Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 272 (29.11.1932)
- Date
- 1932-11-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE NEUE WELT ISTr. Sraf Union werktätiger Deut$dtö§terreidier Von W. P. Die „Union", der Verein der Bank- und Börseleute, und die sozialdemokratischen „W erktätigen Juden" haben für die Kultuswahlen eine gemeinsame Liste gegen die Zionisten aufgestellt. — Szene im Sekretariat der Wahlleitung der „Union werktätiger Deutschösterreicher". An der Wand hängen diverse Aufschriften, wies „Hände weg von deutscher Heimaterd e", „Der wahrhaft Freie ist Fr eid en ker", „Deutschland erwache, Palästina verreck e", „Leset und verbreitet das unionistische Manifest", „Die unionistische Weltrcvolution marschiert" usw. usw. Sekretär der Wahlleitung der „Union Werktätiger Deutschösterreicher" telephoniert: „Oh, Freiheit, Herr Kommerzialrat, wie steht das Werte Befinden?... Das ist wirklich nett von Ihnen, daß Sie sich doch entschlossen haben, für den Wahlfonds zu spenden... Aber keine Spur, vom Wahlfonds bleibt ga'r' n i c h t s ü b r i g... Nein, es bleibt, wie gesagt, nichts übrig, aber falls doch, geht bestimmt von dem Geld nichts nach Palästina. Es wurde beschlossen, falls doch etwas übrigbleibt, das Geld zu verteilen, die Hälfte erhält der „Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Südtirol", die andere Hälfte erhalten die Freidenker... Nein, ich weiß zwar, von welch ungeheurer Bedeutung, die Chewra Kadischa ist, aber die kann leider nichts erhalten, da ihre Stellung noch gänzlich ungeklärt ist, es besteht von unserer Seite nämlich die Absicht, die Chewra dem Arbeiter-Feuerbestattung sv e r e i n „Flamme" als, Untersektion einzureihen, doch gibt es da noch verschiedene Schwierlg- ■u'............... ... - •' — Segen der palästinensischen Erde Neue Hoffnungen und Perspektiven. Ein Viertel des ganzen jüdischen Jischuw Palästinas wohnt auf dem flachen Land, in den Kolonien. Das sind rund, 47.000 Seelen. Wenn man noch jene Menschen hinzurechnet, die ihre Existenz aus den Kolonien ziehen, aber in den Städten wohnen, wie wohlhabende und mittlere Orangenplantagenbesitzer, Agronomen, Spezialarbeiter, Fabrikanten, Exporteure,,* wird sich die Zahl de"r Juden, die im Dorf oder vom Dorf leben, noch bedeutend erhöhen. In dieser Hinsicht hat Palästina alle Länder der Galuth überholt: In keinem Land der Welt, nicht einmal im'fruchtbaren'1 Argentinien, lebt ein so hoher Prozentsatz. Juden vonder Mutter Erde. All das hat sich im vernäTtfiisinäßrg kürzen Zeitraum von 50 Jahren vollzogen.."-. . ■. Vor 50 Jahren war in Palästina: Mikweh Israel im Werden, das liquidierte Petach Tikwah, Montefiores Oraiigengärten neben Jaffa, zwei kleine jüdische Siedlungen bei Safed und Jerusalem. Und heute? Zwanzig jüdische Dörfer mit einer Bevölkerung von 47.000 Seelen; 1,25 Millionen Dunam Böden; fast 100.000 Dunam jüdische Orangenplantagen; 500' Brünnen mit einer Kapazität von 50 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich usw. — ein Reichtum, der in Geld nicht abzuschätzen ist. Und in dieser Richtung geht es weiter. Sachverständige berechnen, daß in ein paar Jahr**» w»xn alles von jüdischen Händen Gen/lanzte-Frucht gibt, die jüdische landwirtschaftliche I^pduktion in Palästina 2,5 Millionen Pfund jährlich ergeben wird. Und zwei Drittel hievon werden zweifellos aus der Örangenzucht stammen. Vom Orangenzoll , t- Es ist daher das Interesse mehr als verständlich, das der ganze Jischuw der Pflanzungswirtschaft und vornehmlich der Orangenzucht zuwendet. Man weiß, daß rund 70 Prozent des ganzen Orangenexports nach England gehen, das sich in der letzten Zeit mit einer