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Die neue Welt · 1931-02-13 · Heft 178 (13.2.1931) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 178 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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_DIE NEUE WEH_N». 1TB Hinter den Kulissen des avabischen Sklavenhandels in Palästina* Eine verspätete Sensation* Selfelö_ jahres zeigt, daß der Export nach England um 86.000 Kisten größer gewesen ist als im Vorjahr, während, nach den Ländern des Kontinents 113.000 Kisten mehr als im Vorjahr verfrachtet wurden. Von wachsender Bedeutung für den Orangenabsatz sind in Europa in letzter Zeit auch die nordischen Länder Dänemark und Schweden geworden. Durch die bekannten Schutzzollmaßnahmen der ägyptischen Regierung ist der Fruchtexport nach Aegypten vollständig gedrosselt worden. Dadurdi wird die Frage der Verwertung der Früchte zweiter- Sorte, die bisher nach Aegypten exportiert worden sind, sehr akut. Bisher besteht nur ein Unternehmen im Lande, das diese Früchte zu Fruchtsaft verarbeitet. Die Preislage auf den Märkten hat in den letzten Wochen eine merkbare Verbesserung erfahren. Die Durchschnittspreise waren zwischen 11 und 17 sh pro Kiste und sind damit wesentlich höher als die Preise um Weihnachten, die allerdings erfahrungsgemäß einen zeitweisen Rückgang bringen. Zu der günstigen Entwicklung der Preise in den letzten Wochen dürfte der Frost in Spanien beigetragen haben, der eine Verminderung des spanischen Angebots zur Folge hatte. Von Interesse ist, daß, wie das genannte Blatt berichtet, die Orangenpflanzer darüber Klage führen, daß in den letzten Tagen die Anlieferung der Früchte für den Export der Nachfrage nicht genügen konnte. Durch die letzten Stürme ist auch in den Orangengärten Palästinas ein Teil der Ernte — man schätzt ihn auf 15 Prozent — betroffen worden, so daß man mit einem Ausfall von zirka 500.000 Kasten gegenüber dem Vorjahr rechnen muß. Ferner verdient festgehalten zu werden, daß der Verkauf einer Sendung Pomelo-Früchte, die in Palästina nur durch einen > einzigen Pflanzer erzeugt werden, auf dem Hamburger Markt sehr einträglidie Preise ergeben hat, und daß günstige Aussichten für den Absatz dieser Frucht bestehen. (Ziko.) Wie Juden in ihrem Nationalheim behandelt werden. Die palästinensische Tageszeitung „Davar" berichtet: „Die Regierung gab wiederum ein Beispiel ihrer Politik der „starken Hand" gegenüber Touristen, die sich im Lande ansiedeln wollen. Jisrael J e r uschewski aus Bialystok, heute 56 Jahre alt, kam im Oktober 1929 mit seinen Eltern als Tourist nadi Erez Jisrael, um seinen Bruder, der in Magdiel Haus und Plantage besitzt, zu besuchen. Als er sechs Wochen im Lande war, schlug ihm der Kolonievorstand in E j n C h a i vor, dort eine Konzession auf den einzigen Laden des Ortes für 21U Jahre zu erwerben. Er war einverstanden, investierte etwa 500 LP. und erbat als Ladenbesitzer von der Regierung die Aufenthaltsbewilligung. Ein Regierungsbeamter suchte ihn auf, und erhob die Einwanderer-Kopfsteuer von 1 LP. Nach einem Vierteljahr erhielt er von der Regierung abschlägigen Bescheid, ohne jede Begründung. Er wandte sich an die Zionistische Exekutive, diese verlangte von ihm seine allgemeine Gesdjaftsbilanz, er sandte sie. ihr und öffnete seinen Laden. Aber nach einiger Zeit, Mitte Mai, erhielt er von der Regierung wieder einen abschlägigen Bescheid, mit der Aufforderung, seine Angelegenheiten zu ordnen und das Land spätestens am 9. Juni zu verlassen. Gleichzeitig erhielt er aus Polen die Mitteilung, daß der dortige britische Vertreter von dem Einwanderungsamt in Jerusalem einen Tadel erhalten habe, weil er jemandem, der sich „offenbar" habe ansiedeln wollen, ein Touristenvisum gegeben habe. Er wandte sich an den Oberkommissar, und wurde