Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 416 (23.11.1934)
- Date
- 1934-11-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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%Sfeite 8 DIE NEUE WELT Nr. 416 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 2, Iii Samstag XL, Zenitaltriedhof, neb. d. 7. Tor. \\\ geschlossen $i* ,Besd$au" im {ädisckeu ZUeaiet Von Efraim Koganowslci (Warschau) Der Schadehen bestimmte Zeit und Ort, wann und wo die beiden einander begegnen sollten. Man einigte sich auf ein Zusammentreffen im jüdischen Theater. Beide Parteien nahmen karten zur Vorstellung. So wollte es -der Schadehen, Davidel, der Damenschneider, und seine Frau: „Dort werden wir den jungen Mann nehmen und man wird sich kennenlernen." Der junge Mann, der Bräutigam, kam mit seinem jüngeren Bruder, mit seinen zwei Freunden, die ebenfalls von der Lederbranche waren, und das junge Mädchen, die Braut, nahm die Mutter, die Schwägerin und die zwei Brüder mit. Jüdisches Theater hatte sie alle gern. Man hat es mit besonderer Wärme gern, so wie einfache, naive Menschen einfache jüdische Sachen bevorzugen, wie man Fladen, Kugel und andere jüdische Feiertagsspeisen liebhat. Man kam spät, der Braut Angehörige kamen noch später, aber deswegen kam man nicht zu spät. Ins jüdische Theater zu spät kommen, ist überaus schwer, weil's, wenn man noch so spät kommt, noch immer nicht angefangen hat. Als Erster kam der Damenschneider mit seiner Frau. Sobald sie sich mit Karten versorgt hatten, gingen sie rings um das Theater und im Foyer spazieren, wo bereits die ersten Besucher erschienen waren und sich geräuschvoll anstießen. Bei der Tür brach jeden Augenblick ein Skandal wegen der Gäste aus, die ohne Karte ins Theater gelangen wollten, oder man fing irgend einen Einschleicher ab oder man schlug sich einfach um nichts und wieder nichts . . . Plötzlich vernahm man ein langgezogenes Klingeln und die .Menge ging daran, sich in den Saal hineinzuschieben. Es war aber immerhin noch genug Zeit, denn der Saal war fast noch halb dunkel und ein kalter Luftzug von allen Ecken zu verspüren. Ein Stück stand heute auf dem Repertoire, ein „moralisches" Stück, ein schwermütiges, das von einem amerikanischen Schauspielerpaar hiehergebracht worden war, und deswegen war auch das Publikum gekommen, und wie sonst waren auch diesmal junge Brautleute und junge Eheepaare da, Provinzkaufleute und alte Mütter, die von ihren Kindern zu einer „Unterhaltung" ausgeführt wurden. Unser Schadehen, der Damenschneider, hatte bereits seinen Aerger mit seinen Klienten, die hier ihre „Beschau" erledigen sollten, und sagte zu seiner Frau: „Man sieht etwas nicht . . . unsere jungen Brautleute ... Sie sollen mich da nur nicht zum Narren halten."" * ' Aber im. selben Augenblick erkannte er von der Ferne, daß der Brautjüngling mit seinem jüngeren Bruder und seinen 'zwei Freunden aus der Lederbranche erschienen war. Man begrüßte einander von der Ferne und die soeben angekommene Gesellschaft begab sich in die Garderobe. Als die vier jungen Leute bereits abgelegt hatten und im Begriffe waren, ihre Mäntel abzugeben, vernahm man das zweite Glockenzeichen und das Publikum begann sich zu beeilen. Darum stieß wie von ungefähr des Bräutigams eigener Bruder an die Schulter eines jungen Mannes, der ihm immerfort im Wege stand. Dieser, der Gestoßene, blickte mit bösen Augen um sich und schrie hervor: „Seht mal an! Stoßen Sie nicht herum! Fahren Sie ab!" Worauf ihm des