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Die neue Welt · 1931-06-19 · Heft 196 (19.6.1931) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 196 (19.6.1931)
Date
1931-06-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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S£h n m mm welt Är. 196 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER <ft DEUTSCH Wien, /. Bei.% Setienstettengasse 2, Telephon U-28-7-28 XIH Zeniralfriedhof, neb. d. 7. Tor, Telephon U-18-0 &S iUIHHttimUHIHmiltlMIIHIIIIIIlHIIlUHItHtlHIHimilllllUI^ | SairOndtt 1892 .PHÖNIX' s Zentradlrektiorr. M, RrimefflaaM Nr. 2 5 i VöJidsninssÄwtaBtf per WHMtM 245« MOHnto SddlUns s PrlBlw-tüd CnsffliinMliiniD m Äkr^lJ» 125 5 CnsfoaflW ptr Ende 1829 300 MHlionin Willing s Äniabfnstn an Venidrtrte im /itoe 1929 30*5 Hlflioiwn SAifltng s s Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien. Holland, Itaifen, Spanien, Tschechoslowakische s 2 Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- 5 E land, Türkei, Aegypten und Palästina. •« niimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinifiniiiiiiT RADIO m eleganter KoHerlorm für Radio und Schallplatten, aplelt überall ohne An* tenne, ohne Erde, sowie alle modernen Netzempfänger, Radio-Apparate mit Auslandempfang, Radio-Bestandteile. 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Rosen hall. e) Was ich gekauft beb, das verkauf ich. Dabei bin ich nicht gestanden... Aber ihr braucht sie nicht zu beneiden, Liebling, wirk« lieh, ihr habt sie alle in der Erd. Gott hat euch geholfen, ihr seid reicher als sie und besitzt mehr Schmuck als sie und dresses habt ihr auch schönere als sie und nach der Bühne braucht ihr euch auch nicht zu sehnen, es ist, nehmt es mir nicht übel, eine Dummheit von euch, daß ihr euch nach der Szene sehnt. Ihr seht lieber zu, einen guten Tag zu leben in Reichtum und Ansehen. Und laßt es euch wohl und vergnügt gehen, und. yergeßt nicht, Seel* chen, an eure Familie, ich mein' eure Brüder, wesunge* achtet sie es bei euch nicht verdient haben und bei mir sicherlich nicht, daß eih für sie einstehe, aber hol sie das gute Jahr, bevor sie auf Fremde angewiesen sind, ist es besser, ihr sollt es nicht zulassen. Und vergeßt nicht, Herzchen, auch an eure Freundin, die euch ergeben ist mit Leib und Leben. Schreibt mir manchmal einen Brief her und was ihr brauchen werdet, werde ich euch be* sorgen. Und vielleicht findet sich bei euch irgend ein ordentlicher job für mich, schreibt mir, werde ich zu euch nach Johannisburg gefahren kommen, wesungeachtet es so weit ist wie nach jener Welt. Denn ich hab schon satt das Land des Columbus mit den Menschen und über* haupt mit den Akteuren, die Pest über sie alle an einem Tag, keine Spur soll von ihnen zurückbleiben. Amen. Amen. Amen. Ich übersende euch 1000 Küsse. Eure ergebenste Freundin Brejne T Schern ja k," : . 4. Von Lea der Chasenfrau an ihre Tochter. ' „... wisse, mein Kind, daß ich nach dir Ausschau halte, da du mir schreibst, daß du nach. Holeneschti zu Gast kommst. Denn wenn nicht das, hätte ich schon lang die Wohnung verkauft. Was brauch ich, ein Mensch allein, eine solche Wohnung mit-*- kein bös Auge— so* viel Zimmern. Aber wenn du vielleicht glaubst, daß , wer da ist ihm die Wohnung zu verkaufen, bist du im Irrtum. Wer in Holeneschti braucht eine solche Wohnung mit kein bös Auge — soviel Zimmern? Eine Stadt von lauter, sei's geklagt, armen elenden Leuten, niemand hat Geld! Und wer ein bißchen Geld hatte, der ist nach Amerika gefahren. Ein Stückchen Hoffnung ist noch adf Henich des Weinschenkers Eidam. Ein neuer Reicher in Hole* nesebti; Er hat viel Lust auf die Wohnung, aber er fürchtet sich als Bewerber auszugeben, ich soll nicht be* wahre zu teuer verlangen. Und ich will nicht zeigen, daß ich die Wohnung verkaufe, damit er nicht billig