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Die neue Welt · 1931-09-04 · Heft 207 (4.9.1931) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 207 (4.9.1931)
Date
1931-09-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sefte Ä DIE NEUE WELT Nr. 207 Der EvajigeHsdiß Bund über „jüdischen Imperialismus** Berlin, 31. August. Die ,43eutßch-Evange- 1 i»ch e Ko r r e6 p o nd e n z", Organ des Evangelischen Bundes, verbreitet eine Auslassung der Wiener rassenantisemitischen Zeitschrift „Schönere Zukunft", in der in Anknüpfung an das Buch des französischen Juden Kadmi Cohen: „L'6tat d'Israel", das eine arabischjüdasche Zusammenarbeit zwecks Errichtung eines ..Pansemrtischen Reiches" im Nahen Orient empfiehlt, von der „U n e r s ä 111 i c h k e i t" der Zionisten die Rede ist. „Man sollte", heißt es in dem Aufsatz weiter, „Cohens Ideen nicht als bloße Phantasterei abtun, wie man es; seinerzeit dem Zionismus gegenüber getan hat, dessen Anfangsziele nun bereits erreicht sind. Jedenfalls ist Cohens Buch als neues Dokument des jüdischen Imperialismus zu werten." Wiederum Friedhofsschändung Berlin, 27. August. Am Sonntag, den 9. August, wurden auf dem jüdischen Friedihofe in Waldmohr (Saanpfalz) zahlreiche, Grabsteine zerstört und Inschriftenplatten von Grabdenkmälern entfernt. Mehrere Graber waren mit Hakenkreuzen verunziert. Von den Tntern hat man bis jetzt (hoch keine Spur. Auf ihre Ergreifung bat die jüdische Gemeinde 50 Mark Belohnung ausgesetzt. ... Die gekränkten Griechen. Saloniki, 27. August. ' Berichte der griechischen Blätter über eine in Paris gegen die Ausschreitungen in Saloniki abgehaltene- Protestversammlung,. in der ein Redner behauptet hatte, in Saloniki seien 20 Juden ge* tötet Und hunderte verwundet worden, haben in der griechischen Oeffentlichkeit einen höchst ungünstigen Eindruck gemacht. Der stellvertretende Oberrabbiner von Saloniki, Rabbi Chaim Habib, ersucht die Jüdische Telegraphen*Agentur, die Behauptung des französischen Redners kategorisch zu dementieren. Er erklärt, bei den Unruhen sei nur ein jüdisches Todesopfer zu beklagen gewesen, es habe nur wenige Verwundete gegeben, die bereits alle wiederhergestellt sind. Die Regierung, fügte Rabbi Chaim Habib hinzu, ' hat versprochen, Ent« Schädigungen zur Wiedergutmachung der angerichteten Sachschäden zu leisten. ' * Das griechische Volk leistet sich ein harmloses Späßchen. Besucht das jüdische Viertel in Saloniki, er* schlägt nur einen Juden, zertrümmert und plündert nur jüdische "Läden, verletzt nur wenige Juden, dabei so zart, daß sie nicht gestorben sind; Dann kommen Frechlinge in Paris und schreien von Pogromen, von 20 toten Juden usw. So eine Gemeinheit! Das griechische t Volk fühlt sich tief gekränkt. Hoffentlich lindert das vom Oberrabbiner verabreichte salbenreiche .Pfaster sein verwundetes Herz! ' Jüdische Tragödie Prag, 27. August. Ein Vorfall von eigener Tragik, der sich in den letzten Tagen in Ungarisch-Hradisch ereignet' bat, beschäftigt die" jüdische Oeffentlichkeit in der Tschechoslowakei. Der jüdische Kaufmann Abraham Katz'war einige Jahre vor dem Kriege aus Polen uäch' Amerika ausgewandert. Seine Frau gebar bei einem Besuch in Europa ein Mädchen, dem sie den Namen Sally gab, und ließ das Kind bei Kriegsausbruch bei ihren Eltern in Polen, während.sie selbst nach'' Amerika zurückfuhr. Bei der Besetzung Polens durch die Russen kam das Kind nach Wien und später in die Auswandexerstation nach Ungarisch-Hradisch, wo es von einer christlichen Witwean Kindesstatt aufgenommen wurde, die Taufe erhielt und eine streng christliche Erziehung genoß. Das Mädchen,A das nunmehr Tony hieß, nahm eine Stelle in einem Kaufladen an. Inzwischen suchte der unglückliche Vater seine Tochter in der ganzen