Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 172 (2.1.1931)
- Date
- 1931-01-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Prell SS OtomImii BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlieh S 1.50, vierteljahrig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljahrig Dinar 40.— Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljahrig Mark 3.-*; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljahrig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Lander monatlich Schwebtet Francs 1.50, vierteljahrig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 5 Freitag, den 2> Jürmer 1931 JE! y$Z?ö"Ö Nr. 172 diiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii£ | Verband demokratischer Zionismen g —————————————— - s Mittwoch, 7. Jänner 1931, um 799 Uhr abends 5 im Henl-Saal des Verbandahelmt, II., Untere 3 S Augartenstraße 38 S I Versammlung I S Gegenstand: 3 Theodor Herzl, seine Freunde | und Widersacher S Referent: S Dr. Tulo Hußenblatt | E Freie Aussprache I Gäste willkommen 1 s Tiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuii?= London, 27. Dezember. Heute ist im Alter von 62 Jahren der Begründer des Imperial Chemical Trust und Führer der englischen Zionisten, Lord M e 1* chett (ehemals Sir Alfred Mond), nach langem, schwerem Leiden an Venenentzündung und! Thrombose gestorben. Diese nüchterne. telegraphische Meldung birgt Briden; jüdischen Leser mehr als ein Stück englischer Wirt« schajtsgeschichte und Politik. Für den jüdischen Leser bedeutet sie die erschütternde Tatsache, daß eine g^nz hervorragende und außergewöhnlich mutige und groß* zügige Persönlichkeit aus dem jüngsten Kapitel vom Kampf um das jüdische Palästina von der Schaubühne ab* getreten ist. Man erinnert sich an* Lord Melchetts Antwort* Ischreiben an Justizrat Bodenheim er, der sich ge* drängt fühlte, ihm in einem offenen Brief den Dank des jüdischen Volkes für seine mutige Haltung in Dingen des Zionismus auszusprechen. Der letzte Passus des 'Antwortschreibens. enthüllt die erschütternde Todes* ähnung des Kämpfers Lord Melchett, der resigniert die Freunde Bodehheimers zur unbeugsamen Fortsetzung ihres Kampfes aufforderte. In der Tat, Lord Melchett hat den Dank des jüdi* sehen Volkes verdient. Dieser in der denkbar assimilier* testen Atmosphäre aufgewachsene Mann, schon am Rande einer fremden Gemeinschaft, stellte sich seit der Balfour* Deklaration in die exponierteste Position des zionistischen Gedankens. Nicht angekränkelt von der Psychose der Galuth*Mentalität, hat er kritische Worte gefunden nach innen und außen, die fruchtbarer waren als die gangbaren Resolutionen ehrenwerter Versammlungen und als die kniffige Methode der offiziellen zionistischen Diplomatie seiner zionistischen Aera. Lord Melchett war ein Wirtschaftsmann und ein Politiker. Diese zwei Elemente seines Wesens fanden ihren Niederschlag naturgemäß auch in der Arbeit für Palästina. Palästina durfte ihn häufig als Gast begrüßen. Seine wirtschaftliche Arbeit im Lande wird bleiben und sein Denkmal sein im jüdischen Volk. Sein politi* seh es Vermächtnis ist niedergelegt in jenem Brief an Bodenheimer, der ein Dokument bleiben wird. Aus der Fülle seiner politischen Arbeit für den Zionismus sei zunächst jene Episode erwähnt, die so charakteristisch ist für das zionistische Wesen Lord Melchetts: Seine denkwürdige Rede auf der konsti* tuierenden Versammlung der erweiterten Jewish Agency« Während alles in Lobhudelei des anwesenden ersten High Commissioner, der blassesten Figur der jüngsten zionisti« sehen Geschichte, Sir