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Die neue Welt · 1930-11-14 · Heft 165 (14.11.1930) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 165 (14.11.1930)
Date
1930-11-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 165 piiiminnntiiinin | VORNEHME FAMILIENPENSION | 1 vormais Dr. GRÜNBERG 1 IAM SEMMERINGl | HOCHSTRASSE Nr. 43 (BEI HOTEL PANHANS) § m Pension von S 12.— aufw. Karfeehaus und Tanzi | gelegenhcit im Hause Besitzer: ECKSTEIN Tel i § Pemmering Nr. 11 Fließendes Warm« u. Kalt* I g waster in Jedem Zimmer | bot des Verkaufs von Boden an Juden bestehe, daß aber dort gewobnheitsrechtlich keine Bodenverkäufe an Ausländer getätigt werden und die Regierung daher Bodenkäufc von zionistischer Seite nicht zulassen werde. Import und Export im Monat Juni und im ersten Halbjahr 1930. Der Wert des Imports nach Palästina betrug im Juni 1930 492.332 Pfund gegenüber 480.675 Pfund im gleichen Monat des Vorjahres. Der Wert des Exportes 138.679 Pfund gegenüber 83.785 Pfund im gleichen Monat des Vorjahres. Die Steigerung beim Export ist in erster Linie auf die Zunahme der Ausfuhr von Wassermelonen zurückzuführen. Im ersten Halbjahr 1930 betrug der Wert des Importes nach Palästina 3,388.634 Pfund gegenüber 3,550.692 Pfund im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Wert des Exportes im ersten Halbjahr 1930 betrug 1,071.549 Pfund gegenüber 652.875 Pfund im ersten Halbjahr 1929. Die Zunahme ist auf die erhöhte Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte (in erster Linie Orang c n) zurückzuführen. Der Anteil Tel-Awiws an der palästinensischen Industrie. Die Regierung veröffentlicht als Anhang zum palästiucnsisdi-syrisdien Zollabkommen eine Liste der Artikel, die vollständig in Palästina hergestellt werden und daher vom Einfuhrzoll in Syrien befreit sind. Die Liste enthält die Namen von 234 palästinensischen Erzeugern, von denen allein 130 in Tel-Awiw ihren Sitz haben. Am stärksten vertreten sind darunter Textilfabrikanten, von denen 34 mit Sitz in Tel-Awiw und Umgebung aufgeführt werden. Weitere Senkung der Lebenskosten in Palästina. Die rückläufige Bewegung der Lebenskosten in Palästina hat sich auch im Juli fortgesetzt. Die Indexziffer betrug im Juli 58,6 und wa,r damit um 0,6 Prozent niedriger als im Juni. (Basis des Index: Jänner 1922 100 Prozent.) Die Erzeugung von Tabakfabrikaten *im zweiten Quartal 1930. Nadi dein „Commercial Bulletin" betrug die Produktion an Tabakfabrikaten in Palästina im zweiten rüchte im Umlauf, daß die Regierung Jabotinsky die 26.593 kg Tombak, 472 kg Sdmupftabak, insgesamt 164.388 kg. W a r b u r g Vorsitzender des Administrativen Komitees der Agency und nicht Louis Lipsky, der die Malinahmen zur Beruhiguug, zu politischen Schritten, für öffentliches, dem Gebot der Stunde entsprechendes Auftreten zu treffen hatte. Mit Mr. Warburg wechselte die britische Regierung Komplimente. Mehr noch. Die Zionistische Organisation mußte hilflos beiseite stehen, als Mr. Warburg, der die ganze Agency in Amerika zu repräsentieren schien, einen antizionistischen Akt nach dem anderen beging oder unternahm. Mr. Warburg eliminierte 9 von den 10 Beschwcrdepunkten, die dem Premier MacDonald während seiner Anwesenheit in Amerika in bezug auf das jüdische Nationalhcim in Palästina vorzutragen waren. Er zwang Ussischkin, seine Reise nach Amerika für den jüdischen Nationalfonds zurückzustellen. Er riet gegenüber dem Shaw-Bericht Schweigen an. Er schwieg, als Dr. David Philippson, der die Jewish Agency zu bilden geholfen hatte; eine Attacke der Reformrabbiner gegen den Zionismus anführte und als der „American II e b r e w" in New York wütende Leitartikel gegen die zionistische