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Die neue Welt · 1930-10-10 · Heft 160 (10.10.1930) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 160 (10.10.1930)
Date
1930-10-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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r Seite 12 DIE NEUE WELT Nr. 160 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, 1. Bei., SeHenttetiengaste 2, Telephon U*28-?-28 XL, Zenttatftitdkof, neb. ä. 1. Tor, Telephon V-780-85 llinWIWHI KINDERWAGEN vom einfachsten EHGEIBERG vom einfachsten bis zum feinsten Genre erzeugt XX, WAUiNSTIINPLATZ 3 Eingang: Bäuerlegasse 1 IIIHIIIIIHIH Filiale: XX, Kloslerneuburflerstrefte 91 äiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiitiiiiitt Gegründet 1882 I letenswKltHerunss-! mm I § | Zfirtradirattlon: WICH I« Riemergtts« Nr. 2 2 S VeriiMiibistiiid per Mitte 1930 2450 MülioBin SAilllnij § itlitinemittis Ik1ienkt?11ai - s Primiin* und ZinstBeinßtbnen an Jahrs 1929 s ÜimfiMiHhl per End« 1929 s lasnMangtn an Vmidintt in Jahre 1929 s Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, 5 Belgien, Hollend, Italien, Spanien, Tschechoslowakische s s Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechens s land, Türkei, Aegypten und Palästina. 5 mm mm itiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiif? 125 Millionen Schilling s 300 Millionen StnilUng 5 30*5 Millionen Schilling RADIO in eleganter Kaff erform für Radio uno Schallplatten, spielt überall ohne An« tenne, ohne Erde, sowie alle modernen Netzempfängei Radio-Apparat« mit Auslandsempfang. 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Dem Andern gehören, lieber Freund, verkauft sein, ist zwar kein schmackhafter Bissen, über« haupt bin ich doch schon ein geschlagener Hund, herein» gelegt worden von meinem Deutsch', verflucht sein Name, aber was soll man tun?' Das Minimum ist ein schönes Minimum und die Gier nach Geld ist'so groß zu all den schwarzen Jahrenl Anfangs wollt ich von keinem Mini« mum«Schminimum hören. Was heißt das, er wird mich herumführen? Wo bin ich? Ich versteh nicht selbst das Handwerk? Da hat sich aber der amerikanische Vögel an mich gehängt wie eine Klette, einmal für alle* f mal,''';, wieviel ich reinen Profit machen wolle, Verdienst heißt das, wieviel mein Minimum sei, das Allerwenigste, was "ich mir vorstelle. Was ihm sagen, einem solchen Vogel? Und als er säh, daß ich unschlüssig bin, machte er zu mir: es ist nicht nötig, sofort zu sagen: Ich habe, sägte! er, Zeit vicrundzwanzig Stunden, ihm Antwort zu geben. Gefällt euch eine solche Geschichte? Er hat mir, heißt . das, vierundzwanzig Stunden zum Nachdenken ges geben. Natürlich hab ich in jener Nacht nicht geschlafen. Her ■ gerechnet, hin gerechnet; mit der Frau beratschlagt, mitVdert Kindern' besprochen. Aber was wissen Kinder? Da , ,doch der Meine, wie ich euch schön geschrieben habe, e mit'-diesen Dingen nicht vertraut ist! Das heißt, ihr glaubt etwa,: daß er bewahre nicht das Bild einer Münze kennt? "Er weiß sehr gut, daß je mehr um. so besser. Aber er mischt sich nicht ein. Er überläßt