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Die neue Welt · 1931-06-12 · Heft 195 (12.6.1931) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 195 (12.6.1931)
Date
1931-06-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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# Seite 12 DIE NEUE WELT Nr. 195 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER <ft DEUTSCH Wien, I. Bei», Seitenstettengasse 2, Telephon U-28-1-28 XL, Zeniralfriedhof, neb, d.i. Tot, Telephon U-1&0-85 iuiiiiiiiititiiiitiiifiifiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ I tiegritaiet 1812 § I Gesellschaft .PHÖNIX' | Zontrsdirsktkn: VMM I« Mtmtrgatte Nr. 2 E 1 Verskhernags&cstaaü psr Mitte 1930 2459 Millisaen Sdüllias s s volltingizihitts KktieBkqitai 4,008.000.-Sdiiilfng s s Primien- und ZiiiBntitmnmcn in Mit 1920 125 MHlioatn Willing s s Carafitiemitftl per Ende 1929 A 300 WÜItentn SdiOling s Aoszahlangen an VersUierte in Jikre 1929 301 ffiflfontn Sdtiiling s § Tätigkeitsgebiet : Oesterreich, Dtufsoh«8 Reich, Frankreich, 5 Belgien. Holland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische s Republik. Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- fand, Türkei, Aegypten und Palästina. s niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiir? 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Man schreibt einander Briefe jede Woche und nicht mir für Rosa allein, mit ihm, mit ihrem Landsmann korrespondiert er, mit Rafalesco, heißt das. Seitdem die zwei einander kennen, mein Grischa und jener Rafalesco, ist eins ans andere festgeschmiedet, eine Seele, und man hält aufein» ander große Stücke, wenn man sagt Ljubow, so ist da nichts weiter zu reden. Nun, was sagt ihr dazu? Wenn nur das allein wäre, so wäre das noch nichts. Wie sagt ihr: wenn's dir lieb ist, soll's mir willkommen sein. Aber die Schande vor den Leuten! Und wer hat die Schuld, wenn nicht ich selbst? Denn hätte ich sie nicht damals ins Theater gebracht zum benefice des Rafalesco, wäre ja nichts geschehen . . . Und nach alledem muß man einen Mund voll Wasser nehmen und p, s, t, pstl Wenn ihr hören würdet, was für Verleumdungen durch die Welt gehen! Man sagt, daß es zwischen Rosa und diesem Ge* seilen Rafalesco eine alte Geschichte ist, ein Liebeln von seit weiß ich wann, noch aus den Kinder jähren, und daß man heute — morgen unters Traudach geht , . . Erzähl ich das meinem Grischa, lacht er., Dummheiten, sagt er, Rosa wird Rafalesco nie heiraten. Ihr hört, niemals! Nun geh und bekomm's heraus! Und da hört man sich ein solches Gerede und Gelage an; daß man in'Ohnmacht fällt. Nicht genug, daß es bitter ums Herz ist, kommen die noch daher und streuen Salz auf die Wunden. Hört ihr, was .ich euch sagen werde, lieber Freund! Juden sind ein kleines! Volk, aber ein unangenehmes! . , , Und wenn ihr mir schreibt, sollt ihr mir'nach; London schreiben wie bisher. Ünd verübelt es-mir nicht, daß 'ich euch den Kopf vollgeredet habe. Man spricht sich ein ,wenig vom Herzen weg vor einem guten Freund, man. glaubt, es wird leichter werden. Von mir, eurem Freund, der zerfallen, zerwickelt und zerfädelt ist, mit der ganzen Welt. Meir S te Mro a ch." II. Von Sofaolem Meir Murawtschik an Albert Schtschuppak, „ . . . Hier hast du deinen Fufziger, ich hab dich in der Erd mit den Knochen, ich bingottseidank* allein im* stand, jetzt dir einen Fufziger zu borgen wenn vdu: Geld brauchst und ich schreib dir daß* deines Chasen Mädel von Smnen ist vor lauter Gutgehen hat sie sich versorgt mit zwei Bräutigamen und weiß nicht, mit wem sie zuerst heiraten soll, wenn sie mir folgen wollte, müßte sie ein Traudach stellen mit beiden^ denn 'dieser .Grischa Stell* mach ist mit Geld vollgestopft ünd der. zweite Bräutigamhab ich dir schon geschrieben, ist jener Bursch aus Hbleneschti Rafalowitsch, was jetzt heißt er mit dem' heifcg^n (tarnen Rafaleeke und ist, stark in den Federn,' denn die Engländer haben ihn her.