Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 192 (22.5.1931)
- Date
- 1931-05-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 192 DIE NEUE WELT Wahl zum Ziomslenkongreß Versammlungskalender. Dienstag, den 26. Mai: Cafe Dank, IX., Währinger Gürtel 104a; Cafe Altes Rathaus, I., Wipplingerßtr. 24/26. Mittwoch, den 27. Mai: Cafe Döbliugerhof, XIX., Billrothstraße 49; Verbandshei.ni, IT., Untere Augartenetraße 38; Cafe Lovrana, III., Löwengasse 36. Donnerstag, den 28. Mai: „Zur goldenen Glocke", VII., Neubaugasse 5; Cafe City, IX., Porzellangasse 1; Terrassencafe\ V., Margaretenplatz 4. Samstag, den 30. Mai: Hotel de France, Maria- Theresien-Keller. Montag, den 1. Juni: Hotel Post, I., Flcisdimarkt 24. Es werdeh sprechen: Der Listenführer Oberbaurat Robert Stricker, Hanns Kandl, Dr. D. Bukspan, Dr. H. Glücker, David Nebenzahl, Dr. N. Samonsky, Leon Wechsler, Dr. Sal. Wolf, N. Lubotzky, Leopold Sitzmann, Studentenversaminlungcn. Donnerstag, 28. Mai, um halb 9 Uhr im Heim, IL, Untere Augartenstraße 38, Studentenversammlung. — Samstag, 30. Mai, um kalb 9 Uhr abends, Hotel de France, L, Schottenring, gemeinsame Studenten- und Bürgerversammlung; Thema: Kongreß wählen. il^U^jlil^WUJ) l Deshalb ist es wichtig, daß der Kongreß nicht nur beide Weißbücher und die ihnen folgenden Kommentare verwerfe, sondern auch offen und laut erkläre, daß das jüdische Volk sein GaluthprobLem durch Schaffung eines Judenß'taates, gestützt auf eine jüdische Majoritätin Palästina, zu beiden Seiten des Jordans zu lösen anstrebe. . Aus diesem .jüdischen Hauptpostulat folgern sich die Bedingungen, unter denen es möglich ist, eine jüdische Majorität . zu schaffen, wie freie . Einwanderung, jüdischer Schulz, Land für Siedler, Schutz der Industrie, jüdisdie Teilnahme an der Adanimiistration usw. Es soll der 17. Kongreß offen das zionistische Ziel.' proklamieren, um mit den Defaitisten von innen und mit den verkappten Feinden von außen Srhluß zu machen« Jüdischer Schutz. Wenn der Kongreß den Weg aktiven Kampfes für unsere Rechte in Palästina wählen wird, so muß man dessen.gewärtig sein, daß der Gegner alle Mittel, offene und geheime, ergreifen wird, um uns zu terrorisieren und abzuschrecken* Bei der gegenwärtigen p r o a r abiscthem und p.ana xabds eben Politik des C o 1 o n i a 1 O f f i c e,.in einem Zeitpunkt, da die kleinen,: künstlich konstruierten Staaten um Palästdna herum konsolidiert und bewaffnet werden, ist eine konzentrierte Attacke auf (unsere Positionen in Palästina möglich. Das soll offen gesagt sein. Man möge die Gefahr nicht leugnen. Und gibt man sich rechtzeitig Rechenschaft über die Situation, so muß man sich rechtzeitig um Schutz und Widerstand umsehen.. Gewiß aniuß iman darnach streben, den Sdiutiz auf legale Weise zu erreichen, durch Schaffung einer jüdischen Polizei, einer jüdischen Gendarmerie, jüdischer militärischer Formationen als Teil der palästinensischen Garnison. Wenn das aber jetzt zu erreichen unmöglich ist, dann steht die Frage der Organisierung eigener jüdischer Schutzreserven vor uns. In Palästina und in der Galuth müssen sofort die nötigen Vorbereitungen getroffen werden, auf daß das jüdische Palästina im Moment der Gefahr nicht -vogelfrei bleibe. Diese Hachschara (Ausbildung) zum Schutz jüdischen Lebens und Eigentums ist genau so wichtig wie irgendeine andere Hachschara. Ohne Hysterie, ohne Panik, ohne Umschweife muß die neue zionistische Exekutive, vom Kongreß sanktioniert, diese Arbeit in Angriff nehmen, ohne die der Friede in Palästina in Gefahr gestellt ist. Die Agrarfrage. Es ist ein Gemeinplatz, daß ohne freien oder zurnimdest billigen Boden und ohne freie Einwanderung der Ausbau des jüdischen Nationalheims unmöglich ist. Dennoch muß dieser Gemeinplatz immer wieder ausgesprochen werden. Das Bodenproblem kann aber nicht einsaitig erledigt werden. Der jüdische ökonomische