Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 242 (6.5.1932)
- Date
- 1932-05-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Vt. 24ß Aus der revisionistischen Well Meir Großman in Wien Der Vizepräsident der zionistisch-revisionistischen Exekutive, Meir Großman (London), wird am 16. Mai in Wien eintreffen, um hier mehrere Besprechungen abzuhalten. Näheres wird noch bekanntgegeben. Konferenz der palästinensischen Revisionisten Jerusalem. Die in Tel-Awiw abgehaltene Konferenz der Zionisten-Revisionisten Palästinas stimmte in einer Resolution den Beschlüssen der Exekutive des Weltverbandes der Zionisten-Revisionisten, die im September 1931 auf der Tagung in Calais abgefaßt wurden, zu. Die Konferenz beschloß ferner mit Mehrheit, die Exekutive des Weltverbandes der Revisionisten aufzufordern , eine von der Zionistischen Weltorganisation unabhängige zionistische Politik zu führen. Zum Führer der palästinensischen Revisionisten wurde Achi-Meir gewählt. Der Sitz der Exekutive wurde nach Jerusalem übertragen. Die revisionistische Weltexekutive und das englische Palnstinainandat London. Im Zusammenhang mit dem Brief Wladimir Jabotinskys an die Konferenz der palästinensischen Revisionisten, in welchem die Notwendigkeit einer Aktion zur Ersetzung Englands als Mandatar Palästinas durch eine andere Macht angedeutet wird, wird in revisionistischen Kreisen betont, daß weder von der Exekutive des Weltvcrbandes noch vom Parteirat noch von irgendeiner revisionistischen Wcltkonferenz ein Beschluß gefaßt worden ist, wonach Großbritannien als Mandatar Palästinas durch eine andere Macht ersetzt werden sollte. Die zweite revisionistische Konferenz in Frankreich Die wichtigsten Resolutionen In der Vorwoche fand in Paris die 2. Konferenz der Zionisten-Revisionisten Frankreichs statt. Die Beschlüsse, die auf dieser Tagung gefaßt wurden, sind für die in Paris lebende revisionistische Gruppe charakteristisch. Im wesentlichen besagen die Resolutionen folgendes: Die Konferenz stellt den antizio i)istischen Charakter der gegenwärtigen englischen Politik in Palästina, das Fehlen der elementaren Sicherheit des Jischuv und die Machinationen, Palästina zu einem Zentrum panislamischer Bewegung unter dem Einfluß Englands zu machen, fest. Die politische Antwort des jüdischen Volkes hat in der Lossagung von der pro-englischen Orientierung und in der Forderung nach Revision in der Frage des englischen Mandats über Palästina auf internationaler Grundlage zu bestehen. Die Konferenz sieht keine Basis der Zus a.m menarbeit mit der zionistischen Weltorganisation, die die Grundprinzipien des Herzischen Zionismus verraten hat (Judenstaat, demokratischer Charakter der Organisation, erweiterte Jewish Agency), verlangt den Austritt der Union der Zionisten-Revisionisten und die Schaffung einer unabhängigen zionistischen Organisation. Damit wird gleichzeitig jede Teilnahme der französischen Revisionisten an den Arbeiten der zionistischen Föderation Frankreichs abgelehnt. Die Konferenz protestiert gegen den Willkürakt der Palästina-Regierung iu der Frage der Wadi- C h a w a r i t h - B ö d e n u wl gegen das Direktorium des Keren Kajemeth -wegen seiner Haltung in dieser Frage. Die 2. Konferenz dei französischen Revisionisten sendet warme Grüße ihren Kampfgenossen in Palästina, die wegen ihres unermüdlichen Kampfes für den Judenstoat verfolgt und in die Gefängnisse gesieckt werden. Brith Trumpeidar (VomShilton-Büroin Paris) S h i 11 o n. Der Rosch Betar bestätigte mit besonderer Pekuda den zum zeitweiligen Netziv für Erez Israel ernannten Dr. Julius Fröhlich. Die Bestätigung .erfolgte auf Grund des Berichtes des Shilton über die erfolgreiche Tätigkeit des Netziv in