Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 7 (1933)
- Issue
- Heft 296 (12.5.1933)
- Date
- 1933-05-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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m Nr. 296 DIE NEUE WELT Seite 5 Der Zionismus und die Gerechtigkeit Von Prof» Dr. Josef Klausner, Jerusalem Die Legalität der zionistischen Aspirationen, der gerechten Ansprüche des jüdischen Volkes auf Palästina werden hier mit objektiver Sachlichkeit begründet. Hier spricht ein Mann der Wissenschaft, kein Politiker. Prof. Klausner, der bedeutende Historiker der hebräischen Universität Jerusalem, ist eine auch in der außenjüdischen Welt hochgeschätzte Persönlichkeit, dessen wissenschaftliches Wirken Uberall anerkannt ist. Vor wenigen Wochen reproduzierte das Organ der palästinensischen Arbeiterpartei, „Dawar", Aufrufe der Kommunistischen Partei Palästinas» in denen der Gedanke zum Ausdruck kommt, daß die Unruhen des Jahres 1929 (Nicdermetzelung von Juden durch den Arabischen Mob) nichts anderes waren als eine Erhebung gegen den „zionistischen Imperialismus", und daß wir In Zukunft mit einer noch größeren Erhebung zu rechnen haben. Jeden Augenblick lesen wir Berichte Uber Verurteilung von jungen Kommunisten mit jüdischen oder jüdisch klingenden Namen. Darunter gibt es sowohl von Moskau Besoldete als auch von solchem Verdacht freie, ja solche, die aus purem „Idealismus" gegen ihre jüdischen Brüder den Pogrom propagieren. Außerdem gibt es hier fromme Juden aus Deutschland und Galizien, die bei strengster Beobachtung aller rituellen Vorschriften den Kommunismus in Schutz nehmen. Ja, gebildete Juden aus Deutschland, Oesterreich, England, Amerika, die sich für Schüler Achad Haams und Martin Bubers ausgeben und immer Worte von Freiheit und Demokratie im Mund führen, treten für ein Sowjetrußland ein, in dem Menschenknechtung zu den Selbstverständlichkeiten gehört. Diese sonderbaren Menschen rechtfertigen alle Gewalttaten als „zur Sicherung der neuen Ordnung" in Sowjetrußland notwendig und beklagen sich gleichzeitig über das den Arabern zugefügte Unrecht. Der Verzicht auf unsere Ansprüche bildet den Kernpunkt ihrer sittlichen Postulate . . . Kein Zweifel, daß vieles nur aus dem Skhtvengeist erklärlich wird. Aber damit ist das Rätsel noch nicht erschöpft. Unter den Anhängern des Kommunismus, die gegen den „imperialistischen Zionismus" auftreten, gibt es viele alte und junge Männer, denen Sklavengeist fremd ist. Womit läßt sich also ihr Haß gegen den Zionismus erklären? Die von dem Gefühl für Freiheit und Gleichheit •«füllten Seelen können sich nicht damit abfinden, daß Menschen in ein Land kommen, um es — wenn auch nur mit Arbeit und Geld — zu erobern, in ein Land, in dem ein arabisches Volk seit rund 1300 Jahren lebt, dessen Majorität schwerarbeitende, arme Fellachen sind. Die Tatsache, daß Palästina einst den Juden gehörte, ändert an der Einstellung nichts. Spanien gehörte einst den Mauren. Trotzdem verlangen die Araber Spanien beute nicht zurück. Alle diese Elemente, die einerseits Achad Haam, Kant, Hermann Cohen und Martin Buber, andererseits Marx und Lenin im Munde führen, üben ihren Einfluß auch auf die nicht jüdische Welt aus. Aus diesem Geist sind die Entschlüsse des Lord Fassfield, die Beschlüsse der Shaw-Kommission, die Berichte der Herren Simpson und French, die Gesetze über Bodenkauf usw. geformt. Und auch die ewigen Ansprüche der „depossedierten" Araber beruhen auf diesem „Prinzip". Wer nach der vollen Wahrheit strebt, möge meinen Gedankengängen folgen. Zunächst die Geschichte der Mauren: Vor 440 Jahren wurden sie aus Spanien vertrieben. 780 Jahre hindurch bewohnten sie einen Teil Spaniens und brachten dem Lande viele Vorteile. Heute aber fordern die Araber Spanien nicht für sich. Nun zur jüdischen Sache. Die Juden lebten in ganz Palästina und nicht bloß in einem Teil des Landes. Ferner lebten sie darin mehr als 2000 Jahre. Von den Zeiten der Tel-El-Amarna —■ ungefähr 1400 Jahre vor Christi — bis zur Epoche der arabischen Eroberung im Jahre 688/686 waren die Juden die Haupteinwohner des Landes Israel und blieben es bis zu den Kreuzzügen, ja, bis zur mongolisch-türkischen Eroberung im Jahre 1260. Vom Jahre 1765 vergrößert sich allmählich der jüdische Jischuw, und seit 1881 dauert die jüdische Kolonisation fast ohne Unterbrechung