Herbert Samuel, schwamm, schuf Lord Melchett eine Atmosphäre peinlichster Verlegenheit, indem er in das durch nichts gerechtfertigte Idyll seine wuchtige Anklage gegen die Mandatar* mach t und vor allem gegen die High Commis* s i o n e r, 'H e r b e r t * S a m u e I inbegriffen, schleuderte. Es war ein Augenblick, der den wundersamen zionistischen Ethizismus dieses Mannes offenbarte, seine strengen Maßstäbe und seine richtigen Perspektiven. Lord Melchett war übeihaupt das Enfant terrible in der so sittsamen zionistischen Führergesellschaft, deren Lammsgeduld seine Disziplinfähigkeit, nicht aber sein Temperament zu zügeln vermochte. Jedem zionistischen Leser sind seine Reden bekannt, die er, der Engländer, in schärfster Weise gegen Engtands Politik in Palästina vor aller Oeffentlichkeit hielt, was unserer braven Exe* kutive so oft Verlegenheiten geschaffen hat. Unmittelbar nach der Veröffentlichung des Weißbuches, als die Serie von Rücktrittsenunziationen einsetzte, meldete sich auch Lord Melchett vom Krankenlager aus zu Wort. Auch er erließ eine Rücktrittsbotschaft. Sie war die schärf« ste, wahrste und würdigste. Als einziger fand er den Mut, das britische Dokument als einen Akt der Verrät er ei, des Betrugs und der, H ei m t ü ck e offen zu demaskieren. Sein Rücktritt. schillerte nicht in der Geste des Nur*Protests. Lord Melchett wußte, was er wollte. Das erhellt aus dem Brief an Bodenheimer, den man als sein politisches Vermächtnis zu werten hat. Der Brief beweist zunächst die Spannung und das Uli* behagen, das Lord Melchett in der Gemeinschaft der Kompromißler verspürte. Lord Melchett weist die Mit* Verantwortung für die Kompromißpolitik zurück, indem', er zugleich betont, daß die Niederlegung seiner zionisti* sehen Funktion im Rahmen der erweiterten, Jewish Agency vor allem als Protest gegen die n a chg i.eb i g e und. k orapr omißler is ch e, P o.l i* t i.k W e i.'z<m a n n s, die Politik, :;det Exekutive, ^f gefaßt werden müsse... Lord^Meichett; faßt seine . Forderung dahin •zusammen, das politische §ystera 4es. Zionismus radikal zu ändern, die Leitung in neue Hände zu legen und unter Bei ErkältuiigS'Kraiikheiteit/ rheumatischen, gichtischen und nervösen Schmerzen sind Togal- Tabletten unübertroffen. Togal scheidet die Harnsäure aus und geht daher direkt zur Wurzel des Uebels. — Fragen Sie Ihren Arzt. — In allen Apotheken. Preis S 2.40. neuen Richtlinien, denen der Opposition, Kampf und Arbeit fortzusetzen. Dieser Brief hat dem todkranken Lord Melchett von seiten der Kompromißler, der diversen Moralisten und Binationalen, Hohn und Beschimpfung eingetragen. In derselben Berliner „Jüdischen Rundschau", die dem Totengräber des Zionismus Herbert Samuel Hymnen widmet, seine liquidatorische Rede in der englischen Unterhausdebatte bejubelt, wurde die Gesinnung des sterbenden Lord Melchett verdächtigt, indem ihm bei seinem Kampfe für das Recht des jüdischen Volkes kapitalistische Tendenzen im Kampf gegen die A r b e<i t er reg i e r u ng (bekanntlich sitzen in der erweiterten Jewish Agency lauter 'Arbeitslose aus Amerika 1) unterschoben wurden. Lord Melchett ist tot. Im kritischesten Stadium f derjüdischen Geschichte, im verzweifeltsten Moment des Kampfes wird dieser mutige Geist nicht mehr kämpfen. Wie nach dem Shaw«Bericht Lord Balfour, so ist nach dem Weißbuch Lord Melchett dahingegangen, ' tragische Momente der jüdischen Geschichte. Dem jüdischen Volk "ist, nur das Vermächtnis dieser aufreeht en ' Pe r s.