Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 385 (27.7.1934)
- Date
- 1934-07-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr.t3S5 AUS PALÄSTINA Verkehrspoliti'§die Maßnahmen \ der Regierung In unserer Ausgabe vom 20. Juli wurde auf die Tendenz der Regierungspolitik hingewiesen, mit mehr oder weniger künstlichen Mitteln den Hafenverkehr von Jaffa abzulenken und ihn in immer stärkerem Maße über Haifa zu leiten. Die Jaffaer Hafenarbeiter sahen sich im Verlaufe der letzten Woche genötigt, gegen eine Maßnahme der Regierung in schärfster Weise zu protestieren, die den Jaffaer Hafenverkehr abzudrosseln bestimmt ist und darin besteht, daß das Immigration Department eine Bestimmung erläßt, nach der es Einwanderern in Zukunft nicht mehr erlaubt ist, in Jaffa zu landen. Die Jaffaer Hafenarbeiter, denen durch diese Bestimmung ein guter Teil ihres Verdienstes und Lebensunterhaltes genommen wird, haben dem Hafendirektor von Jaffa gegenüber erklärt, daß sie eine derartige Maßnahme mit dem Streik beantworten werden. Sie haben zunächst dem High Commissioner ein Memorandum in der Angelegenheit unterbreitet. Die in Jaffa ansässigen Schifffahrtsgesellschaften haben ebenfalls gegen diese Maßnahme protestiert. Wie „Falastln" meldet, stellt sich die Regierung auf dem Standpunkt, daß der Jaffaer Hafen für den Orangenexport da ist, und daß der Haifaer Hafen der palästinensische Hafen werden soll. Wir kennzeichneten in unserem Blatt die Haltung der Regierung bereits dahin, daß diese darauf hinausläuft, dem Lebenszentrum des Landes verkehrspolitisch Von der Industrie In N a t a n i a wurde eine Eisfabrik eröffnet, die von einem Siedler begründet wurde und Natania wie die anderen Kolonien der nördlichen Saronebene und die Stadt Tulkarem mit Eis versorgen soll. * Die Textilfärberei „Keshet Ltd." (Ramat-Gan) ist vor allem mit der Färberei von Trikotstoffen, Seide und Kunstseide beschäftigt. Der Geschäftsgang entwickelt sich zufriedenstellend, die Firma arbeitet auch für Rechnung syrischer Firmen. Baumwollstoffe werden zur Zeit meist noch in gefärbtem und bedrucktem Zustand eingeführt. Mit der stärkeren Entwicklung der Webereiindustrie Palästinas würden sich die Beschäftigungsmöglichkeiten des Unternehmens bedeutend erweitern. * In Kirjat Arje auf der Strecke Tel-Awiw— Petach-Tikwa ist seitens eines deutschen Juden die Errichtung einer Feilenfabrik beabsichtigt, die den Bedarf Palästinas und der Nachbarländer des Nahen und Mittleren Ostens an Feilen aller Art decken soll. Für die Fabrik ist ein Gelände von über 1 Dünam erworben. Neue Privatbank in Tei'Aviv Unter der Firma „Nurok & Idelsack, Ltd." wurde kürzlich in Tel-Awiw ein neues Bankgeschäft gegründet, das seine Tätigkeit alsbald aufnehmen wird. Das nominelle Kapital der Gesellschaft beträgt LP 25.000, von denen LP 10.005 eingezahlt sind. Die Bankfirma Nurok & Idelsack, Ltd. wird das seit neun Jahren in Tel-Awiw bestehende Nachrichten- und Hausverwaltungsbüro von S. Nurok und A. Idelsack übernehmen. Das Büro beschäftigte sich im Verlaufe dieser neun Jahre mit Hausverwaltungen und hatte zuletzt die Verwaltung von über 100 Häusern in Tel-Awiw und Jerusalem inne, deren Besitzer sich teils im Auslande oder im Inland befinden. Das Büro, das auch Vorschüsse an Hausbesitzer auf Rechnung der Mieten vergab, baute In Tel-Awiw und Jerusalem eine