aufgefordert, eine von einem Bücherrevisor beglaubigte Bilanz der Regierung einzusenden. Er gehorchte und fügte auch ein Zeugnis der A. P. C. über sein Bankguthaben von 400 LP. bei. Nach einiger Zeit erhielt er von der Regierung die Aufforderung, zu beweisen, daß er Güter und Geld im Werte von 1000 LP. besitze. Da er mittlerweile sein Bankguthaben für allerlei Investitionen benützt hatte, konnte er ein solches Zeugnis nicht beibringen. Als er dem nicht gleich nachkam, wurde er verhaftet und von dem Richter zu 20 LP. Strafe und zum Verlassen des Landes verurteilt." Jüdische Einwanderung nach Palästina .1923^1930. Jerusalem, 7. Februar. (J. T. A.) Für die Jahre 1923 bis 1930 lauten die Einwanderungszahlen folgendermaßen: 1923: 8175; 1924: 13.892; 1925: 3486; 1926: 13.855; 1927: 3034; 1928 : 2071; 1929: 5109; 1930: ca. 5000. (Die Ziffer für 1930 ist noch nicht endgültig, da die Zahl der Ein* wapderer, die H1930 als Touristen ins Land kamen und hier die Erlaubnis zum dauernden Aufenthalt erhielten, noch nicht definitiv bekannt ist.) Abreise österreichischer Chaluzim nach Erez Israel. Dienstag, den 17. Februar 1931 reist um 19 Uhr 10 Min. ab Ostbahnhof eine Gruppe Chaluzim und Chaluzoth aus Wien nach Erez Israel. Meine Schwester und i'di werden noch heute die Verkaufssensation der „Weiße Woche" bei Schiffmann, II., Taborstraße 48, ausnützen. E Durch die europäische Presse geht seit einigen | Tagen eine Meldung, die für diese Presse selbst und ihre Leser Sensation bedeutet. Es handelt sich um eine „Ent* hüllung" der arabischen, in Jerusalem erscheinenden Zeitung „AI H a y a t". Dieses arabische Organ hat an den Oberkommissär von Palästina einen Offenen Brief gerichtet, worin ihm die Lage der landwirt« schaftlichen arabischen Bevölkerung als so verzweifelt geschildert wird, daß viele Bauern gezwungen sind, ihre minderjährigen Töchter für volle 25 Jahre als Dienstboten zu verkaufen. Ein achtjähriges Mädchen sei heute rund 400 Mark wert und der Vermittler könne 10 Prozent verdienen. Die Zeitung erhebt die offene Beschuldigung, daß Regierungsbeamte, die in Palästina tätig sind, solche Mädchen kaufen und sich in dieser Form Sklaven verschaffen. Soweit der „AI Ha'yat". Die europäischen Kor« respondenten stellen nun fest, daß diese Behauptungen auf Wahrheit beruhen, daß solche Fälle sich mehren, daß bei Beduinen in Palästina und Transjordanien de facto noch heute Sklaverei besteht, indem sich viele Beduinenstämmc. mit Vorliebe Negersklaven halten, daß ferner eine Völkerbundskommission vor mehreren Jahren einen schwunghaften Sklavenhandel in Arabien festgestellt habe, von dem besonders die Regierung des arabischen Reiches Hedschas Abgaben einhebe; und daß schließ» lieh die Juden eines anderen arabischen Landes, des Yemen, Sklavendienste verrichten müssen. Jüdische Waisenkinder werden dort zwangsweise zum Islam be* kehrt, deren weiblicher Teil einfach in den Harem eines Würdenträgers gesteckt wird. Für den jüdischen Leser dürften diese Mitteilungen von keinerlei sensationellem Charakter sein. Zunächst wird ihm auffallen, daß es gerade die arabische Haifa Endpunkt der IraluOelleftung Der Vertrag mit Irak Petroleum Company unterfertigt. — Variauten noch möglich. — Sonderbare Vertragspunkte! Jerusalem, 4. Februar. (J. T. A.) Die „Official Gazette" veröffentlicht den Wortlaut des von der Palästina-Regierung mit der Irak Petroleum Company geschlossenen Vertrages über die Durchleitung von Erdöl durdi palästinensisches Gebiet. In dem Vertrag erklärt die Regierung sich im Hinblick auf die Vorteile, die dem Lande durch die Errichtung-- der Oelliriie geboten werden, bereit, dem Unternehmen gewisse" Begünstigungen zu gewähren. Folgende Bestimmungen werden getroffen: Der Endpunkt der-Oelleitung wird im Gebiet der Bucht von Acco (Haifa-Budit), der