Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 189 (1.5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2711613-2711790-2711808--2484-2715780- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Seite 12 DIE NEUE WELT Nr. 189 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, 1, Bet., Seken$teüenga$$e 2, Telephon V-28-U28 XU Zenitalfriedhof, neb. d. 1, Tor, Telephon U»18-0'8S FAHRRÄDER Motorräder, beste Qualität, mit langer Garantie, von S 15.— monatl. SCHLISINQlft, Wien, VN., Burggasse 112 u. 124 iiiiiiimimiiiniiiiiiiiiiminiiiiiiiHiiiiiiiiii Ijiiiiiiiiiniiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiti | äegrUndet 1882 | i Ubensverslcherun^s- DUnMIY^ i 1 Gesellschaft frnUmA j | ZMtradhrektion: WUN U RltotrfMse Nr. 2 | § V«|idNno|tli«tiDC pir MHti 2458 MUHonen Sddilisg | s (»Ufilinifcttts Ikflnkipttit 4,001001-StirJag s s Priiftnoid ZiRicnehuthnn tan Jiks 19ZS . 12$ MÜDsan Sofflhg s Cmntitaittfl p« Eni» 1929 300 Millionen SdiDÜn? § s Annbfniiai n Tenldtertt in Jährt 1929 30*5 MilliaiMn Miffif»? s s Titigkeitsgchiet: Oesterreich, Deutscht! Reich, Frankreich, s Belgien, Hotland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische s s Republik. Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- 5 S >and. Türkei. Aegypten und Palästina. £ lliilliiiiiiiiiiiiiiiriiiiiiiiitiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiitiiiimrr RADIO m «Isganter Koftariorm.iür Radio una Schallplatten, spielt Überall ohne An« "tarnte)* ohne Erde, sowie alle ntodernen Netzempfänger, Radioapparat« mit Auslandempfang, Radio-Bestandteile. Kredit bis 20 Monat«. 10% Anzahlg., 1«/A Kreditspesen pfo Monat' KOFFERAPPARATE Luxus-Apparate, Sehallplatten von S 2.—, die neuesten Schlager in größter Auswahl sowie, Mandolinen, Gitarren, Harmonikas Lauten, Violinen, Zithern, Blasinstrumente, erhalten Sie für S 2.30 Wochenrafen. itadio-Musiklians SCHLESINGER %£ui£ BEI BESTELLUNGEN BITTE SICH AUF ,DIE NEUE WELT1 ZU BERUFEN! EINLÖSUNG g<Tld SILBER PLATIN G. A. SCHEID WIEN VI« Gumpendorferstr. 89 Wieu I, Franz-Josefs-Kai 49 Wien Vif, Kaiserstraße 67/69 Rainer, Wien VI, Dürergasse 4 Di« bastbewährte unschädliche «TnjLHftHB »Fl JeM^J W «Vi rnrnrntkit «vi «ik hm flrbt echt, naturgetreu und dauerhaft von blond bis schwarz Ueberau erhältlich S 2.— und S 3.50 W. SEEGS«, Wien XV, Wurxbachgasse 19 ymmggg^^-ggl^—^^^gg^^g^^m^mggg^g.^^m^g^^^g^m^ LESET UND VERBREITET //DIE NEUE WELT"! Copyright 1928 by „Die Neue Welt". Wien. Nachdruck verboten. KOMÖDIANTEN. Roman von Schaf om Alechem. Ins Deutsche ubertragen von P. Rosen hall. „Mein lieber Murawtschik, ich fahre von New York für einige Stunden weg. Wann ich zurückkommen, weiß ich nicht. Unseren Weg verschieben wir auf ein anderesfflal. Ich bitte, mich bei jenen zu entschuldigen, Sie wissen schon bei wem, und wie Sie es verstehen — ich werde es Ihnen nie vergessen. Ihr L. Rafalesco." Was mir geträumt hat diese Nacht und jene Nacht und was mir geträumt hat die ganze Zeit, zu Meer und zu Lande, soll auf die Köpfe meiner Feinde fallen! Ein Akteur bleibt ein Akteur, mag er zehnmal ein Sohn aus gutem Haus sein. Ein Mensch verabredet