übergeschmiert zu sich und überschütten ihn mit Talern( von Kopf bis Fuß und ich schreib dir, daß ich vorläufig, gar kien Geschäft hab ich schau mich um nach einem Theaterl, das heißt kein Theaterls, sondern ein Vaudevijlehäuserl wenn es sich billig stellen würde, würde ich'«[rieten und würde gute business machen, obwohl das jüdische Theater, muß ich dir ganz offen sagen, hier in Ameritschke ein wenig ver* dorben ist, hat schon gar begonnen aus Berlin herüber« zubringen die besten deutschen Äktioren und man zahlt ihnen in den Tag hinein Amerits^he*GanW weh' dem Columbus aber bis irgendetwas 'gla/jV'j ichkann man noch mit deinem Kol Mikadesch gefallen jn Ameritschke des« halb schreib ich dir Albert;' w&tra. du auf Russenland spucken willst und komiri zu fahre^' wenn wir Kompagnie machen und wenn nicht lieg in der .Erde und back Stritzeln mit achtungsvoll S c h.o 1 e m J^'e i r M u r a w t s c h i k. Vergessen anzusagen^, soeben erfahren eine Neuigkeit was wenn du's hörst zerspringst du sofort auf der Stelle hör eine Geschichte erinnerst dich doch an unsern Hotzmach was ich dir schon geschrieben hab aus London daß er sichs. überlegt hai und einen Sterb getan hat boruch dajin zimmes und läßt .zurück ein Schwester« chen Sladke heißt sie ein Mädchen eine Puppe wenn auch mit einem Fehler ich hab sie sehr, .bewacht fast fast Braut und Bräutigam geworden kommt aber zum Schluß die Geschichte sie heiratet wie man erzählt triff mit wem nicht einmal mit zehn Köpfen möchtest du's treffen ge* rade mit jenem Gesellen mit Rafaleske ausgelöscht sein Name und wer glaubst du stürmt so in die Welt für sie immer die da mein' ich deines Chasen Mädel, die ver* rückte Gott soll mir so Glück geben und Gute Verrich« tung geh und erwart so etwas nun sag selbst mußt du dich nicht begraben dort wie Korach n,eün Ellen in die Erde tief wie' es wünscht dir von tiefem Herzen mit achtungs* voll S'cholem Meir Murawtschik." 3. Von Brejndele Kosak an Heririetta Schwalb; . . « „und schreibt mir hierher, Sf eichen meins, all Ding, wie geht es euch dort in dem neuen Ort, in Johannisburg? Ich hoffe, daß ihr ^allright-'^eid/^ennV-was'geht euch ab, kein böses Auge? Alle sagen, daß,er ein vielfacher Mil* lionär ist und, daß er euch soviel' diamants .und Brillanten gekauft hat, wie nur ein Rockerelter es sich leisten kann1 so viel zu kaufen.. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr i mich das , gefreut*hat. ©eswegenj weil ''niemand^ so gut weiß wie ich, wie sehr ihr, Arme, euch das ganze Leben geplagt habt beu euren Brüdern. Und sogar noch in der letzten Zeit, da ihr schon begonnen hab tschönes Geld zu verdienen und ein gutes. Leben zu führen,, haben sie euch das Wasser ausgekocht." per eine im guten^ der andere im bösen. Ich will auf sie nichts schlechtes sagen;? sie sind ja doch eure Brüder. Abe>i wirklich, sie isin# nicht wert euren mindesten Finger. loht brauch euch^fchf zvp schmeicheln und über, sie zu schimpfen, aber wirklich, man' könnte sie beide hergeben für euren mindesten Finger« nagel. Und wer spricht noch vo&' eurem Nissl mit seinen/ süßen Redereien und Schwüren, Gott soll ihm bezahlen, wie ordentlich und anständig er mit, mir umgegangen ist» ein solches Jahr auf alle' Mannsbilder, Herr der Welt,1 und ein solches Glück auf ihn gelbst. Malt eueb^er*hat was er verdient. Man sagt, daß ihm die Zunge heraussieht auf Jahr und Tag, ich mein' euren Bruder Nissl. Seitdem die Komune auseinandergekrochen ist, hat er schon allen Götzen gedient, ist mit allen seinen Kombinationen durch« gefallen. Jetzt hat er eine neue Kombination. Er hat er* wischt irgend einen Juden mit einem Modell des alten