Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 259 (2.9.1932)
- Date
- 1932-09-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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* Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 259 GRABSTEINE FRIEDLANDER & DEUTSCH Wien,/.Bez., SeUensteÜengasse2, Telephon V-28 U28 XL,Zenitalfriedhof neb.d. 1. Toi, Telephon U> 18-0-SS ° 1 * be8lbcwährte »wich ädlich NUSS } HAARFARBE f/ WESENA tärbt echt, naturgetreu und dauerhaft von Blond bis Schwarz Ueberau erhältlich S 2.— und S 3.50 W. SEEGER, Wien XV, Wurzbachgasse 19 bewalfnet werden, da wir zu wenig Gewehre hätten. Wenn dies nicht der Fall wäre, hätten wir nicht das moralische R e c h t, unsere Leute auszuliefern und den Ort der Waffen anzugeben. Wir baten Colonel Storrs um eine Antwort. Er sagte, dal? ein diesbezüglicher Beschluß lediglich von General Bolls gefaßt werden könne. Er beorderte uns für nachmittags in sein Büro, wo er,im Besitz der Antwort der militärischen Verwaltung sein werde und wo wir gemeinsam die weiteren Schritte beraten könnten. Wir verließen das Büro. Ich bat Colonel Storrs um Rüokgaibe meines Revolvers. Er erwiderte mir, er habe aus Jabotinskys Worten verstanden, daß ich meine Waffe bedingungslos abgegeben haibe, deswegen könne er sie mir nicht zurüakgeiben. Um 4 Uhr nachmittags trafen wir Colonel Storrs niit Colonel Bromley im Büro des Mdlitärgouverneurs. Die Herren berichteten uns über die Maßnahmen, welche die Militärverwaltung durchzuführen bestrebt sei, um weitere Unruhen zu verhüten. Wir stimmten dem zu und erklärten, daß die arabische Polizei entwaffnet werden müsse, wenn die Verwaltung es für notwendig halte. Colonel Bromley schlug die Schaffung einer speziellen Miliz vor. Wir waren einverstanden, aber Colonel Storrs lehnte ab. Ich schlug die Einführung des Standrechtes vor. Colonel Storrs 'versprach, darüber mit dem Hauptleiter zu sprechen. Wir stellten hierauf den Antrag, den Selbstschutz zu benützen und die jüdische Beyülkerung durch ihn verteidigen zu lassen. Wir wären hiezu imstande gewesen — auf Grund der Zusage, des Colonel Storrs, daß die Selbstschutzmitglieder nicht verhaftet werden, wenn sie sich nicht in großen Gruppen ansammelten. Aber praktisch blieb es unmöglich, den Selbstschutz für , unsere Zwecke zu verwenden, da eine Gruppe des Selbstschutzes gleich nach seinem Inkrafttreten verhaftet wurde. Das einzige, das wir tun konnten, war das Patrouillieren durch die Stadt. Der Pogrom geht weiter Der Pogrom am zweiten Tag und ansibesondere am dritten Tag veranlaßte die Militärverwaltung, sich der jüdischen Selbstschutzabteilung zur Verteidigung der .jüdischen Bevölkerung zu bedienen. Mittwoch, den 7. April, wurde ich zum Militürgouverneur geladen, wo ich Colonel Storrs, Colonel Brymley und Colonel Body antraf. Sie sagten mir, die militärische Verwaltung sei damit einverstanden, sich unserer Leute zu bedienen, und fragten, wieviel Menschen ich zur Verfügung stellen könne. Ich stellte nicht weniger als 5ÖÖ bis 600 in Aussicht, aller man erklärte mir, daß man bloß 200 Mann gebrauchen könne. Colonel Body erklärte mir, daß die Zusage der Hauptverwaltung die Schaffung einer unbewaffneten Miliz bedeute. Er fragte mich, ob ich die Verantwortung für die Leute übernehmen könne. Ich gab ihm eine positive Antwort. Colonel Body sagte mir zum Schluß, es sei möglich, daß unsere Leute noch am gleichen Tage gebraucht werden könnten, die Anzahl und der Zeitpunkt .würde aber erst später vom Militärgouverneur bestimmt werden. Spät bei.Nacht erfuhr ich, daß.sich unsere Leute frühmorgens um 8 Uhr beim russischen Gebäudeversammeln sollen. Man gab uns keinen Naohtpassierschein, so