Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 298 (26.5.1933)
- Date
- 1933-05-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIB NEUE WELT Nr. 298 Das Haifaer Technikum in Nöten Ein trauriges Beispiel rücksichtslose* Parteiwirisdiaft Wir haben in unserem Blatte oft — manchmal mit Erfolg, aber leider häufiger erfolglos — auf die Mißstände hingewiesen, welche an der wichtigsten höheren Lehranstalt Palästinas herrschen. Nun haben sich unsere traurigen Voraussagen verwirklicht und das Institut, welches den lebenswichtigen Bedarf des Landes an tttchtlgen und ausgebildeten technischen Kräften decken soll, steht vor dem Zusammenbruche. Die Verantwortung dafür hat in erster Reihe die Leitung der zionistischen Organisation zu tragen, welcher das Technikum untersteht und welche unsere ernsten Warnungen unberücksichtigt ließ. Aus Jerusalem wird gemeldet: „Das hebräische Technikum in Haifa befindet sich, wie auf einer soeben in Haifa abgehaltenen Versammlung der Gesellschaft der Freunde des Technikums mitgeteilt wurde, in schwieriger finanziiellerLage. Von dem Jahresbudget von 6000 Pfund ist vorläufig nur die Hälfte gedeckt. Falls es nicht gelingt, den noch ausstehenden Betrag von 3000 Pfund aufzubringen, wird die Fortführung des Instituts ernsthaft gefährdet sein. Die Mitglieder des Lehrkörpers haben seit einem halben Jahr ihre Gehälter nicht mehr bezogen. Am Haifaer Technikum sind derzeit 120 ordentliche Hörer eingeschrieben, die Abendklassen zählen 80 Schüler, die dem Technikum angeschlossene Handelsschule hat 60 Schüler.« Das Institut, welches im Laufe der Jahre dem zionistischen Aufbaufonds (Eeren Hajessod) allein über 70.000 Pfund an Unterstützungsbeiträgen kostete, ist nicht zuletzt ein Opfer der absoluten Herrschaft der Partei geworden, welche in Palästina uneingeschränkt schaltet und waltet, der klassenkämpferischen Histadruth. In einem entscheidenden Augenblicke, als es sich darum handelte, dem in finanzielle und organisatorische Schwierigkeiten geratenen Institute eine neue Leitung zu geben, griff die allmächtige Histadruth ein und setzte es durch, daß einer ihrer Parteimänner auf den verantwortungsvollen Posten des Direktors gesetzt wurde. Herr S. Kaplansky, ein Führer der Poale Zion, wurde ernannt. Unser Blatt hat wiederholt und energisch gegen dieses Unterfangen protestiert. Zuletzt hat ein erfahrener zionistischer Techniker, Ingenieur Eugen Buchbinder, in einem offenen Briefe auf die Widersinnigkeit dieser Ernennung hingewiesen. Er hat festgestellt, daß dem In Aussicht genommenen Herrn alle fachlichen Fähigkeiten fehlen. Herr S. Kaplansky, ein Führer der Poale Zion, hat vor einigen zwanzig Jährten wohl die Technik in Wien besucht, sich aber dann sofort und ausschließlich dem politischen Berufe gewidmet. Bis zum Kongreß 1931 war er Mitglied der zionistischen Exekutive. Er hat weder mit praktischer Technik noch mit dem technischen Lehrberufe in seinem Leben irgend etwas zu tun gehabt. Auf dem Kongreß 1931 wurde er nicht mehr gewählt, war „frei". Was tat man? Man machte ihn zum Direktor des Technikums. Wir protestierten. Aber gegen die Macht der Histadruth, der herrschenden Partei, der sich auch die allgemeinen Zionisten blind unterwerfen, hilft kein Protestieren. Jetzt ist das Resultat der Politik an einem Orte, wo keine Politik hingehört, da: Gefahr des Zusammenbruches des wichtigsten Instituts. Ein Zusammenbruch in Unehren, denn