Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 365 (15.5.1934)
- Date
- 1934-05-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis tO Groschen lahrgang « Dienstag/ den tS* Mai 1434 Nr« 36S V* Ii« b» Zeitung vom Verleger versendet «Journal exp&tfe* par Wditeart REVUE BEZUOSBEDINOUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.-, f^nziährlg S16.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.--; Jugoslawien monatlich Dinar M.¬ Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.« Lewa 120.-; Itaifen monatlich Lire 5—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen L jährig Schweizer Francs 4.50 Wien iouvs im, viertelt HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion h. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — ErsdteintDienstag und Freitag jüdische Not fordert offenes Palästina Die jüdischen Massen Polens demonstrieren Aus Warschau wird uns gemeldet: Ganz Polen steht im Zeichen des Protestes gegen die Palästina-Regierung, welche inagesamt 5600 Zertifikate für das laufende Halbjahr bewilligte. Das Palästina-Zentralamt in Polen hielt eine Sitzung ab, die sich zu einer stürmischen Kundgebung für eine erweiterte Immigration gestaltete. Die Redner wiesen tiarauf hin, daß man nicht, wie gewöhnlich, die technischen Fragen der Alijah behandeln wolle, sondern die Stimmung zum Ausdruck bringe, die unter den unsäglich leidenden jüdischen Massen Polens herrsche. Zurzeit befinden sich 17.000 Chaluzira auf Hachschara (landwirtschaftliche Vorbereitung), 3000 haben die Hachschara bereits absolviert, 10.000 qualifizierte Arbeiter, Fachleute, Handwerker, Kleinindustrielle warten auf Zertifikate. Rund 400 Zertifikatansuchen seitens Kapitalisten mit 250 Pfund hat die Palästina-Regierung abschlägig beschieden. Von den vielen tausenden Ansuchen der in Palästina lebenden Juden für ihre Verwandten in Polen hat die Exekutive bloß 700 bestätigt, und auch diese kleine Zahl wird noch lange warten müssen. Ueber 33.000. Alijah-Kandidaten, mit ihren Familien fast 100.000 Seelen, bedrängen jetzt das Palästina-Amt in Polen. Von den bewilligten 5600 Zertifikaten hat die Zionistische Exekutive bereits 1300 als Vorschuß erhalten und konsumiert. Da der größte Teil des Restes für deutsche Juden reserviert ist, wird Polen fast leer ausgehen. Das Plenum des polnischen Palästina-Amtes hat eine Resolution angenommen, in der sich die jüdischen Massen Polens mit dem jüdischen Jischuw Palästinas solidarisch erklären und den schärfsten Kampf gegen die Beschränkung der Einwanderung ankündigen.. Aus Jerusalem: Am 8. und 9. Mai wurden in Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa sowie in allen größeren jüdischen Siedlungen massenhaft besuchte Protestkundgebungen gegen die Maßnahmen der Regierung zur Einschränkung jüdischer Einwanderung und zur Verhinderung des Schutzes jüdischier Arbeit abgehalten. Der Stadtrat von Tel-Awiw hat in einer am 10. Mai abgehaltenen außerordentlichen Sitzung eine Protestresolution gegen diese Maßnahmen gefaßt. Misrachi-Weltverband und HapoeMHamisrachi haben Protestaufrufe erlassen. In Anwendung des neuen Gesetzes gegen Streikpostenstehen zum Schutze jüdischer Arbeit wurden bereits in Kfar Saba zwei jüdische Arbeiter zu je einem Monat Zwangsarbeit verurteilt. Der Landwirtschaftsausschuß der Histadrutb Haowdim fordert in einer Resolution auf, von allen auf Einwanderungs-Zertifikate nach Palästina kommenden neuen Einwanderern zu verlangen, daß sie zunächst eine Zeitlang in den Kolonien arbeiten. Dadurch soll die Politik der Regierung, den jüdischen Kolonien arabische Arbeit aufzuzwingen, zum Scheitern gebracht werden. Eingeständnis und Erpressurigsversudi Goebbel's Der reichsdeutsche Propogandaminister