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Die neue Welt · 1930-10-31 · Heft 163 (31.10.1930) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 163 (31.10.1930)
Date
1930-10-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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,' Seife 12 Ö1E NEUE WELT Nr. 163 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER <ft DEUTSCH Wien, /. See,, Seiienitettengasse 2, Telephon Ü-28-7-28 XL, Zenit alfriedhof, neb. d. 1. Tor, Telephon U-18-0 85 llllllllllirtii KINDERWAGEN vom einfachsten Iiis zum feinsten Genre erzeugt FNflFI RPPfi XX* WAUENSTEtNPLATZ 3 LIlMLkDLllM Eingang: Bäueriegasse 1 Filiale: XX, KlosterneuburgerstreBe 91 lllillllllillilllliiliillliiilllililllllllillilllliiiillllllilllllillllillili RADIO m eleganter Koftartorm für Radio unu Schallplatten, spielt überall ohne Antenne, ohne Erde, sowie alle modernen Netzempfängei Radioapparate mit Auslandsempfang. Radio-Bestand teile, Kredit bis «0 Monate, 10°/0 Anzahlung, l°/0 Kreditspesen pro Monat Billigste u. beste Einkaufsejuell* r Radio-Muiikhauf Schlesinger Wien, VII., Burggasse 122-124 Kataios er»"' Kofferapparate LuxiiS'Apparata mitu. ohne Trichter, Schall* platten v.S 2*-, die neuesten Schlager in grüßtet Auswahl, erhalten Sie für S 2.90 Woohenratert. sowie Mandolinen. 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Aegypten und Palästina. fiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii? ^a^ststbk Ohne Diät bin ich in kurzer Zeit 20 Pfund leichter geworden durch ein einfaches Mittel, welches ich jeiiem gern kostenlos mitteile. Fiau Karla Mast, Bremcn-SUd 22 ▼ <3in(öfung uon ®0lb, 6Uöer Platin Bei ®. 9i. etfjcib, 2ötcn, |. ü-ran.i Soief'ädi 4», Zentrale: vi., (guntpctibdrferftra&e Hb NÄHMASCHINEN FAHRRÄDER 1931 S20»-~ monatlich ohne Angabe« IX. Liechtensteinstraße tir. 27 Tel. ft 16.5-64 und A 1S-5-63 10. ttiedner Hauptstraße Hr.8 fei. A 30-0-36 SPORT- UND TOURISTENARTIKEL ^reis^ufpbe! | nennoweg bläh tsi tgaweg hesirF [ Für die richtige Lösung obigen Sprichwortes habe ich folgende Preise ausgesetzt: 1. Preis: Rm. 2000, - in bar 2. Preis: Rm. 1200, — in bar 3. Preis: 1 Eßzimmer 4. Preis: 1 Schlafzimmnr < S. Preis: 1 Küche 6-9. Preis: 4 Fahrräder für Damen oder Herren 10.-19. Preis: 10 Sprechapparate 20. 22. Preis: 3 Photo-Apparate 23.-32. Preis: Füllhalter mit Goldfeder 33. 50. Preis: Taschenuhren und eine uroBe Ansaht diverser Trostpreise In reizender Ausführung. Jeder. dLlrg&Äge ist Gewinner eines obengenannten Preises. Die Hauptpreise sind bei Herrn Rechtsanwalt Müller, Braunschwel? hinterlegt. Die Einsendung muß sofort erfolgen und verpfll htetSle z.i nichts, ich bitte, die Lösung in genügend trankiertem Brief einzusenden. Für besonders gewünschte Auskunft wird um Rückporto gebeten. Ganz besonders mache Ich darauf aufmerksam, dafl d e D irchfOhruntf meines Preisausschreiben» von Herrn Rechtsanwalt Müller überwacht wird, cer auch die Verteilung der Hauptpreise vornimmt. Schreiben Sic noch heute an: Albert Kriwat, Braunschweig Nr. 357 ie bestbewährte unschädliche rj NUSS 11/ HAARFARBE ^W. SE färbt echt, naturgetreu und dauerhaft von blond bis schwarz Ueberau erhältlich b 2.— und S 3.50 W. SSEGEa, Wten XV, Wurzbachfgasse 19 Copyright 1928 by „Die Neue Welt". Wien. ee Nachdruck verboten. KOMÖDIANTEN Roman von Schalom Alechem. Ins Deutsche übertragen von P. Rosen hall. * Von mir, Deiner treuen Mutter, die Dich küßt tausendma! Lea Spiwak. 43. Kapitel. ' Von Meir Stellmach an seinen guten Freund. Mein lieber teurer Freund! Ich habe euren freundlichen lieben Brief erhalten. Ihr erkundigt euch über Amerika, was für ein Land das sei und ich habe mich ohnehin daranmachen wollen, mich hinzusetzen und euch Columbus* Reich zu beschreiben mit allen Einzelheiten. Aber ihr wollt doch vorallcm, so schreibt ihr selbst, wissen, was ich mache und was mein Grischa macht und was wir alle machen. Was soll ich euch schreiben, lieber Freund? Allen jüdischen Kindern gesagt und nicht uns zum Schaden. Laßt,sich denn beschreiben die Ehre, die die Zwei, Grischa und Rosa, hier haben? Das ganze Reich