mit mir auf den Uhrzeiger, ein Mensch brennt und flackert, krepiert vor Ungeduld und zum Schluß... Unser Murawtschik machte kehrt, wollte spucken darauf, als sich ein Klopfen an der Tür „stuck*stuck" hören ließ. Murawtschik war erfreut, wahrscheinlich jener. -—;,Herein!" Man hörte wieder einmal „stuck*stuck". Also nicht jener. Auf sein zweites „Herein!" hörte man ein drittes „stqcVstuck". Da wurde Murawtschik schon böse und rief\iaut[ „Mit dem Kopf an die Wand!" •:\' Da öffnet sich leise die Tür und eintritt — Brejn* dele> Kosak. ' * Wäre anstelle Brejndele Kosaks zum Beispiel Hotz* mach aus jener Welt eingetreten, unser Murawtschik hätte nicht so überrascht sein müssen, als er es in diesem Augenblick war. Trotzdem aber fand er noch soviel Be* herrschung,- um nach nicht mehr als einer halben Minute wieder:zu sich zu kommen und wieder derselbe fröhliche, lebhafte! aufgeräumte Murawtschik, der er sonst ist, zu werden. Mit seltener Freundlichkeit, - die Hand ausge* streckt^ mit. breitem, heiserem Lachen ging er der Ein* getretenen entgegen. ~ . „Boruch habo, gesegnet ein Gast, was macht ihr Gutss, Brejndele, tfu, mein* ich, Madame Tschernjak?" Dafür aber fand die Madame Tschernjak kein ein* ziges Wort, ihm zu antworten.-Sie-blieb bei, der Tür stehen, in ihrer roten Pellerine, wirklich gelähmt, konnte sich nicht vom Fleck rühren. Denn wenn Murawtschik seinerseits sagen hörte, daß Brejndele Kosak sich irgendwo in Amerika befinde, sq träumte es Brejndele Kosak nicht einmal, hier in New York * ihrem-einstigen Feind Scholen» Meir Murawtschik zu:begegnen. Und wo! Bei Rafalesco!-Und wannl Da sie gerade erschienen war, den-jungen Star vor einem Un* glückzu retten. Von ihrem neuen guten Freund Nissl Schwalb haltte sie soeben eine schreckliche Neuigkeit gehört: daß Rafa» leseo'sich von dessen Schwester lossage, der Primadonna Henriette Scliwalb,- und daß Nissl Schwalb zu einer lawyer gelaufen sei, im cort eine Klage wegen Bruchs des Versprechens („breach of promise") -einzureichen. Äußer daß .der Chaser und. die Chasenfrau und Mr. Klamer schwören werden, die. Primadonna in den Armen Rafcu - lescos gesehen zu haben, als sie auf dem Schiff fuhren, wird er die halbe Stadt New York (und die Madame Tschernjak dazu) als Zeugen führen, daß sie auf seiner offiziellen Verlobung anwesend waren, daß Teller gebro* chen,' Champagner getrunken, zwischen den Gästen unter« einander Küsse getauscht wurden *nit einem Wort, Nissl Schwalb schwört bei allen Schwüren, er werde'in N^w; York' einen solchen Skandal machen, daß,' seit CbJurnbus'Amerika entdeckt, es einen solchen Skandal noch nicht gegeben hat. Nun? Wie kann Mme. Tschern; jak solch eine Sache zulassen? Erstens Mitleid mit Rafa* lesco. Ein junger Schauspieler, ein Star, der erst im Auf* gehen begriffen ist, eine Blume, die erst blühen soll — er kann doch, "bewahre, seine ganze Karriere verlieren. Das ist eines. Und zweitens hat die Mme. Tschernjak auch ihr eigenes Interesse daran. Unsere Leser erinnern sich wohl, daß mit der An* kunft der berühmten Gesellschaft Klämer,. Schwalb et Comp, für die Mme. Tschernjak eine neue Epoche