Küstenstrecke zwischen Haifa und Acco, liegen. Das Abkommen wird auf die Dauer von 7 0 Jahren gesdiiossen. An Stätten von religiöser oder archäologischer Bedeutung dürfen keine Bauwerke der Company errichtet werden. Die' Produkte .'der Company unterliegen im Inland denselben Zollgebühren wie importiertes Petroleum. Besondere Vergünstigungen werden jedoch im Hinblick auf den besonderen Charakter des Unternehmens hinsichtlich des Ladens und Ausladens der Schiffe der Company bei Tag und Nacht und an gesetzlichen Feiertagen gewährt. Die Company verpflichtet sich, zunächst nur inländische Arbeiter zu beschäftigen, ist jedoch, falls der inländische Arbeitsmarkt ihren Bedarf nicht decken kann, berechtigt, auch ausländische Arbeiter heranzuziehen. Die Gesellschaft ist von Besitz- und Einkommensteuer befreit. Die Regierung verpfliditet sich, der Gesellsdiaft den von ihr benötigten Boden durdi U e b e rlassung von Staatsland zu einem festen Tarif und durch Enteignung von privatem Boden zu beschaffen. * Die Gesellschaft erhält das Recht, auf eigene Kosten eigene Erziehungseinrichtungen und eine eigene Polizei zu unterhalten, sowie sanitäre Einriditungen, Wasserleitungen, Lichtanlagen und andere Anlagen, die in der Regel öffentliches Eigentum sind, herzustellen. Beim Erlöschen der Konzession nach 70 Jahren fallen, wenn die Konzession nicht vorher verlängert oder erneuert wurde, alle Rechte der Company, ihr unbeweglidies Eigentum, samt Zubehör an die Palästina- Regierung. Falls im Verlaufe von drei Jahren die Verträge der Gesellsdiaft mit anderen Ländern, durch die die Oelleitung führt,' nicht zustandegekommen sind, kann der Vertrag gelöst werden. In Palästina erwartet, man, daß im Zusammenhang mit der Errichtung der Oelleitung eiu großes industrielles und Handelszentrum auf dem Gebiet der Haifa-Budit entstehen wird, das auch als Absatzgebiet für die landwirtschaftlichen Produkte der jüdisdien Kolonien im Emek eine bedeutende Rolle spielen würde. London, 5. Februar. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur von maßgebender Seite mitgeteilt wird, bedeutet die Unterzeichnung des Vertrages der Irak Petroleum Company mit der Palästina-Regierung durchaus noch nicht die definitive Bestimmung Haifas als Endpunkt der Mossul- Oelleitung. Vorläufig sind die Verhandlungen zwi- Presse erzählt und daß sie just erst heute mit dieser Ente hüllung herausrückt. Diese Presse steht bekanntlich in den Diensten der arabischen Effendis, jener Feudalherren also, die nicht erst seit gestern und heute den Fellachen in Frohndienst nehmen und dessen Kinder versklaven. Aber jetzt glaubt der „AI Hayat" daraus politisches Kapital schlagen zu können, allerdings nur mit dem Augen« zwinkern in die Richtung der jüdischen Kolonisa« t i o n. Der Effendi ruft „Haltet den Dieb" und wird kräftig unterstützt vom britischen Verwaltungskompagnon, dem er aber nicht — und das ist wirklich sensationell — so schlimme Dinge hätte anhängen sollen, wie Förderurig des Sklavenhandels in höcheigener Person. Das ist eine kleine politische Giftmischerei, die sich aber immer wieder aus* wirkt, z. B. in einem Simpson«Bericht und in einem briti« sehen Weißbuch. Welch heuchlerische Naivität! Sie handeln in trautem Verein mit Sklaven und erzählen der Welt Sensationen. In rein arabischen Ländern, im Hedschas, im Yemen, ja sogar in Syrien und im Libanongebiet, gibt es einen riesigen Sklavenmarkt. Das erzählen uns die reisenden Journalisten schon seit Jahr und Tag. D i e Hölle der Juden im Yemen ist unverhältnis* mäßig grausamer als im christlichen Mi.t« t e 1 a 11 e r. Unsere binationalen Schwärmer vom Brith Schalom sollten nicht verabsäumen, diese Tatsachen in ihre Propagandatätigkeit miteinzubeziehen. und dann weiter kräftig eine jüdische Minderheit in einer arabischen Mehrheit