den ersten Monaten seiner Amtszeit. — Mitte Mai übersiedelt der Ketzin Haschilton B. Lubotzky nach Paris. Er wird die Leitung des Erziehungs- und Pressedepartements übernehmen. — Am 20. April versandte der Shilton an alle Netzivim die Instruktionen für die Prüfungen aus der Hachschara Haganatith. — Auf Grund des Vorschlages des Leiters des Totzereth-Haaretz-Departements in Erez Israel A. Adari hat der Shilton beschlossen: 1. Die Produktion der Totzereth Haaretz zu monopolisieren, die zu der Uniform des Betar gehören; 2. der Vertrieb der übrigen Jischuw-Produktion wird dezentralisiert und zwischen Palästina und den Ortsgruppen abgewickelt werden. Letzteres mit Hilfe der Postversandgesellschaft in Palästina, mit der der Betar einen Vertrag abschließt. Kataloge in Hebräisch, Deutsch und Englisch sind schon erschienen. — Aus Palästina sind die ersten Abzeichen des Betar aus Totzereth Haaretz eingetroffen. Die Ausführung ist sehr gelungen. Mit dem Vertrieb wird der Shilton demnächst beginnen. Information. Erez Israel: An der Makkabiade haben sich im Demonstrationszuge etwa 250 Betarim, alle uniformiert, beteiligt. Die Betarim wurden stark akklamiert. — Der Betar in Palästina übernahm für die letzten fünf Tage der Levante-Ausstellung den Ordnerdienst. Ein Lager von 14 Zelten und für 70 Betarim wurde vor der Ausstellung DIE NEUE WELT aufgeschlagen. — Eine spezielle Pekuda hat die Bedingungen für die Einreihungen in die Reserve und die Ablegung der Bnei-Betarexamina ausgeschrieben. Die ersten zwanzig Betarim, die zu Bnei-Betarim erklärt wurden, haben den feierlichen Schwur im Ausstellungslager im Beisein vieler Gäste abgelegt. Bulgarien: Zu Pcssach wurden 20 Betarim und Betariot in Betariut und Wehrsport geprüft. — In den Wahlen zum Schulrat haben die Betarim den aktivsten Anteil genommen, um den Sieg der zionistischen Liste zu sichern. Litauen: Sechs Besuche in der Provinz sind durchgeführt worden. — Eine landwirtschaftliche Hachschara wird auch heuer in der Nähe von Meme^ organisiert werden. — Demnächst soll eine Uebersicht der zionistischen Geschichte erscheinen. — Ein neuer Ken ist in Kroki organisiert. Griechenland: Die Arbeit entwickelt sich vielversprechend. Die Werbeaktion hatte großen moralischen Erfolg. Die öffentlichen Veranstaltungen fanden einen rühmenden Wiederhall in der Presse. — Ein Chaver ist zur Hachschara in Holland abgefahren. — Isaak Kohen (Athen) besuchte den Ken in Saloniki und referierte über den Weg der Trumpeldorianer. Geldaktionen für die Bedürfnisse der Betararbeit sind zu ChoI-ha-Moed Pessach in Lettland, Polen, Litauen, C. S. R. und Rumänien durchgeführt worden. Presse: In Litauen ist der „Ha-Betari" Nr. 6 erschienen; in Belgien in Flämisch und Hebräisch die „Menorah" Nr. 2; in Polen das „Interne Bulletin" Nr. 4. Die Zeitungen enthalten aktuelle Notizen, ideologische Abhandlungen, Anweisungen für die Arbeit und eine weitgehend detaillierte Information aus dem Betarleben. „10.000 Unterschriften jüdischer Studenten" Während des 17. Zionistemkongresses fand eine Versammlung statt, an der alle in Basel anwesenden jüdischen Studenten teilnahmen. Diese Versammlung bestimmte den „Revisionistischen Studentenklub" (Wien) zum Organisator der Aktion „10.000 Unterschriften jüdischer Studenten". Da entgegen den Beschlüssen des 17. Zionistenkongresses sich das System an der Hebräischen Universität nicht änderte, erachten wir es als unsere Pflicht, diese Aktion auf das energischeste fortzusetzen. Wir ersuchen alle zionistischen Verbindungen, Vereine usw., wie auch unorganisierte Hochschüler, sich an dieser Aktion zu beteiligen und Bogen zur Einholung der Unterschriften vom Revisionistischen Studentenklub. Wien, IL, Untere