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Die neue Welt · 1931-10-09 · Heft 212 (9.10.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 212 (9.10.1931)
Date
1931-10-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Mc 212 ME NEUE WELT Sofie tt ien Referenten fSr <fie auBgeedtönKteti formroÖendcfcai Ansführungrn. Mit StinunerceHtheiiSgkeit nahm die Konferenz unter anderem folgende Resolutionen an: Die Konferenz spricht dem .Misrachi-Landesverband die Anerkennung dafür aus, daß er in dieser schweren Zeit die Initiative ergriffen hat, die jüdische Erzieh un-gsfrage vor dde breite Oeffentliehkeit zu bringen und das Interesse der AUgemeiaheit dafür zu wecken. — Die Konferenz erblickt in einer religiös-nationalen Erziehung der Jugend die einzige Gewähr für den geschichtlichen Fortbestand des Judentums und empfiehlt daher die Schaffung eines in diesem Geiste geführten Erziehungswerkes. — Die Konferenz fordert den Misrachi-Landesverband für Oesterreich auf, unter Heranziehung aller interessierten Kreise, die auf dem Boden der jüdischen Traditio© und Nation stehen, die religiös-nationale Erziehungsarbeit raschesten« in Angriff zu nehmen. Aus Australien DI« Labour Party gegen die polnischen Einwanderer Die Labour Party des australischen Staates Vic* toria und ein Teil der Tagespresse von Melbourne fuhren in letzter Zeit eine Kampagne gegen die Be« schäftigung polnischer Juden in der Manu* fakturbranche. Sie zählen Fälle auf, wo jüdische Firmen* mhaber polnische Juden nur aus dem Grunde beschäf* tigen, damit diese, die sonst arbeitslos wären, einen kleinen Erwerb finden. Dabei soll es vorkommen, daß cfie Bezahlung solcher Arbeiter niedriger ist als der gesetzlich vorgeschriebene Arbeitslohn. Eine jüdische Krmeninhaberin wurde zu 14 Tagen Arrest für einen solchen Fall verurteilt Die Beschäftigung pomisch*jüdischer Arbeiter war aoeh Gegenstand einer parlamentarischen Interpellation, wo hauptsächlich seitens der Mitglieder der Labour Party scharfe Angriffe gegen die Immigration poU nischer Juden und deren Beschäftigung in der austra« tischen Industrie unternommen wurden. Eine der fuhrenden Melbourner Tageszeitun* gen lichtete in einer Artikelserie gegen die polnischen luden den Vorwurf, sie seien arge Schädlinge der Manu« fakturbranche. Der Arbeitsminister erklärte im Parlament, daß er nach einer Aussprache mit den Re* Präsentanten der Kleiderindustrie den Eindruck von der Berechtigung der diesbezüglichen Angriffe erhalten habe. Jedenfalls ist die Fremdenfeindlichkeit der austra« fischen Behörden klar zutage getreten. Die Lehre von Berlin .Von J. Schechtmann (Paris) Die antijüdischen Ausschreitungen auf dem Kür# förstendamm am ersten Rbsch Haschanah*Tag in Berlin haben dem deutschen Judentum eine grausame Lektion erteilt. Das bedrohliche Anwachsen, des kampferischen Antisemitismus in den Völkmassen Deutschlands hat zwar die jüdische öffentliche Meinung bereits seit den letzten Reichstagswahlen tief beunruhigt. Aber diese Beunruhigung.-bezog sich bis jetzt ausschließ« lieh auf das gesellschaftlich »politische Gebiet. Man befürchtete eine gesellschaftliche und ökonomische Isolierung, man war auf Attentate gegen die politi* sehen Rechte der deutschen Juden gefaßt. Aber um die persönliche, physische Unantastbarkeit war eigentlich fast keiner ernstlich besorgt. Fast niemand konnte ernstlich annehmen, daß in den Gassen der Haupt« stadt der Deutschen Republik Hunderte von „unbekannten jungen Leuten" — unter der stillschweigenden Zustimmung oder vollständiger Gleich*, gültigkeit der Passantenmenge — die aus der Syn* agoge zurückkehrenden Juden überfallen und blutig schlagen werden können. Pogrömartige