daß es nicht möglich war, 200 Leute auszuwählen. Nichtsdestoweniger fanden sihe genug Menschen ein. Es gelang uns, 100 ausgewählte junge-Männer auf dem bestimmten Platz und-zur festgesetzten Stunde zu stellen. Colonel Bopheim fragte jedne einzelnen aus und nahm ihm den Eid ab. Eine Stunde darauf gab man uns zu verstehen, daß. die Militärverwaltung b e-' schlössen habh; die ganze Angelegenheit des jüdischen Selbstschutzes fallen zu lasse n." Pogrome, wenn Selbstschutz fehlt Fd*age: „Welchen Zweck hatte der Selbstschutz?" Antwort Ruthembergs: „Ausschließlich die Verteidigung der jüdischen.Bevölkerung gegen organisierte und vorbereitete arabische Ueberf alle. Ich bin s i ch e r, daß, _ wenn die Militärverwaltung sich der jüdischen S e lb s t s ch u t z a b t ei 1 u n g bedient haben würde, sofort am ersten Tag der Pogrome:(liese aufgehört und sich n i c tht m e h r w.d.e.d erholt h ä tt e n." Frage: „Wann ist Leutnant Jabotineky verhaftet worden?" Antwort: „Am 7. April." Frage: „Waren Sie einmal verhaftet?" Antwort: „Nein." Frage: „Welche Instruktionen wurden Ihren Leuten gegeben?" Antwort: „Man hat ihnen den Auftrag gegeben, sich sehr reserviert zu-verhalten, auf Schimpfworte nicht zu reagieren, nichts ohne Befehl von Jahofinsky Zu tun. Man muß zugeben: Die Disziplin war wunderb a r." Frage: „Können Sie .uns nicht .erklären, ab die Bewaffnung des einen 'Teiles der Bevölkerung den anderen Teil der Bevölkerung ,.nicnt hätte1 aufreizen können?" Antwort: „Der andere Teil der Bevölkerung, d. h.!die Araber, waren.schon seit langein insgeheim bewaffnet. Die geheime Bewaffnung der Juden begann erst einige Tage vor dem Pogrom, Die Pläne der Araber, Pogrome zu inszenieren, waren schon länget ausgearbeitet, bevor der Selbstschutz formiert wurde." w Jedem, der dieses Dokument — die Zeugenaussage des Ingenieurs Pinchas Ruthenberg «— aufmerksam liest. yiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiciiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiti uggrundet 1882 Lebenwerslctte« .PHONIX' Zentraldirektion: WIEN I., Riemergasse Nr. 2 | ytrsidiernngsbistand Ends 1930 2560 Millionen SdiillinP. s Volleingezatiltes Aktienkapital 4,000000. Sdiillmn 5 Prämien- und Zinsene nnahmen im Jahre 1930 150 Mill onen Schillina E E Garantiemittel Ende 1930 378 Millionen Sdiillinq n E JQuaMongen an Vmidierte im Jahre 1930 35.5 Millionen Sdiillina j§ E Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich. Frankreich. E Belgien. Holland. Italien, Spanien, Tschechoslowakische E Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- E E land, Türkei. Aegypten und Palästina. ^iiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiirtiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin? muß die Aohnlichkeit zwischen dem ersten und den späteren Pogromen auffallen, insbesondere im Verhalten der Palästina-Regierung. Bloß die Schauplätze haben eich geändert; andere Namen tauchen auf. Anstatt General Bolls, Colonel Storrs u. a., welche die Regierung im Jahre 1920 leiteten, werden im Verlauf des Pogroms vom August 1929 die Namen Luke, Keatroch u. a. der jüdischen Welt populär. Die Personen haben gewechselt, das System i 61 geblieben. Die britische Regierung hat den arabischen Pogromisten die Möglichkeit gegeben, ihren Mordinstinkten freien Lauf zu lassen. Zu gleicher Zeit hat sie ihre ganze Energie zur Bekämpfung des jüdischön Selbstschutzes eingesetzt, der jüdisches Leben und Eigentum in Erez Israel geschützt hat. Wenn die Versuche der Araber gescheitert sind, die Juden durch Pogrome vom Zionismus abzubringen, und all das mit so viel. Opfern im Land Gesdvaffene zu vernichten, 60 ist dies der jüdischen Jugend in Palästina