Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 304 (7.7.1933)
- Date
- 1933-07-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711899-2711926--3801-2717211- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 35 Groschen Jahrgang 7 Freitag/ den 7* Infi 1933 Nr* 304 V»b»b« Zeitung vom Verleget versende! fnnrnal exp6di6 par l*ealtenr*« BEZUOSBEDINQUNQEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.-; Polen monatlich Zloty 2.-, vierteljährig Zloty 6.-. Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—j Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljahrig Lei 120.—Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel* jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitatsstr. 6-8, leL B-48-504 — Erscheint jeden Freitag REVUE Der Ziomslenkongreß nach Prag einberufen Wie seitens der zionistischen Exekutive offiziell verlautbart wird, ist als Ort des für den 16. August einberufenen 18. Zionistenkongresses endgültig Prag bestimmt worden. Das Datum der Einberufung des Kongresses wurde schon vor einiger Zeit bekanntgegeben, bezüglich des Ortes aber war noch keine Entscheidung gefallen. In erster Linie wurde Karlsbad in Betracht gezogen, von mancher Seite auch London vorgeschlagen. Es wird mit einer außerordentlich starken Beteiligung an dem 18. Zionistenkongreß gerechnet. Die Zahl der Teilnehmer in diesem Jahre wird größer sein wie beim letzten Kongreß. So z. B. werden aus Zentralpolen 90 Delegierte erwartet gegenüber 33, die am letzten Kongreß teilnahmen. Die Kongreßdelegation Palästinas ist von 39 auf 48 Mitglieder gestiegen, aus Galizien werden zu diesem Kongreß statt 11 Delegierte, wie zum 17. Zionistenkongreß, 40 Delegierte erscheinen. : : . '■ ■ ■ *. 'Seitens vieler zionistischer Gruppen ist der Wunsch ausgesprochen worden, : den- Termin des Kongresses auf einen späteren Zeitpunkt (Winter 1933) zu verlegen. Begründet wurde die Forderung mit dem Hinweise darauf , ' daß; die äußere und innere Vorbereitung des Kongresses; welcher angesichts der Vorgänge in Deutschland, der Weltwirtschaftskrise und der neuen Entwicklung in Palästina: vor wichtigsten Entscheidungen steht, nicht ausreichend ist. . Es wurde der, Ansicht Ausdruck gegebjemV daß' ein Versagen d ie s e s Kongresses \n ^Leb'ejiSr. fragen des Judentums schwere- Folgen nach sich ziehen müßte.. ,-Der Organisa^iopsrei!er0nt: der TBxektiftye/ Herr Bei-1 Xocker, hat sich, energisch; gegen jede Verschiebung eingesetzt und, >yie aus der Verlautbarung zu ersehen ist, dieAbweisung der auf Verschiebung des Kongresses gerichteten Forderungen durchgesetzt. //Jüdischer Kiilfurbolschewi'smus" Bei allem Abscheu . vor den kraftmeierischen Gesten des hakenkreuzlerischen Größen- und Erlösungswahns hat die außerdeutsche Welt — mit geringen Ausnahmen — dem Hitlerismus ein nicht unbedeutendes Maß von Wohlwollen entgegengebracht; vornehmlich in der Zeit v o r der Machtergreifung, da die Parole von der Zertrümmerung des Bo 1schewismus mit vielen, weniger sympathischen Programmpunkten versöhnte. Verstand doch die nationalsozialistische Propaganda, den Spießern liberaler,, klerikaler, konservativer, ja demokratischer Couleur die Wichtigkeit der Unterdrückung des Bolschewismus mundgerecht zu machen. Im Rahmen d i e s e r Tendenz bekam die Bekämpfung des „Judentums" und des sogenannten Kultur- Bolschewismus untergeordnete Bedeutung; neben dieser Aufgabe konnte man wohl ein paar tausend jüdischer Opfer hinnehmen... Das Zwangläufige geschah. " Der Judenpunkt, das Element des geringsten innerdeutschen Widerstandes, wurde schulgerecht erledigt. Die Phasen dieses grausamen Prozesses bedürfen keiner weiteren Betrachtung. Und auch die zweite Parole, die Vertilgung des deutschen Kommunismus und aller mit ihm kokettierenden Erscheinungen, erfreute sich restloser Erfüllung. Die