Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 185 (1.4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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r Seite 12 DIE NEUE WELT Hr. 1« GRABSTEINE FRIEDLÄNDER <ft DEUTSCH Wien, L Bei., Seiiensieitengasse 2, Telephon Ü*28-U28 X?„ Zenitalftiedhof, neb. d. 1, Tor, Telephon U-18-0 8S nobel auf fteipieTeilzaiHoiipUli 18Monatsraten im Tischler- und Tapezierermöbelhaus Josef Dreikurt Wien, XX., Wallensteinplatz 3 und 4 Gegründet 1885 Tel A-42 4-32 Großes Lager in einfachen und modernen Schlaf- und Speisezimmern, Küchen- und V ot Zimmereinrichtungen lllllllllllllllllllllillllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllilliiiilll Die bestbewährte unschädliche arn^-m jti ^«a «m^m mmmm » türbt echt, naturgetreu und dauerhaft von blond bis schwarz Ueberau erhältlich a und S 3.50 W.SEEGEa,WienXV,Wuribacligasse 19 lilllllllllllllilllllllllltllllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllllllllll VERKAUFT 2X3 .. UNGLAUBLICH BILLIG! VI. Marlahllferstraße 105 Zlmmertepplcfie. ca. 2X3 .. , , S 18.— Doppelbottdeclrea...... . 8 7.S0!. Boiiclt-Tepplche....., S 2S— Doppelbettdeckea. hochfein S29—. 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Sieh nur, als hätte man seinem Kaftan den Hals abge« schnitten." Und Scholem Meir kitzelte ihn unter den Achseln und bat so gut zu sein und ein wenig zusammenzurücken, damit er sich zu ihm auf den Stuhl setzen könne. „Denn", gab er ihm zu verstehen, „einen ganzen Akt auf den Beinen durchzustehen, halte ich nicht aus. Ich habe am heutigen Tag gar nicht gefressen. Nicht etwa, weil bei mir Fasttag ist, auch nicht, weil ich be* wahre nicht worauf hätte, mir nicht zum Schaden allen jüdischen Kindern gesagt — nur so einfach, ich bin heute sehr vertattert." „Busy, sagt man bei uns", berichtigte ihn der griess grämige Pessimist und erkundigte sich auch gleichzeitig, was für business er hier habe und seit wann er aus: Europe komme und mit welchem Schiff und was für Reise er gehabt habe. Scholem Meir Murawtschik dachte für ihn solche business aus, die nicht gebogen, nicht .geflogen waren, und so ging im Gespräch der Beiden der letzte Akt zuende, was beinahe zur Folge hatte, daß das griesgrämige Wesen, dem der Vorhang anvertraut war, seine Pflicht versäumt hätte. Und das hätte einen, neuen Skandal verursacht: denn das Publikum Hätte sehen können, wie Uriel Acosta irgendeinem in die Arme fällt. Auf so sonderbare Weise kam ihre Begegnung zustande. Nachdem Rafalesco zu sich gekommen war, sagte er zu dem, der ihn so gewandt aufgefangen hatte: „Ihr; Gesicht ist mir, irgend wie bekannt.". „Ein Wunder das! Wie oft haben wir uns doch in Hbleneschti gesehen!" „In Holeneschti?!" Das genügte unserem jungen Helden, den Durch* fall, den er soeben erlebt hatte, zu vergessen und alle zu bitten, seine Garderobe zu verlassen. Und als sie zuzweit zurückgeblieben waren, bestürmte er Murawtschik, ihm zu erzählen, wer und was er sei und woher er komme und was er hier mache. „Wer ich bin? Auch ein Dreher, ein Schauspieler heißt das des jüdischen Theaters. Woher ich komm? Aus London. Was ich hier mache? Ich such' den gestrigen Tag. Ein Freund von mir und ein Kamerad, auch ein jüdischer Schauspieler, hat mir eine Stunde vor seinem Tod das Versprechen abgenommen: ein Umstand, daß er ein Schwesterchen habe, ein Mädchen, ein Lämmehen BJut und Milch, mit dem ein Jüngling, auch ein Schau* spieler, eine Liebe geführt habe, und daß aus der Liebe, nicht hier sei's gedacht, hervorging es soll^,nicht so hervorgehen, daß das Mädel nach neun Monaten' mit Glück ein Kleines geboren hat, und da