Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 203 (7.8.1931)
- Date
- 1931-08-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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OTBaNEUBrWEMR Nteitt RABSTEINE RI&DLÄN&ER <ft DEUTSCH thn, /. Bf., SeHmtiehengaaee 2, Telephon U-28-1-28 Z**iratfriodhof, neb, d. 1. Tor, Telephon U-18-4-85 IlHllllHIIIIIIMIIIIItllllUlliniUlllllllllllllllllllÜ Ae^fthMtot ftMS s 'i i 2tllll AdlftfellOA! - WMl^ l*f' MviStfBjlllt Nfi 2 s 2451 lÜftin Atting 4,108.801— toBm s 125 5 taiitonttttaiiit pt? pi WO i ViMuAlMMttili '. S Prhan-bb< litttwfawfatB!■ Jtt»H» . § (£artBtitmilhl PtrJgrlJ»^ _ s *mjWmw « f<ittÄtrii f« 1S2! 3t1 MUnmii___________ _ s Tätigkeitsgebiet: Osrterrelcb, OtuiMllta R-titn* Frankrtteh, 5 s Bslojen, Kollind, HaHen, 8sanls-v Ttoftechoslowakftcfie s s Republik, Polen, Unum, Jogetlawifln, Bulgarien, Griechen- land, TMftl, A#in und Pallttjnt. A nifiifififiiirimfiiiHinifffNiiiiffffNififfiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiS Di« best bewährte unschädlich« f* VSS \\ \?9C*p>\f: färbt echt, naturgetreu und dauerhaft von blond bis schwarz Ueberau erMitHcb S 2.— und S 3.50 W. SEEGS«, Wien XV, Wurzbachgasse 19 ymmmmmmmmmammmm^mmmmmmammmmr T heater, Kunff und ilillllllilllilllliiilllllllllllll Li | e i a liir. Lefviks „Golem" als Oper Die bekannte jiddische Legende „Der Golem" von H. Leivik wurde zum Textbuch einer Oper verarbeitet, die vom Musikdirektor des Chikagoer Opernhauses M. Van Grove komponiert wird und im Herbst dieses Jahres in Chikago uraufgeführt werden soll. Die neue Oper :wird zu . einem späteren Zeitpunkt auch in'den Spielplan-der Metropolitan Opera in New- York aufgenommen werden. „Hadowar", von I. Herz b;e r g. (Herausgegeben untef Mitwirkung einer Lehrergemeinschaft.) Ein hebräi* schesy Elementarbuch; 'für Kinder nach der phonetischen Methode. In 38 Lektionen erlernt das Kind das Hebräisch* lesen und «schreiben und. die Anfangsbegriffe der he* bräischen Sprache. In weiteren 38 ^Lektionen (zusammen ein Unterrichtsjahr); erlernt das Kind in kurzen Sätzen kleine Gesichten aus-dem Leben .des Kindes, 860 he« bräische Worte. 250 farbige Bilder erklären Worte und Begriffe ohne jede Uebersetzung. Schullehreri Vereine und Unterrichtsanstalten erhalten ein Probeexemplar gratis. Buchhandlung "und Verlag 'Josef Schlesinger^ Wien, I., Seitenstettengasse 5. VereinsnadiMditen* Vereinigung. der zionistischademokratischen Jugend, Wien, IL, tjntere Augartenstraße 38. Wochenprogramm: Samstag:'-' 8 ♦•Unr äBerids PlenarVersammlung; Sonntag: 8 UhrJ früh .Wanderung; Montag: Sichah1 der Kwuzah „Hagibor"; Dienstag: Sichah der Kwuzah „Dror"; Mitt* woen: Zionisti^;a*Kurs. Der jüdische: Bets und Unterstützungsverein Zwischenbrücken;gibt bekannt, daß die Chanüka des neu gegründetenBeth Hamidrasch „Tomehe j Jeschurun" Allerheiligengasse' 1, Samstag, den 8. August, zwischen 9 und 12 Uhr stattfinden wird und ladet auf diesem Wege sämtliche Juden Zwischenbrückens ein. Aktion; Kinder aufs Land. Der Humanität&verein für,die wesJüchen Bezirke Wiens eröffnet wie .an|8hrlich auch-heuer seinje-Ferienkolonie in Vösläuf'Florasträße 15. Aufgenommen'werden Kinder vom 6 bis 14 Jahren in nachfdlgehden. Abteilungen: I. Turnus 8. Juli bjis 