etnhandeln wolle. Vorläufig bin ich stecken geblieben, nicht: hin — nicht her, und ich halte Ausschau nach dir, meine teure Tochter, daß du gefahren kommst und mich erfreust mit irgend einem rechten Bräutigam, einem, der für , dioh paßt, nicht wie jener der Musikant, Gott strafe mich nicht für die Worte. Ich habe bewahre nichts gegen ihn, aber für Israel des Chasen Tochter ist er nicht der gleich* wertige. Mag jbm. der Oberste seine Bescherte von anders* wo zoschtcken und dir wird er wohl verzeihen, daß du das Wort gebrochen hast. Obwohl bei uns das als große Sünde angerechnet wird. Und das, was du mir schreibst über unsern Lebl, daß er glücklich und vielgerühmt ist, ist mir gewiß angenehm. Denn die andern, seine Schwe* stern und Brüder die armen, haben kein Glück. Zugrunde* gegangen die ganze Familie. Die Kinder zerstreut und zerspreut, über alle sieben Meere. Man weiß gar nicht, wohin ihr Gebein geraten ist. Nur der eine . Ansehe!, hält sich noch ein wenig. Er kommt manchmal dahergefahren, daß ich ihm behilflich sei, so helf ich ihm denn aus soweit wie möglich. Kann man aber einen löcherigen Sack an* füllen? Und obendrein ist er, scheints. ein Verschwender und ein Gesicht hat er, ein heruntergekommenes, meinen Feinden, wo ich sie habe, gesagt. Wenn Bejlke, sie ruhe in Frieden, aus demGrab ^aufstände iUnä sähe, was aus ihrem Haus geworden ist und aus; ihren? Kindern und, aus ihrem Mann, geklagt sei's! Er ist, der arme, ganz von Sinnen, befindet sich irgendwog in einem Altersheim oder in einem Siechenhaus und hält Ausschau, bis der Eden*Eidam Schischen*wc*Simche einmal gefahren kömmt mit einem Pfund Tee und einem Hut Zucker. Ach und weh den Jahren, "wenn Berije Rafalowitsch darauf angewiesen ist, daß der Kassier sein Eden*Eidam und sein Ernährer ist! Er kommt auch manchmal;, zu mir gefahren, dieser Schischen*we*Simche, sitzt einen ganzen Tag und eine ganze Nacht und spricht und spricht und .spricht. Ein langweiliger Mensch, Gott strafe nicht für die Worte. Und die alte Großmutter ihre, die blinde, wenn du sie sähest, sie lebt noch. Der Herr der Welt scheint .gar an sie vergessen zu haben. Geklagt. sei's,, wer ^uf der Welt lebt! .Wie. wir im Wene»Sanetoikef sagen: wer da lebt und wer in der Erde liegt. War es denn nicht zehntausend* mal richtiger, daß dein Vater, er ruhe in Frieden, jetzt noch lebte und mit mir wäre, nicht daß ich in ich, ein Mensch allein, in — kein bös Auge .— in soviel Zimmern herum* drehen müßte, aber geh hin und frag Gott fragen. Z. B. Jeehiel der Musikant, erinnerst du dich an ihn? Ueber* |legt sich's der vorige Woche;und gebt hin und stirbt weg. •Ein noch ganz junger Mann gewesen. Da ist Henich der Weinschenker auch gestorben,, hat's einen wenigstens nicht so sehr .getroffen, ein Mann ein Greis und ein Reicher. Ein Leichenbegängnis hatte' er wirklich wie ein großer Frommer, vielleicht weißt du, für welche guten Werke, Na, wenn dein Vater, er ruhe in Frieden, ein schönes Leichen* •begängnis hatte, versteht man's noch. Aber Henich der Weinschenker! Warum um ihn das Getue? Warum ge* bührt i^m das? Weil er ein Reicher ist, gebohrt ihjnjdaß man sich nach dem Tode vor ihm, bückt? Aber nichts. Ich gönne ihm dje Ehre und spreche bewahre nichts Böses. Hat er doch leider eine Witwe zurückgelassen mit vier Kindern, wenn auch mit einem guten Geschäft und vielem Geld, aber dennoch Waisenkinder. Einen Vater werden sie nicht-mehr haben. Was die Erde zudeckt, ist verfallen. Ein Schwung mit der Schaufel und -rguten Tag. Viel schHnjnier ist leider die Mnsikantenf rau dran. Sie ist wirklich wi$ «uf dem Wasser zurückgeblieben. Es sammelt die Stadt für sie> Ich habe auch gegeben, .wieviel ich konnte, und es war den Sammlern nicht ganz recht. Es ist etwas wenig, sagen sie, ihr seid, sagen sie, bei uns heute — kein bös Auge — eine reiche Frau, 'Ihr