Zollmauer umgeben hat. Bis zum Monat März ist jede Kiste Pajästina-Orangen mit 1 sh. Zoll belegt gewesen. Auf der Imperialkonferenz von Ottawa wurde beschlossen, den Zoll auf Früchte, die zwischen dem 1. April und dein 30. November nach England eingeführt werden, zu verdoppeln; das geschah auf Verlangen von Südafrika, das ebenfalls Orangen pflanzt. Dieser Beschluß bedarf noch der Bestätigung des englischen Parlaments, Im Zusammenhange damit hat der Verband der palästinensischen Landwirte und Orangenpflanzer dem Oberkommissär General Wauchope folgende Forderungen unterbreitet: 1. Das englische Parlament soll vor Bestätigung des Ottawa-Beschlusses das Datum der Zollverdoppelung ändern, indem der Zoll für die Zeit vom 15. Mai bis zum 30, Oktober gelten soll, da die südafrikanischen Ladungen nicht früher als vor Ende Mai und nicht später als bis Ende Oktober in England eintreffen, während die Palästina-Orange bekanntlich eine Winterfrucht ist 2. In London und in Genf möge der Oberkommissär den Boden für ein Zollabkommen zwischen England und Palästina vorbereiten, damit das ] Land an den besonderen Rechten der englischen Krone partizipieren könne. keiten, da zur Bedingung gestellt wird, daß die Chewra nur Proletarier beerdigen darf... Also gut, ich sende Ihnen Erlagschein. Freiheit, Herr Kommerzialrat." Ein älterer, elegant gekleideter Herr stürmt aufgeregt in das Zimmer: „Das ist doch unerhört, was mir passiert, jetzt bin ich 30 Jahre Mitglied der .Union', aber so was war noch nicht da!" Sekretär: „Was ist denn passiert, Herr Börsenrat?" Börsenrat: „No hören Sic, Sie schicken mit einen Goj in die Wohnung, für den Wahlfonds schnorren!" Sekretär: „Aber, Herr Börsenrat, Sie müssen doch die Situation berücksichticen, zu solcher Arbeit braucht man Jugend, die Zionisten haben so viele junge Menschen und wir gar keine, da haben wir uns durch Zuziehung nichtjüdischer arbeitsloser Parteimitglieder behelfen müssen." Börsen rat: „Mir ist das ganz egal, so etwas mache ich nicht weiter mit. Der Goj kommt zu mir und fragt, ob ich nicht etwas für den Wahlfonds geben will. Ich frag' ihn erstaunt, für was für einen Wahlfonds, sagt er mir, er weiß das nicht so genau, es finden jetzt die Wahlen in das jüdische Domkapitel oder in so etwas ähnliches statt und es geht gegen die Kapitalisten. (Schreiend:) Was heißt Kapitalisten, was heißt Proletarier, in dieser schweren Zeit Zwietracht tragen, in unser Volk! Ueber alle Gegensätze hinweg, sind wir ja alle, vor allem und ausschließlich D e u t s c h e!" (Erregt ab.) Sekretär: „Ich habe ja immer gesagt, bei der Chassene kommt nichts heraus. Wir hätten uns mit diesen jüdischen Ausbeutern eben nicht einlassen sollen." Ein Redakteur der „Roten Wahrheit" tritt ein, zum Sekretär: „Schrecklich ist das, ich habe schön wieder keinen Leitartikel für die morgige Nummer Die Antwort des Generals Wauchope hat den Jischuw ein wenig beruhigt. Man rechnet mit einer günstigen Erledigung für die Landwirtschaft Palästinas. England konsumiert insgesamt 12 Millionen Kisten Orangen jährlich, zum Teil auch aus Spanien. Wenn Palästina imstande sein wird, ein Drittel davon unter erleichterten Zollbedingungen zu liefern, dann kann die nächste Zukunft der palästinensischen Orangenproduktion :als.;'g6sicnert angesehen .werden. Weinexport und Prohibition Die Regierungsstatistik zeigt, daß : 80 Prozent der Tai fei t r a u b e n den' Arabern, 90 Prozent. der Trauben für :W e in p r o d ü k t i o n den Juden gehören. Die Weinpröduktioh hat in den letzten Jahren ein schwächeres Geschäft ergeben.; Palästina hat die zwei wichtigsten Märkte R u Blä hd,vü h d Amerika verloren. Wahrend für die