Dr. Goebbels sah . sich vor einigen Tagen genötigt, den angekündigten „Feldzug gegen Miesmacher und Kritikaster" mit dem Eingeständnis zu beginnen, daß Deutschland vor dem Augenblick stehe, der Welt seine Zahlungsunfähigkeit bekanntgeben zu müssen. Aber, führte der Minister aus, die Schuld an diesem Zustand liege nicht bei Deutschland, sondern sei die Folge des gegen Deutschland geübten Warenboykotts. Aber Dr. Goebbels blieb bei dieser Feststellung nicht stehen. Er ging zu Drohungen über, zu dem Versuch, die in Deutschland lebenden Juden für den in allen Kulturstaaten bestehenden antideutschen Boykott verantwortlich zu machen, und schloß mit einer Pointe, die nichts anderes als die Androhung eines blutigen Pogroms in Hitler-Deutschland besagt. 1 „Solange die Juden im Ausland", rief Goebbels aus, „Deutschland boykottieren, kann die Judengesetz-; gebung nicht zurückgezogen werden. Die Juden sollen nicht glauben, wenn sie den Boykott so weitertreiben, daß er zu einer ernsteren Bedrohung der deutschen wirtschaftlichen Situation werden sollte, daß sie dann frei ausgehen würden. Die Verzweiflung des deutschen Volkes würde sich dann zuerst an die halten, die im Lande greifbar sind." Noch nie in der politischen Geschichte der Menschheit hat sich ein verantwortlicher Führer solcher Gangstermethoden bedient, wie sie im nationalsozialistischen Deutschland üblich sind. Es ist kaum anzunehmen, daß die zivilisierte Welt die „Revanche", die Goebbels an den Juden für den wirtschaftlichen Zusammenbruch Deutschlands durch das Naziregime nehmen will, eben diesem Deutschland Sympathie eintragen oder etwa den antideutschen Warenboykott mildern wird. Vorläufig bleibe es bei dieser Feststellung. Zum 10* Mah „Judenrepubhk Biro Bidschan Gegen Palästina! — General Rappaport Oberkommandant // Aus Moskau wird gemeldet: Das Zentral- >jvftkutivkomitee der Sowjetunion und der Rat der Volkskommissare der Sowjetunion haben beschlossen, in einem Dekret, das von dem Präsidenten der Sowjetunion Kai in in, von Stalin und Mo tolow unterzeichnet ist, das jüdische Kolonisationsgebiet in Biro Bidschan mit sofortiger Wirkung zur autonomen unabhängigen jüdischen Sowjet-Republik mit eigener Regierung auszurufen. In dem Dekret heißt es, daß die neugegründete jüdische Sowjet-Republik als gleichwertiges Mitglied in den Bund der Sowjet-Republiken eintritt. Sie erhält eine eigene Regierung und bildet eine eigene Armee unter Leitung des Generals der Roten Armee Rappaport. Die Stärke der Armee wird auf vorläufig 7 5 00 Mann festgesetzt. Gleichzeitig veröffentlicht die neugebildete jüdische Regierung von Biro Bidschan einen Erlaß, der sich gegen die zionistischen Elemente in Biro Bidschan wendet und dazu auffordert, in der neuen Sowjet- Republik Biro Bidschan gegen den Zionismus zu kämpfen. Die Reglerungssprache ist jiddisch. Biro Bidschan erhält eigene Briefmarken und Währung. Die Moskauer Tageszeitung „Prawda" führt aus: Während in den faschistisch regierten oder vom Faschismus beeinflußten Ländern die Juden nationaler Demütigung, wirtschaftlicher Ausmerzung und sogar Pogromen ausgesetzt sind, hatte die arbeitende jüdische Bevölkerung in den Ländern der Sowjetunion die Möglichkeit, sich eine eigene freie Heimat zu errichten und die erste jüdische autonome Republik in der Welt zu organisieren. Das offizielle Organ der Sowjetregierung, „Iswestija", gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß das Dekret von den Arbeitern aller Nationalität e n der Sowjetunion mit Freuden begrüßt werden und auch unter den Juden überall Inder Welt einen großen Widerhall finden wird. Die jiddisch geschriebenen sowjetrussischen Tageszeitungen, wie „Emess" in Moskau, „Stern" in Charkow und „Oktiabr" in Minsk, knüpfen an die Aeußerung der Freude den Ausdruck der Genugtuung darüber, daß diese für das werktätige Judentum so erfreuliche Tatsache unter den Zionisten und den jüdischenNa- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Nächste Nummer Freitag früh Die Juden im neuen Staate Ueber dieses Thema hält das Leitungsmitglied der „Jüdischen Volkspartei" David Nebenzahl auf Ein« ladung der Judenstaatspartei (Gruppe für die westlicheil Bezirke) amMittwoch, den 16. d.