an. Die Juden lebten also in Palästina 2500 Jahre, die Araber bloß 1300 Jahre. Die Juden haben Palästina niemals zur Gänze verlassen. Palästina ist das kleinste von Arabern bewohnte Land. Trotzdem richten sich die Blicke der ganzen Welt nicht nach Syrien, Tunis, Algerien, Marokko, Aegypten, Irak, sondern nach Palästina. Warum? Weil die Juden, fcolange sie im Lande herrschten, ein Dritte« der Weltkultur schufen. Griechenland — Wissenschaft, Kunst, Philosophie; Rom — Recht und Staatsform; Judentum — Prophetle und Christentum, woraus der Islam entstanden ist. Das jüdische Volk schuf den Monotheismus, die Ethik der Propheten, den messianischen Gedanken, die Poesie der Psalmen, die Religionsphilosophie Hiob und seine nationalen Werke. Die Araber haben das Land mit dem Schwert erobert und durch nichts bereichert. Wodurch ist es denn ihr Land geworden. Und ferner, in bezug auf Spanien: Die das Land zurückerobernden Spanier hatten kein anderes Land als Spanien. Die Araber haben ihr Vaterland und das heißt — Arabien. Wir Juden verlangen unser einziges Land zurück, unsere Heimat. Während der letzten Jahrtausende bestand kontinuierlich eine messianische Bewegung, eine geistigseelische Bindung, die man nicht leichtfertig abtun kann. In den Augen der Jugend , ist das ein „Sentiment". Aber diesem „Sentiment" steht die unbestreitbare Tatsache gegenüber, daß nur ein einziges Volk keine Heimat hat, das jüdische. Die Araber sind Herren in sechs Ländern. Palästina mitsamt Transjordanien bildet nur eine kleine Insel im arabischen Meer. Wer ist also der Imperiallst? Der für ein 16-Mlllionen-Volk ein kleines Land beansprucht, das ihm zukommt, oder derjenige, der ein siebentes verlangt? Wer ist der Imperialist? Die arabischen „Führer" und ihre jüdischen kommunistischen Helfer. Unsere Gegner behaupten: „In Palästina leben 800.000 Araber und 200.000 Juden. Wenn die Juden weiterhin in Massen nach Palästina kommen, dann werden sie die Araber von ihren Plätzen verdrängen. Gibt es eine größere Ungerechtigkeit als diese?" Darauf kann ich nur erwidern: In Transjordanien gibt es keinen einzigen Juden. Wessen Lage ist besser? Die Palästinas, in dem die Juden 20 Prozent der Bevölkerung bilden, oder die Transjordaniens? Sogar in Palästina sei die Frage ge- /TOTTERER! Dr. S. Lö w, der bekannte Sprachpädagoge und Psychologe, Wien V, Mltterstelg 4, verläßt demnächst Wien, um einer Berufung ins Ausland rolge zu leisten. Er veranstaltet daher seine lety.ten Kurs-, um Ihnen noch einmal Gelegenheit zu geben, sich von der bisher unheilbar gewesenen Sprachstörung binnen wenigen Tagen vollständig zu befreien. Einzig dastehende nachweisbare Eriolget Anmeldungen zu diesen Kursen sowie kostenlose Aus künfte: Nur noch die nächsten Tage zwischen 4 und 5 Uhr nachm. ———— stattet: Wo ist die Lage der Araber besser: in Jerusalem, Jaffa und Haifa oder in Sichern, Tul-Kerem und Dzeniu? Hat sich die Lage der Araber in Sichern verbessert, seitdem die Juden die Stadt verlassen haben? Der Bericht der englischen Regierung spricht eine deutliche Sprache. Nur dort, wo sich die jüdische Bevölkerung vermehrt, verbessert sich die Lage der Araber. In Sichern sank die arabische Bevölkerung — dort gibt es nur Araber — in den letzten drei Jahren von 22.000 auf 17.000 Seelen. Diese Tatsache sei ein genügender Beweis dafür, daß nur mit dem Wachstum der jüdischen Bevölkerung auch die arabische Bevölkerung ansteigt. Auch für die arabische Kultur und Sprache besteht keine Gefahr. Das Christentum und der Islam haben hunderte Millionen Anhänger, das Judentum nur 16 Millionen. Das Judentum hat eine nationale Religion, also eine Religion der Juden, es macht keine wie immer geartete Propaganda. Die arabische Sprache wird von 20 Millionen Arabern gesprochen. Die hebräische Sprache beginnt erst jetzt Sprache der Massen zu werden. Wo liegt hier die Gefahr? Die arabische Kultur könnte vielleicht von der europäischen bedroht werden, niemals aber von der jüdischen. Hätten sich die Araber zu den Juden loyal verhalten, dann würden wir zweifelsohne uns der arabischen Kultur und Sprache nähern, Dinge, die doch an unsere Vergangenheit erinnern. Beide Völker wurden Nutznießer sein. Aber die arabischen Führer haben unsere Hand zurückgewiesen. Wir werden ihnen nicht nachlaufen wie die Brith-Schalomisten oder die jüdischen Kommunisten. So