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Die neue Welt · 1934-12-07 · Heft 420 (7.12.1934) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 420 (7.12.1934)
Date
1934-12-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite S DIE NEUE WELT Nr 420 Bra§üi'ani'sdier Bilderbogen Von unserem brasilianischen S.-W.-Korrespondenten Sao Paulo, im November 1934. Föderation der brasilianischen Juden Vor kurzer Zeit wurde in Rio de Janeiro die „Föderation der brasilianischen Juden" ins Leben gerufen, deren Präsident der bekannte aktive Hauptmann der brasilianischen Armee Dr. Levy Cardoso ist. Sie ist als eine Ver- GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 2, |j| Samstag XI., Zentraltriedhof, neb. d. 1. Tor. ||| geschlossen tretung der brasilianischen Juden gedacht und soll eine Spitzenorganisation aller jüdischen Verbände und Vereine sein, nimmt jedoch auch Einzelmitglieder auf. Obwohl nun in §af> Paulo der „Lokalverband der jüdischen Organisationen Sao Paulos" noch immer nicht ins Leben getreten ist, konnte bereits eine Ortsgruppe dieser „Föderation" gegründet werden, welche vorläufig eigentümlicherweise bloß aus Einzelmitgliedern besteht, weil die Vereine Sao Paulos behaupten, zu den Kosten des Büros der Föderation in Rio de Janeiro keinen Beitrag leisten zu können. Zu Präsidenten wurden die Herren Blaustein und Dr. W. Treuherz gewählt. Es wurde zunächst beschlossen, die auch hier beginnende antisemitische Propaganda mit allen Mitteln zu bekämpfen. Nur scheinen eben die „Mittel", die hiezu erforderlich sind, nicht so leicht erreichbar zu sein. Sociedade Israelita Paulista. Der neugegründete Verein der deutschen Juden in Sao Paulo hat bereits die ansehnliche Anzahl von 18U Mitgliedern erreicht, welche täglich wächst. Es findet jeden Samstag ein Vortragsabend statt, welcher einen guten Besuch aufweist. Bisher wurden folgende Themen behandelt: „Das Leben des Rabbi Akiba" (Wilhelm Steiner), „Israel — die Idee" (Dr. Ludwig Lorch), „Die wirtschaftlichen Verhältnisse Südamerikas" (Dr. Fritz Heller), „Die Bedeutung von Tischo Beaw und Palästina mit Lichtbildern" (Maurice Gardener), „Die Ureinwohner Brasiliens" (Dr. Reichmann), „Moses, der Gesetzgeber" (Wilhelm Steiner), „Die Einstellung des Einwanderers zum Gastlande" (Dr. Fritz Heller), „Ist Arithmetik langweilig?" (Rudolf Wolff), „Drei Phasen der jüdischen Geschichte" (Frau M. Trompeter), „Im Auto durch Syrien und P a 1 ä s t i n a". (Frau Dr. Brill). Der Verein ist auch mit einem „Bunten Abend" (Ball) zum erstenmal in die Oeffentlichkeit getreten. Das Programm enthielt zwar keine einzige jüdische Nummer, fand aber Anklang. Auch der finanzielle Erfolg blieb nicht aus. Die S. I. P. hat die erste Nummer ihres „Mitteilungsblattes" (als Monatsschrift gedacht) herausgebracht. Poale Zion und anderes. Die Zionistische Organisation, welche ohnehin sehr schwach gearbeitet hat, und dem Entschlummern nahe ist, hat eine weitere Schwächung erfahren: die Anhänger des Poale Zion haben einen eigenen Verein mit eigenen Lokalitäten' geschaffen, wo die erste Versammlung stattgefunden hat. Die unter dem Präsidium des Arztes Dr. Ludwig Lorch stehende Bne-Brith-Loge veranstaltete eine gut besuchte B i a 1 i k - Gedenkfeier. Es sind Bestrebungen im Gange, in Sao Paulo eine „Jüdische Krankenkasse" sowie ein Jüdisches Krankenhaus zu errichten. Gottlosen-Akademie. Die jüdischen Kommunisten Sao Paulos, welche zumeist Ratenhändler sind und als „Proletarier" die Arbeiterkundschaft sicherlich nicht zu billig