Bewegung schrieb. Er setzte, ohne die Zionisicn zu fragen, einen Plan für eine komplette Uniorganisierung de r zionistischen Administration aller Länder in der Welt. Er widersetzte sich der Aktion, die die Zionistische Organisation zur Anwerbung von 250.000 Mitgliedern unternahm. Wenn man dem „Jewish Chronicle'" in London folgen darf, auf den, sonderbar genug, die amerikanischen Zionisten angewiesen sind, seitdem die amerikanisch-jüdische Presse darüber schweigt, so forderte Mr. Warburg, daß die Zionisten bei Nichtzionisten nicht agitieren. Seiner Meinung nach, ist jeder, der nicht Mitglied der Zionistischen Organisation ist, ein Nichtzionist. Woraus folgt, daß bei diesen nationale Propaganda verboten ist. Die Agency, so wird behauptet, war auch dagegen, daß General Smuts, ein bekannter Freund des jüdisdien Nationalsheims, offiziell empfangen werde. Die Agency war gegen die „New Palestine", das einzige zulängliche Publikationsorgan, das der Zionistischen Organisation geblieben war. Kurz, die Agency wirkte, als ob es keine zionistische Organisation gäbe oder, schlimmer noch, als dürfte sie nicht existieren. Der Lipsky-Administration bemächtigte sich Panik. Mau sagt, daß Lipsky während seiner Anwesenheit in Europa an Weizmann appellierte, er möge den ausschlaggebenden Warburg zügeln. Aber Weizmann wollte oder konnte nichts tun. Die höchste Steigerung war erreicht in der vereinigten Kampagne für die Geldaufbringung. Ein Jahr vorher warnte Dr. W i s e das zionistische Aktionskomitee in Europa: „Ihr werdet Palästina zu,einer Provinz des Joint Distribution Committeie' "machen!" Wie um seine Worte zu bestätigen, beschloß die Agency, Geld für Palästina in U. S. A. nur zu sammeln, und dies, .ganz auf philanthropischer Grundlage. Es war die Furcht vor der sich aufpflanzenden Größe der Agency angesichts der eigenen bleichen Machtlosigkeit, daß die Zionistische Organisation Amerikas an die Mitgliedswerbung schritt. Diese war ein Durchfall. Statt der 250.000 wurden 45.200 erreicht. In einer Ansprache in Charleston gestand Abraham Goldberg, Mitglied des Administrative Committee, offen ein, daß die Juden des Landes den Glauben an die Zionistische Organisation Amerikas verloren haben. Obwohl die Mitgliederzahl im Jahre 1929 einen neuen Tiefstand erreichte, zeigten sich die ersten 5 Monate von 1930 noch s c h 1 i m m e r. Angesichts der politischen und ökonomischen Tätigkeit, die von der Agency fest in die Hand genommen wurde, war es für die Zionistische Organisation Amerikas in diesem kritischen Zeitpunkt wichtig, ein Erziehungs- und Propagandaprogramm zu iuaugurie-, reu, nicht nur weil sie das in der Vergangenheit ver-. nachlässigt hatte, sondern weil sie auch eine Rechtfertigung ihrer Existenz suchen mußte. Aber dus fiskalische Jahr vom 1. Juni 1929 bis 31. Mai 1930 zeigte eine Reduzierung der Eingänge um 46.800 Dollar gegenüber dem vorhergehenden Jahr. Es mußten also irgendwie Ersparungen genxueht werden. Man stellte das Organ „Dos Y i d d i s c h e F o 1 k" ein und reduzierte den Umfang des „New Pulestine". Vom finanziellen Bankrott bedroht, schien die Führerschaft bis zum Aeußersten machtlos, was in der kommenden Unterwerfung zum Ausdruck kam. Die Zionistische Organisation Amerikas war praktisch zusammengebrochen. Auf der Convention in Cleveland hat das Lipsky- Regime nun sein Ende gefunden. Und wieder haben die Freunde des Oberrichters Brandeis die Führung übernommen. Unter den schlechtesten Vorbedingungen. Auf einem Trümmerfeld. Ob und wie weit es ihnen gelingen wird, das Chaos zu lösen, das ist jetzt die Frage. Abermals der größte Haupttreffer der Klassenlotterie S 300.000 von Kunden der „Glückstelle Stein" an