Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 410 (2.11.1934)
- Date
- 1934-11-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 410 Der schwarze Hitlei^Jünger von New York Von A. Almi (New York). Es ist uns beschert worden, daß "im Krieg gegen die Juden keine Rasse und keine Nationalität fehlt. Jetzt sind nämlich noch die Neger von New York hinzugekommen, die am tiefsten Geschlagenen und Getretenen der Y/elt, Kinder verkaufter Sklaven, und auch jetzt noch jedes menschlichen Rechtes beraubt, wenn sie auch offiziell alle Bürgerrechte besitzen. Neger als Antisemiten, das ist wirklich etwas Neues. Aber es ist eine Tatsache. Haarlena, das schwarze Haarlem, das Viertel, wo die Mehrzahl der Neger New Yorks wohnt, ist von Antisemitismus erfüllt, von hitleristischen antijüdischen Parolen und von Boykotthetze gegen jüdische Geschäfte. Vor fünfzehn Jahren noch war Haarlem — weiß. Nicht weiß an sich, sondern jüdisch-weiß. Allmählich sind hier die Neger eingedrungen, und wo die Gegend schwarz wird, ist für Weiß kein Platz mehr. Die Weißen ziehen sich zurück — die Juden von Haarlem zogen in andere Gegenden. Aber das sch-varze Haarlem, das heute wie ein Stück Afrika aussieh', ist nicht das weiße Haarlem von einst. Einst war es gepilegt, rein, schön und reich. Jetzt herrscht dort ekelhafte Armut, traurige Not. Die Häuserwände bröckeln ab. die Fensterscheiben sind schmutzig, dahinter wohnen mehrere Familien in einem kleinen Raum, Wracks von Menschen füllen die Gassen. Prostitution lauert überall und überfällt den Bummler. Unter dem Eindruck des Elends begannen einige humanitäre Vereine eine Bewegung zu organisieren, dahinzielend, daß man in den Läden und Kaufhäusern und offenen Buden, die von Weißen geleitet werden, schwarze Angestellte beschäftige. Tatsächlich sind in den Geschäften der Weißen alle Angestellten ebenfalls Weiße, während Neger nur zu den niedrigsten Arbeiten verwendet werden. Wie man sieht, entstand hier eine Frage, die Weiße und Schwarze betraf, wobei die weißen Geschäftsleute erklärten, daß von einer Neueinstellung — ob weiß oder schwarz — keine Rede sein könne, da die Geschäfte schlecht gingen. Da es nicht im Guten ging, glaubten die Neger durch Terror die jüdischen Kaufleute .zur Aufnahme schwarzer Angestellter zwingen zu können. Sie begnügten sich nicht damit, vor den jüdischen Läden Wachtposten aufzustellen, die Plakate trugen, auf denen die schwarze Bevölkerung aufgefordert wird, in diesen Geschäften keine Einkäufe zu machen. Sie begannen auch, die Fensterscheiben einzuschlagen und die Eigentümer mit dem Tode zu bedrohen. Plötzlich tauchte ein geheimnisvoller Neger mit dem Namen Abdul Hamid auf, der sich zum „schwarzen Hitler" ernannte. Da' eine; wenn auch nicht große Zahl von Geschäften in Haarlem in jüdischen Händen ist, begann er eine antisemitische Hetze nach dem Muster der Hakenkreuzler in Deutschland. Jeden Abend hält er Massenversammlungen unter freiem Himmel ab, bei denen er die bekannten Verleumdungen der antijüdischen Hetzer in öfB Menge wirft. Außerdem läßt er auch Flugblätter verbreiten, in denen zur Boykottierung der Juden aufgefordert wird. Der Mann, der den Namen des gewesenen türkischen Sultans Abdul Hamid trägt, ist ein aus Afrika eingewanderter Mohammedaner. Er rühmt sich, an den arabischen Exzessen gegen die Juden im August 1929 in Palästina beteiligt gewesen zu sein. In New York behauptet man, er sei eine dunkle Persönlichkeit, nicht allein in bezug auf seine Hautfarbe, sondern auch auf seinen Charakter und seinen Lebenswandel. Er war Kunstschütze, Kartenaufschläger, Inhaber eines eigenen Lottos, mit dem er seine Rassegenossen, die Neger, tüchtig hereinlegte — und jetzt macht er in Antisemitismus. Er trug den brutalsten Haß in das Viertel von Haärlem und die jüdischen: Geschäftsleute dieser Negerstadt' stehen jetzt vor der Gefahr, Leben und Eigentum zu verlieren. Kürzlich wendeten sich die jüdischen Händler von Haarlem an den Bürgermeister von New York: und an die New Yorker Staatsanwaltschaft mit der Bitte, der schwarzen Antisemitenhetze Einhalt zu gebieten. Der Staatsanwalt nahm Abdul Hamid vor, dieser aber setzte seine gemeine Propaganda unter dem Schutz der amerikanischen Konstitution fort, die allen Bürgern die Freiheit des Wortes garantiert. Das einzige Abwehrmittel, das die jüdische Bevölkerung gegen den schwarzen Antisemitismus besitzt, ist — der Gegenboykott. Man darf nicht vergessen, daß in New York zehntausende Neger bei Juden als Chauffeure, Fabriksarbeiter, Wächter, Aufseher u. a. beschäftigt sind. Man glaubt, daß, wenn die Neger die Konsequenzen ihres Antisemitismus werden zu fühlen bekommen, sie dem „schwarzen Hitler" die Gefolgschaft kündigen und ihn aus Haärlem' vertreiben werden. Die