Augartenstraße 38, zu beheben, Ein in Sao Paulo lebender Jude sendet uns den nachstehenden interessanten Bericht über die Verhältrusse der Juden in Brasilien. Vor dem Weltkriege gab es in der brasilianischen Kaffeestadt (die jüngst die erste Million überschritten hat, während sie noch vor dreißig Jahren bloß 30.000 Einwohner zählte) nur sehr wenige Juden. Diese waren schon vor vierzig Jahren eingewandert, gelangten fast alle zu Wohlstand und assimilierten sich in der Mehrzahl. Erst nach dem Weltkrieg, begünstigt durch die nordamerikanischen Einwanderungsbeschränkungen, setzte die große jüdische Einwanderung in Brasilien ein, deren Ziel zum Teil die so hoch in Entwicklung begriffene Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates war. Brasilien wurde ein Ventil für die jüdische Wanderbewegung. Allein im letzten Jahrzehnt sind ungefähr 10.000 bis 15.000 Juden hier eingewandert, in der Hauptsache Ostjuden (aus Polen, Rußland, Rumänien etc.), denen schließlich mit der Zeit auch kleinere Gruppen deutscher, österreichischer, ungarischer u. a. sich zugesellten. Jede der hier wohnenden Nationen hat ein oder mehrere eigene Stadtviertel. Auch die Juden haben rasch eine Vorstadt (Born Retiro) für sich okkupiert; zuerst nur ein paar Häuser, dann ein paar Gassen und schließlich — wurde es eine kleine Stadt. Born Retiro (das die Juden beharrlich als „Bomretiro" mit m, statt wie n aussprechen) ist zu einem geflügelten Worte geworden. — Sowohl bei Juden wie bei Christen. Born Retiro heißt jetzt Judenbezirk oder Judentum gemeinhin. In der Hauptverkehrsstraße reiht sich ein jüdischer Laden an den anderen. Dazwischen kleine Fabriken, Werkstätten etc. Mit und ohne Schwitzsystem. Alle Berufe sind vertreten. Viele Geschäftsläden tragen jüdische Aufschriften. Beschließt ein Verein ein Fest, so werden, sofort in all diesen Läden große Plakate in jüdischer Sprache affichiert. Die jUdische Sprache dominiert dort. Fast jeder Ostjude, der mit oder ohne Geld herkommt, wird zuerst „Klapper". Diesen Beruf kennt man in Europa nicht. O doch, aber unter anderem Namen. Die Klapper gehen klappernd und klopfend (ein brasilianischer Usus) von Haus zu Haus und kaufen alles zusammen, was alt ist, also alte Kleider, Hüte, Schuhe etc., die nach ihrer Versicherung nach drei Tagen wie neu aussehen. Eine Hauptgruppe wendet sich dem Ratenhandel zu, den die Juden hier eingeführt und zur Blüte gebracht haben. Das sind die sogenannten „Klientelschiks"; zwar von der Bevölkerung nicht sehr angesehene, aber gesuchte Händler, die sicherlich zwei Drittel der jüdischen Kolonie ausmachen dürften. Größere Händler beschäftigen eigene „Cobradoren" (Inkassanten). Das ist schon eine höhere Position (aber schlecht bezahlt), die den angeblichen Intelligenzlern Seite 7, _ fsUCHE —i <> für meine Freundin, sympathische,;: ]; wirtschaftliche Frau, welche eine jt < | schön eingerichtete WoTinung be-;: < > sitzt, einen Mann in guter Position :: «> im Alter von 2irka 60 Jahren. —;: <> Geiällige Zuschriften unter „Gute;> Hausfrau" an die Administration - ■ dieses Blattes, Ii, Untere Augarten- :: <; Straße 38 desgleichen! an diese Adresse die ausgefüllten Bogen fiowie Adressen von jüdisch-akademischen Korporationen und Kollegen, die an der Aktion teilnehmen wollen, einzusenden. Tn diesem Semester müssen die noch fehlenden 5000 Unterschriften gesammelt werden. Wir fordern alle Kollegen auf, an der Sammlung von Unterschriften energisch mitzuarbeiten. Revisionistischer Studejitenklub Wien, IL, Untere Augartcnstraße 38. Revisionistischer Studentenklub. Die Aktion „10.000 Unterschriften jüdischer Studenten" wird fortgesetzt. Wir fordern alle Kollegen, besonders die jetzt im Ausland