Exzesse hat niemand erwartet! Sie sind gekommen. Und einzig und allein die — etwas verspätete — Intervention der Polizei hat es ver* hütet, daß diese Ausschreitungen in einen regelrechten Pogrom ausarteten. Inwieweit man nach den aus Deutschland eintref« fenden Nachrichten urteilen kann, haben die deutschen Juden die Lehre der Berliner Ereignisse richtig ein* geschätzt. Sie haben augenscheinlich verstanden: das, was sich einmal in Berlin ereignete, kann noch mehrere Male in Berlin und nicht in Berlin allein vorkommen. Dazu muß man vorbereitet sein! Und diese „Bereit* schaft" haben sie, scheint es, auch richtig aufgefaßt: die deutsche republikanische Polizei hat ihre Pflicht er* füllt und es ist zu hoffen, daß sie auoh in der Zukunft in ähnlicher vorbildlicher Weise vorgehen wird; aber sich auf die Polizei allein zu verlassen* Wäre unwürdig und nicht ungefährlich. Dem Huliganismüs det Nazi muß Widerstand entgegengestellt werden. Eine abwehrfähige jüdische Jugend ist die Vorbedingung eines jeden erfolgreichen Kampfes gegen den Terror der Hakenkreuzler. In diesem Sinne hat sich in einer speziell den Ereignissen auf dem Kurfürstendamm gewidmeten Sitzung der Berliner jüdischen Gemeinde, am 16. September, der Führer der Jüdischen Volkspartei Dr. Klee offen und mutig geäußert. „Eine weitere Aufgabe — sagte er — ist es, für die körperliche Ertüchtigung unserer Jugend zu sorgen, damit die Jugend zur Abwehr bereit sei. Wir werden nie provozieren, aber den Gegnern wollen wir sagen: Ihr findet uns gerüstet Die Zeiten sind vorbei, wo die Juden sich abschlachten lassen." In Einklang mit dieser Einstellung verdient der Aufruf des Burides jüdischer Frontsoldaten Aufmerksamkeit, m -welchem die Jüdische Jugend auf« gefordert wird, in die Sportvereine einzutreten, um dort zw Wehrhaftigkeit erzogen zu werden - * Die Grundidee des Tel Hai Fond — die Ans* bildung der jüdischen Jugend zur Wehrhaftigkeit — wird durch erbarmungslose Lebenstatsachen der jüdischen, Ge* Seilschaft beigebracht. Die Beteiligung an den gewöhn* liehen Spottorganisationen ist an und für sich nicht genügend, um unsere Jugend handwerksmäßig für eine erfolgreiche Abwehr gegen Straßenüberfälle auszubilden. Der beste Fußballer," Schwimmer, Tennisspieler oder Gymnast ist in keiner Weise dazu vorbereitet, einem antisemitischen Ueberfall zu begegnen. Für diesen Zweck ist eine ganz spezielle Ausbildung nötig; der Wehrsport ist mit dem üblichen Sport nicht ideirt* tisch. Er muß speziell erlernt werden. Der Tel Hai Fond ist bestrebt, diese Ausbildung möglich zu machen und sie zweckmäßig und einheitlich zu gestalten. Die von ihm in den einzelnen Ländern (Lettland, Polen, Palästina) subsidierten Instruktorenkurse und. die noch in diesem Jahre in Paris sich eröffnende zentrale Instruktorenschule dienen dieser mehr als je aktuellen und lebensnotwen* digen Aufgabe. Ans der Bvith«Trampeldoi* Bewegung (Betar) 6 e-r i c h t d er L e i t u n g i n P a r i s : . . Afrika Nordafrika: In Tunis wurde am Tage der Eröffnung des Weltkongresses des Betar in Danzig der erste Ken unter Leitung des Ch. Alusch gegründet. Der Schomer'hazafr ging korporativ zum Betar über. Ein zweiter Ken besteht in S p a x, ein dritter in N a b u 1. Weitere Gründungen stehen .bevor. Die Betarim beteiligen sich an sämtlichen zionistischen Arbeiten im Lände und ihnen ist der revisionistische Wahlsieg zu verdanken. Trotz des scharfen Kampfes, insbesondere der Assi* ■ milanten, gegen den Betar geht seine Arbelt rüstig vor* wärts. Mangel an vorgeschulten Instruktoren. In Marokko ist die Bildung von Gruppen im Gange. S ü d a f r i k ä: Auch hier ist' die betarische' Bewe* gung ganz jungen Datums. Es bestehen vorläufig zwei Kennim in Johannesburg und in K a p e t o w n. I Amerika U. S. A.: Der Betar nimmt hier einen großen Auf* schwung. Eine Monatsschrift in englischer Sprache wird herausgegeben. Zur Heranbildung von Instruktoren wurde eine Führerschule errichtet. Kanada: Die Kennim in Toronto, Van* •couver und M a n t a'j q entwickeln sich gut. Die 'geleistete Arbeit ist befriedigend, . Brasilien: Die Kennim in S a p P a u 1 p und R i o :de Janeirö arbeiten mit größer* Begeisterung. 