Welt. Als er schließlich durch eine Serie von Zufällen an den Wohnort seiner Tochter geführt wurde, erkannte diese den Vater nicht mehr und erklärte, obzwar sie sich nach einem Gespräch mit dem Vater und dem aus Wien herbeigerufenen Erzieher ihrer Jugendzeit, Zeller, an zahlreiche gemeinsame Erlebnisse ihrer Kindheit erinnern konnte, daß sie nicht zum Vater und zum Judentum zurückgehen wolle. Das Mädchen ist Mitglied christlichsozialer Jugendvereine und durch Erziehung und Umgebung dem Judentum vollkommen entfremdet. Der Vater mußte, nachdem er erkannte, daß seine Bemühungen, die Tochter ins Elternhaus zurückzuführen, fruchtlos verlaufen würden, ohne das Kind die Rückreise nach Amerika antreten. Schwere antijüdische Exzesse in Ostgalizien Lemberg, 28. August. Im Städtchen Jesziorno in der Nähe von Tarnopol in Ostgalizien kam es zu schweren antijüdischen Ausschreitungen. Ein christlicher Fuhrmann namens S1 a w i k belästigte in angetrunkenem Zustande jüdische Passanten. Die angegriffenen Juden veranlagten seine Festnahme durch die Polizei, die ihn nach einem kurzen Verhör laufen ließ. Slawik schwor, sich an den Juden zu rächen, sammelte etwa 30 Huligans um sich, führte sie in die von Juden be* wohnten Gassen, wo sie die Fensterscheiben in fast allen Häusern"einschlugen, Läden demolierten und eine große Anzahl jüdischer Passanten schwer miß* handelte. Die Polizei war jedoch nicht pünktlich zur Stcttc, sondern ließ «s zu, daß die Huegansbande 4<iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiih Das Neueste in der Pädagogik »Hadawer« von I. Herzberg für das Erlernen des Hebräisch-Lesens und -Schreibens und der Anfangsbegriffe der hebräischen Sprache in 38 Lektionen Das beste national-religiöse Unterrichtsbuch überall erhältlich Mllllllllllllllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltlll» über eine Stunde lang ihr Zerstörung s* werk vollführe. Von den mißhandelten Juden tru« gen mehr als 20 blutige Verletzungen davon und mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Erst dann schritt die Polizei ein und vertrieb die Huligans, ohne eine Verhaftung vorzunehmen. Die jüdische Bevölkerung von Jesziorno lebt in Panik, da angesichts der lauen Haltung der Polizei eine Wiederholung der Exzesse befürch* tet wird. Verhaftung der palästinensischen Motorradfahrer in Polen Wie die jiddische Tageszeitung „Moment" berichtet, wurden die Motorradfahrer des p a 1 ä s t i in e n s i s c b c ,n Arbeitersport vereine „HapoeJ", die auf einer Tournee durdi Europa zur Propaganda für die im nächsten Sommer in Tel-Awiw stattfindende M a kfcab i'ade begriffen sind und vor ■einiger Zeit vom Londoner Stadtpräsidenten feierlich empfangen wurden, ander p o l n is cb-1 e 11 is ch e n Grenze verhaftet. Die Verhaftung erfolgte, weil ihre, polnischen Visa zwei Tage vor ihrem Eintreffen an der Grenze abgelaufen waren. Obwohl die Motorradfahrer den Grenzbediörden erklärten, daß ihre Verspätung auf eine erlittene Panne zurückzuführen sei, wurde jeder Motorrad.faih.rer zur Erlegung einer Strafgebühr von 100 Zloty verurteilt. Da die Arbeitcrsportler nidit in der Lage waren, diesen Betrag zu zählen, wurden sie dai Strafihaft genommen. Die antireligiöse Propaganda in Rußland Moskau, 28. August. Auf Anregung der jiddischkommunistischen Zeitungen „Emess" und „Apikoires" haben die jüdischen Atlieistenzirkel (Apim des» Slowakei Wichtige Intervention des Abg. Dr. Julius Reisz Im Zusammenhang mit den Bestrebungen einer Kalenderreform brachte die „Neue Welt" in ihrer Nr. 205 vom 21. August 1931 einen Bericht über die Gründungs* Versammlung eines Schomre^SchabbossVerbandes (Hüter des Sabbats) für die Tschechoslowakei und ein Memo« randum, das die Jüdische Partei in der Ö. S. R. der tschechoslowakischen