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Die neue Welt · 1933-06-02 · Heft 299 (2.6.1933) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
7 (1933)
Issue
Heft 299 (2.6.1933)
Date
1933-06-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 2£ DIE NEUE WELT Nr. 298 fehlen die objektiven Daten für eine solche Bestimmung Wir berechnen die Zahl der Arbeiter, die für entstehende Betriebe benötigt werden. In dieser Beziehung fehlt es uns nicht an Optimismus. Andererseits werden in diese Rechnung viele „Aufnahmspunkte" nicht einbezogen, die •Ich außerhalb der „Sehweite" der Jewish Agency befinden. Der Bedarf an Kräften in Kleinindustrie, Handel, Büro, Hausarbeit nsw. hann nicht errechnet werden. Wer kann das Ausmaß der Bautätigkeit im vorhinein bestimmen? Die Berechnungen der Jewish Agency sind äußerst oberflächlich. Was tut die Regierung? Sie „unter sucht" unsere Daten. Zwei Monate vor Erteilung der Quote besucht ein Beamter verschiedene Funkte des Landes und nach einer Viertelstunde-Unterredung weiß er alles. Auf Grund dieser „Untersuchungen" kürzt die Regierung unsere Quote auf 60 Prozent. Und das nennt man „Aufnahmsfähigkeit des Landes". Warum denn €0 Prozent unserer Quote, warum nicht 20 Prozent, das weiß nur Gott. Wie lächerlich diese Untersuchungen sind, geht aus der Tatsache hervor, daß im Lande tausende Arbeiter Beschäftigung gefunden haben, die nach der „Quote" doch heute in Polen, Litauen usw. wohnen mußten. Sie sind ohne Erlaubnis ins Land gekommen, arbeiten, verdienen und schaffen Arbeit für andere. Ja, nicht einmal alle, die mit Zertifikaten kommen, bleiben Arbeiter. Das heutige System der Zertifikate entspricht nicht der Wirklichkeit und muß daher beseitigt werden. Man sagt, eine Masseneinwanderung wäre ein Unglück für den Zionismus. Das Land kann einen Massenzustrom nicht vertragen. Einer solchen Einwanderung müssen Arbeitslosigkeit und Auswanderung folgen. Hier steckt ein Recheilfehler. Freie Einwanderung bedeutet noch nicht unbegrenzte Einwanderung. Die Begrenzung darf keine bürokratische sein. Das Leben selbst muß. die Begrenzung schaffen. Jede Einwanderung setzt sich aus zwei Faktoren zusammen. Der erste Faktor ist die Stoßkraft aus der Galuth. Der zweite die Anziehungskraft des Landes. Der erste Faktor hängt von der Lage der Juden In den verschiedenen Ländern ab. Gegenwärtig ist die Lage in der Galuth eine schlechte. Es werden tausende Einwanderer kommen. Es wird vielleicht eine Weile dauern, bis sich alle einordnen werden. Vielleicht wird sogar eine vorübergehende Arbeitslosigkeit eintreten. Die Arbeitslosigkeit bleibt für die Galuth kein Geheimnis. Und so . kommt ein Stillstand in der Einwanderung. Arbeitslosigkeit wird selbstverständlich zu außerordentlichen konstruktiven Arbeiten ■ zwingen. Sobald die Arbeitslosigkeit behoben ist, kommt eine neue Einwanderungswelle. Und so wird das Tempo durch das Leben selbst bestimmt. Selbstverständlich muß die Einwanderung nach der Aufnahmsfähigkeit des Landes vor sich gehen. Aber diese Aufnahmsfähigkeit wird eben nur durch eine freie Einwanderung bestimmt. Die wirtschaftliche Lage des Landes wird den Gradmesser bilden. Freie Einwanderung ist der beste Regulator der Aufnahmsfähigkeit des Landes. Transjordanische Vertreter bitten um Niederlassung von Juden in Transjordanien Aus Jerusalem: Bei der zionistischen Palästina- Exekutive sind Vertreter von 23 transjordanis c h e n Dörfern und das Oberhaupt einer größeren transjordanischen Stadt sowie eine Anzahl weiterer transjordanischer Führer erschienen und haben die Bitte vorgelegt, die Jewish Agency möge ihnen Land zur Errichtung jüdischer Siedlungen in Transj o rda n i e n abkaufen. Die transjordanische Delegation erklärte ferner, sie wolle gleichzeitig mit der in Transjordanien