ihres Lebens begann, ein neuer Abschnitt mit dem Namen Nissl Schwalb. Nissf Schwalb —' das war ihre letzte Hoff* nung, die letzte Station ihres langen Lebensweges, der einzige Stern, der noch hell leuchtete auf ihrem dunklen Himmel. Sie war deshalb zu allem bereit, zu Feuer und zu Wasser. Arme Brejndele Kosak! ^Z'u dieser Zeit war sie in ihren Freund Nissl SchwalB 'genau so feurig verliebt — wenn nicht noch stärker — wie zürn erstenmal in ihrem Leben. Und es ist, so Wahr ich TeVe, keine Sünde; es wäre schon lange Zeit gewesen,' daß die Mme. Tschernjak gleich sei den anderen Menschen, auch einmal ein Ufer errer'che, auch einmal sich zu <;etwas aufarbeite, aufhöre, unstet zu sein, Dollar um Dollar, zu sammeln und sich in der Welt herumzukugeln. i - Es ist deshalb kein Wunder, daß die Mme. Tschern* ^jak sich für ihr neues Ideal' Nissl Schwalb zu opfern bereit war. Als er ihr den Inhalt seines Vormittags» gesprächs mit Rafalesco undauch die Geschichte vom gestrigen Besuch im Nickel*TKeater, von Rösa Spiwak und ihrem Grischa Stellmach wiedergab, roch Brejndele Kosak gleich heraus, was da vorgehe. Und es wurden in ihrem Kopf einige Kombinatierfien auf einmal geboren: 1. Wem zulieb war Rosa Spiwak im Nickel*Thcater, wenn nicht Rafalesco zulieb? 2. Das bedeutet also, sie hatten durch die Post verabredet, daß sie zu seinem ersten Auf* trieten komme. 3. Aj die Frage, was war das für eine Komödie beim Lomscher solovej mit dem zerbrochenen Teller, mit den Maseltows und der Küsserei — das war anscheinend nur, um Sand.Jn die Augen zu streuen.;4. Wenn dem so ist, muß,, man auf ein Weilchen zu dem feinen jungen Mann hinein, erstens um ihm in die Augen zu sehen, — sie braucht nicht mehr — und nebenbei ihn mit guten Worten zu kaufen. Vielleicht wird sie sich durch ihn einmal zu ihrer Freundin..Rosa durchschlagen, da man Sie zu ihr nicht vorlasse .und keinen Brief be* antworte. Wenn die Mme. Tschernjak .nur eiii wenig mit -. ■ . ■ - . ••■ . ■ •* Rosa Zwiesprache hält, wird^sie-ischön das Glück auf den richtigen Weg bringen. Der jiirtgV Mann wird dann sch^on mit Henrietta Schwalb unters Traüdäch gehen und dann;;. oh!, dann-wird es . auch wirklich, wie man ,es in diesem Land sagt, allright sein. Das waren die Äussichten^äut denen Mme, Tschern* jak, herausgeputzt und stark gepudert, zu Rafalesco kam iUftd ihren einstigen bitteren Feind Murawtschik traf. . Und Scholen» Meir Murawtschik, als er sah, daß aus Brejndele Kosak das, geworden war, was einst aus dem Weibe Loths, bekam Mitleid mit ihr und «kam'ihr zuhilfe. ■ ':' „Wozu große Worte .^«f jj$r habt euch, kein bös Auge, , in diesem Land gut e^rioll uAd nicht um. ein *Haar verändert. Im Gegenteil, ihr s^i^nqch jünger. geworden, um ich weiß selbst nicht wie viel. Wenn nicht eure rote PeUerine; bewahre, ob ich. euc$j erkannt hatte, Gott soll mir so Glück geben und gute Verrichtung 1" Die. Mme. Tschernjakj 'die an derartige Kompli* mente/vvon. den . trügerisehen.l^ai)n8p^;80^e.n < gewöhnt war, zerging wie Butter und i^ Änderte sich, wurde rot und begann zu schwitzen In diesem Augenblick war sie bereit, alles zu vergessen, alle Beleidigungen, die ihr dieser heisere Schlehmil zugefügt, und das Weh, das er ihr einst verschafft hatte, und sogar die alte Schuld, die auf ihn eingetragen war — alles war sie bereit, in diesem Augenblick zu vergessen. Sie schloß die rote Pellerine auf, rückte einen Stuhl zu Murawtschik heran und es entspann sich zwischen ihnen ein Gespräch, das wir mit fast stenographischer Genauigkeit wieder» geben. 