Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 176 (30.1.1931)
- Date
- 1931-01-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 10 DIE NEUE WELT Nr. 176 Kalenderreform gegen den Sabbatln Wenn die geplante Reform durchgeführt, fällt der Sabbat immer anf einen anderen Tag, nicht auf den siebenten in der Woche. Vor einiger Zeit verbreiteten europäische Zeitungen eine von irgend einer Seite aus Genf inspirierte Mitteilung, daß bei der künftigen Kalenderreform durch den Völkerbund es sich nicht mehr um die vollständige Neuaufstellung, sondern lediglich um die Vereinfachung des Gregorianischen Kalenders handeln werde. Es scheint, daß diese Notiz mit der Tendenz verbreitet wurde, diejenigen, die die geplante Reform aus religiösen Bedenken bekämpfen, in Sicherheit zu wiegen und ihre Kampfenergie zu schwächen. Wie der Generalsekretär des „Jüdischen Komitees betreffs der Kalenderreform", Herr Dr. T. Lewenstein- Zürich, der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitteilt, handelt es sich bei der geplanten Reform um für die Juden einschneidende Aenderungen, in der Weise, daß es kein Jahr von 364 Tagen und auch kein Jahr mit einer Schaltwoche oder mit einem Schaltmonat geben kann (um auf diese Weise den Blankotag zu vermeiden),' sondern daß die Jahreslänge bleibt, wie sie ist, nur mit der kleinen Aenderung und Vereinfachung, daß der 365. Tag als Blankotag außer dem Rahmen der siebentägigen Woche fallen wird. Die Religionsgemeinschaften, die mitzureden haben, werden sich nur mit der Fixierung des christlichen Osterfestes befassen. An eine Ablehnung des Blankotages seitens der christlichen Kirchen wird überhaupt nicht gedacht. Leider deutet nichts darauf hin, daß wir der Oktobersitzung in Genf ruhiger entgegenzusehen hätten, als es früher der Fall gewesen ist. Daß die Religionsgemeinschaften aufgefordert werden sollen, zu der Sitzung in Genf Beobachter zu entsenden* ist mir schon offiziell vor ungefähr einem Jahre in Genf mitgeteilt worden. Das Studienkomitee in Deutschland, ebenso wie die Studienkomitees in anderen Ländern, hat auf seinem Fragebogen an die verschiedenen Handels- und Gewerbekreise zwei Fragen gestellt, die sich auf die Reform des Kalenders beziehen, abgesehen von der Frage, ob eine Fixierung des Osterfestes erwünscht erscheint. Diese zwei Fragen lauten: 1. Wird eine Reform des jetzigen Kalenders für notwendig gehalten? 2. Wenn ja, welchem der zwei' vom Völkerbund zur Prüfung gestellten Vorschlägen würde der Vorzug gegeben, dem Plan B oder dem Plan C? Es stehen also nur Plan B-und C zur Diskussion, und beide Pläne bedingen notwendigerweise den Blankotag. In' einer Zuschrift an die Presse führt Generalsekretär Dr. T. Lewenstein zur geplanten Kalenderreform u. a. noch aus: „Die Kalenderreform bezweckt tatsächlich, einen ewig-stabilen Kalender zu schaffen, und zwar so, daß der 1. Jänner fortan regelmäßig auf einen Sonntag fällt; es wird demnach unumgänglich sein, in einem gewöhnlichen Jahre einen Tag und in einem Schaltjahr zwei Tage mit einem anderen Namen als einem der jetzt gebräuchlichen Wochentagsnamen zu benennen. Dadurch wird auf alle Fälle „ein Einbruch in die durch das Alte Testament geschaffene" siebentägige Woche gemacht. Das Alte Testament kennt nur die ununterbrochene Aneinanderreihung siebentägiger Wochen. Ob der 365. Tag als 31. Dezember dem Jahre angehängt wird und den Namen 31. Dezember" erhält, oder ob der 365. Tag „Blankotag" genannt werden wird, bleibt sich in dieser Beziehung ganz gleich. Die regelmäßige Zählung der siebentägigen Woche wird dadurch unterbunden. Der Tag, der immer der erste Tag der Woche gewesen ist, wird vom Jahre 1935 an in Wirklichkeit nicht mehr dieser erste Tag, sondern der zweite Tag der