Anzahl von Häusern. Die neue Firma wird alle Bankgeschäfte erledigen und sich insbesondere weiter mit Hausverwaltungen und Mietbevorschussungen befassen. Die Entwicklung der neuen Zi'trusernte Anfang Mai wurde in dem Erntestandsbericht des Directors of Agriculture and Forests die Zitrusernte 1934/35 auf etwa 6V2 Milionen Kisten — also ungefähr so groß wie diejenige des letzten Jahres — geschätzt. Nach dem 3tande von Ende Mai wurden die Ernteaussichten in den alten Pardessim nur als „fair", in den jungen aber als besser charakterisiert. Der Fruchtabfall im Mai war nur geringfügig. Der Julibericht des Landwirtschaftsdepartements erwähnt den fortgesetzten Fruchtabfall besonders im Norden des Landes infolge von Chamsinwinden, bezeichnet im übrigen aber die Auasichten als unverändert. Die Ernteaussichten sind zunächst dadurch herabgemindert worden, daß infolge heißer Winde Anfang 'April ein großer Prozentsatz von Blüten abgefallen ist. Inzwischen wird besonders aus Jehuda berichtet, daß der Fruchtabfall ununterbrochen andauere, was nach Feststellungen der landwirtschaftlichen Versuchsstation auf Schädlinge zurückzuführen ist. Infolge dieser ungünstigen Umstände kann trotz der Vergrößerung der fruchttragenden Fläche in der nächsten Saison kaum miteinergrößerenErnte als im letzten Jahre gerechnet werden. Die Grapefruitaussichten sind günstiger als diejenigen der Orangenernte. die Luft abzuschnüren und den Verkehr in unrationelle Bahnen zu lenken. Wenn die Regierung nicht den Eindruck erwecken will, daß sie die vitalen VcrkehrslnteressciulesLandosGeslchtspunkten unterordnet, die außerhalb des Landes liegen, so tut sie gut daran, mit derBevorzugunpHaifasiiiid der Vernachlässigung Jaffas den Bogen nicht zu überspannen. Ein Blick in die Hafenstatistik dürfte die Regierung jedenfalls belehren, daß Jaffa nicht nur der Hauptorangenexporthafen des Landes ist, sondern als Einfuhrhafen und im Personenverkehr eine vielfach stärkere Bedeutung hat. Die Stellung Jaffas als natürlicher Hafen Palästinas und die Notwendigkeit, das Jaffaer Hafenproblem ernsthaft in Angriff zu nehmen, dürfte sich durch Dekrete auf die Dauer nicht aus der Welt schaffen lassen. Die Regierung soll sich auch, wie berichtet wird, mit der Absicht tragen, den Jaffaer Hafen während der Monate November- April für den Zitrusexportzu reservieren und für den übrigen Verkehr zu sperren, da die kleineren Ausbauarbeiten Störungen im Hafenbetrieb erwarten lassen. Die Regierung sollte mit allen Mitteln darauf hinwirken, daß die Arbeiten im Hafengebiet den Verkehr im Hafen nicht ernstlich behindern, statt sich damit abzufinden, dem Wirtschaftsbezirk Jaffa-Tel-Awiw in den Wintermonaten den Hafen abzusperren. Ausbau des Haiafer Tedinikums Die dm Rahmen der 60.000 Pfund betragenden Gesamtsubvention der Palästina-Regierung für technische Ausbildung in Palästina dem Haifaer Technikum gewährte Beihilfe von 10.000 Pfund wird u. a. zum Ausbau von Lehrwerkstätten für angewandte Mechanik und Elektrotechnik, sowie zur Verbesserung der Forschungsmöglichkeiten verwendet werden. Es sollen auch neue Vertragssäle und Werkstätten gebaut werden. In den Lehrkörper des Technikums sind eine Reihe neuer Lehrkräfte aus Deutschland eingetreten, uniter ihnen der hervorragende Eisenbeton-Fachmann und ehemalige Leiter des Breslauer technologischen Instituts Dr. Ing. Heinrich