Rückeroberung des russischen Marktes keine Hoffnung gesteht, kommt ein Hoffnungsstrahl aus Amerika: Wenn nach den Präsidentschafts« wählenv dieT Pro h i b i t i o ri abgeschafft wird, sitzt der Palästina-Weih hoch zu Roß. Dieser neue Impuls kann der5 iand^viTtschaftlichen Produktion Palästinas zu. weiterer Stärkung verhelfen. Judifdie Sports und illllllllllill Turnfoewegung Die Hakoah-Ringer In Kadermanns Saallokalitäten fand vor kurzem der Entscheidungskampf um die Meisie rschaft von Wi e n im Ringen zwischen dem S. C Hakoah und dem Simmeringer A. C.; statt. Dabei blieben die Hakoahner mit 10:15 .Schlechtpunkten Sieger und eroberten zum a c h't e n ina 1 den Titel Mannschaftsmeister von' Wien. Es besiegten: Flamm' (H.) mit finnischem Hüftschwung Führer (S.) in 8,45 Min., Fincsus (H.) mit Ilüftschwung Wimmer (S.) in 9 Min., H. Stiedl (S.) nach Punkten E. Gottlieb, (H.), Sesta (S.) nach Punkten Feingold H.), K. Stiedl (S.). nach Punkten Bergmann (H.), Birnbaum (H.) nach Punkten Derzaly (S.), Hirschl (H.) mit Untergriff und Eindrücken der Brücke Riedmüller (S.)'. Gegen die Verifizierung dieses Resultats haben die Simmeringer beim Oesterreichischen Kraftsportverband Protest eingelegt und damit begründet, daü sie durch die viel zu geringen Ausmaße des Kampfbodens stark behindert waren, und behaupten, daß sie auf normalem Boden unbedingt Sieger über die Hakoah geblieben wären. Der Oesterreichische Kraftsportverband hat den Protest de3 Simmeringer A. C„ als zu spät eingebracht, abgewiesen. Gleichzeitig haben die Simmeringer die Hakoah-Mannschaft aufgefordert, noch ein zweitesmal gegen sie anzutreten, und wollen sie beweisen, daß sie die beste Wiener Ringmannschaft sind. Der S. C. Hakoah hat sich mit selbstverständlicher Fairneß bereit erklärt, den Simmeringern die verlangte Revanche zu geben. Dieser Revanchekampf, der mit zwei Mannschaften ausgetragen wird, findet Sonntag, den 27. d. M., um halb 5 Uhr nachmittags, im Zirkus Zentral, IL, Prater, statt. Die beiden Gegner rüsten fieberhaft, um diesen wichtigen Kampf für sich zu entscheiden, und werden mit ihren stärksten Mannschaften antreten. Die Aufstellung der Hakoah lautet: Flamm, Fincsus, E. Gottlieb, Ochshprn, Bergmann, Birnbaum,. Hirschl. Das Interesse für diese Veranstaltung ist ungemein groß und sind überaus schöne, interessante und spannende Kämpfe zu erwarten, so daß dem Publikum ein besonders genuß» reicher Nachmittag geboten wird. Fincsus österreichischer Meister im Federgewicht Am 12. und 13. d. M. wurden beim Kadermann im Prater die österreichischen Meisterschaften im Ringen der „Roten Wahrheit". Lauter Sachen, die wir nicht bringen können. Das Beste ist noch dieser (liest): ,Di« Not des Israelitentums und deren Abhilfe.' (Fortfahrend:) ,Aber da heißt es, daß der Antisemitismus nur darauf zurückzuführen ist, daß es zu viele Israeliten gibt, und er macht den Vorschlag, den, Antisemitismus durch möglichst strenge Geburtenkontrolle zu bekämpfen. Aber das können wir ja wegen unseren alten Mitgliedern nicht bringen, denn erstens braucht der Herr Bundespräsident Soldaten und, zweitens: Geburtenbeschränkung! Wenn die vornehmen; Damen der Union ein derartig ordinäres Wort hören, sö fallen sie mir in Ohnmacht." Sekretär: „Sie haben doch imEinlauf einen Artikel über „Kaiser Josef und die Union deutschösterreichischer Juden", bringen Sie den als" Feuilleton, um die Leute auszusöhnen." Redakteur: „Aber das geht doch nicht, bei einem Kaiser meutern mir wieder die Genossen. Durch so; etwas bringe ich die ganze, so mühsam zusammengestöppelte Einheitsliste in Gefahr." S c k r e t ä r: „Vielleicht kann man die beiden Themen irgendwie