für Anfang Juni geplanten Konferenz von Gegnern der jüdischen Siedlung eine Tagung einberufen, auf/der der Wunsch nach Oeffnüng Trans Jordaniens für die jüdische Einwanderung zum Ausdruck gebracht werden soll. In einem in der arabischen Zeitung „M e r a a t e 1 Shark" veröffentlichten offenen Brief wendet sich.der transjordanische• Araber Soliman Samawi gegen die Einmengung palästinensischer Araber in transjordanische Angelegenheiten. Die transjordanischen Araber, so wird in dem offenen Brief ausgeführt, litten und Hungersnot und hätten sich erfolglos an die Regierung und an arabische Banken um Hilfe gewandt. Nunmehr bleibe ihnen der einzige Ausweg übrig, ihr Land zu verkaufen oder zu verpachten. Weder der Großmufti noch die arabische Gesellschaft zum Ankauf von Palästina-Boden als arabisches Nationaleigentum hätten den Transjordaniern Hilfe geleistet, obwohl diese ihnen Boden zu einem Zehntel des von de^r Jewish Agency gebotenen Preises zum Kauf angeboten hätten. Auch arabische Privatkapitalisten seien vergeblich um Hilfe angegangen worden. Der offene Brief schließt mit folgenden Worten: „Wir fürchten uns nicht von einer Erobe« rung durch die Zionisten. Wir wollen unsere Angelegenheiten gelbst besorgen und bedürfen keines Vormunds." 15 Araber unter dem Verdacht des Nordes an einem jüdischen Kolonisten verhaftet * Aus Jerusalem: Wie „Doar Hayom" berichtet, wurden im Dorfe Saforiah 15 Araber unter dem Verdachte der Teilnahme an der Ermordung des jüdischen Kolonisten Josef Jacoby und eines neunjährigen Sohnes in der Kolonie Nahalal int Dezember, vorigen Jahres verhaftet« Einer , Tief erschüttert Reben wir Nachricht vom Ableben unseres innigstgeliebten Vaters, Schwiegervaters, Großvaters, Bruders, Schwagers und Onkels, des Herrn LOBEL TAUBES welcher nach kurzem Leiden am Freitag, den 2. Slwän 5693 (26. Mal 1933), um 11 Uhr nachts Im 71. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Die Beerdigung des teuren Verblichenen fand am Sonntag, den 3. Siwan < 28. Mai), um V»2 Uhr nachmittags in Wien am Zentral frledhof, 4.Tor,, statt Dr. David Taubes, Dr. Israel Taubes, Jakob Samuel Taubes, Esther Judith Krämer, als Kinder. Berta Taubes, Salome Taubes, als Schwiegertöchter. Chalm Krimer, als Schwiegersohn. Lea Edelstein, Sara Outeten, als Schwestern. Rabbiner Zacharias Edelstein, als Schwager. Mirjam, Themar, Noemi und Urlel. als Enkelkinder. Sämtliche Neffen und Nichten. der Verhafteten hat bereits ein Geständnis abgelegt. — Jacoby und sein Sohn sind im Dezember vorigen Jahres einem Bombenattentat zuml Opfer gefallen, das unter der jüdischen Bevölkerung außerordentliche Erregung hervorgerufen hat. Jacoby war vor elf Jahren nach landwirtschaftlicher Ausbildung in Kalifornien nach Palästina gekommen. Die Regierung hatte nach dem Anschlag eine Ergreiferprämie von 500 Pfund ausgesetzt. Schon im Jänner waren 20 Araber unter dem Verdacht der Teilnahme an dem Morde verhaftet worden, mußten aber mangels an Beweisen freigelassen werden. Landeskonferenz des palästinensischen Misrachi In Tel-Awiw fand eine Sandeskonferenz des Misrachi statt, auf welcher alle Probleme des nächsten Zionistenkongresses erörtert wurden. Die Konferenz stellte einmütig fest, daß der Misrachi die Tendenz, Weizmann wieder zum Präsidenten der Jewish-Agency zu wählen, bekämpfen wird. Der Misrachi tritt für eine Exekutive der nationalen Front und für eine Zusammenarbeit mit den Revisionisten ein. Kulturelle Fürsorge für Einwanderer aus Deutschland Die Vereinigung der Einwanderer aus Deutschland hielt in Palästina eine Beratung ab, in welcher besonders über die kulturelle Tätigkeit zugunsten der aus Deutschland Eingewanderten beraten wurde. Es wurde beschlossen, eine Anzahl von Hebrä 1 sch-Kursen zu errichten. Ferner wurden Kurse