Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 164 (7.11.1930)
- Date
- 1930-11-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12 DIE NEUE WELT Nr. 164 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, i. Bei., SeHen$teitenfOM$e 2. Telephon U-28-1-28 Xin Zenttalfriedhof, neb. d. t. Tor, Teleohon 0-18 0 85 KINDERWAGEN vom einfachsten bis zum feinsten Genre erzeugt CNftBIfiBDßXX, WALUNSTIlNPLATZ 3 LllULLDLnU Eingang: Bäuerlegasse I lllllimilWl FiI i a I e t XX, KleeterweMburfleretreOe Ol »llllllllltlllttllltllllllttlllltlllltHIIHIIIIHHIIIIllllllllllMllltlU | fiegrllndat 1882 m | | Lcöensuerslcherunss- I Gesellschaft | Zentradirektion: WIEN I., Riemergasse Nr. 2 f § VirsidKrao|sbesttQo per Mitte 1930 2450 ffilünui Sdiillinq «ollelnirabltßJ »WmUpitJi 4.000.008.- SAiliing Prämienand Zinseneinnahmen im Jahre 1929 125 Hillionen Schilling s 5 Gmntitmiffei per Ende 1929 300 Millionen Mino s JlDSzablangen an Venh&erte Im Jshre 1929 30*5 Millionen Willing s Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Oeutsches Reich, Frankreich, s Belgien. Holland, Italien, Spanten, Tschechoslowakische s 5 Republik. Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechens land. Türkei. Aegypten und Palästina. 5 ftlHIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIHlilllllllllllllHIIIHIHIIIIHIIIHHIIIIII? .PH0NIX' RADIO n elegenterfCotfitterm für Radio unu Schallplatten, spielt Obtrall ohne Antenne, ohne Erde, sowie alle modernen Netzempfänge. Radio»Apparat« mit Auslandsempfang. Radio-Bestand (eile, Kredit Dia 20 Monats, 10% Anzahlung, 1% Kredit. Spesen pro Monat. Ollllgate u heile tlnkeulsquellf ff Radio-Mutikhauf (chfieiinger Wien, VII., Burggasaa 192*124 Kataioe er»»*» Kofferapparate Luxua-Apparate mitu. ohne Trichter, Schall« platten v.S 2.-, die neuesten Schlager ingrößtei Auswahl, erhalten Sie für S 2.50 Wochenraten, sowie Mandolinen, Gitarren, Harmonikas, Lauten, Violinen, Zithern, .Blasinstrumente. Musikhaus SCHLESINGER SaS'?* Ol« bestbewährte unschädliche NUSS 11/ HAARFARBEn W 3 SE sn färbt echt, naturgetreu und dauerhaft von blond bis schwarz „ Ueberau erhältlich ö 5ä.- und S 3.50 W. SEEGE4, Wen XV, Wunbachcjasse 19 Copyright 1928 by „Die Neue Welt?'. Wien. Nachdruck verboten. KOMÖDIANTEN Roman von Schalom Alechem. Ins Deutsche übertragen von P. Rosen h a IL e Mir gefällt nicht eine solche Gubow. Was heißt das, entweder hin oder her. Wie lange dauert denn überhaupt der Abschnitt Gubow? Jetzt allerdings ist ein Einwand da, sie ist in Trauer, eine Waise, der Vater ist gestorben. Sie will, sagt sie, ein Depesche schicken zur Mutter, sie soll hierher nach Amerika kommen. Und bei ihr, wenn sie sich was ausdenkt, kann es auch Steine vom Himmel regnent Was wird geschehen, wenn die wirklich hierher« kommt? Wo werden wir uns hintun mit der Chasenfrau aus Holeneschti?--s6 soll ich vom Bösen wissen mit euch zusammen. Ein Stückchen Trost, vielleicht kommt mir die Chasenfrau zuhilfe, um ihres Vaters Verdienste willen wird man endlich schon Teller brechen un$l zugleich auch das Traödach stellen. Nehmt es mir nicht übel, Heber Freund, daß ich euch immer nur meine Sachen berichte. Man schüttelt ein wenig sein Herz vor einem guten Freund aus und fühlt sich leichter. Ich Werde grau undr alt wegen dieses Ro* manes. Ich kann euch gar nicht einmal so viel hinaus« schreiben. Viele meinen, ich soll es gehnlassen wie es geht. Man sagt, ich sei schon ein gar zu heißer, zu ver* rückter Vater. Mögliche Aber was soll ich tun?, So bin ich nun einmal, mich'wird, keiner mehr ändern. Seid mir also gesund und glücklich und schreibt ihr, ob ihr wirk« lieh nach Amerika zu kommen gedenkt. Für mich wäre das, ich kann euch sagen, ein Feiertag. Man könnte sich wenigstens mit jemand aussprechen, denn nicht jeder ist ein wirklicher, Freund und nicht jedem kann man das an» vertrauen, was ich anvertrau , » , Von mir eurem besten Freund Meir Stellmach. Vergessen zu betonen. Bekannte .kann man hier sehen eine Unzahl. Aber ich hüte mich vor Bekannten. Sogar, wenn ich . in ein jüdisches Theater komme, muß ich mich verstecken. Ich drücke die Kappe ins Gesicht und setze mich in einen Winkel — was soll man tun? Pas wüste Geschäft l Meir Stellmach. 