habt, BEI BESTELLUNGEN BITTE SICH AUF ,DIE NEUE WELT' ZU BERUFEN! EINLÖSUNG gİ1d SILBER PLATIN G.A. SCHEID WIEN I, Pranz-Joteft-Kal 42 Wien VI, Gumpendorferstraße 85 Wien VI', Kaiserstraße S//89 Rainer, Wien Vi, Dürergasse 1 Sorgfältig und reell. S. Seh., Wien XX, Jttgerstra&e 69 niiiiiiiiii LESET UND VERBREITET DIE NEUE //' Iii; sagen sie, — kein bös Auge — eine solche Töchter und wohnt, sagen sie, in einer solchen Wohnung, mit — kein bös Auge — sovielen Zimmern. Nun geh hin und sag ihnen, daß mir das eigentlich ganz wider die Natur ist — die Wohnung mit den Zimmern mitsamt dem Lärm drum und dran. Der Oberste soll mir helfen, es schon zu erleben, daß du in Gesundheit herkommst, ich würde mich mit dir beraten wegen der Wohnung, wozu brauch ich eine solche Wohnung ein Mensch allein mit — kein bös Auge — sovielen Zimmern. Du glaubst, nur ich allein sage das? Alle sagen es bei uns. Und alle warten auf dich, daß du kommen sollst. Ganz Holeneschti. Selbst Neche die Witwe und ihre Schwestern (noch haben sie nicht geheiratet, nicht schad um sie). Sie fragen mich immer wieder, „ihr sollt gesund sein, Leanju, wann kommt schon euer Resl?" Augen, die einem ins Gesicht sehen! Sie hat schon gar vergessen an die Schande, die ich ihretwegen hatte, nicht heute sei's gedacht, damals, als du verloren gingst und man mich zum pristäv schleppte, ausgelöscht sei seift Name und sein Gedächtnis — er schon lang nicht mehr auf dieser Welt. Und sei mir gesund, mein Kind. Und schreib mir ob es wahr ist,' daß du mit Gotteshilfe noch einmal nach Amerika willst. Mir gefällt der Plan nicht. Das Land ist zwar ehr ganz angenehmes Land und die Menschen sind zwar ganz angenehme Menschen, aber ihre Sprache gefällt mir nicht. Wenn „tschiken" ein Huhn ist und „Kitschen" eine Küche und „reverind" ein Schächter, nun was ist das für ein Leben? Aber kommst dü nur zuerst mit Gotteshilfe nach Holeneschti gefahren, werden wir das alles schon besprechen; Bis dahin läßt dich grüßen ganz Holeneschti, und Ghajim Schajes Söhnchen Nochum, der diesen Brief schreibt, sendet dir einen besonderen Gruß! :' . I Deine Mutter, die Gott bittet für dich jedesmal, bei Tag und bei Nacht. * Lfra Spivak." . . / ,/''5. ,; ., .. . , Von Rosa Spiwak an Marcella Embrieh. „Mütterchen! Wie Sie sehen, bin ich -wieder in Europa. Die irrenden Sterne, die, wie Sie wissen, solange einer zu andern strebten und nicht zusammentreffen konnten, s|nd Einander endlich, begegnet. Das war in Amerika.'""Aber" nur'' einander begegnet — nichts weiter. Zueinanderkommen, eihswerdeh — das wird nie geschehen, niemals. Wer schuld daran ist: ich öder er — das weiß ich nicht. Möglich, beide. Beide haben wir in unserem Leben nicht wenig Fehler begangen, obwohl wir wenig gelebt haben, gar wenig . . . Spät, zu spät sind die irren* den Sterne einander-begegnet. Nein; Mütterchen; Es-gibt wahrscheinlich kein Glück auf der. Erde. Es gibt nur Sehn* sucht nach dem Glück. Das Glück selbst ist nichts als Traum, als Bild. Es gibt auch keine Liebe, nur eine Idee von ihr. Ein Ideal, das. wir selbst in unserer Phantasie schaffen. Die Liebe ist nichts als Traum. Oh, Mütterchen. Zu spät sind die irrenden Sterne einander begegnet Und nun bin ich wieder einsam und schwebe wieder in einem Dunst von Ruhm und Erfolg, nun führe ich wieder ein zigeunerndes Wanderleben. Und für lange, lange noch scheint es mir beschieden zu sein, dieses Wanderleben zu führen ... Schreiben Sie mir, Mütterchen, aber trösten Sie mich nicht, bedauern Sie mich nicht , und überreden Sie mich nicht, anders zu werden. So ist es bisher gewesen und so wird es weiter sein. Ihre ewig tollende wandernd« Zigeunerin R-oW Ende, Bfcetttänw. Verleger, Herangehet und vorwtwortWcber Redakteur Oberbaurat Robert Stricker. » Druckerei- »ad V^g£A.*a'IgMx

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