von einem. Ende zum andern, alle Blätter — die großen, die nichtjüdischen — sind voll von ihnen. Ihr macht ein paper auf und sofort ist Grischa Stellmach da und Rosalia Spiwak, Rosalia Spiwak und Grischa Stell* mach. Sie hören zu können — dazu gehört Gnade. Wer nicht einen Tag vorher sich einschreiben läßt, der kann einen Bären küssen. Ich werde euch die Wahrheit sagen — ich weiß nicht, wer von den Beiden hier mehr gefallen hat. Man reißt uns in Stücke. Wir haben Einladungen aus Washington und aus Philadelphia und aus Chicago und aus Canada und vom Ende der Welt. Von Geld wird überhaupt nicht gesprochen. Schluß. Nehmt wieviel ihr wollt. Zieht uns, bis aufs Hemd aus, aber kommt. Ein Fehler nur, daß den Rahm der Manager herunternimmt, dieser amerikanische Vogel, sein Name sei verflucht. Aber ich gönn es ihm vom ganzen Herzen, denn er hat, der Arme, tüchtig seinen Beutel geleert, bis er uns hier» her gebracht hat, kein böses Aug eine solche Gesellschaft. Aber nichts. Des Vaters Erbschaft, wie sagt ihr, wird er nicht zusetzen. Ihr habt ihn schon versorgt mit dem Lebensunterhalt. Eine kleine Unterbrechung hatten wir hier: Feiertagszeit. Ihr glaubt wohl, aus Frömmigkeit? Es braucht euch um Amerika nicht bange zu sein. Amerika ist gottlob ein freies Land, noch freier als London. Jeder macht hier was er will. Kommen die Hohen Feiertage, eilt der eine zur Schul beten und der andere geht in den shop arbeiten. Jörn Kippur z. B., zu Kol Nidre, wenn der eine weinen will bei den Trauergesängen, hat just der andere Lust auf einen Ball zu gehen, Jörn Kippur»Ball heißt das hier. Es tun sich zusammen feine Burschen, i einer feiner als der. andere, und man fordert das himm» lische Gericht heraus zu einer Debatte. Und bei einem Glas Bier mit Schweinekldbassen hält man Abrechnung mit dem alten jüdischen Gott für seine Gebote, für seine Greueltaten und für seine Pogrome, man versetzt ihm ein Portion, daß er daran zu denken habe bis zum nach» sten Jahr Kol Nidrel;. . Wenn man sagt, ein freies Land, ist nichts zu machen. Kurz, die Unterbrechung, die wir hier am heurigen Feiertag hatten, war wegen einer ganz anderen Sache. Unser Rosa, soll leben, ist zuleid eine Waise geworden. Der Vater ist gestorben, war ein Chasen in einem kleinen Städtchen, na, gestorben — boruch dajin emes. Es kommt vor, nicht hier sei's gedacht, daß ein Vater sterbe. Hättet ihr'.aber sehen müssen, was das Mädel aufgeführt 'hat. Vorallem sagte sie einige Tage hintereinander das Singen ab. Wißt ihr z. B., wieviel der Verlust ausmacht? Macht nichts, ihr könnt euch's wünschen zu verdienen, ich bin euch ein. guter Freund, denn kontraktlich müssen wir für jedes Auftreten, das wir versäumen, doppelt zahlen. Was man auf sie nicht einsprach, ich und mein Sohn und der amerikanische Vogel, sie will nicht hören nicht sehen. Sie würde noch tüchtig böse dazu. Wenn!man es ihr, "sagt sie, noch einmal sagt, wird sie gar, sagt sie, den Kontrakt brechen — und ihr könnt mir auf den Buckel steigen. Kaum erwirkte man's nach einigen Tagen, daß sie auftrete. Sonst hätten wir einfach aus Amerika flüchten ■ müssen. Dafür aber sang sie bei-ihrem letzten Auftreten so, daß die Wände weinten und die Erde barst. Ich alter Narr selbst wischte mir die Augen, und'mein Grischa — von ihm nicht zu reden. Hier habt ihr die eine Geschichte. Zweitens fällt's ihr ein und setzt sich hin trauersitzen. Aber was glaubt ihr trauersitzen? Einfach, die Schuh heruntergeworfen und sich auf den Boden gesetzt. Um Gotteswillen, sag ich, Rosaleben, was tust du? Wird sind, sag ich, unter Nichtjuden, unter Christen, Aristokraten, lauter Magnaten, Milliardären. Aber was, hört diese Wand? Und viel sprechen darf man nicht, ein kapriziöses Ding, der Oberste beschütze und behüte. Einem andern würde ich es nicht schreiben. Aber euch halt ich für einen Verschwiegenen. Ihr werdet meine Briefe bewahren, niemandem zeigen. Ich sag euch, wir haben von ihr Kaltes und Warmes! . . . Stellt euch vor einen Skandal, den ein Mädel anrichten kann: Feiertag ist da, zieht sie sich an, will in Schul gehen., „Was ist das?" „Ich will," sagt