Aristokraten, einen Bummler ist das eine Sache, aber nicht für einen einsamen lyrischen Dichter. Für mich war das eine Strafe Gottes. Ich konnte mir keinen Rat geben. Niemand ist in meiner Wohnung. Wenn ich weggehe, muß ich ihn mitnehmen, und die Orte, wohin ich mich begebe, sind für Hunde nicht passend. Ich gehe-z. B. in die Redaktionen, um meine Gedichtmanuskripte abzugeben. In einer Redaktion sitzt ein Redakteur, 'ein ' eingefleischter N a t i o n a 1 i s t, der Hunde haßt. Hunde, sagt er, ist eine goische Angelegenheit. Ein Hund ist ein Antisemit, und er könne nicht leiden, daß. ich mich mit einem Hund herumdrehe, und für mich, einen einsamen lyrischen Dichter, schicke es sich überhaupt nicht. Denn wie könne man einsame Lieder schreiben, wenn man einen Hund habe! Mit einem Hund sei man nicht einsam. Ein , zweiter Redakteur wiederum ist zu all dem Jammer ausgerechnet ein Assimilant, ein Fortechrittler, ein Freidenker und großer Kämpfer. Er kommt aus dem Kämpfen nicht heraus, vor nichts hat er Angst, er hat alles Jüdische völlig abgestreift, nur ein Tropfen ist ihm geblieben: die Angst vor Hunden. Er zittert geradezu vor jedem Hund. Selbstverständlich steht er meinem Hund-nicht sympathisch gegenüber, und darunter leiden meine Gedichte. Aus Haß gegen den Hund wirft er meine Manuskripte in den Papierkorb. Weder zu einer Vorlesung noch zu einem Referat konnte ich meinen Hund mitnehmen. Denn gerade auf dem Höhepunkt, wenn ich meine lyrischen Gedichte oder irgend eine tragische Ballade vorlas, fing er an, jämmerlich zu bellen. Möglich, daß ihn meine Verse allzu sehr rührten. Eine zarte Seele. Wer kennt sich in der Psychologie eines, Hundes aus? So oder so — jedesfalls entstand ein Geheul und die Stimmung war dahin. Am schlimmsten war es, wenn ich auf irgend einen literarischen Abend in eine fremde Stadt fahren mußte. Als ich kürzlich nach Baranowitsch fahren mußte, hatte Ich niemanden, dem ich Plagiatschik hätte überlassen können, und nahm ihn daher mit auf die Reise. Wie es sich herausstellte, durfte ich ihn nicht in mein Coupe nehmen. Für Hunde gibt es einen besonderen Waggon und man muß für sie Fahrkarten lösen. Daran hatte ich vergessen, als ich mit dem V 'i-anstalter meines Abends unterhandelte. Wir sprachen wegen Reisespesen für mich allein; daß mir mein Plagiatschik Kosten verursachen würde, daran dachte ich nicht. Und schließlich hatte ich noch draufzuzahlen — meines Plagiatschik wegen . Während der Vorlesung hielt er sich hinter den Kulissen auf. Ihn auf der Bühne obenauf am Präsidententisch zu placieren, wo das verehrte Komitee und die Ehrengäste saßen, wäre wohl übertrieben gewesen. Aber trotzdem gab es ein peinliches Intermezzo. Mitten in meiner Vorlesung erblickte er eine Katze und stürzte mit wildem Gebell und Geheul auf sie los. so daß die Vorlesung unterbrochen werden mußte. Eine überaus interessante Sache! Während der Rezitation, wenn ein Kritiker hereinkommt und mich ungünstig beurteilen will, stellt sich mein Plagiatschik auf die Hinterbeine. Er remonstriert. Er fühlt, daß man mich schlecht behandeln will. Er fühlt das Herz seines Dichters. Nicht umsonst sagt man, daß ein Hund ein ergebener Freund ist. Wenn sich nur alle meine Kollegen so verhalten würden . . . Bei Banketten geht's schon ein wenig besser. Zu Banketten kann man schon ohne viel Risiko einen Hund mitnehmen. Auf einem Bankett ist die Stimmung ohnehin heiter. Stören wird er nicht allzu sehr, und wenn er während eines Toastes losbellt, ist's kein großer Verlust. Im Gegenteil kann das zur guten Stimmung beitragen. Kürzlich nahm ich ihn auf ein Bankett mit, das mir zu Ehren von Jung-Penklub gegeben wurde. Ein Bankett mit Fisch und Braten, Leber, Wurstzeug und anderen Speisen. Das ist doch gewiß gut. Und doch taugte es nicht. Mein Plagiatschik. ist davon krank geworden. Er hat sich den Magen verdorben. Bei seinem Herrn, dem lyrischen Dichter, ist er solche Lustbarkeiten nicht gewöhnt. Vielleicht zu viel gespeist oder die Sachen waren nicht frisch. Wer weiß.? Jetzt liegt er im Tierspital, von Schmerzen gepeinigt. Ich zahle für ihn Heilungskosten und laufe täglich ins Spital zu sehen, wie es ihm geht. Ich habe mir einen Hund angeschafft. Geradezu ein Vergnügen. Skikurs der „Judäa" Der Gesamtverband jüdischer Hochschüler Oesterreichs „Judäa". veranstaltet einen lOtägigen Skikurs nach Kitzbühel-Melkalm, zum Preise von S 79, inklusive Fahrt, Verpflegung, Unterkunft und Skilehrer (Zeit: 22. Dezember bis 1. Jänner). Anmeldungen und Auskünfte im Sekretariat der „Judäa", Wien, IX., Alserstraße 26, Telephon A-25-2-28, von 13 bis 17 Uhr. Touristik- und Skiklub „Hakoah". Ausflugsprogramm für Sonntag, den 16. Dezember. Zusammenkunft um 9 Uhr in Mauer. Führer: Dr. Mandler. Skikurse: 1. Türnitz; viertägiger Kurs, Preis S 32.80 (volle Verpflegung, Bahnfahrt, Skikurs). 