Organismus in Palästina steht nicht isoliert da. Eine Agrarreform nu r f nr die Juden ist ein Unsinü. Es müssen aus ihr alle arbeitenden Elemente des Landes Nutzen ziehen. Es genügt nicht, freies Land für die Juden zu fordern. Man muß den Weg zur Beschaffung freien Bodeas zeigen. Es genügt nicht, Memoranden einzureichen. Man. muß in Form eines Gesetzprojektes aufzeigen, wie die Agrarreform durchzuführen ist. Auch da kommen die Revisionisten mit einer Antwort auf die Frage. Sie werden auf dem Kongreß Grundsätze einer Agrarreform zur Annahme vorschlagen, die jeder von uns wird ehrlich verteidigen können, die durchführbar siud, der ganzen Bevölkerung Nutzen bringen, die Spekulation beseitigen und die Grundlage für. «ine intensive Bewirtschaftung legen werden. Ein Herantreten an das Problem im Sinne des Staatsbaiues ist der Wog, der hinausführt aus der gegenwärtigen schweren Lage. Kolonisationsmethoden und Fonds. Was immer man über unsere bisherigen Erfolge in Palästina sagen mag, man kann nicht leugnen, daß sich die Aufbauarbeit j^tzt im Stadium des Stillstandes befindet. Welche Lobgesänge auch innner man den Ghaluzian und den Kwiuzoth singen mag, es wird jeder zugeben, daß das nicht die richtigen M e t h oden für eine Mas s.c n k o 1 o n isa t i o n . s i nd und daß breite Schichten des Volkes nicht miteinbezogen wurden; Weiches Lob man unseren beid cm F<j\nd s auch spenden will, es wird niemand zu behaupten wagen,, daß der K.e r en,Ha jessod und der K er en Kaje meth weiter die finanziellen Institute für den Aüfbau d es jüdtschen Staates b 1 eib e n k ö n n e n und daß ihretwegen Banken und andere ähnliche Institutionen vernachlässigt werden dürfen.:l; ' Vielleicht war der Keren Ha jessod im Jahre 1920 die einzig mögliche Form der Geldaufbringung für Palästina, jetzt ist er es bestimmt nicht. Gewiß-, daß Chalüzim und Kwuzoth wichtige Elemente für eine Pionierperaode einer Kolonisation sind.' Als s t a n d i g e s Kdlbnfeatidnssystem erscheinen sie im Lichte unserer Erfahrungen untauglich. Deshalb muß die gegenwärtige Wirtschaft, die auf Sammlungen, Chalüzim, Budget der Fonds und Stimmung gebaut ist. radikal geändert werden. Der Kongreß wird die gegenwärtigen Institute abbauen, wenn nicht abbrechen müssen. Eine neue Exekutive wird die existierenden zionistischen Banken, die Jüdische Kolonialbank, Auglo-Palestine Bank, die Hypothekenbank entwickeln und eine Reihe neuer schaffen müssen: eine Industriebank, eine Exporfcbank, eine nationale "Sparkasse, eine.'^ Entiigratdidnslbanik, die' auf tausende" Kooperativen gestützt sein soll. Jedes jüdische Haus soll nicht mir eine K.-K.-L.-Büchse besitzen, sou- JNur diese . Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke dem auch die einer zentralen Sparinstitution. Kurz, dos zionistische Individuum, seine persönlichen Interessen und Zukunftsplüne sollen mit dem sich bauenden Palästina enger y e r k n ü p f t sein. Jeder Zionist soll das Gefühl haben, daß er nicht nur für die abstrakte .Gesamtheit baut, nicht für jemand Almosen gibt, sondern das Fundament für sich selbst, seine Zukunft, legt. Welche Perspektiven für die Privatinitiative, welche Mösglichkeiten f ür neue GeWressourcen! Das ist ein neuer Weg, für ihn werden sich gewiß neue Menschen finden. Eine wirkliche Jewish Agency. Niemand wird jetzt mehr .zu leugnen wagen, daß die „erweiterte" Agency, halb Zionisten, halb Nichtzionisten, ein Durchfall ist. Der Plan, künstlich von oben herunter eine einheitliche Front von assimilierten Notabein und jüdischen Nationalisten zu schaffen, ist mißlungen. Die „erweiterte" Agency existiert nicht. Keine Organisationsförm, keine Menschen und auch nicht das erwartete Geld. Der Kongreß muß daraus die Konsequenzen ziehen und dieses sonderbare Geschöpf beseitigen. Man muß den Mut haben, den Vertrag mit den Nichtzionisten zu kündigen und eine tiefere Form der