oder so. Eine Gefahr für die arabische Kultur besteht nicht. Die „Gerechtigkeit" des Brith-Schalom, der sogenannten „Achad-Haamlsten", der Buberianer und der jüdischen Kommunisten ist eine arabische imperialistische Gerechtigkeit. Die wirkliche Gerechtigkeit ist auf Seite der ehrlichen politischen Zionisten. Die Gegner des politischen Zionismus aller Schattierungen sind gerechte Männer! Der arme arabische Fei- Eilen Sie zum und kaufen Sie Ihre lache, der von den Zionisten seines „letzten Stückchens Boden" beraubt wird, tut ihnen leid. Daher muß man sich mit dem Fellachen gegen den „reichen" Zionisten verbünden. Das Land muß arabisch bleiben. Es darf keine; Herrscher und Beherrschten geben. Auch das ist falsch. Vor allem ist es falsch, daß die Minderheit dieselben Rechte wie die Mehrheit hat oder haben kann. Die Minderheit darf selbstverständlich ihrer Rechte nicht beraubt werden. In diesem Sinne darf es in einem gerecht verwalteten Lande Herrscher und Beherrschte geben. Das verlangen wir Juden in der ganzen Welt. Das müssen wir auch in Palästina von uns selbst verlangen. Es bleibt aber Tatsache, daß in Sowjetrußland die Russen, in der Ukraine die Ukrainer und in Armenien die Armenier herrschen. Die Juden besitzen im Prinzip Gleichberechtigung« Aber nicht sie drücken ihren Stempel dem Land auf, sondern die M a j o r i t ä t. Das ist ja der tief cre Grund der Judenkolonisation in der Krim und in Biro- Bidschan: eine jüdische Republik mit einer jüdischen Bevölkerungsmehrhelt. Das ist die Nachahmung des Zionismus, ohne den historischnationalen Kern und Hintergrund. Das ist Zionismus ohne Zion. Nationalismus ohne den Zusammenhang mit dem historischen Messianismus. Das ist Nationalismus mit Gewalt, von oben diktiert, ohne Seele, ohne Gerechtigkeit. Der Glaube, daß, wenn Palästina arabisch bleibt« die Juden dieselben Rechte wie die Araber haben werden, ist eine Fiktion. Das Land wird seinem Charakter nach entweder jüdisch oder arabisch sein. Die Frage liegt lediglich darin: Soll es jüdisch oder arabisch sein? Werden die Juden die Majorität bilden, dann hat Asien ein neues Element bekommen. Auf dem Boden, Palästinas werden die Juden der Menschheit noch vieles geben. Im übrigen aber: 16 Millionen heimatloser Menschen« das ist der Ausdruck für den Begriff :JUdlschea Volk, Ihre Heimat war bisnun die Thora und die Hoffnung. Die Thora hört langsam auf, für viele die innere Heimat zu sein. Der Ausweg liegt im Zionismus. Im großen Zionismus. Niemals war die Lage des Volkes so tragisch wie jetzt. Das Volk Und seine Existenz sind Uberall bedroht. Es steht das Schicksal von 16 Millionen Juden gegen. 8 0 0.000 Araber, deren Existenz nicht bedroht ist. Wo liegt da die Gerechtigkeit? Es bleibt also nur e i n Argument: Die Juden werden eine kleine Insel im arabischen Meer bleiben; Und das hat keinen Sinn. Falsch. Die Menschheit hat nichts verloren ob der Existenz von Finnland, Lettland, Litauen, Ungarn, von Völkern also, die neben den Großstaaten leben. Dieselbe Möglichkeit müssen wir in Palästina haben. Ihr lügt! Ihr seid auf Seite der Starken; Ihr seid Knechte! Denn nur der Knecht sorgt immer für den arabischen Imperialismus. Wenn es eine Gerechtig* keit gibt, dann ist sie auf unserer Seite* Aus der zion.-rev. Bewegung in der Bukowina. Wie wir erfahren, hat sich auch in der Bukowina* eine Landesorganisation der Zionisten-Revisionisten konstituiert, die die Richtung Meer Großmanns, Strickers und Lichtheims vertritt. Diese Gruppe hat sich an dem von der bisherigen offiziellen Landesorganisation vorgenommenen „Plebiszit" nicht beteiligt. Die Leitung der Organisation setzt sich aus den Herren Adv. Josef Mann, Dir. Dr. Max K i w e, Dr. Chahn Gelber, Leib Weidenfeld und S. Klein zusammen« „Heimweh nach Wien." Ein Roman von Leopold Hichler ist soeben im R.-Löwit-Werlag, Wien, erschienen. Das heitere und zugleich tragische Buch schildert das Leben einer Wiener jüdischen Familie. Der" Roman ist wegen seiner spannenden Handlung und natürlichen Sprache berufen, ein Volksbuch zu werden* UNION DER ZIONISTEN-REVISIONISTEN ÖSTERREICHS Vortrag: »Wir fordern HittwQCh, den 17. Mal, halb 9 Uhr ebenda, Im Hetal Bayrischer Hol, II, Taborstr. 99 freie Einwanderung nachPalästina« Redner: tag. Robert Stricker, Dr. David Biiktpan, Dr. Hanum Samontky, Dr. Solomon Wolf Heaiebeitraaj