Woche sein, im Jahre 1936 wird er für die erste Hälfte des Jahres der dritte und für die letzte Hälfte der vierte Tag der Woche sein, im Jahre 1937 der fünfte usw. Da für die Bekenner der mosaischen Lehre das im Alten Testament gegebene Gebot der Heilighaltung des ewig-stabilen siebenten Tages der Woche den Grundpfeiler ihrer Religion bildet, würden die Israeliten in der ganzen Welt bei Einführung einer solchen Kalenderreform ihren Sabbat nicht mehr wie bis heute immer am gleichen Tage der bürgerlichen Kalenderwoche (Sonnabend) feiern können. Es ist hier nicht die Stelle, um im einzelnen darzutun, welch weittragende Störung in ideeller und sozialer Beziehung eine derartige Kalenderreform für das Weltjudentum herbeiführen wUrde. Es sei nur im Zusammenhang mit dieser Tatsache hier darauf hingewiesen, daß auch in nicht jüdischen Kreisen, teilweise aus leligiösen, teilweise aus wissenschaftlichen und teilweise aus wirtschaftlichen Gründen, schwere Bedenken getragen werden gegen eine Kalenderreform, die die regelmäßige Zählung der seit Menschengedenken bestehenden siebentägigen Woche in irgend welcher Weise zu unterbrechen versucht." T heater, Kunst und iillllllillllillllllllllllllllllll Literatur. Wilnaer Truppe. Als nächste Novität nach „Tewje der Milchiger'' gelangt durch die Wilnaer Truppe unter Leitung von Alex Stein im Theater Astor die Komödie „Tage unseres Lebens" von Leonid Andrejew zur Aufführung; In diesem Stück ist das ganze Ensemble der Wilnaef beschäftigt. Regie und Hauptrolle: Alex Stein. Lieder-, Volkslieder- und Arienabend I. Segal- Rosenbach (Tenor). Samstag, den 14. Februar 1931, um halb 8 Uhr abends findet im Konzertsaale des Industriehauses, IV., Schwarzenbergplatz 4, der diesjährige Liederabend des Konzertsängers I. Segal- Rosenbach statt. Mitwirkend: Cellovirtuose Theo Salzmann, Rezitator Sam. Schwager. Programm: Hebräische, jiddische Lieder, Opernarien, Cellovorträge und humoristische Vorträge. Karten im Vorverkauf: Zionistisches Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28, Buchhandlung Rath, IL, Taborstraße 28 a. Ein Buch über Salomo. Edmond Fleg, der bekannte jüdisch-französische Schriftsteller und Führer der jüdischen Jugendbewegung im französischen Sprachbereich, hat seinen Schriften „Kleiner Prophet und „Moses" ein Buch über König Salomo folgen lassen. „Salomo" ist ähnlich „Moses" der Versuch einer psychologischen Einführung in die Welt der altjüdischen Historie auf biblischer Grundlage. Das Buch ist in deutscher Uebersetzung von Alexander Benzion im Münchener Verlag Piper & Co. erschienen. J. Babel auf der Bühne. Auf dem jüdischen Repräsentanztheater in Warschau, gelangte eine dramatisierte Bearbeitung der Erzählung „B e n i K ö n i g" aus den Odessaer Geschichten zur Aufführung. M. Rubin, bisher Schauspieler und Regisseur des Ukrainischen Jüdischen Staatstheaters, führte auch in Warschau die Regie und spielte die Hauptrolle des mit großem Beifall aufgenommenen Stückes. Jüdische Bühne, II., Taborstraße 12 (Hotel Stefanie). Freitag, den 30. d. gelangt das Lustspiel „Alhasene im Städtel" zur Erstaufführung. Frau Braclawska und Herr Jungwirth haben die Hauptrollen Übernommeft. Das Lustspiel bleibt bis Donnerstag, den 5. Februar auf; dem Spielplan. Sonntag Nachmittagsvorstellung bei er# mäßigten Preisen. „Hazefirali." Am i. Februar beginnt in Warschau die hebräische Tageszeitung „Hazefirah" neu zu erscheinen. Mitarbeiter der Zeitung werden sein: NaJium'Sokolow, Dr. O. Thon, J. .Heftmann, Bert Elieser, >$|r., Simon Bernfeld, De. J. Gottlieb, Saul Tscherriichow$ki, Jakob Cahen, Lachower, Nissenbaum, Agnön, Jakob ^pichnian, Möses' Kleinmann, Prof. Dr. Josef Klausner, Dr.! Jakob Klatzkin, J. H. Rawnicki u. a. m. - Eine Jüdin darf