Agency durchzuführen: das Recht der Notabein auf persönliche Vertretung in der Agency wird abgeschafft. Den Platz des Agency-Ratea nimmt ein jüdischer Weltkongreß oder eine andere, demokratisch gewählte Körperschaft ein. Dos Wahlrecht *um Zionietenkongreß wird erweitert. Für die tediniisdie Fiühiiiung der KolomisaiAansarbeit wird ein W i r t s c h a f t s r a t von Körperschaften und Fachleuten geschaffen. Eine nene Führerschaft. Ob Dr. Weizmann Präsident der Zionistischen Organisation bleiben will oder die Absicht hat, zai resignieren, hat uns wenig anzugehen. Wir haben keine persönlichen Differenzen mit Dr. Weizmann. Die ganze Frage um eine neue Führerschaft zu einem Kampf um die Person des Dr. Weizmann zu verwandeln, bedeutet Entweihung des Heiligtums. Die Form der zionistischen Leitung nur deshalb zu ändern, weil <die Kandidatur des Dr. Weizmann nicht mehr in Betracht kommt, ist ein gefäh,rlidies Präizedens und eine Beleidigung der zionistischen Bewegung. Es handelt .sich nicht nur um die Wahl eines neuen Präsidenten und um den Austausch eines Menschen gegen einen, anderen — auf der Tagesordnung steht die grundlegende Aenderu n.g der ganzen zionistischen Politik, ihrer Methoden, ihres Tempos und ihres Umfangs. Bankrottiert hat der bisherige Kurs zusammen mit den Personen, die ihn verkörpern. Den Zionismus zii seinem heutigen Zustand gebracht hat nicht Dr. Weizmann allein, sondern auch alle seine Kollegen und Helfer. Sie, die Personifizierung der politischen KurzsiohtigkeM, müssen so beseitigt werden, daß für die Judenheit und für die Welt der tiefe Sinn der Aenderung klar werde.' Es darf nicht zugelassen werden, daß der Wechsel der Führerschaft begründet werde mit der Müdigkeit und Enttäuschung des Dr. Weizmann oder des Herrn X. Der Kongreß muß einen neuen Präsidenten und eine neue Exekutive wählen. Es muß der Gedanke, daß es außer Dr. Weizmann im Volk Israel keine einzige passende Persönlichkeit gibt, die den hohen Posten einnehmen kann, rechtzeitig ausgerottet werden. Das jüdische Volk muß an den Gedanken gewöhnt werden, daß Israel nicht verwaist ist, daß nicht nur magnetische Persönlichkeiten an der Spitze der Bewegung stehen können, sondern einfach fähi g.e, kluge, erfahrene Männer mit gesundem Instinkt für --Politik und Wirtschaft. Nicht die Organisation muß sich Personen und deren Stimmungen anpassen, sondern Staatsmänner müssen in entsprechenden Organisationsformen ein Feld für ihre Tätigkeit finden. Der neue Präsident und die neue Exekutive müssen auf Grund eines Programms gewählt werden, das den s ta atsbauenden und ak ti vis tiseben Inhalt des Zionismus vertritt. Keine einzige Person, die für die Dinge der letzten zwei Jahre verantwortlich ist, darf in die neue Leitung kommen. Denn das würde Zustimmung zur Politik des Sidiibesuigens und der Passivität bedeuten. Revisionisten und die neue Exekutive. Die Revisionisten kommen zum Kongreß nicht nur mit einem breiten, konstruktiven Programm, mit Vorschlägen und Gesetaesprojekten, sie sind auch bereit, die Durchführung ihrer Pläne und Ideen auf sich zu nehmen. Was kann man von einer Opposition mehr verlangen? Es ist in der Tat schwer, sich ein größeres Opfer vorzustellen, als im gegenwärtigen tragischen Moment „die Macht zu übernehmen". Wenn es die Revisionisten wagen, einen solchen Schritt.zu tun, so geschieht es, weil sie nicht nur an ihre neuen Kräfte und die Kräfte, die in der Judenheit schlummern, glauben, sondern auch weil sie die Verantwortung für das Schicksal des Zionismus fühlen. Der 17. Kongreß muß ein Kongreß des Mutes und der Tat sein. Er muß die Summe aus einer zehnjährigen Epoche ziehen, darf sich aber nicht lang mit ihrer Bewertung aufhalten. Er muß den Weg vorzeichnen, der um die neue Exekutive das Beste der alten und jungen zionistischen Generation sammelt. Ein Kongreß des Aufstieg« nach Jaturea des Nie-der« f'«»f«l