Bräutigams Bruder, der auch keiner von gestern war, mit der richtigen Portion antwortete.' Beide maßen einander mit feurigen Blicken und der eine, der fremde junge Mann, gab von hinten dem Bruder des Heiratskandidaten solch einen Stoß, daß dieser gegen ein Mädchen fiel, welches neben ihm stand. Das Mädchen wäre fast umgefallen. . In Gesellschaft des Mädchens befand sich eine ältere Frau mütterlichen Aussehens. Sie griff nach der Tochter und fiel den jungen Mann mit vorwurfsvollem Ton an: „Sagen Sie, Sie gemeiner Bursch! Es paßt Ihnen gar nicht, wie ein Mensch ruhig dazustehen?" Auch das Mädchen wandte sich gegen den jungen Mann, der ihr auf die Füße, bzw. auf die neuen engen Schuhe getreten war, und schrie ihn an: „Sie gemeiner Flegel!" Der Bruder des Heiratskandidaten bekam vor Wut eine weiße Nase, ging jenen an, der ihm einen Stoß versetzt hatte, und gab ihm einen Hieb über den Kopf — worauf dieser ohne viel Ueberlegung seinem Angreifer einr. wuchtige Ohrfeige versetzte. Da stUrzten sich das Mädchen und dessen Mutter mit noch irgend einer Frauensperson auf den jungen Mann und begannen ihn abzuohrfeigen und sein Gesicht zu bearbeiten. Der Heiratskandidat und seine zwei Freunde von der Lederbranche nahmen sich des Bruders an. Es entstand ein Menschenknäuel. Das Mädchen warf man hinaus, daß ihm fast die Kleider platzten und man die roten Strumpfbänder sehen konnte. Der Mutter riß man den Scheitel vom Kopf herunter, und Hände und Füße drehten sich wie die Schaufeln eines Mühlrades. Die Ohrfeigen sausten und die Hüte flogen wie die Fledermäuse. Im Foyer läuft alles toll durcheinander. Im Saal beginnt bereits der erste Akt, die Musik klappert und die lustigdünne Stimme, des Stubenmädchens, der Soubrette, singt davon, daß sie einen Mann will, „mag er sein ein alter, mag er sein ein kalter, wenn doch nur ein Mann ..." Der Polizist, der für die Ordnung im Saal zu sorgen hat, stand, wie gewöhnlich, ruhig da und hörte sich die Dinge an. Alle sprachen durcheinander. Die jungen Leute mit den aufgebundenen Krawatten, mit den zerstörten Frisuren, mit den zerkratzten Gesichtern, und die Frauen ihrerseits ließen ihren Tratsch los und erfüllten mit ihren Lamentationen das ganze Theatergebäude. Der Polizist zog ein Büchelchen hervor und schrieb ein Protokoll. * Der Schadehen, der Damenschneider Reb Dovidel, konnte kaum den Zwischenakt erwarten, um den Bräutigam aufzusuchen. Er traf ihn mit einem zerbeulten Gesicht und zerknitterter Krawatte an. „Was ist geschehen? Was war los?" „Wir haben uns gerauft . . .", sagte er mit spöttischem Lächeln und richtete den schiefen Kragen zurecht. Die zwei Freunde und der Bruder waren ebenfalls ein wenig zerschlagen, standen mit geröteten Hälsen da und lächelten spöttisch. „Wir haben da eben mit einer ganzen Bande gerauft, mit irgend einem jungen Burschen, mit Weibern, mit einem Mädel . . ." Dovidel war außer sich: „Was, was . . . Bringt euch in Ordnung, rasch — in Ordnung, ich muß Sie doch dem Fräulein vorstellen gehen. Sie muß hier sein, mit ihrer Mutter . . ." „Mit ihrer Mutter?" „Ja . . . und mit einem Schwager! . . ." „Mit einem Schwager?" „Dort sitzt sie", sagte der Damenschneider und wies auf das geprügelte Mädchen hin, das auf sie mit einem Paar brennend glotzenden Augen herblickte. Sie war rot, redete etwas zu ihrer Mutter, bei der der Scheitel sich verschoben hatte. Der Schadehen und seine Frau standen mit offenem Munde und aufgerissenen Augen da, während die „moralische" Schauspielen auf der Bühne ein fürchterliches Gewein und ein „moralisches" Geschrei von sich gab, jämmerlich bittend, man möge ihr die Kinder wiedergeben . . . Reb Dovidel, der Damenschneider, hatte kein Glück mit seinem Arrangement. Wie es überhaupt gefährlich ist, sich ins jüdische Theater zu einer „Beschau" zu begeben . . . 