die Ernennung des letzten Direktors genügt, um die Leichtfertigkeit und Gewissenlosigkeit des Systems zu kennzeichnen. Hunderten glänzend qualifizierter Fachleute wäre es eine Ehre und ein Herzensbedürfnis gewesen, dem nationalen Institut zu dienen. Nein! Sie mußten vor dem freigewordenen Manne der herrschenden Partei zurücktreten. Zionismus-Revisionismus in Deutschland Berlin. Auf Grund der letzten Notiz in den verschiedenen jüdischen Zeitungen hat der „Verband Deutscher Zionisten-Revisionisten" eine große Zahl Zustimmungserklärungen von. Einzelpersonen, auch noch nicht organisierten Zionisten-Revisionisten, erhalten. Mehrere revisionistische Ortsgruppen in Deutschland haben sich, obwohl der neukonstituierte Verband sich noch nicht an sie gewandt hat, spontan hinter ihn gestellt. Wir betonen nochmals, daß der „Verband Deutscher Zionisten-Revisionisten" hinter der legal von der letzten Revisionistenkonferenz gewählten Exekutive steht und die einzige Vertreterin der Deutschen Revisionisten ist. Der Verband setzt seinen Kampf um dei Eroberung der Zionistischen Organisation im Geiste des Herzl-Zionismüs fort und lehnt alle Bestrebungen zur Spaltung der Zionistischen Weltorganisation ab. Das Büro des „Verband Deutscher Zionisten- Revisionisten", Berlin-Charlottenburg 2, Joachimsthalerstraße 3, II, steht allen Revisionisten in wichtigen Fragen, insbesondere Palästina-Fragen, zur Verfügung. Geöffnet Montag bis Freitag von &5.bis Der Verband Deutscher Zionisten-Revisionisten veranstaltet Ende Juni eine Gesellschaftsreise nach Palästina zu stark verbilligtem Preis. Interessenten wollen sich schriftlich oder persönlich zu den oben angegebenen Zeiten im Büro melden. Wirfsdiafisbrief aus Palästina Möglichkeit für Kapitalsanlage — Kreditverhältnisse — Große Geldreserven in den Banken Vor sieben Jahren waren die Kapitalsanlagemöglichkeiten sehr begrenzt. Der Hauptteil des Geldes, das im Jahre 1925 nach Palästina gebracht wurde, wurde in Gebäuden und Bauplätzen investiert, für die damals ungeheuere Preise gezahlt wurden. Außer Gebäuden und Bauplätzen waren die gesamten Investitionsmöglichkeiten noch unerforscht, Zitrusplantagen (Orangen und Grapefruits) und Industrie steckten noch in den Kinderschuhen. Gebäude und Bauplätze hatten praktisch das gesamte verfügbare Kapital in Anspruch genommen und man mußte längere Zeit warten, ehe es Gewinne bringen konnte. Hätte wenigstens die Entwicklung des Landes Schritt gehalten mit der Anlagetätigkeit, so hätten die Investoren die Möglichkeit einer Konsolidierung gehabt. Leider hielt aber dieser Prozeß nicht an (auf die Gründe hiefür wollen wir nicht eingehen), was die Wirtschaft zu einem Zusammenbruche führte. Dies hatte zur Folge, daß die Nachfrage für die damals wichtigste Industrie Palästinas scharf abfiel: die Gebäude fielen im Werte und die Hausbesitzer, die keine verfügbaren Barmittel hatten, waren gezwungen, ihr Eigentum zu Verlustpreisen zu verkaufen, um ihre Schulden bezahlen zu können. Heute ist die Lage eine ganz andere. Trotzdem die Tendenz nach einer Konzentrierung der Investitionen in die beiden genannten Zweige, nämlich Zitrusplantagen und Bautätigkeit, besteht, gibt es doch ein Interesse an der Erschließung neuer Zweige der Wirtschaft. In dem Berichte der „Vereinigung Palästinensischer Industrieller" wird z. B. angegeben, daß im Laufe vorigen. Jahres JJlneueFabriken errichtet wurden, und daß eine