sie, „zur Seelenandacht," „Was heißt das, Mörderin, was tust du? Willst uns den Hals Schächten? Hier hast du ein Messer und schneid durch!" Macht sie zu mir: „Sie gehen denn nicht am Feiertag in Schul?" „Rauberin, was vergleichst du'dich zu mir? Ich darf, sag ich, überallhin gehen. Ich darf in Schul gehen, ich darf, sag ich, gehn, es sei wohl unter* schieden, ins Theater, aber nicht du. — Es wird doch morgen, sag ich, in allen Blättern stehn. „Na und?", sagt sie. „Warum schämt sich nicht Melba, Embrich, Caruso , und noch achzehn andere, gehen die denn nicht in die Kirche, wenn ihre Feiertage kommen?" Gefallen euch die Worte? Malt euch, wenn man's bedenkt, hat sie ja recht, aber was kommt da heraus? Ist man doch Jude auf der Welt! Sag,das, sag jenes, — es geht nicht. Ein Nicht» jude ist ein Nichtjude, und ein Jude ist ein Jude , . . Ein Jude ist billig — das ist meine alte Behauptung. Bei den Juden selbst ist der Jude billig, ihr versteht doch, was ich meine. Ich liebe die Juden, glaubt mir, wie das Leben. Ich liebe jüdisches Theater, jüdische Küche, ..wißt ihr doch, und bin ein Liebhaber des Jargon und das Haus ist bei mir jüdisch und meine Frau soll leben ist eine fromme Jüdin und meine. Kinder.: sind gottscidank Juden Und nach alldem muß ich daran denken, daß, , wenn mein Grischa einmal probieren sollte, sich zum downtown herunterzulassen, , in die jüdische Gasse, und auf einer jüdischen Bühne vor: Juden. auftreten oder, es sei wohl unterschieden, in einer jüdischen Schul sich zeigen, — ist Schluß, verloren die Kuh mit dem Strick,, aus t— Hut» macher, aus — Grischa Stellmach, dasselbe mit Rosalie Spiwak: Solange sie unter den Nichtjuden bleibt, obwohl alle ,wissen, daß sie ein jüdisches Kind . ist, laufen die reichsten Juden sie singen hören. Kaurh'aber ist' sie-so dumm, sich zu den Juden herunterzulassen,;eh, bist doch eine von uns und was ist das, schon für eine kostbare Seltenheit? " ' ~ - ' Kurz, - man hat, es kaum. erreicht, daßlsie wenig» stens einen dichten Schleier übers Gesicht, tue, ~ kein Vogel soll wissen, daß sie in einer Schul war . . . Was wollt ihr nachdenken,' lieber Freund,' wir 'hattenvon ihr zu .singen und zu sagen. Jetzt hat sie. sich.' schon ein. biß» chen' beruhigt. Aber die erste Zeit glaubten wir, daß uns ihretwegen der Schlag trifft. Und man -muß ihr nachgeben, denn was tut man nicht einem Kind zulieb? Ihr wollt jetzt, daß ich euch ein bißchen das Land beschreibe. Aus dem, was ich euch oben geschrieben habe, könnt ihr schon verstehen, daß mir ein solches Jahr was für ein Land das ist . . . Ich furchte mich's zu sagen, aber mir scheint, daß Amerika ,gar nicht Amerika ist, sondern Palästina. Die Juden können glaub ich sich über Columbus nicht beklagen; Wer will und kann arbeiten, dem geht es gut. Uebcrhaupt ist hier Musik eine vornehme Angelegenheit. Ich bin dessen sicher, daß wenn ihr zum Beispiel hierhergefahren kämet, ihr es nicht bereuen würdet, ihr werdet euren Lebensunterhalt haben in Ehren und werdet das Gefühl haben, daß ihr unter Juden seid. Jüdische Gazetten gibt es die Menge, für einen solchen Liebhaber wie ich ist hier einfach: das Paradies. Ich darf sagen, ich bade in Jargon wie ein Fisch im Wasser, und kommt der Abend, weiß ich nicht recht, in welches Theater ich zuerst gehen soll. Aber nächste Woche tritt hier ein Gast im jüdischen Theater auf, ein gewisser Rafdlesco aus Bukarest, sagt man von dem sowas und solches, es geht drunter und drüber. Kurz, ich bin, lieber Freund, von Amerika sehr be« friedigt. Wenn ich nur schon ein bißchen Freude erleben würde . . . denn es ist bei ihnen, bei den Kindern Tieißt das., noch immer eine; Geschichte ohne Ende, ich werde euch die reine Wahrheit sagen — mit einem,, andern würde ich über eine solche Sache nicht reden, aber ihr seid doch mein, Vertrauter,; so sag ich es euch, (Fortsetzung folgt,) Eigentümer, Verleger»- Herausgebet und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker. « Druckerei- und Ver<ags-A.»G. Igaa? Steiumaaa. beide Wien, IX. Uaiversltätsstraße 6—&

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