nicht auftreten! Czernowitz, 25. Jänner, Die „Ostjüdische Zeitung" schreibt: Wer Samstag ins * Czernowitzer Nation al- Theater ging, dem fiel es &uf, daß die Rampe und das Foyer von zahlreichen, mit Knütteln bewaffneten, nicht Vertrauen erweckenden jungen Leuten besetzt Waren. Die meisten Theaterbesucher, Böses ahnend, verließen sofort fluchtartig das Haus, auf das für die Karten bezahlte Geld und auf den Kunstgenuß verzichtend. Einige Unentwegte, etwa 30 bis 40 an der Zahl, bliebenj doch im Theater. Der Vorhang ging in die Höhe und:1 auf der Bühne erschien ein Herr, der mitteilte, daß ct'ie Vorstellung abgesagtsei. Die Vorgeschichte dieser Absage ist folgende: In der Hauptrolle des für S.ämstag angesetzten Stückes sollte die Schauspielerin Capustin, eine — wahrscheinlich getaufte — Jüdin, die mit dem Regisseur des Theaters verheiratet ist, auftreten. Etwa 60 cuzistische Studenten erschienen in der Direktion und erklärten, Frau Capustin dürfe als Jüdin im Nationaltheater nicht spielen. Der Direktor erwiderte, daß eine Umbesetzung nicht möglich, Frau Capustin eine sehr gute Schauspielerin sei, die die Rolle studiert und geprobt hat, worauf die Studenten mit Störung der Vorstellung drohten. Der Direktor wich dem cuzistischen Terror und sagte die Vorstellung ab. Der Erfolg war aber auch, daß am Sonntag1 Abend man sich nicht mehr ins Theater zu gehen traute und vor 20 oder 25 Personen auf Gratissitzen gespielt wurde. Wenn die Direktion sich immerfort dem^ Terror cuzistischer Radaubrüder fügen wird, wird sie aber auch bald das Theater schön schließen können. Juden zumindest werden sich nicht so bald wieder entschließen, hinzugehen. Versicherungen zugunsten des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth). Die Versicherungsabteilung des Keren Kajemeth hat eine Aktion eingeleitet, die bezweckt, Versicherungen zugunsten 4es Keren Kajemeth durchzuführen, und zwar auf folgender Grundlage: Im Erlebens falle fällt die versicherte Summe ganz dem Keren Kajemeth zu, im Ablebensfalle die eine Hälfte den Erben cjer Versicherten, die andere Hälfte dem Keren Kajemeth. Durch die Aktion sollen dem Keren Kajemeth neben den Spenden neue Mittel zum Zwecke der Ausdehnung des jüdischen Bodenbesitzes für die jüdische Kolonisation zufließen. Schon nach drei Jahren erhält der Keren Kajemeth gegen minimale Zinsen 65 Promille zu seiner freien Verfügung. Anträge für diese Versicherung zugunsten des Keren Kajemeth Ubernehmen die Versicherungsabteilung des Keren Kajemeth und unser Gg. Herr David Nebenzahl, Leiter der City-Filiale der Lebensversicherung«- Gesellschaft „Phönix" I,, Bäckeretraße 9, Zur kommenden ChamischaruAssar«Feier. Ein« Möglichkeit, die wirtschaftliche Lage Palästinas ** heben, ist die Förderung des Absatzes der Produkte Erez Israels. Um es jedem Gesinnungsgenossen zu ermöglichen, die Orangen zu billigen Preisen ins Haut zugestellt zu erhalten, empfehlen wir Ihre Bestellung bei Herrn Samuel Halpern, II., Förstergasse 6, Telephon R'40«4*i2, aufzugeben. 1 üdisdie Sport* und Tiirnbeweguitg« Neues von der Hakoah* Ostern in Berlin, — Der Platz wird renoviert. Die gute Placierung der Hakoah!n der Meister* schaft hat den Blau*Weißen zahlreiche Einladungen nach dem Ausland eingetragen. Zu Ostern wird Hakoah an einem Berliner Turnier teilnehmen, an dem auch der dortige Sportklub BarsKochba mitwirkt. Der Hakoah«Platz wird bereits in der nächsten Zeit einer gründlichen Renovierung unterzogen werden. Die Schäden, die durch die letzte Sturmkatastrophe ent« standen sind, wurden bereits zum größten Teile behoben und die Einfriedung vollkommen hergestellt. Die Holz* tribüne muß noch an vielen Stellen ausgebessert werden. Die Kampfmannschaft der Hakoah -wird im Frühjahr keine