44. Kapitel. Ein Stück Rechenschajft. Solange unser junger Held Rafalesco mit dem Strom des Lebens, Gott überlassen, schwamm, und' immer tiefer und tiefer in der Finsternis irrte, hatte er nie haltgemacht, sich kein einzigesmal Rechenschaft abgelegt, sich niemals gefragt woher und wohin, bis er nicht an ein Ufer ge» worfen wurde — nach Amerika. Bjs er die Insel erreicht hatte, die New York heißt. Hier warf er'fast zum ersten« mal einen Blick zurück und durchmaß die: ungeheuer große Strecke, die er zurückgelegt hatte seit seinen ersten Kinderjahren und faßte den Punkt ins Auge, den er bis Jetzt erreicht hatte — und er staunte. Und er staunte darüber, daß er vieles durchschrit» ten, vieles durchgemacht, vieles durchlebt, viel gelitten Und viel erreicht habe. Jeder von uns, zieht er die Summe des Vergangenen, sieht,, daß er ziemlich viel durchge» macht, durchgelebt, gelitten und mehr oder weniger er* reicht habe. Nein. Seine Ueberraschung kam aus einer an* deren Quelle. Er begriff nicht, woher ihm die Kraft ge* kommen sei, der Mut und die Energie, eine so lange Prüfungsfahrt zu bestehen. Wer hat ihm den Weg gezeigt, wer war sein Führer, wie hat sein Lehrer geheißen, wo war seine Schule, wie hat sein Lehrbuch ausgesehen? Er fragte sich: wer hat in ihm das erste Feuer der Kunst angezündet? Wer war der erste, der ihn auf die Bühne himtusstellte, und wessen Licht leuchtete ihm in •' ■ .' . }f ■ ' der langen finsteren Nacht seiner Wanderschaft auf dem Weg der Kunst?; ' Und eine Reihe von Figuren, soweit er sich er« innern kann, zieht, eine nach der andern, an seinem Auge vorüber: zuerst Jungen, Buben, Chedergenossen, mit denen er „SicnversteUen" spielte, zwischen dem Vor« abend« und dem' Abendgebet, daß der Lehrer es nicht wisse. . . . Dann Albert Schtschuppak mit seiner be* rühmten Truppe in Holeneschti und dann Hotzmach, sein erster intimer Freund :'. . Nach ihm — der Direktor des Lemberger Theaters Getzl ben Getzl, die Brüder Schwalb und noch und noch — alles Menschen, von denen man ja unmöglich viel lernen konnte. Die einzigen leuchtenden Sterne, die sich auf dem finstern Horizont zeigten, waren höchstens der Souffleur Benje, der „Mensch mit Bildung", der ihm bis zu einem gewissen Grade die Augen öffnete, der Dr. Lewius«Le\yiathan, der Lemberger Mäzen, der ihm neue Welten enthüllte, aber davonlief, wo der schwarze Pfeffer wächst, als er von Hotzmach das Wort Geld hörte, und der große Spnnenthal, der sich ihm für einen Augenblick wie ein Meteor zeigte und verschwand. . ...... Und sonst kann/er. sich an niemand..erinnern,, an niemand. Allein, für sich allein, ohne Lehrer, ohne Lehrbuch, ohne Alphabeth ist er das geworden, was er ist. Allein, allein aus sich heraüa. ist „ ein Leo Rafalesco emporge» wachsen und, wenn eisj>wahr' ist, : was die Leute über ihn schreiben, ein aufgehender heller glänzender* Stern auf der jüdischen Bühne. Unser Held verweilte ein wenig '.bei., den anderen großen Sternen der jüdischen Bühne in New York und forschte nach. Wer sind diese Stars? Woher stammen sie, was waren sie efyst, Wd er staunte wieder. Er hörte so sonderbare Wunder und. so seltsame Biographien/ die, wollte man sie beschreiben, jede für sich ein Buch von hohem Interesse darstellen würde. Und es wurde ihm das Problem seiner eigenen Le* bensgeschichte verständlich, viele Dinge aus ihr' klar. Er erfuhr, daß es auf der Welt solche Schulen gebe, wo man lernt Schauspieler werden, und daß solche bei den Juden noch nicht geboren wurden. Es gibt keine Schule für jüdisch? Schauspieler» keinen Lehrer, kein Lehrbuch, kein Alphabet, keine Mäzene, keine,Kunst. Es gibt bei uns Theater, es gibt Schauspieler, es gibt Talente, es gibt geniale Künstler, es gibt