verbinden?" Redakteur: „Wie verbinden? Ueber ,Karl Marx und die Union deutsch Österreichs scher Juden' habe ich ja vorige Woche geschrieben, über ,L e n i n und die Union' vor 14 Tagen. Ich sage Ihnen, es ist fürchterlich, immer aufpassen müssen, daß es nicht zwischen den beiden Gruppen zu einem Krach kommt. Diese Wähler sind ja so entsetzlich blöd." S e k r e t ä r (ironisch lächelnd): „Blöd? Finden Siel" Redakteur (gleichfalls lächelnd): „Ich glaube, Sie haben recht. Sie sind gar nicht so dumm." Sekretär (nachdenklich): „Ich glaube, wie wollen sie hereinlegen, aber zum Schluß werden wir diel Hereingelegten sein." mmmmmmimmmammmmmtmmmtmmm^mmmmmmmmmmmmmmmm^^^m^nm zur Austragung gebracht. Bei dieser von fast allen Bundesländern sehr reichlich beschickten Konkurrenz, die alljährlich den Höhepunkt im Ringkampfsport bedeutet, hatte die Ringsektion des S. C. Hakcah einen großen Erfolg zu verzeichnen Der bekannte, fabelhaft talentierte und überaus schneidige Hakoahner Erich Fincsus, heute schon ein Ringer internationalen Formats, wurde in der Federgewichtsklasse unter zwölf Teilnehmern Erster. Den dadurch erworbenen Titel „Meister von Oesterreich" führt kein Sieger in den weiteren Gewichtsklassen so zu Recht wie er, dessen überragendes Können von keinem seiner Gegner auch nur annähernd erreicht wurde. Nicht minder lobend ist der ganz ausgezeichnete E. Gottlieb hervorzuheben. Dieser tüchtige Hakoahner hatte sich bei schwerster Konkurrenz von 13 Teilnehmern in hervorragendem Stil bis in die Entscheidung ohne Punkteverlust durchgekämpft. Im Entscheidungskampf traf er mit Grasl (Austria) zusammen. Der von Gottlieb klar überlegen geführte Kampf wurde jedoch vollkommen unverständlich und unter all-, gemeiner Enatrüstung vom Schiedsgericht gegen ihn entschieden. Durch diese ganz krasse Benachteiligung wurde Gottlieb auf den zweiten Platz verwiesen. Turnzeiten im Turnverein „Makkabi", Wien, Sektion IX., Wien, IX., Liechtensteinstraße 20 — Kinder. (Buben und Mädel): 6 bis 14 Jahre, Mittwoch und Samstag H5 bis y*7, Leitung: Frl. Gertrude Kraus, Ing. Patlatschenko. — Mädchen, 14 bis 17 Jahre: Mittwoch' und Samstag %1 bis 3/48, Frl. Dele Degenstück. — Zöglinge (Knaben), 14 bis 17 Jahre: Mittwoch und Samstag 3/t8 bis J410; Turnen: Herr Sigm. Kertmann, Boxen: Boxmeister Franz Krauß, Jiu-Jitsu: Ingeneur Patlatschenko. — Alt-Herren-Turnen (über 35 Jahre) : Montag und Donnerstag, Leitung: Herr Prokurist Löbl. — Herren (unter 35 Jahren): Montag und Donnerstag 8 bis J410 Uhr, Herr Adolf Schreck. — Damen: moderne Frauengymnastik, Dienstag und Freitag 7 bis 8, Leitung Frl. Lotte Türkl.—Rhythmisches Turnen für Damen: Dienstag und Freitag 8 bis 9, Leitung: Frl. Gertrude Kraus. — Boxen: Montag 3/48 bis 9, Donnerstag 3k8 bis 9, Samstag 9 bis 10, Herr Boxmeister, Franz Kraus. Moderne Hcizungs- und Entlüftungsanlage, kalte und warme Duschen, mäßige Beiträge, Auskünfte bereitwilligst täglich abends (außer Sonn- und Feiertags) —< Zuschauerraum — Wintersportlager zu Weihnachten —* Ausflüge — gesellige Veranstaltungen — Schauturnen* Motzi Spakow, der bekannte jüdisch-rumänische Meister, schlug in einem Herausfordemngskanipf Pavelescu in der neunten Runde c. o. Weltmeister Young Perez hat der Wiener Kultusgemeinde S 300 gespendet. Festsaal 220 Sitzplätze Vortragssaal zirka 150 Sitzplätze für Veranstaltungen, Versammlungen, Vorträge, Konzerte, Konferenzen usw. gegen mäßiges Entgelt zu vergeben Auskünfte: Verbandsheim II.» Unlere Augarten«! r. 38 Eigentümer, Verleger, Herausgeber and vcrantwortücQer Redakteur Oberbaurat Roben Stricker. <-» Druck: Druckereim4 VertagS'A.*G. Igna« Steinmann, beide Wien IX. Uolvtrtltgtsstraltj 6-f.