zuzuschreiben, die unerschütterlich ist in ihrem Patriotismus und fest verwurzelt in ihrem Heimatland: die Jugend des jüdischen Selbstschutzes, der die verbrecherischen Attacken der Araber und die böswillige Hilfeleistung der englischen Antisemiten zunichte gemacht hat. An die jüdischen Arbeitgeber! Beim unterzeichneten Verband sind gegenwärtig 150 stellenlose Angestellte und Arbeiter vorgemerkt, von denen ein großer Teil bereits ausgesteuert ist und sich in größter Notlage befindet. Wir ersuchen daher dringendst, offene Posten aller Kategorien bei uns anzumelden. Stellung suchen: Verkäufer und Lageristen, Reisende und Vertreter, Manipulanteti diverser Branchen, Verkäuferinnen, Buchhalter und Kontoristen (innen), Korrespondenten(innen), Ingenieure und technische Beamte, Erzieherinnen, Wirtschafterinnen, Hauspersonal, Geschäftsdierier, Hilfsarbeiter, Metallgießer, Tischler, Installateure, Autosattler, Mechaniker, Elektromonteure Tapezierer, Musiker, Adressenschreiber, . Chauffeure Einkäufer, Inkassanten, Sitzkassierinnen, Kinderfräulein, Hofmeister usw% Jüdischer Angestelltenverband „Emunah", Wien, I., Jordaiiigas.se Nr. 7. Jüdischer Angestelltenverband „Emunah", Wien, I., Jordangasse 7. Samstag, den 3. d. M., Vortrag des Herrn Hans Hacker: „Portugal, Reportage aus dem Lande süßlicher Lyriker und ungeschickter Bombenwerfer (Erlebnisse eines jüdischen Vagabunden). „Beginn Yi9 Uhr abends. Gäste willkommen. Vortrag des hebräischen Dichters U. Z. Grinberg im Rahmen der Histadruth Iwrith. Der berühmte hebräische Dichter U. Z. Grinberg aus Palästina spricht Samstag, den 3. September, 8 Uhr abends im Rahmen der Histadruth Iwrith im „Herzl"-Saale, IL, Untere Augartenstraße 58. über ein aktuelles literarisches Thema. Nachher liest der Dichter aus eigenen Werken. Jizchak Grünbaum in Wien. Der bekannte Sejmdeputierte Jizchak Grünbaum, ehemaliger Präsident der zionistischen Gesamtorganisation Polens, spricht über Einladung des Verbandes radikaler Zionisten am 10. September 1932, halb 9 Uhr abends, im Festsaale des Hotel Kontinental, II., Taborstraße 2, über „Weltzionisnius und Weltkongreß." :_ lüch'§dier Sport Hakoah bezwingt dien Wiener Sportklub 1:0 Nicht nur die jüdische, sondern die gesamte Wienci; Sportgemeinde hat ihre Sensation. Der Hakoah gelanges, auf dem heißen Dornbaeher Grund dem. Wiener Sportklub in einem erbittert geführten Gefecht beide Punkte abzunehmen. Die Blau-Weißen hatten, trotzdem sie nur 1 :0 siegten, von allen Wiener Ligaklubs das beste Torverhältnis erzielt, und wollte man eine Tabelle aufstellen, so figuriert Hakoah an erster Stelle. Mit unerhörter, selten gesehener Aufopferung schlug sich dje gesamte Mannschaft der Hakoah, speziell aber die Verteidigungsformatioru Einen von dem Trio Löwy- Ams ter-Feldmann hervorzuheben, wäre eine Ungerechtigkeit. Sie alle schlugen sich bravourös und ließen keinen Moment in ihrer energievollen Abwehrarbeit nach; Ein wundervoller Mittelläufer war, bis auf eine kleine Schwächeperiode, Drucker, der in Donnenfeld und Platschek zwei würdige Nebenleute hatte. Im Angriff brillierten Mausner und Eisenhoff er, schwächer als sonst war der auf den uogewohuten , Flügelposten gestellte Ehrlich. Trotzdem das Spiel mit dem größtmöglichen Kräfteaufwand geführt wurde, kam es auf dem Spielfeld, dank der umsichtigen Leitung des Schiedsrichters B e r a n e k, nur zu verhältnismäßig kleinen Zusammenstößen. Dagegen war da« Treiben der Sportklub-Anhänger wohl etwas gefährlicher. In der zweiten Spielhälfte wurden Löwy suchen Möbel von besonderer Qüte, Möbel aus guten Wiener Werkstätten. Sie wollen billig bedient und fachmännisch gut beraten werden. Wir laden Sie ein, besichtigen