Markus, der Dozent für Eisenbetonbau sein wird, ferner Ing. J. Haber-Schaim, F. Naftali, Dr. Max Kur rein und Dr. Edwin Schabrin. Am Technikum wurde ein Kurs für Handhabung und Ueberwachung landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte eingerichtet. Ferner wurden besondere technische Klassen für jüdische Einwanderer aus Deutschland geschaffen. Die Hörer legen im allgemeinen große Eignung für ihren neuen Beruf an den Tag, so daß erwartet wird, daß sie wertvolle Arbeitskräfte für die in letzter Zeit so sehr gesteigerten Erfordernisse der Bauarbeit stellen werden. Em tedinolocgisdies Institut in TelaAwiw Zu Beginn des Schuljahres 1934/35 wird in Tel- Awiw ein Technologisches Institut, das eine Abteilung für mechanische und eine für chemische Technologie umfassen wird, eröffnet werden. Als Fachlehrer werden Professoren aus Deutschland und anderen europäischen Ländern an dem Institut wirken. Für die Aufnahme in das Institut ist der Nachweis des Abiturs an einer höheren Lehranstalt erforderlich. Nach Absolvierung des vierjährigen Lehrganges und Ablegung der Schloißprüfung sollen den Hörern Ingenieurdiplome ausgefolgt werden, Petadi Tikwah — eine Stadt 1 Es verlautet, daß in Regierungskrelsen gegenwärtig der Plan erwogen wird, die jüdische Kolonie Petach Tikwah zur Stadt zu erheben. Petach Tikvvah, das 1878 gegründet wurde, bildet mit seinen 16.000 Einwohnern und seinem Jahresbudget von 25.000 Pfund eine für palästinensische Verhältnisse bedeutsame Siedlung. Sein Jahresetat rangiert als der fünfgrößte (nach Tel-Awiw, Jerusalem, Jaffa und Haifa). Petach Tikwah würde nach Tel-Awiw die zweite rein jüdische Stadt in Palästina sein. Das deutsch-palästinensische Transferabkommen. Nach dem Bericht der Haavara Ltd., die die Abwicklung des deutsch - palästinensischen Warentransferabkommens auf palästinensischer Seite besorgt, betrugen bis 1. Juli 1934 die Gesamteinzahlungen auf Sonderkonto I 4,93 Mill. RM., auf Sonderkonto II 1,61 Mill. RM. Die Summe der Transfermeldungen in der Zeit vom Abschluß des ersten Abkommens im Herbst 1933 bis zum 17. Juni belief sich auf 3,13 Mill. RM. Außerdem wurden 1,05 Mill. RM. zum Transfer über die drei hierbei zugelassenen Pflanzungsgesellschaften Hanotea, Jaffa Plantations Ltd. und Nir angemeldet, wodurch sich die Gesamtsumme der Transfermeldungen nach Abzug kleiner Stornierungen auf 4,13 Mill. RM. erhöht. Shertok beim Kolonienminister. Mosche Shertok, neben Ben Gurion Leiter des politischen Departements der Palästina-Exekutive, ist in London eingetroffen. Shertok hatte bereits eine Unterredung mit dem Kolonienminister Sir Philipp Cunliffe-Lister, in der insbesondere Fragen der jüdischen Einwanderung nach Palästina erörtert wurden. Aul dem Wege zur Unabhängigkeit Transjordamens Das Colonial Office veröffentlicht soeben Ergänzungen und Abänderungen des Vertrages mit Transjordanien, die am 2. Juni in Jerusalem unterzeichnet wurden. Auf Grund der neuen Bestimmungen wird in Transjordanien ein englischer Geschäftsträger eingesetzt, durch dessen und des High Commissioner Vermittlung die Regierung Transjordaniens mit allen Mächten in Verbindung treten kann. Das Abkommen sieht ferner vor, daß Transjordanien eigene Konsuln in den benachbarten arabischen Staaten, wo nur das Bedürfnis hiefür besteht, haben soll. Gleichzeitig verpflichtet sich Emir