für Kinder eröffnet, um diesen die Möglichkeit zu geben, mit Anfang des neuen Schuljahres in die normalen Schulen einzutreten. Die Versammlung protestierte gegen die Verbreitung von Gerüchten, wonach die Juden aus Deutschland in Palästina deutsche Schulen errichten wollen. Der Libanon-Staat wünscht Einwanderung deutscher Juden Aus Jerusalem: Wie dem „Doar Hayom" aus Beirut gemeldet wird, hat sich eine Delegation angesehener libanesischer Kaufleute an den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Beirut, Salim Harrari, mit der Bitte gewandt, seinen Einfluß bei der Jewish Agency dahin geltend zu machen, daß ein Teil des jüdischen Auswanderungsstromes aus Deutschland nach dem Libanon-Gebiet gelenkt werde. Der Sprecher der Delegation erklärte, das Libanon-Gebiet brauche die Energie und den Unternehmungsgeist der fleißigen deutschen Juden, um zu wirtschaftlicher Blüte gelangen, zu können. Fünfzigjähriges LehrerJubiläum David Yellins Aus Jerusalem: Der Direktor des h e b r ä ischenLehrerseminars und Dozent für hebräische Literatur an der Hebräischen. Universität . Jerusalem, David Yellin, feierte dieser Tage das 50jährige Jubiläum seiner pädagogischen Tätigkeit. Aus diesem Anlaß hielten die jüdischen Kulturgesellschaften Jerusalems eine Reihe festlicher Veranstaltungen ab; David Yellin war Mitglied des ersten Beirats ' bei der Palästina-Regierung und viele Jahre hindurch Vorsitzender des Waad Leumi, Präsident der Jüdischen Gemeinde Jerusalem und Vizebürgermeister von Jerusalem. Er erfreut sich infolge seiner öffentlichen und wissenschaftlichen Tätigkeit in allen Kreisen der palästinensischen Judenheit außerordentlicher Wertschätzung und größter Beliebtheit. „Doar Hayom" — Organ der palästinensischen Kolonistenvereinigung Die in Jerusalem erscheinende hebräische Tageszeitung „Doar Hayom" wurde von der Vereinigung der palästinensischen Zion 1 sten übernommen. Zum Chefredakteur wurde der Präsident der Vereinigung, Smielansky, bestellt. Das bisher wöchentlich erschienene Organ des Kolonistenverbandes, „Bustenai", wird eingestellt. Lebhafte Bautätigkeit in Tel-Awiw Aus Tel-Awiw: Wie die technische Abteilung des Magistrats der Stadt Tel-Awiw mitteilt, wurden im Monat April 1933 192 Baübewilligungen, darunter 6$ für Neubauten, erteilt. Von den Neubauten waren 13 dreistöckige Häuser. Die Baubewilligungen betreffen 537 neue Wohnräume, davon 142 in bestehenden Gebäuden. Das an der Peripherie von Tel-Awiw gelegene Borochow-VierteJ soll jetzt mit finanzieller Unterstützung einer Gruppe englischer Juden, die ein Kapital von 10.000 Pfund beistellen, um 40 neue Häuser erweit e r t w e r d e n. Die Rückzahlung der Anleihe soll im Laufe von sieben Jahren erfolgen, i Notbauten zur Unterbringung der Einwanderer aus Deutschland in Tel-Awiw Aus Tel-Awiw: Der Stadtrat von Tel-Awiw hat die Errichtung von Notbauten zur Aufnahme der Einwanderer aus Deutschland beschlossen und vorläufig 5000 Pfund für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Der Plan der Wasserleitung für Jerusalem genehmigt Aus Jerusalem: In einem Regierungskommunique" wird verlautbart, daß die technische Abteilung des Colonial Office den Plan einer grbßen Wasser« leitung für Jerusalem, die Wasser aus dem Yarkon-Fluß nach Jerusalem leiten soll, genehmigt hat. Eine Gruppe jüdischer Finanzleute hat sich bei der Regierung um Erteilung der Konzession für die Errichtung der Wasserleitung beworben; und sich bereit erklärt, ein Kapital von 300.000 Pfund in dieses Unternehmen zu investieren. Ausbau der zum Hafen von Jaffa führenden Straßen Aus Jerusalem: Die Regierung hat beschlossen, eine Summe von 30.000 bis 35.000 Pfund zum Ausbau der zum Hafen von Jaffa führenden Straßen zur Verfügung zu stellen. Die Stadtgemeinde Jaffa hat ebenfalls 20.000 