weilenden, auf, die ausgefüllten Bogen zurückzuschicken und neue zu verlangen. (Wien, II., Untere AugartenstraRe 38). Beteiligt euch an der Aktion „Für eine Lehranstalt — gegen ein Forschungsinstitut; für eine wirkliche Universität — gegen eine Luxusanstalt". Sonntag, den 8 d. M., findet der II e r z 1 - Grab gang statt. Revisionistische Kollegen versammeln sich präzise J/*t0 Uhr in der Blaasstraßc, zwischen Felix-Mottl-Strafie und Hasen auerstraße. Erscheinen Pflicht! dllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll^ Zionisten-Revisionisten, Sonntag, den 8. Mai, 10 Uhr Vormittag Gang zum Grabe Theodor Herzl Erscheint in Massenf Ehret das Andenken unseres großen Führers! Reihet euch ein in unsere Gruppe! Treffpunkt: Blaastraße (Felix Mottlstr.-Hascnauerstr.). ''IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH1' (die stets Brille oder Zwicker tragen) vorbehalten bleibt. Die meisten haben einen Wagen mit Gummirädern und einen halbverhungerten Gaul. Und eine Garage. Natürlich in „Bomretiro". Dort gibt es tausende Moskitos. Die übrigen Juden werfen sich auf die Industrie. Nach eigenem System. Eröffnet ein Jude aus Warschau z. B. eine Erzeugung von Strickwaren und man sieht, daß er Erfolg hat, so kann man sicher sein, daß alle seine Landsleute, Freunde, Bekannten und Verwandten sich rasch auf denselben Artikel werfen. In kurzer Zeit haben zweihundert Juden eine Strickwarenerzeugung, solange, bis sie den Artikel durch Konkurrenz zugrundegerichtet haben. Und das geht so mit der Lederwarenerzeugung, Krawatten, Schirmen usw. Die Juden „akklimieren" (wie manche sagen) sich sehr rasch. — In drei Wochen haben sie die Landessprache „zum Dienstgebrauch" erlernt und sind dann so verliebt in sie, daß sie nur mehr portugiesisch sprechen wollen. Sie haben das Jüdische so sehr mit portugiesischen, richtiger gesagt mit portugisierten Ausdrücken durchsetzt, daß man bereits von einem Portugiesen Jüdisch sprechen kann. Jedes dritte Wort ist „portugiesisch". Sie haben sich gestern „gemudet" (übersiedelt), gehen morgen „cobrieren" (einkassieren), verlangen im Vorbeigehen einen „favor" (Gefälligkeit), sind „multiert" (bestraft) worden usw. Morgen ist im Makkabi „grandioser Baile" (Ball). Zu Jörn Kippur findet man sie in der „Congregation Israelita" (neue Synagoge). Wer am Samstag raucht, braucht „phosphores" (Zündhölzchen), ohne „Bonde" (Straßenbahn) kann er nirgends hinkommen. Das gesellschaftliche Leben der Juden spielt sich in einer Reihe größerer und kleinerer Vereine ab. Organisiert sind bloß die russischen, polnischen, überhaupt die Ostjuden. — Von den wichtigsten Vereinen wären zu nennen: der „Circulo Israelita" (wo sich Sprachkämpfe zwischen Jüdisch und Portugiesisch abspielten), die „Esra" (ein Emigrantenunterstützungsverein), der „Linas Hazedek" (bedeutendes Wohlfahrtsinstitut und Ambulatorium und einzige Winkelvereine. Eine Kultusgemeinde gibt es in Sao Paulo nicht. Die Ica unterhält ein „College Brasileiro- Hebraico" (jüdische Schule mit hebräischer, jüdischer und portugiesischer Unterrichtssprache). — Der Seelsorge dient ein älterer Tempel nebst einigen Bethäusern, zu denen eine neue moderne Synagoge dazukam. Die neugegründete „Chewra Kadi sc ha" sorgt für einen eigenen Friedhof. Früher wurden die Toten auf dem katholischen Friedhof beerdigt, da die Regierung den Juden einen eigenen Bestattungsort nicht gestattete. Eine vor einem Jahr hier ins Leben gerufene jüdische Zeitung ist zufolge verfehlter Organisation wieder eingegangen. Dem jüdischen Sport dient der Turnverein „M a k k a b i". Fußball betreibt der „Sport Club Israelita". Daneben existiert noch der Jüdische Arbeiter- Von den Juden Sao Paulos Von Siegfried Weber (Sao Paulo)