Regierung gegen die obligatorische Sonntagsruhe in Bratislava überreicht hat. Nun erhalten wir folgende ergänzende Nachricht aus Bratislava: Dr. Julius Reisz, Abgeordneter der Jüdischen Partei, intervenierte am 23. d. M. beim Handelsminister Dr. Matousek in der Angelegenheit der Sonntags* ruhe für Bratislava im Interesse der sabbathaltenden Kaufleute und deren Angestellten. Dr. Reisz verlangte, daß die Regierungs* Verordnung Nr. 62 für-Bratislava• ergänzt werde in dem Sinne, daß eine weitere Ausnahme in die Verord* nung aufgenommen werde. Diese Ausnahme würde die sab« bathaltenden Kaufleute betreffen und ihnen erlauben, ihre Geschäfte Sonntag von 8 bis 10 Uhr offenzu* halten, wie dies in England, Frankreich und Holland bereits seit Jahren der Fall ist. Dieses An* suchen ist um so mehr begründet, als ja auch die An* gestellten der sabbathaltenden Kaufleute diese Ver* fügung selbst verlangen. Da diese Angestellten den Samstag halten wollen, sind sie gerne bereit, Sonntag von 8 bis 10 Uhr zu arbeiten. Bei der Unterredung des Abgeordneten Dr. Reisz mit dem Minister Dr. Matousek waren auch der Landes* Präsident Dr. O r s z a g h und Handelskammerpräsident Stodola anwesend. Abgeordneter Dr. Reisz-übergab dem Minister auch eine schriftliche Darstellung dieser Frage, in welcher insbesondere enthalten war, daß die sabbathaltenden Juden ein Recht auf Einhaltung ihrer Religion und auf Schutz ihrer Existenz haben, und es ist unmöglich, daß die tschechoslowakische Regierung for* dern kann, daß diese Kaufleute entweder zugrunde gehen oder ihr Religionsgesetz bezüglich des Sabbats nicht ein* halten sollen. Im Verlauf des Gespräches erklärte Minister Doktor Matousek, daß er für seine Person zu einem Kompromiß in dieser Frage und zu einem gewissen Entgegenkommen bereit wäre, nur müsse man auch die übrigen Mini* s t e r für die Sache gewinnen. (Wie wir bereits gemeldet haben, ist der jüdische Minister Dr. C z e c h {deutscher Sozialdemokrat] ein Gegner der jüdischen Forderungen.) Hierauf erklärte Abg. Dr. Reisz, daß das mäßige Ansuchen der Jüdischen Partei, resp. der sabbathaltenden Kaufleute, an und für sich schon ein Kompromiß ist, da sich das Ansuchen mit zwei Stunden Arbeitsmöglich* keit am Sonntag begnügt und nicht — wie in den west* liehen Ländern — die Freigabe des ganzen oder des halben Sonntags fordert. Von der Unterredung mit Dr. Reisz haben der Minister und auch die übrigen Anwesenden für die Sache einen günstigen Eindruck gewonnen. korsim-Klausen) mit der Durchführung der Beschlüsse der im März abgehaltenen jüdischen antireligiösen Konferenz begonnen. Die antireligiöse Propaganda unter den jüdischen Massen ist in vollem Gange. Die Tätigkeit der jüdisch-religiösen Kreier wird 6charf kontrolliert. In Arbeiterkinds und in den Fabriken wird gegen die Beobachtung der jüdischen Feiertage, gegen Schächten, B e « c h n o i <l t; n. Lichteranzünden und das Halten anderer jüd:» religiöser Gebote in der Form von Vortrüge!», gesprächen usw. Propaganda geführt. — In den jüdischen Wohngegenden der Großstädte und in den von Juden bewohnten Kleinstädten wird massenhaft antireligiöse Literatur verbreitet. Für diejenigen Apikorsim-Zirkel, die auf dem Gebiet der antireligiösen Propaganda die besten Ei f »Ige aufzuweisen haben, sind Prämien ausgesetzt. Während Schulbücher und andere Literatur monatelang wegen Mangels nn Papier und Ueberbürdung der Druckereien nicht herausgegeben werden können, werden die antireligiösen Flugblätter und Broschüren täglich in Massen neu auf di e Straße geworfen. In den Flugblättern und Broschüren wird nicht nur gegen die ReLigionsübung Propaganda geführt, sondern es wird auch eine scharfe Agitation gegen die Rabbiner und die anderen religiösen Funktionäre betrieben, die