Pfund für diesen Zweck bewilligt. Der Ausbau der Straßen ist infolge der steigenden Bedeutung des Jaffaer Hafens notwendig geworden. Eröffnung einer Niederlassung der Polnischen Nationalbank in Tel-Awiw Aus Tel-Awiw; In Anwesenheit von Vertretern zahlreicher Behörden, unter ihnen fast aller Mitglieder des Konsularkorps von Tel-Awiw, wurde hier eine Niederlassung der polnischen Nationalbank feierlich eröffnet. Der Direktor der Bank gab der Hoffnung Ausdruck, daß die neue Niederlassung dazu beitragen werde, die Beziehungen zwischen den Bürgern des jüdischen Staates und des von ihm vertretenen Landes auf wirtschaftlichem Gebiete zu intensivieren. Verpachtung von Regierungsböden im Hafen von Haifa Das offizielle Mitteilungsblatt der palästinensischen Regierung teilt mit, daß im Hafen von Haifa Böden zwecks Errichtung von Büros, Läden und Magazinen zur Verpachtung freigegeben werden. — Es ist besonders wünschenswert, daß diese Plätze in die Hände von Juden kommen. Die neuen Zertifikate und der Arbeitsmarkt Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Obwohl schon zwei Monate seit der Bewilligung der Einwanderungszertifikate verstrichen sind, befinden sich diese noch immer im Besitz der Palästina-Regierung. Die zionistische Exekutive hat sie gemäß ihrem Beschluß nicht übernommen, da sie die Zahl für ungenügend hält und glaubt, durch Verhandlungen positive Resultate zu erzielen. Da im übrigen der Oberkommissär Wauchope in London weüt und kein entscheidender Verhandlungspartner vorhanden ist, wird die Angelegenheit weiter hinausgezogen. Obwohl ursprünglich die Nachricht von einem privaten Besuch Sir Wauchopes in London verbreitet wurde, hält man jetzt dafür, daß die Reise des Oberkommissärs im Zusammenhang mit wichtigen polltischen Entscheidungen steht, zu denen auch die Frage j der jüdischen Einwanderung in Palästina gehört. Was immer auch der Grund sein mag, klar ist, daß der Schwerpunkt der Unterhandlungen bezüglich der Vergrößerung der Zertifikatenquote nach London verlegt worden ist. Die Lage in Stadt und Dorf Der unklare Zustand in Sachen der neuen Zertifikate hat große Schwierigkeiten im normalen Gang der Einwanderung im allgemeinen und auf dem palästinensischen Arbeitsmarkt im besonderen hervorgerufen. Die Chaluzim, die für die Einwanderung auf Rechnung der vorigen Zertifikatenquote bestimmt worden waren, sind bereits fast alle im Land, und die neue Einwanderung ist insolange eingestellt worden, als die endgültige Entscheidung über das Schicksal der neuen Zertifikate nicht getroffen ist. Das normale Wirtschaftsleben des Landes läßt sich aber nicht eindämmen. Die Städte benötigen dringend st Fachleute, die dörfischen Siedlungen Arbeltshände. Jeder ungenützte Tag ist Positionsverlust. Die Baubewegung in den Städten, besonders in Tel-Awiw, geht weiter, und der Mangel an qualifizierten Bauarbeitern wird immer fühlbarer. Inzwischen sitzen die fachkundigen Arbeiter irgendwo in Peilen und'warten auf Zertifikate. Und auch die Kolonien könnten tausende Arbeiter aufnehmen und man könnte bei genügender Anzahl von Zertifikaten in den alten Siedlungen den Kampf für die jüdische Arbelt verstärken, während unter den gegenwärtigen Bedingungen in der jüdischen Landwirtschaft nicht die Zahl der jüdischen, sondern die Zahl der arabischen Arbeiter wächst . . , Ansiedlung deutscher Juden Vom Arbeitsvermittlungsamt wurde ein spezieller Plan zur Unterbringung deutscher Juden ausgearbeitet; man rechnet mit der Möglichkeit» eine Menge von 4000 Arbeltern zu placieren. Vorläufig aber steht die Sache erst am Beginn. Die 1000 für Deutschland bestimmten Zertifikate sind bereits konsumiert und der größtf Teil der Leute ist In Palästina eingetroffen« während uatk

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