„ halb 9 Uhr abends, im Cafe Patria, VI., Mariahilferstraße 137, einen Voi> trag. Gäste willkommen! tionalisten im Auslande Bestürzung und ohnmächtige Feindseligkeit hervorrufen wird, * Zu „ohnmächtiger Feindseligkeit" ist kein Anlaß, Aber zu rückgreifenden Betrachtungen. Der Plan der Judenrepublik an der sibirisch-mandschurischen Grenze ist doch nicht neu. Im Jahre 1924 wurde er von Moskau verkündet. 50.000 Familien jedes Jahr nach Biro Bidschan! In j e d e m folgenden Jahre wurde der Ruf wiederholt. Jetzt zum .zehntenmal! Das Resultat: Heute nach zehn Jahren befinden sich nach der letzten amtlichen Feststellung sage und schreibe 700 0 jüdische Seelen in der „Republik", Ungefähr zehnmal so viel waren dort und haben die Flucht ergriffen. Jetzt wiederholt sich das alte Spiel. Alt auch in der Hinsicht, daß der Kampf gegen den Zionismus wieder als ein Hauptmotiv der Gründung angegeben. wir<|< Nur ein Beweis dafür, daß der Z i ö n i s.mu S u & all srottbar im russischen Judentum zii wurzeln' scheint« Also kein Grund zur „Bestürzung" bei den Zionisten. Neu ist nur der jüdische Generalissimus Rappaport und die jüdische Armee. Da sind aber wohl andere Gründe als jüdische maßgebend. ■ In der Gegend von Biro Bidschan wird sich, wenn es zu einem Entscheidungskampfe Rußland-Japan kommt, "das große Schlachten abspielen. Da kann ein jüdischer Vorposten, welcher als erstes Kanonenf utter zu dienen hat, wirklich nicht schaden. Von dieser neuen Seite besehen, ergibt die Sache wirklich Anlaß zu einer gewissen „Bestürzung". Da kann sich allerdings etwas ergeben. Kaum eine kleine „Judenrepublik", eher ein gewaltiger j;udenf riedhof hbb Ein Gesetz — ein Volk Eine Schewuoth-Betrachtung Von Dr. Israel Zwi Kann er (Wien), Von Moses geführt, versammelten sich die Kinder Israels an dem seitdem so wichtig gewordenen Schewuoth-Tag am Fuße des Sinai und gaben sicH Gesetze. Diese waren so erhaben, daß sie von Nichtjuden alter und neuer Zeit als übermenschlich, göttlich angesehen wurden. Was der Heidenprophet Bileam über Judas' Göttlichkeit dem Balak vorgesungen, das predigen noch heute christliche Führer vor judenfeindlichen Zuhörern. Einzelne dieser Gesetze waren sicherlich schon in prähistorischer Zeit von jüdischen Hirten geschaffen worden. Als die Hirten sich zu einem Volke zusammenschlössen, sammelten sie die einzelnen Gesetze zu einem Gesetzbuch. Ein unbeschreiblicher Jubel muß an jenem Tage geherrscht haben. Zugleich mit der Einweihung seiner Gesetzrolle feierte Israel auch die Einweihung seines nationalen Zusammenschlusses. Ein Gesetz — ein Volk. So läßt sich historisch beweisen, seit wann die Judenheit als Volk besteht, und so läßt sich auch weiter ausholend sagen, wann ein Volk als Volk gewertet werden kann. i Die unbewußte Ordnungsliebe des Naturmenschen verwandelte sich in die bewußte des Hirten, die tjewußte des Hirten in die tiefer durchdachte des Bauern, diese in die schriftlich niedergelegte des m »ölten luinmeo m ©patfamen in« „2Batenf)ait8 ber, ©hqrjamen" unb bedfen bort ifjren Söarenbebarf für bie ©ommeraeit. Slltuefle 2öafd)»unb ©eibenftoffe, retjenbe Sm^tim^-ÄIctbcr, SSÖSf^e, ©d^u^e unb üM für Sab unbStrcmb faufcn6ie gut unb billig bei II.#2au0tfttaßC48 6d)tffmonn