neuen Leute aufweisen. Di« vorhandene neue Jugend hat so erfreuliche Proben des Kampfgeistes abgegeben, daß die Zukunft des Vereines durch sie gesichert erscheint. Da Fei gl und Barbäk aus dem Verein ausscheiden, kommen für die Kampf« mannschaft folgende Spieler in Betracht: Oppenheim, Kaiman, Amster, Feldmann, . Bersoh, Scheuer, Lieber» mann, Stroß, Freifeld, Platschek, Fried, Fischer, Mausner, Heß, Donnenfeld, Ehrlich, Birnbaum und Quartner. Der Verein verfügt auch über eine gute Reserve und drei weitere Juniorenteams. Alle Mannschaften unter« stehen dem Trainer Huber, der mit dem vorhandenen Material sehr zufrieden ist und dem die Spieler willig Folge leisten. Ständige unentgeltliche Stellenvermittlung Wer ausgebildetes, tüchtiges und diszipliniertes Personal aller Art u. aller Branchen benötigt, wende sich an »Hakoati'S I., Wieslngerstr. 11, Tel. R-23-0-10 Hasmohea. F re i t a g, den 30. d. findet um MIO Uhr im Klub heim, IL, Praterstraße 33, Wr. Theater* Caf6, ein Vortrag des Herrn P a u 1: F ö 1 d e s' über „Reiseeindrücke aus Palästina" statt. Gäste uid Mitglieder, herzlich willkommen. Vorher um 3U9 Uhr Spielerversammlung. Hasmonea spielt Samstag, den 1. Februar 1. J., um 10 Uhr vormittags: Meisterschaft gegen „Wiener Rasensportfreunde" auf dem Elektra-Platz (Endstation A-, AK-Wagen). Vorher die beiderseitigen Reserven. Palästina rüstet für die „Makkabiah". Für die erste jüdische Olympiade in Tel*Awiw im Jahre 1932 werden bereits jetzt große Vorbereitungen getroffen. Es werden in kurzer Zeit in den verschiedenen Sportzweigen Vertreter nominiert werden, um sich unter Leitung von erstklassigen Trainern für die kommende Olympiade vorzubereiten. Der erst vor kurzer Zeit von Wien nach Tel*Awiw abgereiste Sportlehrer und Vor» turner von Makkabi IX, Rudolf Zimmet, wird in erster Reihe die jüdischen Auswahlspieler Palä* stinas einem S pezia 1 tr ai n ih g unterziehen. Die Olympiade dürfte von den verschiedenen Ländern stark beschickt werden. Die meisten Teilnehmer werden Deutschland, Polen, Tschechoslowakei, Oesterreich und England liefern. Auch aus Rumänien, Litauen, Jugo* slawien, Bulgarien und der Türkei liegen Anmeldungen vor. Von Amerika wird ein separater Dampfer die Teilnehmer und Besucher nach Palästina bringen. An der Tischtennismeisterschaft von Oesterreich nehmen Hakoah und Makkabi teil. Beide Vereine ge« hören der ersten Klasse an. Auch die Hakoah*Damen spielen in der ersten Klasse, während die Makkabi* Damen in die zweite Klasse eingereiht wurden. Das Wettspiel Hakoah gegen B. A. C. wurde vergangenen Sonntag infolge schlechter Bodenverhält« nisse nicht durchgeführt. Da die Absage nicht rechtzeitig erfolgte, erschienen hunderte Zuschauer, die auf eine Austragung des Kampfes um so mehr rechneten, als. die Veranstalter tags zuvor bekanntgaben, daß das Spiel unter allen Umständen stattfinden werde. Der Sp. Cl. Hakoah hat für seine Mitglieder eine Stellenvermittlung eingerichtet. Ein lobenswerter Versuch, den Sportkameraden auch in ihrem Beruf behilflich zu sein. Boxsektion des I. W. J. T..V. „Makkabi IX". Bei der am 22. Jänner stattgefundenen 1. ordentlichen Generalversammlung der Boxsektion wurde folgende Sektionsleitung gewählt: Sektionsleiter: Herr Doli In» ger, Schriftführer; Dr. 'Fried, Kassier: Grub er, sportliche Beiräte; Laub und Mayer, Beisitzer: die Herren Qb.*Insp. Mannheimer, Dr. Breitner, Taussig und Trainer Kraus, Im Kähmen der Akademie des Sportlehrervef» bandes wurden zwei Ringkämpfe von Hskoah«Mit# gliedern durchgeführt, und zwar rangen Schlang er gegen Markus und Hirschl gegen Müller. Die Hakoahner demonstrierten in schönster Art die Fein* holten des Ringsports. Ihre Leistungen fanden beim sportverständigen Publikum reichen Beifall«