große Anzahl anderer der Eröffnung nahe stehen. Ferner hat sich die Produktion der bereits vorhandenen Unternehmungen bedeutend vergrößert. Die Entwicklung der Industrie zeigt sich nicht nur in der Vergrößerung der Produktion, sondern auch in der Verbesserung der Qualität der erzeugten Waren, in VerbiUlgung und Verbesserung der Verkaufsorganisation, auf dem lokalen wie auf dem Auslandsmarkte. All das, verbunden mit der Propaganda für die hiesigen Produkte, hat die Konkurrenzfähigkeit stark gehoben. * Im Jahre 1925 waren Kredite Im allgemeinen sehr schwer zu erhalten, was an dem Mangel an genügenden Reserven In Palästina lag. Es Ist kennzeichnend, daß manche Unternehmungen, die 1925 von den Finanzinstituten infolge Mangels an Sicherheit und Aussischt scheel angesehen wurden, jetzt von den Banken eine durchaus wohlwollende und liberale Behandlung erfahren. Weiters ist der Zinsfuß beträchtlich gefallen. Anstatt 9 bis 10 Prozent (manchmal noch viel mehr), die von den Banken vor sieben Jahren für Darlehen verlangt wurden, kann man heute Kredite für 1% Prozent erhalten. # Eine andere Tatsache, die wir noch als Anregunng für weitere Investierungen beachten müssen, sind. die relativ hohen Depositen in den hiesigen Banken. Trotzdem es nicht möglich ist, eine genaue Summe dieser Depositen zu erhalten, kann man sie auf ' mindestens sechs Millionen Pfund schätzen, von denen zirka f ünf Millionen Juden gehören. Es ist interessant festzustellen, daß sogar auf diesem Gebiete der Aufschwung ein steter war. Denn gemäß den Schätzungen hiesiger Banken belief sich Ende 1931 die Gesamtsumme von Einlagen auf LP. 5,750.000, wovon zirka 60 Prozent Juden gehörten. Man hörte seitens einiger Wirtschaftler, daß wir keinen Grund hätten, uns über das Vorhandensein solch verhältnismäßig großer Summen in unseren Banken zu freuen. Man sagte, daß diese Kapitalien von Leuten in das Land gebracht wurden, die in ihrer Heimat den Verlust dieses Geldes fürchten, und daß, sobald sich die Lage im Auslände bessern sollte, diese Einleger ihr Geld zurückziehen würden. Diese Furcht gab Veranlassung zu einer genaueren Untersuchung und es scheint, daß diese Furcht vor der Bückwanderung dieser Summen nach dem Auslande jeder Grundlage entbehrt. Vor allem sind wir berechtigt zur Annahme, daß die meisten der Einleger die Absicht haben, mit ihrem Gelde Im Lande zu bleiben. Zweitens, und die Untersuchung bewies dies, gehört ein Drittel! dieser Gelder Einwohnern Palästinas, während die restlichen zwei Drittel Leuten gehören, die entweder im Auslände ansässig sind oder, als Immigranten und Touristen hier, sich noch nicht fest etabliert haben. Mindestens die Hälfte dieser zwei Drittel gehört also Leuten, die noch keinen festen Entschluß darüber gefaßt haben, ob sie hier Hefben oder zurückwandern werden. Was aber die andere Hallte anbelangt» so besteht genügender Beweis, i Ol tüiU&fy^ tä%dmtwS% s / Er ist tip-top nach neuester Mode gekleidet und hat doch nur sehr wenig Geld ausgegeben .. . natürlich bei Schiffmann, Sport- AlUUg, 2 teil ig, breite Pumphose..........• . . $ 27 99 Reinwoll-Trenchcoaf, ganz gefüttert.........♦ . S 49 — Blauer Golf janker, sehr mM leseti...............S 5*90 Touristenanzug (janker und Haferlhose)........... *S 9'80 Weiße Nafurlelnen- Haferlhose......• * »• s 6 90 Weißer Naturleinen- Janker, Pongauer Fasson.. tS 11-90 „Ortler"-Sporthut, sehr praktisch.......