bedienen, laden im Judenviertel Bora Retiro mittels geschmackloser Plakate in jiddischer Sprache zu einer „Antireligiösen Akademie" ein. Blutrote Uniformen. Wer die Hauptstraße des Judenviertels Born Retiro am Abend durcheilt, wird im ersten Stockwerk blutrote Uniformen und Sporthemden herumhüpfen bemerken. Es sind die Turner eines jüdischen Turnvereins — der seinerzeit von der Polizei aufgelöst wurde und dann als „Jugendverein" sich neu etabliert hat —, die keine passenderen Palästina-Reise Reisedauer nur 2Tage mit dem schnellsten Dampfer d. Welt Gesellschaftsreise durch Nordisches Reisebureau Reisel'eltung: N. M. Racker, Wien I, Graben 10, Telefon R-24-2-31 Abfahrt; 8. März 1935 ab Neapel. Dampfer: »Rex' (51.000 Tonnen) Preis: Tour-retour Neapel — Haifa — Neapel S 418.— aufwärts frühere Fahrtermine: 7. Februar 1935 „Roma" 22. Februar 1935 „Conte di Savoya" spätere Fahrtermine: 23. März 1935 „Conte di Savoya« 8. April 1935 „Saturnia" Sichern Sieslch bei uns gute Kablnenl Turnhemden gefunden haben, als blutrote. Von Zeit zu Zeit werden einige ihrer Anhänger als lästige Ausländer abgeschoben. Circulo-Israclita-Braunhuch. Ein alter Verein, der zu neuer . 'cen erwacht ist, hat seine neuen Räume, hochelegant eingerichtet, als exklusiver Klub eingeweiht. Außer Tanz und Toilettenschau leistet er nichts. Der Circulo Israelita hat das die Schandtaten Hills rs enthüllende ,,Braunbuch" in portugiesische Sprache übersetzen lassen und verteilt 3000 Exemplare an Nichtjude n. Der brasilianische „Angriff". Die Hitler-Mark hat auch hier zu rollen begonnen. Die Grünhemden (Integralisten) vermehren sich von Tag zu Tag. Obwohl ihr Präsident dem Oberrabbiner von Rio de Janeiro Dr. Rafallovitch seinerzeit die Erklärung abgegeben hat, daß seine Partei keine antisemitischen Zieic verfolge, erscheinen jetzt in seinem Organ „Offensiva" (Der Angriff) ständig gehässige antisemitische Aufsätze, welche unter den Juden begreiflicherweise Unruhe hervorgerufen haben. Die „Civilisagao". Die von einem warmen Judenfreund, Professor Silveiro B u e n o, gegründete und jetzt unter der Leitung des Juden Fernando Levisky stehende Wochenschrift, die „Civilisacao", feierte ihr einjähriges Bestehen. Sie behandelt in der Hauptsache jüdische Probleme in positivem Sinne und ist als jüdische Zeitung anzusprechen, obwohl dort auch Nichtjuden zu Worte kommen. Die in portugiesischer Sprache erscheinende Zeitung plant die Herausgabe einer reichhaltigen Juliläumsnummer. Konzert Rosenthal. Der weltbekannte Pianist Rosenthal gab hiereinige ausgezeichnete Konzerte, darunter eines zugunsten der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland. Sehr befremdend wirkte es jedoch, daß dieser Meister ausgerechnet auch am Jörn K i p p u r ein Konzert geben mußte, was sicher keine allzu große jüdische Würde verraten läßt. (A_nm. der Red. Der Brefschreiber weiß nicht, daß Rosenthal längst getauft ist.) Judssdie Kommunisten züchten Antisemitismus Der Schaden, den die jüdischen Kommunisten in allen Ländern dem Judentum zufügen, läßt sich in seinem ganzen Umfang nicht ermessen. Wir hatten schon oft Gelegenheit, diese Tatsache durch authentische Beweise zu stützen. Der New-Yorker sozialdemokratische „Vorwärts" veröffentlicht den Brief eines brasilianischen Juden, den wir im nachstehenden wiedergeben. Der Briefschreiber, ein Kaufmann in Sao Paulo, schreibt: Hier, in der südamerikanischen Republik Brasilien, gibt es einige unverantwortliche jüdische Kommunisten, die, wie auch sonst überall, unseren