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Die neue Welt · 1930-11-21 · Heft 166 (21.11.1930) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 166 (21.11.1930)
Date
1930-11-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sei!« 12 DIE NEUE WELT Nr. 166 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, L Bet., SeHensteUengaise 2, Telephon XU Zentralfriedhot, neb. d. f. 7or, Telephon 1M80 85 Ulllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllilfg üegründet 1882 | 1 Leöensoersicherunss- PUhKIIY^ I 1 Gesellschaft frnUHIA f § Zentradlrektlon: WIEN I., Riemergasse Nr. 2 | i VtrsidietingiDestano ptr Mitte 1930 ' 2450 Millionin Schillina |. s folleingenhltts Aktifinltapitat 4.000.000.- Sdiillino s E Prämien- und Zmscneinnahmin im Jahrs 1929 12S Hillionen Sdiilltop : s Garantiemitta ptr 300 Millionen Sdiillino | s Auszahlongen an Versicherte im Jahrs 1929 30'5 Millionen Schilling s 5 Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Fran' reich, s' s Belgien. Holland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische s S Republik. Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechens S 'and. Türkei. Aegypten und Palästina. 5 Tiiitiiiiiiiiiiif iiiiii iiiiiit Iii iitiiiiiittiiiiiiiitiiif tiiiitiMiiiiiiiirr Kofferapparate tuxua»Appar*t« mitu. ohne Trichter, Schall plattetet v.S 2.-, die neuesten Schlauer in größter Auswahl, erhalten Sie für S 2.S0 Wochenraten, sowie Mandolinen, Gitarren. Harmonikas, Lauten Violinen. Zithern, Blasinstrumente. Musikhaus SCHLESINGER KINDERWAGEN ENGELBERG vom einfachsten bis zum reinsten Genre erzeugt XX, WAU.ENSTEiNPI.AT2 3 Eingang: Bäuerlegasse 1 illlllllillllll Filiale: XX, KlosterneuburgerstraBe 91 Di« beitbewährte unschädlich« 1 NUSS Ii/ HAARFARBE rrW SE eh tärbt echt, naturgetreu und dauerhaft von blond bis schwarz Ueberau erhältlich 6 2.- und S 3.50 W. SEEGE*, W en XV, Wurzbachqasse 19 Copyright 1928 by „Die Neue Welt". Wien Nachdruck verboten. KOMÖDIANTEN. Roman von SchaJom Alechem. Ins Deutsche übertragen von P. Rosen hall. Woher kommt es, daß Brejndele Kosak die Rolle des Mephistof eles übernommen habe? Das ist so gc* schehen: Sie wollte nichts anderes als Rache. Sich rächen an ihrem blutigen Feind, an Hotzmach. Ihr Mittel war, ihm die Primadonna Schwalb herauszulocken und den „Jungen" wegzunehmen. Und da es ihr gelang, was braucht sie mehr? Ich bitte euch gar schön, ist sie wirk« lieh verpflichtet, die Sorgen der Welt auf sich zu neb* . men? Wo steht geschrieben, daß sie sich für einen Ra* fal^sco opfern soll? Für eine Rosa .Spiwak? Soll sie den Kopf an die Wand schlagen! Wieviele Menschen auf der Welt lassen sich wegen der Mme. Tscherrijak graue- Haare wachsen? Verlöre sie heute gottbewahre ihr .jdby wer würde sich um sie kümmern in diesem kochenden Kessel,, der New York heißt? Von den Mannsbildern gär nicht zu reden. Auf sie hatte schon lang die Cholera kommen sollen, die sie einen' nach dem andern erstickt; daß von ihnen kein Haar zurückbleibe. Aber nehmt selbst ein solches Mädel wie diese Rosa Spiwak, mit der sie ja wie mit einer Schwester verkehrt hat, zusammen von;da dorthin gewandert, zusammen Schts'öhüppaks Joch getra* gen, zusammen gegessen, sozusagen in einem Bett ge* .'schlafe'n —-. wenn sie. jetzt zu ihr auf Visite kommt, wird sie nicht vorgelassen,; und wenn sie ihr ein paar Worte schreibt, Roserle'Seelchen, die Mme. Tschernjäk will dich