heiligen Tempels, aus Papier gemacht, und klebt Affichen in ganz New York und diese Kombination wird ihm wahr« scheinlich auf den Kopf fallen wie alle andern Kombina« tionen. Gott möge ihm bezahlen für euch und für mich und für ganz Israel. Eurer Bruder Isaak ist geradezu Gold gegen ihn, wes ungeachtet auch ihn der Teufel nicht ge* holt hat. Auch eine gute Seele 1 Was der über euch spricht, soll besser ins Meer hineinfallen. Er sagt, daß ihr euch selbst verkauft habt für Geld und daß eurer Mann handelt mit . . . Ich will gar nicht nachsprechen seine Worte. Und alles weswegen? Wegen des wüsten Dollars. Ich würde euch raten ihm das Maul zu verstopfen mit ein paar Dollar. Er mag sich hier mitten auf der Gasse hin* strecken, wird ihm niemand helfen. Wer wird sich.' nach ihm umsehen? Die Lomscher solovej? So lang soll sie' kränkeln die Chasenfrau seine mit den roten Haaren, sie hat schon die blonde Perücke heruntergeworfen und ist eine ganze misses geworden. Eine Kleinigkeit! Ihre Kinder, sagt man, scharren hier Gold mit Schaufeln zu« sammen, ein Land wie die Hinfallende, wenn es pocktl Geh und nimm an, daß wenn der Lomscher Chasen hier« hergefahren kommt mit der Bande Picker, man ihn hier vergolden wirdl Und Gerechtigkeit hat in sich dieser Chasen genau soviel, wie ein russischer Kosak. Eure Brüder mögen sich vor ihm ausstrecken, wird er ihnen keinen cent geben. Was braucht ihr mehr? Mr. Klamer, der sich für ihn und seine Familie verausgabt hat, um die Kom« mune zusammenzustellen und die Kommune herunterzu* bringen, jetzt hat er kaum auf Reisespesen gekommen, nach London zurückzufahren, und wißt ihr, wer ihm die paar Dollar geborgt hat? Wenn ihr achtzehn Köpfe hättet, würdet ihr es nicht erraten. Just dieser Schlemihl Muraw« tschik, der das schöne Paar zusammengeführt hat, euren gewesenen Bräutigam mit der Sängerin, die jetzt die Nase hochträgt, ein Graus. Mit dem ersten Bräutigam, dem Stellmach, ist sie schon gottseidank auseinandergegangen. Und noch mit einem großen Skandal obendrein. Der alte Stellmach, sagt man, wollte sie vor Gericht bringen, hat es aber der Sohn nicht zugelassen. Meine Sorgen auf seinen* Kopf! -Wieweit das wahr ist; weiß ich nicht. So hab ich es erzählen gehört. Was ich gekauft hab, das verkauf ich. Dabei bin ich nicht gestanden. Und mit jenem, mit dem'euren heißt das, ist sie'auch .schon aus« einander und, wie man sagt, für immer. Die. beiden haben sich; * sagt man, arg zerstritten. Und trefft, um wen! Wegen Sladke ausgerechnet, Holzmans Schwester, Die Wahrheit zu sagen, hab ich hier nicht wenig mitgeholfen. Ich hab ihr einen Brief geschrieben, ganz offen die Wahr« heit vor ihr ausgebreitet, herausgeschrieben alles, läras mir gelang herauszubekommen von diesem Affäristen Muraw« tschik über Rafalesc'os Roman mit Holzmans Schwester* chen, und obwohl ich nicht die Gnade hatte, bei ihr vorgelassen zu werden, weiß ich doch alles, was dort ge* kocht wird,' Ich weiß z. B.,' daß Rosa selbst in höchst* eigener Person auf Besuch war bei Holzmans Schwester Sladke und viel Vergnügen hatte am ehrbaren Kind; das jene von Rafalesco bekam... Weiter weiß ich, daß Ra» faleeco in eines der, größten hiesigen englischen Theater eingetreten ist, aber Mr. Nickel, der mit ihm einen Kon« trakt für die ganze Saison hatte, forderte eine so große Summe, daß selbst Rafalesco, der soviel von Geld ver« steht wie ich von' Brillanten} fast der Schlag getroffen, hat. Aber hier wuchs wieder Rosa auf und sagte, sie nehme das auf sich. Wie gefällt euch eine solche Geschichte1?. Wieweit das wahr ist, weiß ich nicht. _ (Fortsetgmag fetefefl , .«w Btgehtfimer, Verleger, verwtwortttooer Redakteur Ober Stejttat&jttOt beide Wtoür 4X* {ober* Stricker« *h Druckerei» und Itoetrtfe 6-4.

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