73. Kapitel. Das Gespräch. Das war der Dialog, den Brejndele Kosak und Scholem Meir Murawtschik miteinander führten. Brejndele Kosak: Wen immer, aber euch hier zu begegnen, hätte ich nicht einmal geträumt. Murawtschik: Ein Beweis, daß ihr mich in der Erd habt, während ich an euch Tag wie Nacht denke, im Träumen und im Wachen. Brejndele Kosak: Leben sollt ihr mir so. Murawtschik: Amen, alle Weiber. Brejndele Kosak: Ihr seid derselbe Galgen* strick, der ihr war't . . . Sagt mir lieber, wo ist jetzt dieser Strolch, euer Chef, verbrannt soll er werden? Murawtschik: Wer? Schtschuppak? In Odessa, die Cholera soll ihn dort ersticken mitten im Winter. .Brejndele Kosak: Ihr wollt wahrscheinlich sagen, die tschuma! Murawtschik: Von mir aus, glatt so ein jäm* merliches Hundskrepieren mitten am hellen Tag, wenn es sich nur nicht, bewahre, hineinzieht in die großen Fröste. Was also macht ihr hier, Liebchen? Ihr wollt auch zu unserem Rafalesco! Brejndele Kosak: Zu wem denn sonst? Mich wundert nur: zu dieser Zeit trifft man ihn immer zuhause. Murawtschik: Noch schöner! Mir hat er die Minute eingestellt, die Zeiger zurechtgerückt. Wie also geht es euch, Kätzchen? Brejndele Kosak: Nummer ärger. Wenn man nur lebt . . . Na, und ihr? Murawtschik: Po staromu! Man quetscht sich und man schindet sich. Kaum Wasser auf Grieß . . . Sagt mir also, Seelchen, was ich euch fragen wollte 1 Ja. Nun also, heißt das, was tut ihr hier bei diesem Dingsda? Irgendwelche business? Brejndele Kosak: Ach unsere businessl < , » Schon lang seid ihr in New York? Murawtschik: Den Schlägen nach, die ich hier abgefangen hab', könnt' ich glauben, daß ich zusammen mit Columbus hergekommen bin. Sagt mir also, Herzchen, was für business könnt ihr auf diese Weise par exeinple na pfiklad chdoime lemoschel na, primer zum Beispiel mit meinem Jokembemba haben? Brejndele Kosak: Seit wann ist er das euer geworden? Murawtschik: Seit wann?. Chacha. Es ver* lautet, daß ich ihn schon kenne, wie er um einen Kopf größer war als eine Katze. Brejndele Kosak: Alles ist möglich. Wenn so, dann müßt ihr doch;auf ihn ein Stückchen Einfluß haben können ... M.urawtschik: Chacha. Ob ich haben kann. Brejndele Kosak: Warum seht ihr also nicht zu,' daß die Trauung sein soll? Murawtschik: Zu einer Trauung, Liebchen, ist noch ein bischen wo»*. Brejndele Kosak: Wirklich? Und was ist denn eigentlich 4ie Störung? Murawtschik: Die Störung ist so ein winziges Wesenchen. Brejndele Kosakj Von was für einem Wesen* chen sprecht ihr da? Murawtschik: Ich spreche vom' „Kleinen". (Fortseteuag folgt) Eigentümer. Verleger. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker. — Druckerei« und Verlags-A-G. (gaaz Steiuuaoa beide Wien. IX. Universitätsstraße 6-&