Feinden Vorschub leisten. Noch vor kurzer Zeit wußte man hier fast noch nichts von einer Sache, die sich Antisemitismus nennt, bis die jüdischen Kommunisten sich bemühten, ihn einzuführen und das giftige Gewächs zu züchten. Es gab hier eine unbedeutende faschistische Gruppe, die hatte aber mit jüdischen Dingen nichts zu tun. Die hiesigen Grünhemden beschritten den Weg des italienischen Faschismus. In einem Interview mit dem Großrabbiner Dr. Rafalowitsch erklärte der Faschistenführer Brasiliens, daß es in seiner Partei und in seinem Programm keine Rassen- oder Religionsvorurteile gebe, da sie auf der Gleichberechtigung aller Bürger fuße. Diese günstige Lage wurde dadurch gestört, daß ein junger jüdischer Arzt mit einer mächtigen kommunistischen Propaganda einsetzte. Von Zeit zu Zeit machen junge jüdische Burschen und Mädchen Propaganda- Spaziergänge durch die Stadt, wobei sie Plakate mit dem Text „Es lebe die jüdische Republik in Sowjetrußland" oder „Es lebe die Sowjetregierung" herumtragen. Hiebei kommt es zu Zusammenstößen mit den Faschisten und in weiterer Folge zum Einschreiten der Polizei und schließlich zu blutigen Exzessen, deren Entstehen den Juden angelastet wird. Vor kurzem erst kam es in den Straßen der Industriestadt Sao Paulo zu Zusammenstößen zwischen Faschisten und Kommunisten, wobei es auf beiden Seiten Tote gab. Der Anführer dieser Demonstration war ein Jude, just der Schwiegersohn eines stadtbekannten — Millionärs. Am nächsten Tag riiekte die faschistische Zeitung „Offensiva" (Angriff) mit einem Artikel heraus, worin das Judentum beschuldigt wird, mit seinem Kapital den Kommunismus zu unterstützen, ferner die Behauptung aufgestellt wird, daß die jüdischen Kommunisten Brasilien vernichten wollen. Die Faschisten wollen sich an den Juden für ihre gefallenen Parteigenossen rächen. In der jüdischen Gasse herrscht Panik. Die Regierung läßt die Faschisten gewähren, weil sie in ihnen einen Schutz gegen die Kommunisten sieht Der Kriegsministt'r erklärte; kürzlich, man werde den Kommunismus, sollte er eine Gefahr werden, rasch liquidieren. Die Faschisten stehen erst am Anfang einer Bewegung und schon machen sich antisemitische Tendenzen bemerkbar, die mit Zunahme der jüdischen kommunistischen Propaganda wachsen. Zweifellos zirkuliert hier Nazigeld aus Deutschland, aber es ist charakteristisch, daß die hiesige Presse ihren antisemitischen Feldzug erst begonnen hat, als die jüdischen Kommunisten mit ihrer zügellosen I'ropaganda für den russischen Bolschewismus einsetzten. estautattl •y^D Bestrenommierle Küche "yj; REICHHALTIGE MENÜS ä S 1.90 UNO 2.C0 S C II W Ii C 11 A T ER B R A U H,Hammer*Purgstall-Gasse 3 (nächst Salztoibiücke) ® hl K-4H- <, ummmm THEODQR-HERZL-SAAL ScUäMv Saal WIEN I, WERDERTORGASSE h'/r Veranstaltungen, Vorträge, Festlichkeiten, Hochzeiten etc. zu vermieten. Auskünfte nur felephonisch v. 9 bis 3 Uhr, Tel. A-48-1-89 u. B-20-2-78 Empfehlenswerte Firmen Restaurants, Cafes etc. Holel-Ilestaiirant „Stephanie", IL, Tahorstraße 12. Vorzügliche Wiener Küche. Speisen am Rost. 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Wochen-Kalender Dezember 1934 roö . . n'inn Tebeth 5695 Freitag 7 .........1 "™ Sabbateingang 4.0O Samstag 8 2 Sabbatausgang 5 00 Sonntag 9 3 Montag To 4 Dienstag 11 5 Mittwoch 12 6 Donnerstag 13 ' 7 ' Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. - IX« Univeraitätsatraße Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann, beide Wleo,

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