< S 3*90 Braune Weekend-Halb* schuhe, biegsame Sohle, sehr leicht...............S 7-90 Sport-Halbschuhe, Doppetsohle, Flügelkappe........S 1190 Poröses Crepe-Sport« hemd mit langen Aermeln, alle Farben...........-S 2.9Q Moderne Schafwoll- Baoehose .S 3.50 SCHIFFMANN __II. TABORSTRA5SE 48 daß ihre Besitzer fest entschlossen sind, im Lande zu verbleiben; doch haben sie noch nicht über Form und Zeitpunkt der Anlage entschieden. Diese Untersuchung lehrt uns, daß höchstens ein Drittel der Einlagen nach dem Auslande abfließeil dürfte, was kaum Folgen fUr die hiesige Wirtschaft haben wird. Wir glauben sogar behaupten zu können, daß die Lage sich dadurch bessern würde, da man dann imstande wäre, genau zu sehen, welches Kapital zur Verf ügung steht. Besonders die Banken wurden diesen Abfluß willkommen heißen, denn sie wurden mit mehr Sicherheit über die Verwertbarkelt dieser Depositen urteilen können. Jetzt liegen diese Gelder unbenutzt als „Kurzfristige Auslands« d e p o s i t e n". . Michael HasKel — Handelsbevollmächtigter Südafrikas in Palästina Aus Johannisburg: Die südafrikanische! Bundesregierung hat den bekannten zionistischrevisionistischen Führer Michael Haskel zu ihrem, ehrenamtlichen Bevollmächtigten inPa 1 ästin3 ernannt. Seine Aufgabe wird hauptsächlich darin bestehen, südafrikanischen Staatsangehörigen bei der NieV derlassung und bei der ErrichtungvonUnter« nehmungen in Palästina behilflich zu sein und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Palästina und Südafrika auszubauen. Michael Haskel, der sich demnächst nach Jerusalem begibt, ist als großzügiger; Förderer der zionistischen Fonds bekannt. Die Palästina-Regierung für die Entwicklung der Konservenindustrie Aus Jerusalem: In einem offiziellen Kommunique" wird eine Aktion der Palästina-Regierung zuU Förderung der Entwicklung der Konservenindustrie in Palästina angekündigt. Diese Aktion wird mit Rücksicht auf den ununterbrochen wachsenden UeberSchuß der palästinensischen Obst'* und Gemüseproduktion über den Inlandsbedarf, die stetige Vergrößerung der Anbauflächen und diö wachsende Konkurrenz auf den ausländischen Märkten in Angriff genommen. Auf Veranlassung des High Com« misioner wird sich der Direktor der Versuchsanstalt des Landwirtschaftsministeriums für Obst- und Gemüsekonservierung zu Camden, Gloucestershire, Herr F. First^ in den nächsten Tagen nach Palästina begeben, um festzustellen, welche Mengen landwirtschaftlicher Produkte für Konservierung szwecke in Palästina in Betracht. kommen und welche Sorten im Hinblick auf die Bedürfnisse Großbritanniens und anderer Märkte in der zii schaffenden großen Konservenindustrie besonders zu berücksichtigen wären. Diesem ersten Teil seiner Untersuchung über die Möglichkeiten einer Konservenindustrie in Palästina wird Direktor First im Winter d. J. einen zweiten Teil anschließen, der technischen Fragen der Citrus-Konservierung und Beratung von Personen, die sich mit dieser Industrie befassen wollen, gewidmet sein soll. Einführung der Fapierfabrikation in Palästina Aus Tel-Awiw: Eine Gruppe jüdischer Unter-» nehmer in Tel-Awiw, ' der der frühere Inhaber einer" großen im Jahre 1820 gegründeten Papierfabrik in Rußland und der Besitzer einer großen Briefumschlagerzeugung in Tel-Awiw angehören, hat die Errichtung der ersten Papierfabrik Palästinas' beschlossen. Das für die neue Fabrik notwendig^ Maschineninventar ist bereits in Tel-Awiw eiagetrotftik