das schon dem Vater. Er weiß, versteht ihr mich, daß der Väter sich nicht wird in'.die Suppe spucken lassen. Dafür aber ist sie, Rosa mein'ich, viel praktischer als mein, Sohn, "Das ,heißt, Geld ist zwar auch bei ihr Iiüft, ui'id im Verschwenden, -Ver*- putzen, Vertrödeln von -Rubeln wird sie meinem Sohn schon gleich kommen und ihn noch hinter den Gürtel stecken;' aber sie versteht ein Geschäft. Hat, kein böses A^ge^ Appetit auf Geld und einen Preis kann sis> nennen, daß dem Ändern finster wird in den Äugen. Und ich natürlich geb'ihr recht. Jeder1 Mensch" muß-seinen Wert kennen., Ich -yrnndere*' mich' nfrrj/.fwb' sie*'' clas; hergenommen' hat.jSpricb aber:mit 'ihr, .sagt" sie, daß i c£l:Geld gern hab. ■ ," :j£urz, die vierundzwanzig Stunden sind vorüber? gfeg&Qgftn -räei.h -amerikanischer Vogel ist da. Rasiert, geputzt, den, Rock bis nach oben geschlossen, wie: er.» war, wartet' er; ich soll ihm Antwort sagen. ' Da;nannte ich ifilns^'eineA-^inj^umfPreis, ,^aß ihr, Wjennvi,eh .;.euch die Sumn^e,nennen ,werde, glauben werdet, ich sag euch eine Lj^e^'^a<|btvilir'.^twa, daß er da erschrocken istt? Ich weiß vri^ht,;ob. es. eine halb,e^Min,u^ ■ daüe^ und. mein li$bej-Herr streckt mir'die Pratze hm*Und^ macht zu mir: „ÄHrightl" In unserer Sprache wird das heißen: . „Auf Glüsjk: und * Segen 1M NVas - wollt >ihr, darüber Aaqhdenkxjn, es.ijst mir trüb zu? Mute geworden. Der. Kerk hlV.-aftferd?p Kopf heruntergenommign. Hatte er wenigstens eine Miene gezeigt^ daß er wenigstens?tfie ,vief imtaer abhandeln will, abeV nicht gehandelt f,u]nd schon eingeschlagen?;Verfall ich ..natürlich auf jeine* Ide^nd^sag "ih^,: ^daßdas ' Mini» raura garantiert . sei, das* heißV* .daß^ei h^rß, klingi?«^?jünze in der Bank -deponieren müsse, beißt : d_as auf raeinen Nemen. Glaubt ihrvielleicht, daß das- Eindruck wacht? Keine Spw, ^Allright", tagt er wieder einmal und e|hebi sich schon und^ geht, cablco, telegraphieren heißt '^^'^chi^ew'^oiKlW nym *hra 'faffyijf* — und t|)%t das-Geschäft abgemacht worden» V"' V .''ÜTf' Versteht sieb, daß Rpsa mich;, nachher1 häriseJite,, warum ich so wenig verlangt habe. Hört ihr Worte? Ich habe, sagt sie, kleinliche Begriffe, mir fehlt, sagt sie, der Zug. Was sagt ihr zu solch einem Frechling? Genug brenne ich wegen des amerikanischen Vogels für das Minimum, streut sie mir heeb £.r2 auf die Wunde! Da hab ich ihr zwar antworten wöllen, woher ich denn eigentlich den Zug nehmen sollt Hab ich denn Albert Schtschuppaks Schule durchgemacht? ... Äber ich hab nür's überlegt, mag ich unrecht haben! Ich will nicht, daß, mein Sohn von Schtschüppak erfährt und von noch solchen Dingen, die einmal gewesen sind. Und wirklich, was' hat sie schuld, daß Schtschüppak sie einmal herumgeschleppt hat wie ein Zigeuner einen Bäten herumführt, aus ihr Geld gemacht hat. Und wenn man richtig bedenkt — wo ist da die Schande? Arm, wie sagt ihr, ist keine Schaude. Und was damals, als ich selbst, nicht heute sei's gedacht, herumgewandert bin, umhergeirrt ohne Stiefel mit mei» liem Grischa, durch Städte und Städtchen ZAvischen Ju* den, ihnen für einen