Negerpresse warnt auch tatsächlich die Neger, sich von den Hetzern verführen zu lassen, da die Schwarzen bei der Affäre mehr leiden würden als die Wochen-Kalender November 1934 wn n'am Cheschwan 5695 2 Freitag 24 Sabbateingang 4.40 3 Samstag 25 Sabbatausgang 5.40 nviao in i?om tmtaen -mv "n 4 Sonntag 26 5 Montag 27 6 . Dienstag 28 7 Mittwoch 29 8 Donnerstag 1 l'?D3 «nn VK1 Juden. Außerdem weist diese Presse darauf hin, daß die Juden, die selbst Verfolgte sind, stets die besten Freunde und Verteidiger der Neger waren — eine bekannte Tatsache. Den Juden in den SUdstaaten passiert es oft, daß sie wegen ihrer Negerfreundlichkeit zu leiden haben, insbesondere in jenen Teilen, wo die Neger wie die Tiere behandelt werden. Auch in den Oststaaten, wo die Neger etwas menschlicher behandelt werden (sie dürfen mit Weißen in einem Abteil fahren!), besitzt der Schwarze keine Freizügigkeit. In New York wird bekanntlich einem Neger in einem weißen Restaurant nicht serviert; er muß ein Negerlokal aufsuchen. Oft ist es vorgekommen, daß ein Jude ein Lokal aus Protest verlassen hat, wenn .Mn Neger oder ein Mischblut brüsk abgewiesen wurde. Eingeweihte Kreise behaupten darum, daß Abdul Hamid, der schwarze Mohammedaner, ein bezahlter Nazi-Agent ist, einer der vielen, die in Amerika die antisemitischen Stimmungen zu fördern haben. Eine diesbezügliche Untersuchung ist im Gange. Inzwischen setzt aber der Haarlemer Hitler seine Hetze unter der Parole „Haarlem den Negern" fort, ja er behauptet sogar, er werde in kurzem Haarlem von allen Weißen, insbesondere von allen Juden, befreien. Schwarzer und weißer Dank an Juden Nachbemerkung der Redaktion. Vor zwei Jahren ist in New York ein Mann gestorben, den man „Vater derNeger" nannte, der bekannte jüdische Philanthrop Julius Rosenwal d. Während die ganze amerikanische Finanzaristokratie die Exsitenz der ..Schwarzen" völlig ignorierte, wendete Rosenwald viele Millionen Dollar auf, um den geächteten Negern Universitäten, Spitäler, Schulen, Altersheime usw. zu erbauen. Der großzügige Spender Rosenwald hatte für das jüdische Palästina nichts übrig, das schwarze Hartem überhäufte er mit Wohltaten. Jetzt, nach dem Tode Rosenwalds, tönt in „seinem" Hartem der Ruf „Nieder mit den Juden". Eine ähnliche Erfahrung, wie sie in Deutschland zu verzeichnen war. Rosenwald schenkte den deutschen Universitäten ungeheure Beträge für notleidende Studenten. Die Herren Studenten nahmen das Judengeld bereitwilligst an und wurden Hakenkreuzler. Weißer und schwarzer Dank . . . Warum leiden Zehntausende jetzt an Erkältungskrankheiten? Weil sie die Anschaffung des notwendigen Wintermantels aufschieben und auch noch keine warme Winterwäsche tragen. Nachlässigkeit oder Geldmangel . . . beides ist keine Entschuldigung . . . 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Taubes); XIII., Eitelbergergasae 22 (Rabbiner Dr. M. Lewin); XV., Turnergasse 22 (Dozent Dr. H. J. Zimmels); XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz); XIX., Dollinergasse 3 (Rabbiner Dr. A. Frankfurter); XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann). Samstag, den 3. November 1934, Schrifterklärungen: beim Vormittagsgottesdienste: XX., Kluckygasse 11 (Rabbiner Dr. B. Murmelstein); beim Abendgottesdienste: XIII., Eitelbergergasse 22 (Rabbiner Dr. M. Lewin). Chorsängerstellen. Bei der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gelangen Chorsängerstellen in den Gemeindetempeln für Ersten Tenor und Zweiten Baß zur Besetzung. In Betracht kommen nur musikalische Bewerber mit vorzüglichen Stimmitteln (Blattleser), die das 35. Lebensjahr nicht überschritten haben, einen sittlich-religiösen Lebenswandel nachweisen können und die österreichische Bundesbürgerschaft besitzen. Nähere Auskünfte erteilt die Amtsdirektion der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock. Israelitische Jugendgottesdienste. 1. Jugendgottesdienst für Volks-, Haupt- und Mittelschüler (Schülerinnen): Samstag, den 3. November d. J., um 3 Uhr nachm. in allen Gemeinde- und Vereinssynagogen. — 2. Besondere Jugendgottesdienste für Mittelschüler und -Schülerinnen der Unterklassen im IL und IX. Bezirke: Samstag, den 3. November d. J., um X5 Uhr nachmittags, im Leopoldstädter Tempel, IL, Tempelgasse Nr. 5, und in der Vereinssynagoge, IX., Müllnergasse 21. —cafe national— 2, taborstraße 18 bridge u. rummy . jause 130 einschl. kartenseid und bäckerei sep. Spielräume Spielleitung fr. alice kreindler REINLEINEN - Quaitätswaren spoftftbSiflig! Taschentücher, Damen p. Utz. Tascnentücher, Herten p. Utz. »1.— Geschirrtücher . . . . p. Dtz. 7.80 Handtücher ..... . p.Mir. -M Damast-Tischtuch ... . 4.f-o Reinleinen lür Bettwüsche . . . . p. 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