auch in Palästina zu propagieren. Simpson jammert über das Los der Araber, Pass« field bricht das Herz, die Effendis sind Freunde der Fellachen geworden. Allen hat es die jüdische Kolonisation angetan. Ihretwegen entdecken sie auf einmal den Sklaven« handel, den säe selbst betreiben. sehen der Irak-Petroleum-Gesellschaft und der französisdien Regierung, sowie den französischen Mandatsverwaltungen von Syrien und Libanon noch nicht abgeschlossen und es besteht noch immer die Möglichkeit, daß ein Vertrag zustandekommt, wonach das vieldiskutierte Projekt einer Gabelung der Oelleitung zur Ausführung gelangt. Es würde dann der eine Zweig der Oelleitung in Haifa, der andere in Alexandretta; Tripoli oder in einem anderen syrischen Hafen münden. * Auffällig sind die Bestimmungen im Vertrage, welche einer privaten Gesellschaft das Recht auf eigene Erz i eh u n g s e i n r i c h tu n: g e n und eigene Polizei einräumen. Ist die Jewish Agency, d. h. die Zionistische-Exekutive vor Abschluß des Vertrages, welcher für Palästina von größter Bedeutung ist, befragt oder nur verständigt worden? Das Mandat legt der Palästina-Regierung diese Verpfliditung auf. Hat sie ihr entsprochen? Sicher nicht! Thealer/ Kun§l und iiilliiililllllllillllllllllllilli Literatur. Verein zur Förderung jüdischer Musik. Der Verein zur Förderung jüdischer Musik, der in kurzer Zeit viel Erfolg bei der Verbreitung jüdischer Musik hatte, veranstaltet am Sonntag, den 15. Februar, im Saale der Vereinigung „B'n a i - B r i t h", IX., Universitätsstraße 4, den ersten diesjährigen Kammermusikabend, in dem durchwegs Ur- und Erstaufführungen gebracht werden. Das Programm entr halt eine Sonate für Violine, und, Klavier .von Israel Brand mann, vier Stücke für Klavier von Joachim St'utschewsky, Präludium, für Flöte, Streichquartett und Klavier von Gr. K r c i n lind Suite für Klarinette und Streichquartett sowie fünf Kinderlieder für Gesang und Klavier (aus dem Nachlaß) von J-ul. Engel. Ausführende: Maria Bernay, Gesang; Rita Kurzmann, Klavier; Israel Brandmann und Else Stein, Violine; Kurt Stern, Bratsche; Joachim Stutschewslcy, Cello; Dr. Hans Lewitus, Klarinette. Musikalische Leitung: Joach. S t u t s ch e w s k y. Beginn Punkt halb 6 Uhr. Jüdische Bühne. Freitag gelangt Rakovs Lustspiel „As der Reby will" zur Erstaufführung. Das Stück bleibt bis Donnerstag, den 19. Februar, auf dem Spielplan. Sonntag Nachmittagsvorstellung bei ermäßigten Preisen. „Die jüdische Harfe." Zwei Abende. Wie wir er* fahren, wird das Studio „Die jüdische Harfe" im Laufe des Monats Februar zwei Vorstellungen mit neuem Programm veranstalten. Zur Vorführung gelangen jüdische und hebräische Volkslieder in geschlossen szenischer Um« rahmung, neuere und ältere jüdische und hebräische Musik, Tänze des Ghetto u. a. Auch werden jüdisch© Volksmotive, die den Weg in die neuhebräische Dichtung genommen haben, ihren Platz im Programm finden. Zur Mitwirkung wurden die Damen Gertrud Kraus und Sonja Stein sowie die Herren Joachim Stut* schewsky, Israel Brandmann, Jehuda Ehren« kränz und Bernhard Wittler eingeladen. Das szeni« sehe Bild besorgt Dr. Szafrenko. Die Gesamtleitung liegt in den Händen von Dr. Oskar Rosenfeld. Liederabend J. SegalURosenbach (14. Februar 1931, *A8 Uhr abends im Konzertsaale des Industriehauses, Wien, I., Schwarzenbergplatz 4.) Herr SegalURosenbach wird an diesem Abend eine größere Anzahl von Lieder« und Volksliedern von Engel Kipnie, Roskin, Elstein, Jasinowski, Low u. a. m. (Kompositionen und Bearbeitun» gen) zu den Texten von Tschernichowski, Anski, Reisen, Rosenfeld, Bialik u. a. m. darunter hebräische, jemenitische, chassidische, jiddischnikrainische, jiddische Gesänge zum Vortrag bringen; ferner einige albitalienische Arien, Mit*

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