1 ■■ ' Asle« ' - ' - : *' ' ■:■ .......y> ••»>• w*.«>;!'< '; ' C hin a; .Die Gruppet^n China zählt drei Kennim: Cha r b i n, Sitz der Neziwufc, Tie n t s i n und im letzten Monat' S c h a n g h ä i>* - Auf '' eigenem Betarstadiön " wird der Wehrsport in mustergültiger Weise unter Leitung englischer, besoldeter Kräfte; betrieben; . Palästina: Die betarischen . Kennim sind über •das ganze Land verbreitet. F^s. werden Vorbereitungen zur Schaffung der Plugot äwoda getroffen, Im Rahmen des Betar wurde eine' °Expdr°tabteilun'gl'ge:grünilef, 'die den Ver*' trieb der Palästina*Produkte zur Aufgabe hat. 800 Uni* formen für den palästinensischen Brith wurden bereits .bestellt. Europa Belgien: Per Ken. .in Antwerpen entwickelt;sich gut, der in B r ü s s e 1 befindet sich im Stadium der! Umörgahisätion.; Bulgarien: Die betarische Bewegung ist noch ganz jung. Der Ken in S o f i a bemüht sich, Gruppen .in allen Orten, des Landes zu schaffen. Danzig: Alle Arten des. Wehrsportes werden hier besonders gepflegt, ohne daß die Kulturarbeit darunter leidet. > Deutschland: Der deutsche Betar arbeitet mit ständig wachsender Intensität, Frankfurt am Main und Breslau gehen hierin' den anderen Kennim voraus. In Berlin wird eine Zeitüng herausgegeben. Auf den Sportplätzen der Bar Kochba wird gediegener Sport be* trieben. * ' Finnland: In Finnland sind starke Tendenzen am Werke,... die, jüdisohe, Pf adf i nderorganisa* t i o n dem Betar anzugliedern. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Frankreich: Der Pariser Ken befaßt sich haupt* sächlich mit der wehrsportlichen Hachschara. Der zweite Ken befindet sich in Torcea'ii, Griechenland: Der Ken in. Saloniki be* treibt vornehmlich Kulturarbeit, wenn auch Wehrsport nicht vernachlässigt wird. Bei. den. letzten Unruhen be* teiligte sich der Betar an der Organisation der jüdischen S e 1 b st wehr. , Lettland: Hier ist eine starke betarische Be* wegung zu beobachten. Instruktorenkurse und" Sommer* lager gestatten, eine immer größere Anzahl geschulter Führer ttn den Betar'abzugeben, Litauen: Die zahlreichen Kennim werden ständig von Mitgliedern der Neziwut kontrolliert. Drei Kwuzot,- je 30 Mann, betreiben die fachliche Hachschara auf eigenen Farmen in der Nähe von Memel. Die Ent* Wicklungsmöglichkeiten des Betar in Litauen sind sehr groß, Oesterreich: Der Betar entwickelt sieh hier in schnellem Tempo, sowohl quantitativ als auch quali* tativ. Eine Führerschule. sorgt für die Heranbildung von Führern, um den wachsenden Erfordernissen zu genügen. An dem mustergültigen Sommerlage'r am Wörtheraee be* teiligten sich 72 Chawerjm, zum Teil auch aus uraliegen* den Ländern. Der Ken in St. Pölten und die Initiativ« gruppen in Baden, Irinsbruck und Neunkirchen entwickeln sich befriedigend. Die Gründung weiterer Initiativgruppen steht bevor. Palen: Der polnische Betar, vergrößert sich zu« sehends. Sein Einfluß auf das gesellschaftliche Leben ist sehr groß. Zwecks einheitlicher Organisation der vielen Sommerlager des Betar gab die Ntaerwet eine TQuMim SAB.- S24.- S30.