7.; Äai^ust, .II. :Tuj;n)us 11. August bis 10. September. Ann melduntgen. und Auskünfte im Sekretariat bei Herrn Präsidenten Karl Frotricfi, VI.,' Mollardga«se 85, Telephon B--29-1-65. „ , Albanische Ethrpgim. Von berufener albanischer Seite wird miitgöt«3t,' daß die in Trügst auf ( den Markt gebrachten,'-' wejjje'ni 'ahrer; hervorragenden Qualität beliebten Ze^rn&üciie (Ethrogim) hicKt griechischer, sondern a 1 b a ni«c H e r Provenienz sind. Sie stammen aus deV s^dalbäniscneri. Provinz H,i in ä r a an der sogenannten „albanischenRiviera", deren- Bewohner sie in kleinen Segelschiffent mach Triest ,zu Markte bringen. Austritte «iiu dem Judentum '*»*.vfr>f;.«» :v ' »'- ■ <:■••• Berber Margarete, geb. 13. VI. 190^ Wien, ledig, IX., PttIvert»wiS^se t- Weil Marianne, geb. 17, % 1901 Wienl ledig; I5C., Grüne Torgasse 5. — Knopf Olga, geb. 23. VII. 1907 Wien, ledig, X., Birkenhofgasse 45. — Braun Heinrich, geb.' 5. VOIL 1867 Wien, Witwer, X., Arsen«lsträße 9.-- ICphn Wilhelm, geb. 12: XII. 1902 Waidhofen -a. d. Thaya, ledig. IL, Rueppgasse 16. — Salzer Paul, "geb. 19. IV.--1905 Wien, ledig, ,XIH., Hauptstraße Nr. 34ra. — Beiger Anna, geb. Singer, ge*>; 3. VI. 1900 Wien, ger. getr., HL, Lothringerstraße 14. — Stößler Georg Stephan, geb. tf>.- IH. 1903 *Wien, ledig, Schriftslelleri HL, Stanislaüsgasse 2. — H»sler, Dr. Eduard, geb. 25, Ä 1900 Wien, ledig, IX., Poraellangasse 32 a. — Loibl Gertrade, geb. li. XII. 1926 Wien, ledig, XXL, Östmarkgasse 34. ~ littner Wilhej«», geb. 6. V. 1896'Bielitz, Witwer, n., Moh^tm^T^':wm^-mi^ Y. 1868 Kattau, v&bm&ßt, W&t tommbtä 2. —; Walter Elia, geb. 20. VI. 1907 Cz©rn#itz7 ledig, VI., H^^g?tf«n?3.. ~^Waiter Ed^h, geh. 15: H. mt Reichen- .gJHl Photoapparate HHbM|H| für S 2.30 Wochanraten erhalten Sie |BfJiWB komplette Photo - Apparate samt Aus- NBHp rüstung nur beste Marken mit Garantie Mgg^^^ für schönste Aufnahmen. ^mmmm%. M M Bf% I af% ln •••flanier DfflDID KoHerferm mBBKBm fflM ■«#■%«▼ «pialt Uberall H|H ohn« Antenne, ohne Erde, sowie alle JHHn mod. Netzempfänger, mit Auslandempfang. jIHHHHS Radlobetfandteile bei 20 Monate iuujh tgr Kredit. 10% Anzahlg. u. l0/„ Kreditspesen. KOFFER APPARATE WSL Luxua-Apparate, Schallplatlen v. S 2.- wBBI die neuesten Schlager in größter Auswahl IPPol sowie Mandollnen, Qitarren, Lauten, J$£mm Violinen, Zithern, Harmonikas, Blas« JH»H Instrumente erhalten Sie für S 2.5Q jBf&SBr Wochenrafen. --f saStr^m. 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VIII. 1896 Brünn, ger. getr., III., Geusaugasse 9. — Friedmnnn Olga, geb. Ledofsky, geb. 21. VII. 1896 Wien, ger. gesell., XV., Mariahilferstraße 177. — Bittmann Aloisia, geb. Greirier, geb. 3. HL 1882 Theresienfeld, g. g., X-IIL, HUtteldorferstraße 188. — Pessel Margarete, geb. 15. VIL, 1907 Wien, ledig, VIII., Ghelengasse 3. — Pollacco, geb. Raska Barbara, geb. 20. IV. 1876 Vyskovska, verheiratet, XIIL, Wenzgasse 21. — Bruck Franz, geb. 27. X. 1900 Brünn, verheiratet, VI., Mariahilferstraße 115. — Schubert, geb. Schwarz Karoline, geb. 17. IL 1862 Ghotzete. Witwe, XXL, Angererstraße 13. Mendl Ruhig Eine Erzählung von Oskar Rosenfeld Weiber mit Reisigbündeln unter dem Arm wackek ten daher. Mendl verbarg sich. Er blickte ihnen nach, bis sie verschwunden waren. Die Stille des Waldes machte sein Blut stocken. Das Herz zerrte, polterte. Er kroch die letzte Anhöhe hinauf. Er stellte sich auf die Beine, aber aufzublicken wagte er nicht.