kommunistisch gefährdeten Länder hielten den Atem an. Hitler hatte Wort gehalten. „Die europäische Kultur ist vor einer großen Gefahr bewahrt worden", schrieben sogar amerikanische Blätter. Und wenn die Empörung über die Verfolgung und Entrechtung der deutschen Juden da und dort hell aufbrach und zu tiefernsten Protesten und Abwehrmaßnahmen führte, so schlummerte doch in den Herzen der vom Bolschewismus „bedrohten" Völker ein Funke von Sympathie für ein Werk, das sich „Sittliche Reinigung und nationale Selbstbesinnung" nannte. Noch am 17. Mai konnte sich Hitler in Gegenwart der diplomatischen und militärischen Vertreter vop Kultur nationen auf seinen erfolgreichen Kampf gegen den Bolschewismus berufen, ja: die Herausforderung wa- J gen, daß man dem deutschen Hakenkreuz für diese Aktion dankbar sein müsse. Das Echo dieser Rede war für die nationalsozialistischen Machthaber nicht ungünstig. Der Abscheu Vor Hitler-Deutschland verebbte. Für die Rettung der Juden gab es an Stelle eines ostentativen Abrückens vom barbarischen Hakenkreuz — Hilfsaktionen. Und das bolschewistische Rußland erneuerte mit eben diesem Hakenkreuz seinen Freundschaf ts- Wirtschaf ts-Friedenspakt... Allmählich erst sah man dem „Aufbruch der Nation", der „nationalsozialistischen Revolution" auf den Grund. Die Silbe „national", zuerst ttberakzentuiert, verlor zugunsten der zweiten Silbe „sozial" ihre Schärfe. Das Braunhemd, die Phalanx der deutschen Disziplin,' entpuppte sich als chaotisches Element. Die nationale Revolution ist zu Ende; die so z i a I e bricht an. Die katholische Kirche, nicht weniger gefährdet als die anderen Grundlagen religiöser und humanitärer Natur, einen Augenblick lang willig, sich unter gewissen Voraussetzungen in die hakenkreuzlerische Front eingliedern zu lassen, hat nun mit der ihr eigenen Einfühlung die nationalsozialistische Revolution als das erkannt, in das sie schließ* lieh münden muß: als braunen Bolschewik mus. Der „Osservatore Romano", das Organ des Vatikans, hat in unzweideutiger Weise den Weg gezeigt, den das hitleristische Hakenkreuz einschlagen muß, wenn es nicht a tempo vor seinen engsten Anhängerscharen kapitulieren will. Der braune Bolschewismus, das ist die nächste Etappe, die nächste Erscheinungsform des nationalen Aufbruchs* Der „jüdische Kulturbolschewismus"! Als die Nationalsozialisten daran gingen, diesen von ihnen konstruierten Begriff unter der Maske der „Rettung der europäischen Kultur vor dem Asiatentum" zu bekämpfen, erfreuten sie sich der mehr oder weniger offenen Sympathie aller konservativen Kreise. „Jüdischer Kulturbolschewismus", das ist eine Sache, für deren Ausrottung man ohne viel Bedenken sogar'mit den sonst unmöglichen Hakenkreuzlern zusammengehen kann. Der „jüdische marxistische Feind", er ist« so hieß es, der Feind von uns allen. Aber siehe dal Das Kreuz hat einen Haken: Auf den Ruinen des asiatischen roten Bolschewismus pflanzt der Hitler- Bolschewismus seine braune Fahne auf. o. r. Wenn eine Partei siegt Von Meir GroRntann Noch vor wenigen Jahren war, es schier unmöglich, eine Kongreßplattform zu finden. Wohin man blickte, Uberall guckten Fehler hervor. Niemand war zufrieden. Der Zionismus stand ideologisch, kolonisatorisch: und organisatorisch auf schwachen Beinen» Die Melnungsverscbledeimeiten untte£-den ejp^nen .Gruppe^.bezüglich der politischen und wirtschaitlic^'en ^Grundfragen - waren so > -'■ '; .'i v J,\." ' „-"V "-" ' groß, daß eiher den anderen nahezu nicht verstand. Die Distanz zwischen der Leitung und der Opposition wurde von Jahr zu Jahr größer. Man konnte sich kaum vorstellen, daß man jemals werde beisammensitzen können. Die Lage ist nun ein wenig verändert. Viele revisionistische Gedanken wurden altbekannte Tatsachen. Die Lage in Palästina hat sich gebessert. Unsere Gegner geben ihre