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Die neue Welt · 1931-02-27 · Heft 180 (27.2.1931) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 180 (27.2.1931)
Date
1931-02-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Die Auszahlung erfolgt innerhalb 14 Tagen, und zwar an Jeden Lfiser ohne Aufnehme und ohne irgendwelche sonstigen Verpflichtungen (also keine Verlosung oder dergl.), aber nur, wenn der Abonnementsbetrag gleichzeitig abgesandt wurde; alles andere ungültig. E. Schulze Verlag, Geesthacht ffliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimu | fiegründet 1882 | Lebensuersicherunss- DUliMIY' 1 | Gesellschaft jinUmA § Zentradiraktion: WIEN U Rtomergasse Nr. 2 | iiiiiiiiniiiii KINDERWAGEN von S 26.- Elli aufwärts direkt beim Erzeuger XX, WALLINSTEINPLATZ 3 III, BARKHG.4 (Ecke Hanptstrafle 108) XX, Kleeterneuburgerslr. 91 IfffJiriern/igs&esranii per Mille 1930 »alleingeiahltes Aktienkapital Prämien- und Zinsenehuahaen ia Jahfc 1929 Garantiemittel per Ende 1929 HasubliingM an Varsldifrte im Jahre 1929 2450 Haiionen Srtillin? 4.000.000.— ScbyUss 125 Miilirotn SdtiUlng 300 mmn Mb 301 Müliown Stbilling s Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsche» Reich, Frankreich, ~ Belgien. Holland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische 3 Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Orieohena s land, Türkei, Aegypten und Palästina. ~ ikiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiifffiifiiiiiiiiiiitr Copyright 1928 by „Die Neue WelV't Wien Nachdruck verboten. KOMÖDIANTEN. Roman von Schal om Alechetn. Ins Deutsche übertragen von R RosenhaII. Er kam in einen großen Hof mit drei Toren rechts und links, beide mit finstern, schlüpfrigen Treppen hinauf und hinab, beide erschienen ihm wie schwarze offene Mäuler, die Ausschau halten, als wollten sie jemand ver* schlingen. Ein dicker Dunst von gerösteten Zwiebeln und Schmalz vermengt mit würzigem Geruch von Fischen, auf gewöhnlichem Oel gebacken, ein Gesang von kleinen Kindern, dazwischen Reden von Weibern, die in allerlei Dialekten zärtliche Worte und Wünsche sprechen -wie „Mit dem Köpfchen in der Erd, du hübsches Geffteß", „Erwürg dich, trefene Gurgel", „Geh'n sollst du auf Krücken, verschmierter Fratz" — das alles legte Zeugnis ab dafür, daß hier Männer und Weiber aus der Heimat wohnen, „von unserem Stamm", wie man sagt.' Unser Murawtschik steigt hinauf aufs Gcradewohi, muß er doch wohl ' hier einer lebenden. Seele begegnen, und da er auf der Stiege keiner lebenden Seele begegnet ist, steigt er weiter und weiter und würde noch höher hinaufsteigen, wäre er nicht auf irgend ein Geschöpf mit dem Aussehen einer Hexe, gestoßen, einer langen dürren Frau mit breitknochigen Schultern und, so' ahgsterregtem Gesicht, daß man ihm nicht gern in der Nacht begegnen mochte.,-Das. Geschöpf oder die . Hexe trug ', auf 1 beiden Händen einen großen Bund Holz von . unten hinauf und atmete wie ein Blasebalg. , .-. . ,,Mume meine", sagte Murawtschik zur Alten, „wißt , ihr. nicht, wo hier ein Direktor. eines Jüdischen Theaters ,\vohht|. dem man mit seinem heiligen Namen Hotzmach mein' ich Holzm'annnennt?" •', '.. -■ Die Murawtschik „Munie meine" nannte,: blieb stehen, starrte durch das Dunkel, wollte sehen,, wer da . fragt, dann stieß sie einen Seufzer aus. und sägte:-', , „Kommt, ich werde euch zeigen." Noch einige Treppen, genommen, ließ sie sich, in .eine Art Behausung,:.zwei.Stuben-und eine Küche, hinab, . die . durchaus nicht so komfortabel aussah, daß'hier der Direktor eines