große leuchtende Sterne, die weit weit über die jüdische Bühne hinausleuchten, ■ deren Schein fast bis dorthin dringt, zu den Frema,enf Und nicht einmal kommt es vor, daß sie, die- Fremden, von einem i solchen Stern hör.en, Interesse für jhn; bekommen, hinuntersteigenr ins jüdische Theater, diesen Stein so lange umkreisen und umschmeicheln, bis sie ihn hinüber* locken zu sich, und er erlischt für die jüdische 'Bühne für immer. Zu groß ist die Versuchung für den jüdischen Schauspieler oder die Schauspielerin, um dem nicht» jüdischen Lockgeist zu widerstehen, von einem Nicht» Bell BESTELLUNGEN BITTE SICH AUF ,DIE NEUE WELT' ZU BERUFEN! EINLÖSUNG _ von GOLD SILBER PLATIN BEI G. A. SCHEID WIEN VI, CJumpendorlcrafr. 85 Wien , Fian2-JoFefs-i\al 49 Wien VII, Kaiserstraße 67/69 Rainer Wien Vi, Dürergasse 4 +, ,4 NEU ERÖFFNET! Spezialhaus für Gummistrümpfe u. 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Unser Held Rafalesco war jener Glückliche,-der es in der Hand hatte, — und das ohne Mühe — in eines der größten nichtjüdischen Theater New Yorks einzu* treten und dort eine große glänzende Karriere zu ma* cheni Und wenn er der Versuchung widerstand, den Lockgeist überwand, diesen nichtjüdischen Lockgeist, Und es nicht tat, so geschah es deshalb, weil in sein Leben Geschehnisse eintraten, die in den nächsten Kapiteln unseres Romanes beschrieben werden. 45. Kapitel. Unser Held wandelt in einer Welt des Wirrwarrs. Die große wandernde artistisebmusikaiische Geseh* schaft Klamer, Schwalb et Comp:, die sich in Amerika durch ihren „Stern aus Buenos Aires" und die „Lomscher Solovey" berühmt gemacht hatte, bereitete sich feierlich zu ihrem letzten und größten Triumph vor — zum Auf* treten des weltberühmten Sterns aus Bukarest, des heuen jungen Schauspielers Leo Rafalesco. Unser alter guter Freund Nissl Schwalb einerseits und Mr. Nickel andererseits taten alles mögliche, um den Erfolg des Debüts zum Todesstoß für alle andern jüdi* sehen Theater New Yorks zu machen. Zwei Wochen hintereinander trommelten die posaunenschall* und schofartonartigen Annoncen in den jüdischen Zeitungen, grpbltenv .und'trompeteten in wildem Tönen über den jungen Star,-den '.„die Königin Carmen Silva selbst mit ihren Händen gekrönt hat und über den der große Son» nehthaL wie ein1 kleines Kind geweint hat, als er ihn in der Rolle des Uriel Acosta sah".. Das war die Arbeit unseres Kombinators Nissl Schwalb. Vichts derartiges tat{JMr, Nickel, iEr. ging nur, .die Hände in den Hosentaschen, in der Kibetzarni herum und erzählte allen; daß er zu sich ins Theaterfür diese Vorstellung alle prominenten Uehudim" eingeladen habe wie Jacob Schiff, Louis Marshall und viele andere. Und einigen Menschen raunte er ins Ohr, es verlaute, daß der Gouverneur vom Staate New York und noch einige , hoch* gestellte Christen heute abend in seinem Theater er* scheinen werden. Aber um eines bitte'er, <man solle:das nicht in der Stadt austrommeln, da es ohnehin in der Kassa keine tiketts mehr gebe. Dabei glänzte ihn^däs Gesicht, die Wangen waren rot und die goldenen Zähne funkelten — der Teufel hol's, wenn sich jemals Rocke* feller, Carnegie oder Vanderbilt auf Wallstreet so glück» lieh fühlten wie damals Mr. Nickel........ Dafür aber war es Nissl Schwalb zu jener Zeit nicht sehr wohl zumute. Seine geniale Kombination von der Heirat seiner Schwester mit Rafalesco war noch nicht gelungen.'Amerika ist ein Land des Harry up, der busi* ncss, des Tumults und des Lärms, Die ganze Zeit wird von der Theatergesellschaft in Anspruch genommen, Mit der Schwester darüber'sprechenist v.ergeblichi Sie, sagt, er soll sich keine Sorgen machen, „es sind'unsere' busi* ness", sie ist doch beschäftigt mit Toiletten, pictures und ähnlichen Dingen. (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Verleger, Herausseber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker. Veru^AvG. igoa« SteJunantt» beide Wien. IX* UuiversitätsiuaOt Druckerei« und .»-I-