beschuldigt werden, gegen die Brotversorgung, die Staatsanleihe und den sozialistischen Aufbau zu intrigieren. Die Rabbiner in Rußland, heißt es, hätten sich mit den Rabbinern in den kapitalistischen Ländern vereinigt, um eine Intervention der ausländischen Mächte gegen Sowjetrußland herbeizuführen. Der Rayonsstab der Moskauer Atheisten hat den Beschluß gefaßt, in jedem Moskauer Betriebe, in welchem jüdische Arbeiter beschäftigt werden, die antireligiöse Propaganda zu führen. In Betrieben mit Massen jüdischer Arbeiter werden spezielle antireligiöse Abende eingerichtet. Zentrinn dieser Propaganda sind die Moskauer Kleide r- und Schuhfabriken, in denen die jüdisdheii Arbeiter den größten Prozentsatz bilden. Es wurde beschlossen, den kommenden Jörn Kippur in einen grandiosen „Festtag der Arbeit" zu verwandeln. Die Industrie- und Heimarbeiter werden auf ihren Arbeitsstätten verbleiben, die noch nicht organisierten jüdischen Massen sollen dazu bewogen werden, sich in den'Güterbahnhöfen an der Ausladung der Lebensmittelwaggons zu beteiligen. Zur Durchführung des Programms wird eine ganzo Armee von „Apikonsim" mobilisiert.- Schwere Strafe für Duldung des Beschneidungsaktes Moskau, 26. August. (J., T. A.) Die Lehrerin an der jüdiischen Schule in "Krenientschuk, Kremenizka, hatte sich .vor dem „Klub der Roten Lehrer* schaff zu verantworten, weil sie die Vollziehung des Beschneidungsaktes an ihrem neu geborenen Söh neben geduldet hat. Sie verantwortete sich dabin, daß ihre Eltern ohne ihr Wissen den religiösen Akt vollziehen ließen. Dies wurde ihr nicht geglaubt, und sie -wurde wegen „Duldung eine^s barbarischen Aktes" für sechs Monate aus der Lehrerorganisation ausgeschlossen. Das Bildungskoninjissariat wurde ersucht, sie für die gleiche Zeitdauer vom Lehrdienst zu suspendieren. Der Musikantenklub, dem ihr Vater, ein Musiker, angehört, wurde ersucht, auch seinerseits gegen das der Vollziehung eines „blutigen Rituals" schuldige Mitglied entsprechend vorzugehen. Wirtschaftlicher Niedergang des lettländisehen Judentums Riga, 28. August. Die vor kurzem veröffentlichten offiziellen Ziffern der letzte in Volkszählung in Lettland zeugen von dem wirtschaftlichen N i e d e r g a n g des lettischen Judentums. Noch vor fünf Jahren hatten die Juden in Lettland ein Uebergewicht dm Handel, heute haben sie nicht nur dieses Uebergewicht eingebüßt, sondern ibre ganze wirtschaftliche Position hat eine erhebliche Scbwädiung erfahren. Während der Anteil der Juden am Handel um volle 10 Prozent gesunken ist, stieg der Anteil der nichtjüdischen lettl&nddschen" Bevölkerung im Handel um die gleichen 10 Prozent. In der Industrie sank der Anteil der Juden von 11 Pxozent auf 9 Prozent. In etwa dem gleichen Maße verminderte sich die Zahl der jüdischen Angestellten und der jüdischen Angehörigen der freien Berufe. Des weiteren gebt aus den Volkszählungsziffern hervor, daß die Juden in der Landwirtschaft Lettlands 0,9 Prozent, in der Industrie 27,6 Prozent, im Handel 48,8 Prozent, im Transportiwesen 2,8 Prozent, unter den staatlichen und städtischen Angestellten (einschließlich der Lehrer) 0,8 Prozent, unter den freien Berufen .8,1 Prozent, unter den Angestellten privater Institutionen 1,8 Prozent, in unbestimmten Berufen 9,4 Prozent ausmachen. Hebräisches Pädagogium» Wien, I., Drahtgasse 4. Die Aufnahme von Hörern für das Wintersemester 1931/32 erfolgt bis Mitte Oktober. Schriftliche Voranmeldungen sind an das Sekretariat zu richten. Auskünfte werden auch schriftüch erteilt. Zahnärztin med. Dt, Perle Wtchaler ist vom Ur* laub zurückgekehrt und hat ihre Ordination in Wien, IX., 2. *BeL AjYUt/36. atata niifafriMf imtn SPg OBbaVX _ llrwraBlBV| uEonrasssb CI»W^y—B—MB—1

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