sehen, wird ihr nicht geantwortet. Und schreibt-sie ihr nochmals, wird ihr wieder niöht geantwortet. Und als Rafälesco nach New York gekommen War, fährt ihm die Mme. Tschernjfdc entgegen, umarmt ihn, küßt ihn, nimmt ihn bei sich, auf wie zur Familie gehörig, verzärtelt ihn, legt ihm ihre Seele hin und ihm ist das nicht genug. Was sonst noch dazu? Er würde wollen, sie soll ihm den Grischa Stellmach und die Rosa Spiwak mit einem Besen herkehreri! Diese Mannsbilder, laßt euch sagen, brennen sollen sie euch. in einem Feuer, wenn die was haben wollen, ist's: Erde spalte dich und Himmel öffne dich! Gedulde dich ein bißchen, mein teurer Rafälesco, lass uns ein bißchen miteinander reden, was macht Hotzmach, verschlungen soll er werden! Und die Schwindsucht von. seiner Schwester, ihre Gebeine soll man hinaustragen! Und die alte Schindmähre, seihe Mutter, lebt sie noch, die Hexe? , So hält Brejndc,le Kosak mit ihrem jungen Freund Rafälesco Zwiesprache und begreift nicht, was er denn, der „Junge", so groß tue, was er denn für Faxen mache, was er ihr da für Tragödien vorspiele und was ihn da d$s gute Jahr so packe wegen der Spiwak. Und erinnert sich Brejndele Kosak an die Spi* wak, lodert' sie wie Feuer auf. Sie kann ihr die Schände und den Aerger nicht verzeihen. Was heißt das, sie, die Mme. Tscherrijak, nicht empfangen wollen, nicht vorlassen, nicht einmal a,Uf einen Brief antworten? Und wer schon? Eines Chasen Mädel, das vor kurzem noch nur ein Paar gestopfte Strümpfe besessen hat! Und wenn sie schon Glück gehabt hat und groß geworden ist, was ist dabei? Man kann groß und berühmt und reich und was alles sein, der andere ist doch kein Hund. Wenn man zu hoch steigt, fällt man herunter.; Solche Sachen sind schon vorgekommen, Es ist ja auch eine Henriette Schwalb da, auch eine Primadonna, auch berühmt. Man trommelt ihretwegen auch genug in den Blättern, und wenn sie auf der. Bühne auftritt, gibt's auch viel Furore. Trotzdem — sje soll solch ein Jahr haben — wie ein* fach, wie gebührlich, wie liebenswürdig sie zu ihr ist, wie eine Schwester, wie eine leibliche Schwester. Deshalb ist ihr die Mme. Tscherrijak auch treu wie eine Schwester, kennt alle ihre Geheimnisse, kommt zu Henriette jeden Tag, wenn sie nur 2eit hat, für eine Weile. Und man sitzt und man spricht und man spricht. Immer gibt es bei ihnen woypn zu .sprechen. Ein Vergnügen! > Man spricht so lange, bis es finster zu werden beginnt. Dann schlägt sich die Mme. Tschexnjak über die fetten Lenden und greift nach der roten Pellerine. Ein Schlag hat sie getroffen, ein Donner hat sie erschlagen, schon Stocks finstere Nacht! Und Brejndele Kosak macht sich tänzelnd auf den Weg durch die Gassen New Yorks, hält eine Car an und fliegt zu ihren job ins Theater, und im Hirn wpbt sich ein schöner mephistöfeltscher Plan von einer raschen Hochzeit — zwischen Henrietta und Rafälesco. Nein, ihr Name soll nicht Brejne Tschernak, wenn es keine Hochzeit gibt!. Es wird'eine fröhliche, feierliche H.pchzeit geben. Die Blätter werden trommeln, in der Kibetzarni. wird man 'davon sprechen, und sie, , die Mme. T^hernjak, ,w'ird.,<}ie Hauptbeteiligte sein — von welcher Seite?, — von der Braut Seite oder' des Bräutigams' Seite? Von beiden Seiterif Und sie wird in einen Tanz hinein« -- v ■ ■.'