Theaters, wenn auch eines jüdischen , Theaters,' wohnen; sollte. In der Küche ließ die Alte den .Bund Holz fallen, richtete sich ihre Knochen ein und bis» -trachtete mit ihren alten roten verweinten. Augen den , Mitgekommenen. „Zu wem heißt das wollt ihr?" „Heißt das zu ihm selbst. Zum Direktor Hotzmach . mein' ich Holzman. Sagt ihm seid so gut, daß ein guter Freund von ihm zu Krankenbesuch gekommen ist, ihn sehen will." , '• v „Ihn sehen will?" Die Alte hob die Hände hoch und ließ sie wieder sinken. „Ihn zu sehen ist schwer. Er ist schon weit . . ," „Weggefahren?" Die Alte hob und senkte wieder beide Hände. Dann neigte sie sich zum eingetretenen guten Freund hinunter, denn sie war um zwei Köpfe höher als er, und schrie ihm ins Qhr, ate wäre er taub: „Er ruhe in Frieden!" Scholem Meir Murawtschik sprang zurück, raug die Hände. „Gestorben? Hotzmach mein' ich -Holzman ge* storben? Was redet ihr?" „Was ich rede? Ach1 und Weh mir. Es ist ein Sohn von mir. Ein Einziges^ Ein ein* und einzig —" Die Alte konnte das' letzte Wort nicht aussprechen. Sie ließ sich in einen viereckigen KücHenstuhl bei der Tür sinken, versteckte" ihr a^tes'runzeliges Gesicht in ihrer alten zerrissenen Schürze' und ihre breiten dürren Schul« tem erzählten, daß die Alte jämmerlich weine. Das Wort „gestorben" ist ein häßliches Wort und hat in sich anscheinend eine unerhörte Kraft. Scholem Meir Murawtschik stand erschüttert da und hatte g*ar v'er« gessen, daß der, der gestorben ist, eigentlich einer seiner blutigen Feinde war. Im Gegenteil. Es schien ihm, daß er einen guten Freund verloren habe. Einen nahen Freund, einen sehr nahen Freund, man kann sagen einen teuren. Kleinigkeit — er und l{uföman. Er warteteein wenig, dann setzte er"sich nahe zti ihr auf einen zweiten Küchen» stuhl. „Ihr seid heißt das die Mutter von ihnv'nleines Freundes Mutter. Mein Freund pflegte" mir-auch oft von seiner Mutter zu erzählen. Fast nicht die Mütter aus dem Mund gelassen. Ich soll so erleben meine Mutter zu sehen, das war bei ihm der größte Schwur. Was wißt ihr, was für getreuen Sohn, ihr gehabt habt, was für guter Kerl das war. Ein guter'Kerl?' Den letzten Bissen bat er •geteilt und mit mir'noch, nicht davon zu sprechen, ein. Leib und eine Seele. Gott soll mir so Glück geben und Güte ' Veb richtung." Und noch viele Vorzüge und Löbsprüchc hatte Scholem Meir Murawtschik von seinem alten Freund vor der alten Mutter zu erzählen, und es schien ihm, daß alles, was er erzähle, wahr wie die Thora^sei. Für die alte Mutter- %arep selbstverständlich diese Worte Balsam auf ihr frisches Weh: Gottseidank, daß sich wenigstens einer gefunden!hat, der ein guter Freund ihres armen verstorbenen Sohnes ist, ihres Sohnes, der verlosch wie ein Kerze, einsam, elend und fern von der Heimat in diesem jämmerlichen finsteren London, .das fürwahr ver< sinken könnte wie Sodom, denn wäre nicht das jämmer* liehe finstere London, würde ihr Sohn doch noch husten und husten wer weiß wieviel Jahre. Und die arme Sore Broche erzählte ihr Leid vor ihres Sohnes Freund, hier in der Küche sitzend, wie ihr Hersch Bär gehustet habe, wie er geblutet habe, wie sie ihn retten wollte und wieviel das gekostet habe, denn eine Kleinigkeit ihr Sohn! Ein solcher Sohn! Und wie man ihn dann weggeführt habe, nicht bestattet habe wie man bei uns bestattet: mit denv Sarg, mit der Tragbahre, mit den Dienern, \ver«\vas, rasch gekommen einige Ver* Schlepper mit schwarzen Röcken, mit einem hohen, schwarzen Wagen, aufgehoben und davongeführt, nicht einmal richtig ausweinen lassen, wie