ö n l i c h k e i t geblieben. Katze und Maus* BMe Verhandlungen zwischen de* zionistischen Exekutive und der englischen Regierung wieder vertag^ -1- E^e* Präsident des jüdischen Nationalstes in Palästina/ Ingenieur Ruthen* berg, will nicht mehr mittun* — Die Verschleppung der Beratungen ermutigt die Araber zu heuen Vorstößen» London, 24. Dezember. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur offiziell mitgeteilt wird, sind die Beratungen zwischen der Jewish Agency und dem vom britischen Kabinetts rat eingesetzten Subkomitee vorläufig .noch zu keinem Abschluß gelangt und werden anfangs Jänner wieder aufgenommen werden. Die Vertagung wurde in einer am Sonnabend, den 20. Dezember, im Kolonialamt stattgefundenen Sitzung der Verständigungskonferenz beschlossen. U e b e r d e n sonstigen Verlauf dieser S i t z u n g teilt das Regierungscommunique nichts mit. * Zwei Monate dauert nun schon das Spiel, das die englische Regierung dem jüdischen Volke, der zionistischen Organisation, und dem Völkerbund zu bieten wagt. Als die Arbeiterregierung es unternahm, den verräterischen: Streich gegen den Zionismus zu führen, die dem jüdischen Volke geleisteten Schwüre glatt zu brechen, sah sie die Folgen nicht voraus. Die jüdische Welt erhob sich gegen sie, die Führer des eigenen Volkes, Lloyd George, Baldwin u. a., bezeichneten ihr Vorgehen als verbrecherisch. Da half sich die Regierung durch einen Trick aus der Klemme: „Gütliche Verhandlungen m i t den Zionisten!" Man lockte die schwächliehe, Führung der zionistischen Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen- Notizen sind .'durch, ehr beigefügtes E bezeichnet. •o%?e«.) ANTHRACIT hftchtter Qualität BASCHi IV«: ArgejntinierotrafU 33 Smmmmimmmmm 8:ft»18? Organisation an den Verhandlungstisch, band «sie mit der Verpflichtung zur „Diskretion", hüllte alles in den weichen Mantel des Schweigens! Und wenn jetzt einer auf das himmelschreiende Unrecht zu sprechen kommt, heißt es: „Stör' doch den Frieden nicht! Wir verhandeln ja jetzt freundschaftlich mit den Zionisten. Und sie verhandeln mit uns. Stör' nicht!" Damit ist der erste Ansturm im englischen Parlament, im Völkerbund, in Amerika und überall abgewehrt. Dabei ganz billig. Wie sehen denn die „Verhandlungen" aus? Man ' unterbricht im November und vertagt im Dezember und unterbricht im Jänner und so fort „Ueber den sonstigen Verlauf der Sitzung teilt das Regierungscommunique nichts mit." Auch- Weizmann und seine Begleiter haben nichts mitzuteilen. Erstens sind sie durch Wort gut gebunden, zweitens ist ja wirklich nichts mitzuteilen. Im Februar soll der Zionistenkongreß tagen. Das jüdische. Volk wird aufhorchen. Aber es wird 1 nichts hören. Präsident Weizmann wird ' zur „Diskretion" verpflichtet sein. Der Opposition wird man sagen, daß es ein Verbrechen sei, die laufenden Verhandlungen mit der britischen Regierung zu stören! Einer der derzeitigen offiziellen zionistischen Führer hat das Katz- und Maus-Spiel satt bekommen. Die Ita meldet aus Jerusalem, daß der Präsident des Waad Leumi, des Jüdischen Nationalstes, Ingenieur Ruthenberg, der als Vertreter der Palästinajudenschaft an den Beratungen^ mit der englischen Regierung teilnehmen sollte, / glatt abgesag t hat. In einem imv Jerusalemer Tagblatt* „D o a rH ajo m" veröffentlichten Brief er- •klärt Ruthenberg, daß er jede Verantwortung für die von der Weizmannschen Exekutive mit der englischen Regierung geführten Verhandlungen ablehne und er sich entschieden weigere, nach London zu gehen und an diesen Verhandlungen* teil« zunehmen. Auch die englischen Zionisten, son^t getreue Geixojssftn Weizmannsj wekhen man fft