9iJjcttmntifd)c öcfcfjto er freit Belämpft man rafdj unb fitfjer mit Sogcü. SBeit über 6000 Siebte be* [tätigen föriftltdj bie heroorragenbe SBirffamfett von Xogal. Slucfj bei Grfältungsfrantyeiten baben ftd) Sogaltoblettcn -fett 20 ^afiren foltens beroäfjri. ein SBerfud) überfleugt! Xogal erfjalten Sie in jeber Slpotbefe. E Israelitische Jugendgottesdienste. 1. JugendgottesdienstfürVolks-, Haupt- und Mittelschüler (Schülerinnen). Samstag, den 24. November d. J., um 3 Uhr nachmittags in allen Gemeinde- und Vereins-Synagogen. 2. Besondere Jugendgottesdienste für Mitte Ischüler und -Schülerinnen der Unterklassen im II., IX. und XX. Bezirke. Samstag, den 24. November d. J., um viertel 5 Uhr nachmittags im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgasse 5, und in den Vereins-Synagogen, IX., Müllnergasse 21, und XX., Kluckygasse 11. . Konkursaussdireibung Im Spital der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, XVIII. , Währinger Gürtel 97, gelangt an der medizinischen Abteilung eine Sekundararztensstelle zur Besetzung. Zur Anstellung sind erforderlich: die ös terreichische Bundesbürgerschaft, lediger Stand, die Berechtigung zur Ausübung der Heilkunde im österreichischen Bundesstaat, die körperliche Eignung (nachgewiesen durch ein von einem Primararzt des eigenen Spitals ausgestelltes Zeugnis) und ein Alter von unter 35 Jahren. Mit der Stelle ist nebst dem fixierten Barbezug die Benützung einer möblierten Naturalwohnung samt Beleuchtung, Beheizung und Bedienung, sowie die volle Verköstigung verbunden. Für die letztere werden die Eigenkosten von den Monatsbezügen in Abzug gebracht, wobei der Abzug ein Viertel der Bezüge nicht überschreitet. Mit den Personaldokumenten / (Geburtsschein, Heimatsschein, Diplom, Nachweis der Zugehörigkeit zum Judentum, Zeugnisse über die bisherige fachliche Verwendung) belegte Gesuche sind an den Vorstand der isra#l. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4 (Amtsdirektion) bis längstens 3 1. Dezember 193 4, 12 Uhr mittags, zu überreichen. Predigten in den «emelnde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 23. November 1934, werden bei den um 4 Uhr 5 Minuten beginnenden Abendgottesdiensten in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: IL, Tempelgasse 5 (Oberrabbiner Dr. I. Taglicht); III., Untere Viaduktgasse 13 (Rabbiner Dr. K. Kupfer); V., Siebenbrunnengasse 1 a (Rabbiner Dr. M. G. Mehrer); VI., Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. Drobinsky); VIII., Neudeggergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer); IX., Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); X., Humboldtgasse 27 (Rabbiner Dr. A. Weiner); XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach); XIX. , Dollinergasse 3 (Rabbiner Dr. A. Frankfurter); XX. , Kluckygasse 11 (Rabbiner Dr. B. Murmelstein). — Samstag, den 24. November 1934, Schrifterklärungen: beim Vormittagsgottesdienste: XX., Kluckygasse 11 (Rabbiner Dr. B. Murmelstein); XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann); beim Abendgottesdienste: XIII., Eitelbergcrgasse 22 (Rabbiner Dr. M. 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