der „Hohen Brücke" gewonnen. * Die neue Lotterie beginnt bald. Niemand versäume, seine Klassenlose zu kaufen bei der „Glückstelle Stein4*, Wien, I., Wipplingerstraße 31, an der „Hohen Brücke". „Ueber die Hohe Brücke führt der Weg zum Glücke." Beachten Sie unser heutiges Inserat auf Seite 7, Von Brandei§ zu Braudels* Entstehung und Zusammenbruch des Wei'zmann-Regimes in der Zionistischen Organisation Amerikas« — Die Organisation ein - Trümmerfeld« Anschließend an den Friedensschluß, der zwischen der Brandeis - G*r u p p e und der alten zionistischen» Administration Amerikas auf der Clevelander Konferenz 1930 stattgefunden, hat,, gibt im New Yorker „Mehörah Journal" der jüdische Schriftsteller Zahnen Yoffeh eine ausführliche Darstellung der Zustände der zionistischen , Organisation Amerikas bis zum Friedensschluß, und der/ Perspektiven, die sich -ans ihm ergebenj -Wir entnehmen den Ausführungen jenen Teilj der die Periode vom'Austritt der Brandeis-Gruppe bis zu deren Wiedereintritt behandelt. ]' ' * Im. Jahre 1921 war Richter M a c k Präsident der zionistischen Organisation Amerikas. Auf der damaligen Konvention legten er und seine, Administration ein Programm vor, das gegenüber Dr. Chaim Weizmann und die Zionistische Weltorganisation, die als ,.europäischer" Zionismus benahnt werden konnte, Opposition bedeutete. Die Hauptbemühung wollten die Brandeisisteri auf die Versorgung Palästinas mit Geld und mit Menschen gerichtet sehen. Alles andere schien ihnen demgegenüber unwichtig; eine große Immigratiou, -sich selbst versorgend und finanziell unabhängig, das sahen sie als die Garantie an. Wenn das erreicht würde, könnte die Bewegung ihre Aufmerksamsamkeit auf die Probleme der Regierungsform, kulturelle Probleme und die Frage des Diaspora-Nationalismus richten. Sie hatten auch Einwendungen gegen die geplante Erweiterung der Jewish Agency durch Nichtzionisten und gegen die Zentralisierung der Macht in der Weltorganisation. Dieses Programm wurde auf der Konvention im Jahre 1921 besiegt. Der Hauptgrund^ der Niederlage war das Unvermögen der damaligen Administration, mit den Massen detr zionistischen Reihen in Kontakt zu kommen. Ihr Programm ließ die osteuropäischen Juden, für die Zionismus Traum, Glauben, Religion bedeutete, kalt. Die Braudeis-Gruppe („Westler, Intellektionelle") sprach nur von Geld, Finanzen, industriellen Unternehmungen. Und wie konnten diese Neuen es wugen, an Weizmann zu nörgeln? Das Gefühlsargument triumphierte. Mit seinem Programm unterlegen, legte Richter Mack sein Amt nieder und mit ihm die ganze Administration — Richter B r a n d e i s als Ehrenpräsident, Dr. Stephen W i s e und Nathan Strauß als Vizepräsidenten, Jacob de Haas als Sekretär, Felix Frankfurter, Robert S z o 1 d, Israel B r o d y und die anderen des administrativen und exekutiven Komitees. Ein Lipsky-Kabinett wurde gebildet. So lehnten alle Mitglieder der Brandeis-Mack-Gruppe jedwede aktive Anteilnahme an der Organisation ab, da' sie nicht gewillt waren, sich mit einer Gruppe zu kooperieren, deren Methoden sie mißbilligten. Die besiegte Gruppe versuchte nun, nach ihren eigenen Richtlinien für die ökonomische Entwicklung Palästinas zu arbeiten. Der Palestine Development Council wurde gegründet zum Zwecke des Landkaufs, der Errichtung von Industrien und der Ansiedluug von Juden in Palästina. Aber eine ausgedehnte öffentliche Förderung blieb ihr versagt. Der Council (später Palastine Economic Corporation genannt) wurde ein Privatunternehmen, ohne besonderes Gewicht für die zionistische Arbeit. Der Kampf wurde fortgesetzt und nahm in den folgenden Jahren immer erbittertere Formen an. Immer weniger und weniger wurde vqu