es» sich gehört, wirk« lieh über ihn gekommen, ein Herausriß, herausgerissen sollen sie da alle werden an einein Tag, Herr der Welt!.,. ,Quiu -~ quiu — quia\ Heß sich vom Inneren der Stuben her ein seltsam quietschendes Stinünchep ^höten, Bll BiSTILLUNOIN BITTE SICH AUF ,DI2 NEUE WtLT< ZU BERUFEN! IBIIIIRHIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII EINLÖSUNG o<50'ld SILUR PLATIN au O.A. SCHEID WIEN VI, Oumpanctorf «rttr. ES Wien 1, Franz-]o8«f««Kal 49 Wien Vit, Kaiserstraße 67/89 Rainer, Wien VI, Ottrrtgasse 4 ummmmnnHH Möbel auf bequnneTtilzaMmifiBMs 18Mmatsratm Im Tischler- und Tapezierermöbelhaus Josef Dreikurt Wien, XX., Wallensteinplatz 3 und 4 Gegründet 1885 Tel. 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Da er auch darauf keine Antwort bekam und merkte, wie die Alte verloren dastand, hielt er es für gut, nicht weiter zu fragen. Er sagte nur so vor sich hin, so in die Welt hinein: „Eine Draufgabe zu dem Jammer?" „Eine Draufgabe zu. dem Jammer"', sagte auch die Alte und setzte sich wieder zum Gast, zu ihres Sohnes Freund. „Ihr habt das gut gesagt, soll ich ein solches Jahr haben. Es ist wirklich eine Draufgabe, oh eine Drauf* gäbe zu dem Jammer!'.'... Na, was liegt denn eigentlich in den fünf Worten „Eine Draufgabe zu. dem Jammer?" Sie wurden jedoch zu so treffender Zeit und in so richtigem Ton gesprochen, daß sie der Schlüssel Syurden, der Alten. Mund und der j Alten Herz zu öffnen; und sie erzählte vor ihres Sohnes Freund alles, die ganze Wahrheit — das, was nur. sie beide. wissen.. sollten» l sie und ihre Tochter Sladkc und Gott' als Dritter." '' ''•' ' < : - ' '' '■' '■ ' •" 6 5. Kapitel. Scholem Meir Murawtschik — als guter Freund. Ein Mensch kann nie wissen, wer ihm gut Freund ist und wer ihm Feind. Schade, daß der Direktor Holz« man nicht aus dem Grab aufstehen und einen Blick werfen 'kann auf seihen' blutigen VEcirid ' Scholem /> Meir Murawtschik, der seinen Menschen für , die alte Mutter Sore Broche und die Schwester Sladke einsetzt. Er würde bestimmt seinen Augen nicht trauen. Er würde staunen, sähe er, wie Scholem Meir, dessen Gesicht er nichtjsehen konnte, ohne daß ihm „das Blut im Gehird aufkochte", jetzt mit Mutter und Schwester auf der Schiffsreise nach Amerika begriffen ist, ihnen „was es an Vergnügen gibt1* zuteil werden läßt, immer wieder zu ihnen in die Kabine II. Klasse hineinläuft, nachzusehen,-was ihnen fehlt, ob sie etwas wünschen, etwas; brauchen. ' Der alten Sore Broche und ihrer Tochter Sladke : fehlt aber nichts und sie wünschen nichts und sie brauchen nichts. Sie sitzen beide über einem kleinen Wesen, einem Seelchen, das eingehüllt ist in Kissen und eingewickelt in Windeln und auf Gottes Welt blickt, wie eine Puppe, mit einem Paar Aeugleiu blau wie dev Himmel und klar, wie die Sonne. Und ein Mündchen hat , es wie ein .Vogelchen, und sein, Gesichteben ist sinnend; als hätte es schon eigene Gedanken. Ach, wie gut ist es, daß ihre Reise in eine Zeit gefallen ist, da das Meer still wie „Sabbat nach Tisch". Gelobt sei der .Oberstel .lSicht so sehr um ihretwillen danken sie Gott, wie um dieses Seelchens 'willen. Ein . hilfloses Gottesgeschöpf —« was weiß es! Und ein kleines Kind, haben sie sagen gehört, leidet auf dem Wasser nicht weniger als ein Großer, wi* — ein Würmchen, eine stumme Zunge. ■'; «• (Fortsetzung folgt.) >' Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker. Druckereiiwd Veiiags--A.-£. Jguft* Steümaaü. heida. Wien, IX« UoiYersitätsjtraße 6-«. i

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