Fehler zu. Das Verhältnis einzelner Gruppen. zueinander hat eine Besserung erfahren.. Das Problem von heute ist vielfach nicht mehr: „Was haben wir zu tun?", sondern: „Wer und wie soll man es tun?" Seit dem Jahre 1925 kämpft der Revisionismus für sein Programm. Durch seine scharfe Kritik am herrschenden System ,ist er selbst gewachsen. Die Zeit ist nicht fern, wo man die erzieherische Wirkung unserer Kritiken richtig verstehen wird. Der Revisionismus ist nicht plötzlich erschienen und hat sein ganzes Programm verkündet. Mit dem Wachstum der Bewegung, als neue Menschen kamen, wandte man sich dem tieferen Studium der Wirklichkeit im Zionismus zu. Die Kritik genügte nicht. Man mußte eine Antwort geben auf die Frage: „Wie macht man es besser?". Und die Antwort kam. Zuerst auf die politische Frage; dann auf die wirtschaftliche und schließlich auf die k u 11 u r e 11 e. COMPASS TOURS WIEN NEW YORK PARIS IX, Spitalgasse 3, Tel. B-42-5-38 Ferienreise nach PAUKSTINA 11. JULI 1933 A Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt«* liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet (London—Tel'Awiw) In den letzten Jahren hatten wir bereits ein vollständiges, umfassendes Programm, welches in letzter Zelt noch ergänzt wurde, Im Kampfe gegen den Welzin a n n s c h e n Defaitismus, gegen die er.w e i? terte Jewish Agency, gegen das Budget? system und gegen die Diktatu,rbesjurebun^ejst -der linken zionistischen Gruppen nahm der revisionistische Gedanke immer vollkommenere Formen; an. Der Revisionismus hat seine Begriffswelt klar heraus« gearbeitet. 1 Der Unterschied zwischen zwei Parteien findet seinen Ausdruck nicht nur in der Formulierung der beiderseitigen Forderungen. Oft können diese äußerlich ähnlich lauten. Besondere Bedeutung ist oft dem Temperament, dem Menschenmaterial zuzuschreiben. Die Form, in der eine Frage behandelt wird, die Art der Beurteilung von Gegegebenheiten, darin kommt sehr oft die Physiognomie einer Bewegung klar zum Ausdruck. Der Revisionismus war stark in dreifacher Beziehung. In seiner Kritik, in seinem Aufbauplan und in seinem Menscherimaterial. Aus diesen drei Faktoren bestand seine Kraft. Der Revisionismus wurde zum Lager, in das alle strömten, denen die faktischen Ergebnisse nicht genügten. Was ist die Aufgabe einer Bewegung, die nlcbt wünscht, immer nur Unangenehmes zu sagen? Siegen! Siegen unter den gegebenen Umständen. Keine Bewegung darf zum Wunderkind werden, das nur Weisheiten von sich gibt. Ein einzelner kann sich vielleicht damit begnügen, immer das Richtige zu sagen. Eine Bewegung aber kann auf dieser Grundlage allein nicht existieren. Eine gesunde Bewegung, muß nach dem Sieg streben. Die siegende Partei muß versuchen, ihre Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen. Das gebietet uns auch unser Patriotismus. In der Politik setzt man sieb,oft ganz unbemerkt durch. Das heißt aber nicht: mechanisch. Jahre hindurch scheint es, als ob alle gegen deine Ansichten kämpften. Und plötzlich erfährst du, daß deine Gedanken angenommen worden sind. Wenn eine Partei sich dem Sieg nähert, kann sie zwischen drei Wegen wählen: a) Wieder neue Hindernisse zwischen sich und den anderen aufstellen, um nicht in die Lage zu kommen, die Ideen selbst zu verwirklichen; b) die neugeschaffene Situation mit Befriedigung anerkennen und aus ihr die richtigen Schlüsse ziehen, die Führung übernehmen, den Apparat der bisherigen Gegner in die Hand nehmen; c) zurücktreten, verschwinden, Bich in einen Orden verwandeln, der das heilige Feuer der Opposition hütet. Die revisionistische Bewegung steht auf dem Scheideweg. Sie muß und wird sich entscheiden. . . : , * „Ist Ihnen bekannt, daß ihr in allem gesiegt habt?" sagte mir vor wenigen Tagen ein Führer der amerikanischen Zionisten. „Eure Kritik war gerechtfertigt, Vton