-Er atmete heftig, sein Mund war weitaufgerissen. „Da also —" flüsterte er, mit dem Finger weisend, und tat einige hastige Schritte. Ein Fels« block verwehrte ihm den Weg. Es war der Kozel. Mit seinen wuchtigen, bleigrauen. Massen trotzte er in den Himmel, dessen matte .Farben nicht mehr die Macht hatten, sich wiederzuspiegeln.. Wind schlug in das rissige Gestein. Mendl blieb davor stehen. Ehrfürchtig berührte er es, seine Han4 wurde kalt und zitterte. Mit einem Male besann er sich, murmelte et^was und suchte eine, günstige Stelle für den Aufstieg zu erspähen. In einem verborgenen Spalt hatte ein Baumstamm Wurzel gefaßt. An' ihm schwang sich Mendl empor. Er fühlte festen Boden unter den Füße«. Jetzt stand er oben, hochaufgerichtet, mit bebenden Knien, vor sich die dunklen Wälder und Rasen, worin die Ortschaften wie bunte Steinchen eingesetzt waren, blaß» rotes Licht flimmerte ringsum. Duft von feuchtem Klee entströmte den Wiesen, in der Ferne zerrannen dunstige Nebelschleier, ballten sich zusammen., Sie sahen plötzlich unwirklich aus. Und einige Hügel streckten ihre Sil* houetten in das fahle, silberne Dämmern, violettumrändert, grell, als hätten Kinderhände die Linien nachgezeichnet. Da schob sich die Sonne flammend hinter das Gewölki Die langen Streifen am Horizont begannen zu glühen, ent* zündeten die Baumwipfel in der Ferne.. Der Dunst quirlte wie flüssiges Gold und ballte sich zu Formen: dunkelblaue Paläste waren da mit gelben Fenstern und wallenden Vor* hängen, purpurne Kuppeln mit durchsichtigen Türmen, worauf seidene Fahnen schaukelten, und überallhin fügten sich Zinnen aus Glas, Erker aus Glas, Säulen und' Pfeiler aus Glas. Gingen nicht Mendls Jugendträume in Erfül* lung? Die Wünsche, Glaspaläste zu bauen in einer Mannig* faltigkeit, die jedes menschliche Werk überstrahlten? Er sank, von Farben und Formen überwältigt, in die Knie. In den Falten seines Gesichts brannte der Schein der untergehenden Sonne. Der weiße Bart wellte sich. Seine Augen sahen nichts mehr. Weit streckte er "die "Arme" aus. „So lag Moses vor dem* brennenden Dornbüsch", kaip es über ihn. Ihm war es vergönnt, die Wunder der großen Stadt-zu schauen, ihm allein. Mendl, der Auserwähltel Wer konnte sich mit ihm vergleichen? Taub wären die!, anderen, mit Blindheit geschlagen, ihn hatte Gott empor* gehoben > und die Augen geöffnet für. die Herrlichkeiten des Himmels, , ■ , Ein brennender Schre? entrang sich seinem Munde. Er warf "sich nieder und bedeckte schluchzend sein Ge* sieht. Gebete, (die er als Kind gelernt, kamen ihm Jn den- Sinn, und er sprach sie Jötzt inbrünstig leise, .in . hin* gebungsvöUer Demut. Indes tyav die Sonne untergegangen. Die Farben verblaßten, grau und leicht wölbte sich der Himmel über ihn. Er zitterte in der kühlen Luft., Als er die,Augen aufschlug, sah er den gelben Vollmond in der durchsichtigen Dämmerung aufsteigen, Von den Klee* j^^riiben. narrte sjeh ^n schweres, gleichmäßiges , jWendi erfi^ .sieh. Er war des Ganzes voll; Jetzt wolHe; er zu de». Menschen bipabsteigen und verkünden,' was er geschaut. Ihm war die