Dreier sechs -Melodien gespielt und eine als Draufgabe' und noch Kritik hören mußte, daß bei ihnen ein Musikant da sei, der Mojsch'e Noach .heißt und einen „Wulach" spiele, daß" die Welt ein Ende hat! Nein, mein lieber Freund, ich schäme mich' dessen nicht, was einst gewesen ist. Im Gegenteil, da" Gott mir g'e* holfen hat und ich es in' Freuden erzählen kanp ' ist es für mich eine Ehre. Ich liebe es, die ganze S'.ppschafr zu* sammenzünehmen und ihr Geschichten von einst zu er* ■zählen, wie man. nicht heut sei's gedacht, einem Stück« chen Kartoffel zulächelte, wie ein Glas Tee mit Zucker ein Feiertag, wie man ein Viertel Huhn' nur im Traum sah und wie euch' für einen Apfel oder zwei Pflaumen Grischa die schönste Melodie' herunterspielte. - Mehr als alle Hebt es Rosa, diese Geschichten zu hören. Die Augen zünden sich ihr an und sie wird , noch schöner, ,a!sr^ von' einst zu erzählen'; Und:,«ie.f-Hebtx'es,^imit Valien Einzels heiten zU erzählen. Von ihrem Städtchen, Vpir vHöle» neschti, ergählt sie euch solche pinge, Maß .map sterben kann. Sit " ahmt den Marktweibern .nach oder .' verstellt sich als heiserer, Chasen/un& ..s$gt''hS^ euch, lieber Freund, daß man wirklich kein Theater braucht. Das Lachen kann man in der '. dritten- Gasse hören. Schade nur, daß sie nicht immer dazu aufgelegt ist. Ich hab euch, glaube ich, schon geschrieben, . daß sie ein kapriziöses Mädel ist." Wie sie gerade will. Manchmal ist sie auch lustig und fröhlich, und singt und tanzt 'ab.er "soi daß die ganze Stube, mit ihr rnittanzf. Und manchmal ziehen sich Wölken über ibr^ zusammen. Sie versperrt'sich ganz allein itt*öm./.SM6m*& --cjen vfaj§^Tag]foici'er^ie .* ■ i* 't£'4$% ' " * ' 'i'-"' ty/li '• ' 4> ■ "'• ' kannsictf'tiinsetzen einen Brief schreiben ühd^-eüch sc^iben und schreiben —- Jtpgt. si^. w.ejn'^si'g^s^a'.yiel'^ schreiben hatl Oder daß sie plötzlich aufE einmal-hinstürzt zu Grischa,,; er soll ihr auf der Geige spielen»^ph^der.'-gär qicht aufgelegt ist.. Aber wenn Rosa willr. gibt es da einen Einwand? -Und wenn sie zum Beispiel mitten in der, Nacht'aufstehen und ihn bitten wollte zu spielen? Wenn man sagt „oubljw", gibt es da nichts. So nimmt er die Geige, sie setzt sich ihm gegenüber, stützt sich auf beide Hände,, läßt kein Auge von ihm. Wenn man^sie sp ansieht, sag ich euch,' ein Engel, .'fein tBild,_ '.'y.^-pr.obiext zum? j3e.tspiel,f, bittet sie zu singen.-^v. sie ';>yjre]^ eß > eucii noch niemals zu lieb tun. Im Gegenteil, je mehr ihr sie bittet," um so -weniger. wird; si.c e.uch. singen.;;^ iiiiiiniiiiiiHiiiHiiiiiiiiHiiiiiimiiiiiiiiiiiiii Bit BESTELLUNGEN BITTE SICH AUF ,DIE NEUE WELT* ZU BERUFEN! llllilllllllllllllllllillllilliHlllllllillllllllll einlöfunö üült ©olb, eubtv, Biotin bei 0.91. einem, 2Dtcn, I. ^rana Sofcftf^ai 49, Zentrale: VI., i£umptn1>ot1ttnvat{c g& . NÄHMASCHINEN FAHRRÄDER 1931 S20.