.' I "' J 5. L*' 1 "" % - 1 * ' ' sprjngen,. chai*hurra, mit dieser Walze Nissl Schwalb! LJn^ die Sippe' 'Schaujpre.ler. _ wiref sich da ansaufen und lustig sein und tanzen bis in den'hellen Tag hinein. Dann wirld sie nachhause' kommne,' wird sich sogleich hinsetzen und. ein schönes mephistofelisch^'sf Briefchen an die Rosa Spiwak schreiben und ihr „masejiow" wünschen... Oder pßt, nicht so. In 'den hochinWessanteri und sparinenden Rornanen, die Mme. Ts'chernjäk in den Blättern liest, geht es'anders zu: man muß es so einrichten, daß Rosa zwar die Einladung rechtzeitig' bekommt, aber daß sie genau in dem Augenblick erscheine, wenn Bräutigam und Braut schon unter dem Traudach stehen. Er legt ihr den Ring an und sagt ihr jenen, den gewissen Spruch .. Rosa fällt in ^Ohnmacht... Lärm entsteht... Da kommt ihr Bräü'ti* gam, der junge Stellmach, gelaufen und jagt sich eine Kugel mitten ins Herz... Warum dem jungen Stellmach eine Kugel ins Herz gebührt, sollt ihr nicht fragen. Ein Mensch, wenn er mitten im Rachenehmen ist, beachtet nicht, wer schuldig ist, wer unschuldig, und Blut fließt wie Wasser. '47. Kapitel. Brejndele Kosak — Heiratsvermittlerin. Es war einige Tage, bevor der neue Stern von Bukarest Leo Rafälesco' zum erstenmal vor dem New Yorker'Publikum auftreten sollte. Alle Vorbereitungen und Repetitionen waren schon erledigt. Vom Theater aus gab Mr. 'Nickel der Gesellsqhaf^^de . zwei Minuten tele« phonisch bekannt, daß es! allright sei und ' daß', er" bald keine Tiketts mehr für Rafalescos Spektakel geben werde, daß, man. sie aus den Händen reiße, daß man sich bei der Kassa raufe, daß er; fürchte, *man könne ihm das Theater demolieren, daß man schon die Türen' einschlage. .. Die Gesellschaft aber erschrak gar wenig. pb dieser erschrek* kenden Nachrichten. Man wußte sehr wohl, daß man die größere Hälfte davon was Nickel sage, einmauern, ein Drittel ins Meer werfen und den Rest armen Leuten schenken könne. Von der Gesellschaft waren nur die Brüder Schwalb zuhause, Mr. Klamer und der Lomscher Chasen. Rafälesco und Henrietta waren sich in einer neuen, Pose photo« graphieren gegangen. Die Stimmung der Gesellschaft war zu ' jeder Zeit nicht sehr auf der Höhe. Nicht weil die business schlecht gingen. Im Gegenteil, es zeigten sich glänzende Aussichten. Die Aktien der Gesellschaft ..stiegen von Tag zu Tag. Aber es fehlte das, was ijrjsirall und immer in jeder menschlichen Gesellschaft fehlt: 'Einigkeit, Übereinstimmung, friedliche Eintracht. Was der ei^e sagte, ließ der andere das' Gegenteil gelten. Jeder hielt das IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII sei BESTELLUNGEN BITTE SICH AUF ,DIE NEUE WELT' ZU BERUFENI EINLÖSUNG _ von GOLD SILBER PLATIN G. A. SCHEID WIEN VI, Gumpendorferstr. 83 Wjen I, Fianz-JosefsKai 49 Wien Vtl, Kaiserstratte 67/69 Rainer. Wien VI, Dürergasse 4 R AD IO n eleganter Kotiertem) für Radio unu Schallplatten spielt Oberall ohne An« enne, ohne Erde, sowie alle modernen Netzemptängei Radio-Apparate mit Auslandsempfang. Radio-Bestandeile, Kredit bis20 Monate, 10°/,, Anzahlung, l°/„Kredii. Spesen pro Monat Billigste u beste Einkauf squelt< Radio-Mut ikhaui I Chiefinger ■IUI im Wien, VII., Burggasse 122-124 Katalog er»"« Seine für so sicher wie die ganze Welt und machte den andern zunichte. Z B. rühmte sich der ältere der Schwalbs, Nissl, daß das Ganze seine Kombination sei. Wäre nicht er mit seinen Ideen, wo würden sie jetzt sein? Mr. Klamer hinwiederum behauptete, daß jetzt sie alle, wäre nicht er und seine