Sie unser sehenswertes Lager, das größte seiner Art in Wien. Bnorme Auswahl in Stil- und Luxusmöbeln. Einzig schöne vorbildliche Modelle neuzeitlicher Möbelkunst. Bürgerliche Wohnungseinrichtungen. Möbel für jedermann. Zahlung ' *ien Beachten Sie die Haus-Nr. 99 Kunflmöbel Pach A.0G* Wien, VI., QQ Mariahilferstr. J J Keine Filialen EINLÖSUNG - von GOLD SILBER PLATIN G. A. SCHEID WIEN I, Frant-fösefs-Kal 49 Wien VI, Qumpendorter8traße 83 Wien VH, Kaiserstraße 6//Ö9 Rainer Wien VI DürereasR» bei bestellungen bitte sich auf die «neue weit» zu berufen! und Feldmann mit faustgroßen Steinen beworfen, der Schiedsrichter sah sich deshalb auch veranlaßt, das Spiel abzubrechen. Einige Ordner schritten ein. Die 3 letzten Schleudcrtnge bei ..Schiffmann'' bieten allen, die sparen wollen oder müssen, eine noch nicht dagewesene und nicht so bald wiederkehrende Gelegenheit, schöne Kleider, Blusen. Schlafröcke, Hüte, Schuhe usw. zu lachhaft kleinen Preisen zu kaufen. Also, aufgepaßt: Nur noch Donnerstag, den 1., Freitag, den 2., und Samstaj-, den 5. September, alles zu einem kleinen Brüchteil des wirklichen Wertes. Es wäre schade, diese Okkasion ohnegleichen zu versäumen! Herbst- und Winter- Mäntel, Pelzmäntel, die neuesten Schöpfungen, sind bereits eingelangt und werden zu verblüffend niedrigen Vorsaison-Preisen abgegeben. Daher . . . auf zu Schiffmann . . . kauf bei Schiffmann, Wien, IL, Taborstraße 48. Provinz-Versand per Nachnahme. Fahrtvergütung. . . E Tannenberg — ungekürzt freigegeben Auf die Klage der Kinobesitzer hat das Gericht eine einstweilige Verfügung erlassen, wonach der Verleiher verpflichtet wurde, die hier erliegenden Kopien des Films „Tannenberg" den Kinobesitzern ungekürzt zur Verfügung zu stellen. Dieser interessante Film ist täglich im Busch-, Burg-, Kärntner-, Rotenturm- und Haydn-Kiuo zu sehen._ Unsere gesehätzten Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, auch antiquarisch, zu ermäßigten Preisen erhältlich sind, Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich. . Keine Nebengebühren. Für Anfragen •Telephon R-41-4-2Ü. " L Amtliche Verlautbarungen der Ifrael« Kultusgemeinde Wien« Gottesdienst Der Vorstand der Israelitischen KultusgemeiiKiu Wien veranstaltet anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage im Großen Musikvereinssaal, L, Dumbagasse 3, im Soliensaale, III., Marxergasse 13, sowie im Festsaale des Hotel Continental, IL, Taborstraße 4, feierliche Gottesdienste. Jene Parteien, welche auf die im Vorjahre benutzten Sitzplätze reflektieren, können die neuen Karten gegen ^Vorweisung der vorjährigen an der Kartenkasse der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, L, Seiten« Stettengasse 4, 1. Stock, in der Zeit vom 13. September bis 21.: September d. J. während der Ausstunden von 8 bis 1 Uhr mittags beheben. Der allgemeine Verkauf beginnt am 22. September d. J. Betsitzkarten für den Leopoldstädter Tempel Die P. T. ßetsitzinhabei-, welche auf ihre vorjährigen Sitzplätze im Leopoldstädter Gemeindebethaus reflektieren, werden hiemit ersucht, ihre Karten rechtzeitig zu erneuern. Dieselben können bis längstens Mittwoch, den 21. September d. J., während der Amtsstunden von 8 bis 1 Uhr mittags an, der Beteitzkartenkasse der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, L, Seitenstettengaese 4, 1. Stock, behoben werden. Die bie dahin nicht erneuerten Sitzkarten gelangen a'b 22. September während der Amtsstunden von 8 bis 1 Uhr an obgenannter Kassa zum allgemeinen •Verkauf. fögettttmer. Verleger. Herausgeber and veraatwortJlcoer Redakteur Oberbaurat Robert Stricker. Druck: Druckerei- und Vcrta«s-A,-G Iguat Stehunana beide Wien IX. Universitätsstraße fi—s