- VII., KtiserstMBe 123 IX., Atalraße 6 Zeltschrift heraus mit Skizzen über Organisation der Lager usw. Am zweiten August fand die Weida de9 polni* sehen Betar statt, an der sich 250 Delegierte beteiligten. Die polnischen Zeitungen widmeten eine besondere Auf* merksamkeit . diesem gesellschaftlichen Ereignisse. 600 Chawerim befinden sich auf fachlicher Hachschara. Der Betar zählt mehr als 15.000 Chawerim. Die Neziwut be* reifet Fuhrerkurse für alle Teile der1 Betararbeit vor, an denen auch Kezine ha Schilton teilnehmen werden. Rumänien: Der rumänische Snif wurde in Galilim eingeteilt, die direkt mit dem Schilton in Ver* bindung stehen. Der Galil Bukowina arbeitet in be* friedigender Weise. Am Sommerlager beteiligten sieh 50 Chawerim. Die Mifkedat ha Galil in Transsyl« van i en gibt eirte Zeitschrift, „Alef Bet des Zionismus", in ungarischer Sprache heraus. , ,. Serbien: Serbien hat 24 Kdnnifn. Zwei Kwutföt mit 50 Mann betreiben fachliche Hachschara. Tchechoslo wakei: Dieser Snif entwickelt sich besonders günstig. Drei Sommerlager fanden heuer statt. Zwei Hachscharakwuzot mit 50 Mann arbeiten in großen Farmen., Die Monatsschrift „Tel Chaj" in deutscher Spräche wurde zum Organ des Betars aller deutschsprechenden Länder gemacht. Choserim in deutscher und ungarischer Sprache erscheinen jede zweite Woche. Ungarn: Der Betar nimmt hier einen großen Aufschwung. Es wurden zwei Sommerlager für Chawerim und Chawerot abgehalten. Einige Chawerim beteiligten sich am Sommerlager des österreichischen Betar. Die wehrsportliche Hachschara. wird besonders gepflegt. , Jakob März gestorben. Mit Jakob März, der nach kurzem Leiden ver* schieden ist, schwand eine im besten Sinne markante Persönlichkeit aus dem Wiener jüdischen Loben. Bei keiner Gelegenheit, wonn es galt, jüdisches Elend zu lindern, fehlte Jakob März. Als langjähriger Präsident des Vereines „Machsike "Hädath" schuf er segensreiche 'Institutionen zur Linderung jüdischer Not. Eine große Ausspeiseanstalt, eine Darlehenskasse und' viele andere Institutionen danken ihm ihr Entstehen und ihre Erhal* tung. Im Wiener Kultusvorstande vertrat der Verstorbene mehrere Jahre hindurch als Vertreter des Misrachi die Interessen der traditionstreuen Juden. Die Wiener Juden» schaff "wird diesem -"herzensguten und rastlos tätigen' .Mann das beste Andenkon bewahren. ' Pülästinafalirer * > Das Palüstinaamt Wien teilt mit: Dienstag, den 13. Oktober 1SÖ1, reisen etwa 120 Personen aus Polen, hauptsächlich von Verwandten Angeforderte, durch Wien nach Erez Israel Ankunft 6 Uhr 40 Min. früh auf der Ostbahn, Weiterfahrt nach Triest um 7 Uhr 40 Min. früh von der Ostbahn (Abfahrtsseite). ■HR Ti heafeV/ Kunft und ililllllllllllillllllllllllllillli Li I e r a lur. Eröffnungsvorstellung der Neuen Jüdischen Künstlerspiele. Nach .längeren, umfangreichen Vorbereitungen werden Freitag, den 9. Oktober, dde. „Jüdischen Künstlerspiele" im Theater Stephanie, IL, Toborstraße 12, eröffnet. Der Leitung ist es gelungen* die Warschauer Soubrette Gisa Heiden und den Schauispielerreigisseur und Sänger Salo Prisament für ein kurzes. Gastspiel zu gewinnen. Dieses ausgezeichnete Künstlerpaar, das von einer überaus erfolgreichen polnischen Tournee in Wien eingetroffen ist, wird in seinen beliei>ten< Repertoirestücken auftreten. Für Gisa Heiden, die zum erstenmal in Wien zu sehen sein wird, gibt sich re>ges Interesse kund. Eröffhungspremiere „Die Allgemeine Versicherung» Gesellschaft »Phönix« Zusammenschluß von „Phönix" „Wiener" Gegründet 1880 und Oegrfimtet 1881 11 Providentia" Gegründet 1899 Direktion und Generalrepräseotaiw: Wien IX. Otto-Wagn«r.piats 5 / AlMrplate 3 Telephon: B-43-5-80 Serie Uebernahrae sÄmtllcher Schadenverslcherungen zu den kulantesten Bedingungen und Prtunien

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