Abdullah, daß Transjordanien künftighin die normalen Ausgaben der Zivilregierung und -Verwaltung selbst tragen wird. Die Frage des Parlaments für Palästina Die J. T. A. meldet aus Jeruslem: Die in letzter Zeit immer wiederkehrenden Gerüchte über die bevorstehende Errnchtung eines Legislative Council (Gesetzgebender Rat) in Palästina lm!:?n 1:1 der Mitteilung einer Jerusalenier Zeitung festere Form angenommen. In dieser Veröffentlichung wird ein angeblicher Plan über die Einsetzung der gesetzgebenden Körperschaft dargelegt, den der HighComraissioner bei seinem jetzigen Aufenthalt in England — Sir Arthur Wauchope ist am 21. Juli abends in England eingetroffen — mit dem Minister für die Kolonien Sir Philipp Cunliffe-Lister und anderen ständigen Beamten des Colonial Office erörtern will. Im September soll dann eine offizielle Verlautbarung der Palästina-Regierung über den Legislative Council erfolgen. Wio die Zeitung weiter zu melden weiß, soll sich der Rat aus 20 Mitgliedern zusammensetzen. Den Vorsitz wird der High Commissioner führen. 8 Sitze sollen den Mohammedanern, 4 bis 6 den Juden, 2 den Christen und 4 den englischen Leitern der Regicrungsdcpartements eingeräumt werden. Sämtliche Mitglieder des Rates werden ernannt, nicht gewählt werden. Die Funktion der Körperschaft soll eine rein beratende, keineswegs gesetzgebende sein. Bekanntlich setzt die jüdische Bevölkerung der Errichtung eines Legislative Council energischen Widerstand entgegen, während sie von gewissen arabischen Kreisen als erster Schritt zur Selbstregierung und zu einem „freien arabischen Palästina" hingenommen wird. Eine unabhängige Misrachi-Organisation In Palästina wurde unter dem Namen „Haraisr a c h i h af W a t i k" eine unabhängige Misrachi-Organisation gegründet. Die Initiatoren dieser Neugründung, Prof. Chaim Pick, Rabbi Dow Hacohen K o 0 k, Rabbi Simeon Winograd, Rabbi S. Assaf, Rabbi J. Bermani Prof. Hermann Struck, Dr. J. Wolfsberg, Dr. Ebert und Rabbi M. Ostrowoski, haben ein Manifest veröffentlicht, in dem sie auf die in Palästina und in den übrigen Ländern wachsende Unzufriedenheit mit der Haltung der Exekutive des Misrachi-Weltverbandes sowie darauf hinweisen, daß diese Unzufriedenheit zueiner Absonderung des deutschen Misrachi-Verbandes als unabhängige Organisation geführt hat. Die Unterzeichner erklären, sie seien zu ihrem Schritt aus dem Bedürfnis heraus genötigt worden, die Grundsätze des Misrachi rein zu erhalten. Sie seien gegen den geplanten Bruch mit dem Waad Leumi, „der nichts anderes bedeuten würde als das endgültige Ausscheiden aus der organisierten palästinensischen Judenheit"; sie versprachen, einen Weg zur Zusammenarbeit aller Elemente der Judenheit in der Knesseth Israel zu finden und seien entschlossen, die nationalen Fonds zu unterstützen, mit der Zionistischen Organisation harmonisch zusamerizuarbeiten und den Hapoel Hamisrachi zu fördern. j Restaurant ROTH a m | H empfiehlt seine reichhaltigen Menüs: g ff Suppe, Braten, Gemüse, Mehlspeise............S 1.30 §| g Suppe, Braten oder V« Huhn, Gemüse, Kompott, Mehlspeise S 1.60 Ü H Kalbs- und Rindsbraten ä la carte.........90 Groschen Ü H 10 dkg. gebratenes Gansi..............60 Groschen § Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. — Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann, beide IX., Universitätsstraße 6—8.