der Jüngling, der Vater des Kleinen heißt es, sich rechtzeitig nach Amerika aufgemacht hat, soll ich also meine Hand zum Gelöbnis reichen und ihm bei Gott, der ganz oben wohnt und von allen Untaten weiß, die unten begangen werden, schwören, daß ich sein Schwesterchen mit dem Kleinen nehmen, sie nach New York bringen und von jenem feinen Ge* seilen nicht weichen werde, felis er mit ihr nicht unter das Traudach geht nach den Gesetzen Moses' und Israels. Ich mußte ihm in die Hand und mit allen Schwüren der Hölle schwören. Nun, sieht das bei ihnen nicht aus wie ein Roman? Von jenen Romanen, die in den Büchern gedruckt werden?" Möglich, daß unser Held ein Vorgefühl hatte und möglich, daß er nur so neugierig war, diesen seltsamen Roman kennen zu lernen. Er warf seinem unbekannten Bekannten die Frage hin: „Kann man wissen, wie Ihr Freund geheißen hat, der euch so teure businessaufgetragen hat?" „Warum soll man das nicht wissen können? Mit der größten Ehre. Genannt hat man ihn, meinen Freund heißt das, Hotzmach, Aber sein wirklicher Name war Holzman." Rafalesco sprang auf, blaß wie die Wand. „Holzman? Bernhard Holzman, sagen Sie, ist —" „Gestorben soll leben. Und sein Schwesterchen nennt man Sladke. Sie ist hier mit mir in New York.- Sie hat zwar große Lust gehabt, mit mir ins Theater zu gehen, Sie spielen zu hören. Doch konnte sie nicht das Kleine zurücklassen. Eine junge Mutter und so aufopfernd. Kann man eine jüdische Seele abschätzen? . . . Wollen Sie vielleicht wissen, wer der Jüngling ist? Der Vater des Kleinen heißt das?" fragte Murawtschik und blickte ihm tief in die Augen. „Er stammt aus Bukarest, das' heißt, er ist so aus Bukarest wie ich aus Jerusalem . . . Gott mjt Ihnen, was sind Sie so blaß geworden, was zittern Sie so? Es wird Ihnen bewahre nichts Schlechtes ge* schehen . . . Glauben Sie mir aufs Wort, Sie kennen mich noch nicht, wa's für ein Mensch ich bin. Ich bin Scholem Meir Murawtschik. Ich meine nichts als Ihr Gutes. Und das Gute für meinen Freund auf jener Welt. Gott soll mir so Glück geben und Gute Verrichtung." 69. Kapitel. Noch eine Kombination geplatzt. Wie es grade fällt — für Nissl Schwalb mit seinen Kombinationen schien der große Durchfall Rafalescos just von Vorteil zu sein. Er konnte nunmehr mit größerer Aussicht darangehen, seinen Plan durchzuführen, als früher, denn ein geschlagener Hund ist weniger stolz und mit einem Menschen, der nicht mehr ganz fest auf sich ist, kann man machen was man will. So dachte unser Kombinator Schwalb und ging an seine Arbeit nicht später als am nächsten Tag nach dem erwähnten Spektakel, da man Rafalesco mit gebrochenem Herzen und niedergeschlagenem Gemüt nach Hause ge* bracht hatte. Zum jungen Freund gekommen, traf er zu seiner großen Verwunderung die niedrige Gestalt mit "den schelmischen Augen an, die er gestern im Vestibül des Theaters aus Mr. Klamers Bart schwer losgelöst hatte. ^llllllltlllllltlllllllllllltlflllllllllllllllllllMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIU § Gegründet 1882 | 1 Ubensuersichernnssp U Ü MIY4 I i Gesellschaft »rnUrllA \ § Zentradirektion: WIEN I., Riemergasse Nr. 2 | VersirJwungsüestano per Mitte 1930 lOlleinuBuMte» Aktienkapital Prämien' and Zinseneinnahmen in Jahre 1929 Garantiemitte per f.nde 1929 ÄDJzifilungen an Fenidierte im Jahre 1929 2450 Millionen Sünllinq 4.000.000 - Schilling 12S Millionen Sdiilfing 300 Millionen Stililling 30*5 Millionen Srnillinj Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Fran' reich, _ 2 Belgien. Holland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische s s Republik. Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- 'S 5 land. Türkei. Aegypten und Palästina. s nillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHIIIIIIMIIIlllllUlir Kompletfes engl. [Kloselt S52.-. Korn* plette Badezimmer* [ einrichtiang S 480.—. Karl Hirschfeld, l. Fichteg. 1 a. Tel R-26-0-84 V VON SOLD SILBER PLATIN BEI G. A. SCHEI WIEN VI, Gtimpendorferstr. 85 Wleu I. Fianz-JoselS'Kai 40 Wien VII, KalserstraBe 67/69 Rainer Wien VI Dürergnsse 4 „Sie leben noch?", fragte ihn Schwalb heiter, wie es seine Art ist. „Anscheinend gehen Sie dort auf, wo man Sie nicht sät." „Was denn haben Sie geglaubt?", antwortete ihm dieser mit dem gleichen fröhlichen Ton. ..Euer trefenes Glück, daß ihr gestern viele wart und ich nur einer. Sonst hätte ich diesen schönen gentleman aus dem Londoner Whiteshapel nicht als Ganzen aus meinen Händen heraus« gelassen. Ohne Bart wäre er bei mir geblieben. Mit einer Feder unter der Nase wäre er bei mir gelegen und meine Papiere hätte er mir zurückgegeben. Malt euch, er wird sie mir auch so zurückgeben, Sic können dessen sicher sein. Das sagt Ihnen Scholem Meir Murawtschik." „Murawtschik? Ein etwas bekannter Name. Von welchen Murawtschiks sind Sie?" Schwalb rückte an seinen neuen Bekannten näher heran und streckte ihm eine fürchterlich große, fette, weiche Hand entgegen, und Murawtschik antwortete ihm mit seiner heiseren Stimme: Von welchen Murawtschiks ich bin? Von den echten Murawtschiks, die in ihrem Leben niemandem Geld schuldig waren, weil niemand ihnen geborgt hat. Und wenn sie geborgt haben, war's verfallen wie die Schläge, die man gestern bei mir eingelegt hat. Sie können's mir aufs Wort glauben..— ich habe schön lange nicht von solchen Prügeln gekostet, Gott soll mir so Glück geben und gute Verrichtung. Trotzdem, eins hat mit dem andern nichts zu tun. Ihr Gesicht gefällt mir viel besser als Ihre Hände. Ein Paar Pratzen bei Ihnen, sie sollten Ihnen ein» trocknen. Ich geb' Ihnen mein Ehrenwort, wenn-ich Zeit habe, werde ich mich mit Ihnen ein bißchen näher be» kanntmachen. Vorläufig bin ich bury, wie man bei Euch sagt, ich muß gehen. Bleibt mir gesund und wohl,;läßt grüßen und schreibt einen Brief." Mit diesen Worten schüttelte ihm Scholem Meir die fürchterlich große, fette, weiche Hand, und Schwalb sagte in sehr freundlichem Ton: „Sie können sich nicht vorstellen, wie mich Ihre Be« kanntschaft freut, ich soll so aller Menschen Gutes haben." „Das hab ich gestern gesehn und nicht so sehr mit den Augen gesehn, wie mit den Knochen gefühlt, Gott soll mir so Glück geben und gute Verrichtung." So beantwortete Murawtschik schon bei der Tür ein Kompliment mit einem Kompliment. Rafalesco ge* leitete den Gast aus dem. Zimmer und jenseits der^Tür geheimnisten beide , leise zwei Minuten lang, und als Hissl Schwalb zurückkam, fragte er: Wer ist er, dieser Schlehmil mit den schelmischen Augen? Sieht aus wie ein Pickpocket,. ein Pferdedieb, oder von denen, die mit lebendiger Ware handeln." Ohne auf eine Antwort zu warten, machte Nissl Schwalb schon in ernstem Ton wie ein älterer Bruder zu Rafalesco: „Ich würde einem solchen Schlehmil wie diesem heiseren Kerl schon den Weg zeigen, daß nicht jedes Individuum, jedes schwarze Jahr, Eintritt hat zu mir in die Wohnung 1 , . . Kurz, mein lieber Rafalesco, mag er in die Erd gehn. Wir gehen lieber an unsere Business." So trat Nissl Schwalb an seine Kombinatton heran, im Zimmer auf und abschreitend, wie es seine Art ist. (Fortsetzung folgt.) Eigentümer. Verleger, Herausseber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurai Robert Stricker. — Druckerei« und Ver<ag**A.«G. Ignaz Steiumaaa beide Wiea IX. Uaiversitätsstraße 6—&