Tasche, den Bettelsack nehmeß und in die Häuser gehen müßten. Da hieb ihm def Lomscher Chasen die Flügel ab und warf ein, daß nie* mand mehr auf seiner Tasche liege. Man könne schon gottseidank ohne seine Hilfe auskommen. Schon gar nicht zu reden von ihm selbst, dem Lomscher Chasen. Er könne gewiß seinen Platz ausfüllen. Das aber verdroß schon alle. Selbst den jüngern der Schwalbs, Isaak. Da trat dieser mit seinen heiligen Lippen hervor und fragte den Chasen, ob er sich noch an das Londoner Whiteshapel erinnere, an den feuchten Keller mit dem großen Ofen, der nach einem Stück Holz verging und auf sich nie einen vollen Topf sah außer am Sabbath und Feiertag und das auch nur dann, wenn der Bruder für ihn ein paar Shilling bei guter» Leuten mit weichen Herzen gesammelt hatte. Es versteht sich, daß solch eine zarte Andeutung dem Chasen nicht paßte. Da ermahnte er Schwalb ziem* lieh allegorisch dessen eingedenk zu sein, daß sein Platz im Theater unter dem Himmel sei und sein Geschäft, mit den Händen zu wetzen und nicht mit der Zunge. Da war Isaak Schwalb nicht faul, dem Chasen -zu antworten, ebenfalls allegorisch, ebenfalls verblümt: daß, Wenn die Zeit kommen werde, da seine Händq werden wetzen müssen, er nicht wisse, ob dazu nicht jetzt die richtige Zeit sei — allerdings würde da über des Lomscher Chasen Bart Ach und Weh und ein Jammer über seine Backen kommen. . . '" Gewiß wäre ein kleines Spektakel herausgekommen sein, wäre man nicht mit der Nachricht erschienen, daß irgend eine lady nach ihnen frage. „Eine lady? Zu wem? Zu mir?" Alle vier Mannspersonen, sprangen auf. „Die lady fragt nach Mr. Schwalb' dem ältern." .' Da erhob sich Nissl Schwalb, machte sich zurecht, öffnete die Tür und — und ließ alle seine wüsten Träume fahren. Als die lady sah, daß Nissl Schwalb überrascht sei, machte Brejndele Kosak (die war es) einen sehr feinen Knix und ließ wissen, daß sie ihm eine sehr wich* tige Sache mitzuteilen habe.; „Business?". ■ „Business." „Ein Geheimnis?" „Ein Geheimnis." Da business und Geheimnis, muß man die lady in ein anderes Zimmer bitten und ihre business und ihr Geheimnis anhören. Versteht '" sich, daß Brejndele Kosak mit einer langen Einleitung begann, ganz von Anfang, da sie noteh ein junges Mädchen war und Schtschuppak noch nicht kannte, verschleppt soll er werden. Damals habe es ihr noch nicht einmal geträumt, daß sie im Reiche des Columbus sein und einen solchen job einnehmen werde» .. Das heißt, sie klage nicht, bewahre, über ihr Geschick, sie wisse, daß es noch viele gibt, die - sich ihren, job wünschen.würden; denn wie immer dem sei; hat!sie noch ein paar Dollar erspart von einst, nicht viel,/abervgenug, um nicht aridere angehen zu müssen und'um'anständig leben, zu können. Als Nissl Schwalb sah, daß die lady ein bißchen zu weit zurückgreife, entschuldigte er sich, sie mitten drin unterbrechen zu müssen. Es freue ihn zwar sehr, sagte er, daß sie nicht andere angehen müsse und an* ständig leben könne, er soll so aller Menschen Gutes haben, was also doch? — er sei heute sehr; busy, es sei heute bei ihnen, sagte er, einfach ein Jahrmarkt, heute trete ihr Premier Leo Rafälesco auf. (Fortsetzung folgt,) Eigentümer. Verleger. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker, Druckerei* und Vertags-A.«G. Unat Steiumann beide Wieo, IX« Universnätsstraße 6—8,

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