2. M ü r zz Uschlag; vier- bis achttägiger Skikurs. Preis pro Bett S 2 bis 2.50. Für Anfänger und Fortgeschrittene Anmeldungen sowie Auskünfte jeden Dienstag und Freitag im Klubheim, I., Wiesingerstraße 11, Tel. R-25-0-10, in der Zeit von 8 bis 10 Uhr abends. Gesellige Abende jeden Freitag. Aerztestellen im Spital der Kultusgemeinde Aus dem Spitalsdienste der israelitischen Kultusgemeinde Wien scheiden demnächst Aerzte aus und es gelangen daher Stellen zur Besetzung. Nähere •Auskünfte erteilt die Spitalsdirektion, Wien, XVIII., Währingergürtel 97. Instandsetzung von baufälligen Grabsteinen Es wurde die Wahrnehmung gemacht, daß auf der isr. Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes eine Anzahl von Grabsteinen baufällig ist. Soweit hieramts die Angehörigen bekannt sind, ist an dieselben die Aufforderung ergangen, für die entsprechende Instandsetzung, bezw. Entfernung Sorge zu tragen, widrigenfalls im Sinne des § 16 der Friedhofsordnung von Amts wegen vorgegangen wurden müßte. Die Gemeindemitglieder werden von den Bestimmungen des § 16 der Friedhofs- Ordnung mit dem Ersuchen in Kenntnis gesetzt, sich um die Grabsteine ihrer auf den Wiener israel. Friedhöfen bestatteten Angehörigen entsprechend bekümmern zu wollen. § 16 der Friedhofsordnung besagt: „Wird ein Denkmal baufällig, so ist die iarael. Kultusgemeinde, falls die betreffende Partei für die Beseitigung des gefahrdrohenden Zustandes nicht Sorge trägt, berechtigt und verpflichtet, dasselbe entfernen zu lassen. Wird ein Denkmal auf diese Weise von seinem Platze entfernt, so ist dasselbe an eine geeignete Stelle innerhalb des Friedhofes zu bringen und ein volles Jahr aufzubewahren. Während dieser Zeit steht es dem Beteiligten frei, das Grabdenkmal zu reklamieren. Erfolgt eine solche Reklamation nicht, oder wird der erhobene Einspruch als unbegründet zurückgewiesen, so wird über dieses Denkmal von der Israel. Kultusgemeinde verfügt." Predigten in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den. 14. Dezember 1934, werden bei den um 3 Uhr 55 Minuten beginnenden Abendgottesdiensten in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: XVIII., Schopenhauerstraße 39: Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz; XIX., Dollinergasse 3: Rabbiner Dr. A. Frankfurter; XXI., Holzmeistergasse 12: Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Samstag, den 15. Dezember 1934, Schrifterklärungen beim Vormittagsgottesdienste: I. , Seitenstettengasse 4: Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang; XX., Kluckygasse 11: Rabbiner Dr. B. Murmelstein; beim Abendgottesdienste: XIII., Eitelbergergasse 22: Rabbiner Dr. M. Lewin. Israelitische Jugendgottesdienste. 1. Jugendgottesdienst für Volks-, Haupt- und Mittelschüler (-Schülerinnen): Samstag, den 15. Dezember d. J., um 3 Uhr nachmittags in allen Gemeinde- und Vereinssynagogen. 2. Besondere Jugendgottesdienste für Mittelschüler und -Schülerinnen der Unterklassen im II. , IX. u n d XX. Bezirk: Samstag, .den '15,. Dezember, um i/45 Uhr nachmittags, im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgasse 5, und in den Vereinssynagogen, IX., MUllnergasse 21, und XX., Kluckygasse 11. Jüdischer Anjrestelltonverband „Emunah", Wien, I., Biberstraße 17. Samstag, den 15. d. M., Vorlesung des Regisseurs Heinrich. S c h n i t z 1 e r. Sonntag, den 16. d. M., 8 Uhr, Heim-Abend. JlßsUukokt ßittet Bestrenommierte Küche -^3 REICHHALTIGE MENÜS ä S 1.90 UNO 2.60 SCHWECHATER BRÄU UfHammer PurgstaU Casse 3 (iräAsf Sal2fortiröd(e)«Tel.Ä-4f-C-2! ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Bei tuMu^en wotlefo Sic sich fcdl. au$ uH&ec Blaü^zieUen! ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Patentanwalt Patente, Fabrikmarken etc. In Haiästina und allen Ländern mg. S. Shlouger E. E., A.I. Lg. <& A.I. 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Sabbateingang 3.55 Samstag 15 9 Sabbatausgang 4.55 Sonntag 16 10 Montag 17 11 Dienstag 18 12 Mittwoch 19 13 Donnerstag 20 14 Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. — IX.. Universitätaatraße 6—8. Druck: Druckerei- und VerJags-A.-G. Ignaz Steinmann, beide Wien,

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