Gunst zuteil geworden, die große Stadt zu sehen. „Emanuel Schindelmacher", so würde er unter seine Widersacher treten, „hat Gott ge* sehen von Angesicht zu Angesicht, wie einst Moses, der heilige Prophet. Er hat die große Stadt gesehen in ihrer Pracht und Herrlichkeit, und darum ist alles heilig, was än ihm ist. Davon wird sein Herz glühen bis in die Ewig* keit, und wenn ihr seinen Worten nicht glaubt, dann - blicket in seine Augen, worin der Glanz des Himmels ruht. Emanuel Schindelmacher verzeiht euch, ihr Krämer und kleinmütigen Spötter, er verzeiht euch allen. Denn er ist ein Auserwählter im Lande, wie Israel auserwählt ist von allen Völkern der Erde. Küsset die Sohlen eure» Verkünders, er verzeiht euch, er verzeiht euch. Amen.. So würde er sprechen. Die Dunkelheit brach herein, der Mond war plötzlich umwölkt. Mendl versuchte, hinabzu* klettern. Fels, wohin er tastete, spitzes Gestein, taubes Schwarz. Er schrie verzweifelt in den Wald. Er schrie nach Menschen um Hilfe. Ein Uhu antwortete seinem Ruf. Wieder ging ein tiefes, dumpfes Rauschen, dann brach er zusammen. Mendl ist nicht heimgekehrt. Haben die Wunder der großen Stadt ihn überwältigt? Ist er, des Abstiegs un< kundig, auf dem Kozel verhungert? Oder durfte der so sehr Beglückte Hand an sich selbst legen? Wer von uns wäre so vermessen, dies mit voller Verantwortlichkeit zu entscheiden! Im Städtchen gehen allerlei Gerüchte um. Die Rasierstube ist voll Ahnungen von Mendls unglückseligem Ende. Der Gehilfe weiß keine Späße mehr. Er sitzt, Flock auf dem Schoß, stumm brütend. Der Spott um seinen Mund/hat sich in'Resignation gewandelt. In der Gemeinde hingegen gibt es lautes, überhitztes Fragen, Achselzucken,, Raten und Streiten. Fiedler streicht bieder über seinen Bart. „Hoffentlich wird nicht fehlen .der Zehnte." j Worauf der Fleischhauer erwidert: „Jetzt bleib ich bei meine Knochen, unberufen." Berl, der Komödiant, grinst: „Weg is weg. So sind wir ihn wenigstens los geworden auf leichte Art, er soll mir leben . . . Der Vorsteher, seinen Bauch würdevoll tätschelnd, steht dabei: „Was gibt es da zu reden viel? Ich hab' immer gesagt: koscher essen, das is die Hauptsach'." Er läßt Zickl rufen und überträgt ihm in Gegenwart des Ausschusses .Mendls,. Amt. Und dann meldet sich der Herbst, mit Stürmen mit Blätterfall, mit langen Dämmerungen. Auf den Dvorky spielen die Kinder „Viernuß" und „Schnurziehen", und wenn es einem Uebermütigen einfällt, klopft er an das Fenster des Frauenbades und singt:'. . „Mendl mit dem; krummen. Rücken, ' Beine wie ein junges Kücken, Mendl mit dem S'chabbesröck . Haare wie ein Ziegenbock . * -, M. , Da erscheint nicht mehr Mendls verstörtes Gesicht hinter dem Vorhang. Zickl, Mendls Nachfolger, tritt zur Tür heraus. Er zwinkert mit den geröteten Augenlidern. „Mendl ist mir im Traum erschienen, und Mendl hat mir zugenickt dankbar." So erzählt er. Zickl ist ein Pfiffikus. Er hat die besten Kosttage, er schäkert mit den Mägden in den Küchen, er verwaltet , die Gelder für die Ortsarmen. Seine Stellung in der Ge* meinde ist durchaus gesichert. Aber auf den schönen neuen Schlußrock wartet er vergebens. Den hat Mendl mitge» nomraen, als er ausging, die große Stadt zu sohauen. E-r*de, Bhj«iHitaitfi *l%ti§M]Wf«