— monatlich ohne Angabu Dlef Isf IX. llectitenstelnstraße Hr.2? WWle^BM T«l. A 1M.64 und A «.S.65 ■■■■■■ IV. Wiedner Hauptstraße tlr.8 BBBSaeeseBJ Tai. SPORT- UNO TOURISTENARTIKEL es sie befällt, singt sie los, wirklich wie eine Nachtigall. Ihr glaubt gewiß, Arien? Konzerte? Bewahret Just Zi* geunerlieder. Just einen „Wulach" oder gar jüdische Liedlein. Würdet ihr sie ein chassidisches Liedlein singen hören, ihr würdet, sag ich euch, hierher zu Fuß kommen. Ich weiß, daß ihr ein Liebhaber von jüdischen Liedlein seid, darum geb ich euch hier eins wieder, ein chassi* disches, das sie mit einer fröhlichen Melodie singt. Schade, daß ich keine Noten kann. So muß ich euch nur die Worte selbst wiedergeben. Hier sind die Worte: Fun chaslawitsch bis libawitsch — Aj wos her ich ejch? Fun libawitsch bis chaslawitsch — Aj ich lach fun ejch! 'ch nem dos pekl mitt'n stekl — Aj wos her ich ejch? Un dem talles*tfilln*sekl Aj wos darf ich ejch? ' Fun chaslawitsch bis libawitsch u.-s. w. Ich for zum rebbn kajn libawitsch — Aj wos her ich ejch? Ich for zum rebbn fun chaslawitsch — Aj, ich lach fun ejch! Fun chaslawitsch bis libawitsch u. s. w. ■eh hob a waib mit sib'n Kinder — Aj wos her ich ejch? ■ i •■ 'ch hob a zig far sib'n gildn — Aj wos darf ich ejch? ,; Fun chaslawitsch bis libawitsch u. s. w. 'ch hob a stibl ohn a dach — Aj wos her ich ejch? 'ch hob a sükke mit grinem S'chach — x\j wos darf ich ejch? - Fun chaslawitsch bis libawitsch u. s. w. Un in fenster schmejßt der regn — Aj wos her ich ejch? . Un in kojmen fejft der dalles — Aj ich lach fun ejch! ' Fun chaslawitsch bis libawitsch u. s. w. ' » i '; . . .' -, i:,. ..Ojf'n-. harzen, is.kallernutjie,—; ■, , , : j *' Aj1 wos'her*ich ejch?' ' "' ' r - '•';> f! -'.' ».« 1' 'ch'för zum rebb'n oj zum rebb'n.— ' r •'• Oj wo,s.,.darf ich ejch? . , ,; '<■''. ■ ...F,un^c^$lawits.Q.h...bis,ii^a.wi.tsch . '_■'■ Aj-wos 'her ich ejch?'; . ..r .' Fun libawitsch bis: chaslawitsch ~ , - : ' f,',' +^j lach fun ejch!.; •V .r.. Wenn ich*euch sage, lieber Freund, krepieren solleo siebzehn Konzerte:■- mit achtzehn Symphottiea für 'Sin einziges jüdisches Li;edei! von ihrl.' Oder 'zum; Bei'$j»hjl ' hören,' y/^e sie Stücke von allen berühmten Chasonim jde? Weit /hergibt;: Von; Nissi Belser,; von^'Jeruchera : Hek^tsii, vön -P^iiijex Minkowski,- von •R%6umhe,: von 'Quartin/ von , Karmiol, von Sirota rr- und von .wem .nicht! Sie. kann.sich h»i^plj|r?^iyid,^ jmioiw ^'>cjiaioein^,\,p,äet. ejji •sößes ^.,,Ä!^!§pchw;"Einlegen: .i^it lallen r; Rundungen * -lind Trillern und Kadenzen und so reizend,; daß man, sag ich -euQh,. daß ^man vvör; ihrv'vergehe» .kann, . Ein richtiger Schelm, Und cjazu, solltet ihr hören, wie das deutsch, wie (las französisch, spricht! Und vielleicht wollt .ihr englisch? Sprioht dlaS jau^ jenglisch,: Wenn man sagt „wohlgeraten", — ist nichts z\i sagen. Na, geh hin und hab so!eine nicht gern. f 'Ein Fehler nur -rein bißchen ein sonderbarer Charakter! Oh,"reih' sonderbarer Charakter!> Man muß > .• sich vor ihr mit einem Wort hüten, mit einem Blick, dejm vfeKnlhur irgend;^i&,,;"dann gnade Gott/ Ein Zündholzl.v, --------(Fprtsetzuilg-fpigt.) TT Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker, s» Druckerei- und Vt>rlass-A,*G. Iguas Steiumano, beide Wien. IXN UolversJtätsstraße 6—8.

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