fundamentalen zionistischen Ideen und Losungen gehört. Allerdings gab auch das Lipsky-Regime seine Energien nicht geringer als das seiner Vorgänger für die Konzentration des Geldsammelns und nicht für das befürwortete Kultur- und Propagandaprogramm hin. Die Dinge spitzten sich allmählich auf rein persönliche Animositäten zu. Voh der Brandeis4lack-Gruppe, die draußen blieb, und von der Opposition, die sich drin etabliert hatte —• W i s e, T u 1 i n, S eid in — wurde das Lipsky- Regime als unfähig, unkompetent, undemokratisch bekämpft und wegen schlechter Verwaltung der Fonds angegriffen. Diese Dinge wurden auf der Pittsburger Konvention im Jahre 1928 die Kampflosung. Die Opposition schien dort gute Chancen zu haben, aber die Delegierten waren entweder vi^folge des blinden Zugriffs der Opposition oder pr,. Chikanen durch die Administrationen dieverletzt, für Lipsky zu stimmen, wenn auch niehtT|jä£ft der Zulänglichkeit seiner Administration, sondern um ihm seine persönliche Ehrenhaftigk ei t ^-»tte6tieren. Lipsky wurde triumphal verteidigt und wieder zum Präsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas wiedergewählt. Die Konvention in D e t r o i t von 1929 war ein liebHeb.es Fest: es gab kehle Opposition. Die Mitgliedschaft war arg zusammengeschmolzen, die Fonds waren nicht vorwärts zu bringen! Aber" die erweiterte Jewish Agency .hätte ja alles bringen sollen! MarshaU und Warburg würden schon Geld finden, das jüdische Heim zu bauen, die Zionistische Organisation würde ihre Energien; zu 1 ihr er eigenen Stärkung verwenden können. Sie würde Propaganda machen können, in der Diaspora Kulturarbeit leisten. Der Ausblick schien rosig. Komisch genug aber, den ersten Schlag erlitt das Prestige der Administration von den V e rbündeten und Rettern, den Leuten d»-;r erweiterten Jewish Agency». die in Zürich 1929 perfekt wurde; denn von den 58 amerikanischen Mitgliedern der Agency sollten 44 von den Nichtzionisten und nur 14 von den Zionisten gestellt werden. In der neuen Aera, die Erez Israel bauen wollte, sollte die zionistische Organisation Amerikas ein entschieden geringerer Partner sein — ein „office boy", wie man mitunter sagt. Die Administration versuchte die Zionisten zu beruhigen. Angst herrschte vor. Nach alledem — Konzessionen müssen gemacht werden. Es wäre kein Grund, an dem guten Willen der Nichtzionisten zu zweifeln. .Künftighin vielleicht würden sie gute Zionisten werden. Außerdem war kein Geld da. Unmittelbar darauf kam die arabische Revolte in Palästina und ihr folgte ein Schlag nach dem anderen: der Tod Louis M a r s h a 11 s, des Dr. Magncs Kampf gegen den politischen Zionismus, der Shaw-Bericht, die Einstellung der jüdischen Einwanderung st ff.; , ' ,# . *, •. ' 9 , nach Palästina. " Eine feindliche, nichtzionistische Presse — zur Agency gehörig oder nicht — begann eine Kampagne gegen den politischen Zionismus. Die liberale allgemeine Presse Amerikas tat zum größten Teil das gleiche. Und selbst die * jüdischen Massen waren ob der unerwarteten feindlichen Reaktion auf die zionistischen Trübsale ins Wanken geraten. Und wenn die Massen ins Wanken geraten, so geraten die zionistischen Führer noch mehr ins Wanken. Ernste Differenzen entstanden unter ihnen und die Konfusion der zionistischen Ideologie, zeigte sich in der Oeffentlichkeit. Als Verräter wurden bezeichnet, die man in all diesen Jahren als gute Zionisten ausgegeben hatte. Nichtzionisten wurden wieder bittere Antizionisten. Von allen Seiten belagert, fanden die Zionisten wenig Kraft, eine Schlacht zu liefern. Ihre Konzessionen an die Agency hatten ihnen die Macht genommen. Ea war Felix

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