Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 159 (3.10.1930)
- Date
- 1930-10-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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■p f Seite 12 DIE NEUE WELT Nr. 159 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, /. Bei», Settenetettengaese 2, Telephon V-28-1-28 Xi* Zenitalftiedkot, neb. d. f. Tor, Telephon U-18 0 85 HIIIIIHIIIItl KINDERWAGEN vom einfachsten ENGELBERG vom einfachsten bis zum feinsten Genre erzeugt XX, WAUCNSTIiNfltATZ 3 Eingang: Bäuerlegasse 1 jjlllllllllilll Filiale: XX, KlotterneuburgorstraBo 91 ^iiiiiliiiliiiiiiiiiiiriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiimiiiiiiiiiiiiiiv: begründet 18ö2 | Lebensuerslcherunssi Gesellschaft .PHÖNIX' Zentradirekilon: WIEN l.( Riemergasse Nr. 2 Versidierungsbestano per MHte 1930 2450 Millionen Sthillinq loiieiflgeuhltes Aktienkapital 4.000.000.- Schilling Prionen- und Zinseneinnahmen in Jahre 1929 125 Millionen Sdiillino G'.rmfiemitlei per Ende 1929 300 Millionen Sdiillino Anstauungen an Venidierte im Jahre 1929 30*5 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet : Oasterrelch, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien. Holland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische Republik. Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland. Türkei. Aegypten und Palästina. RADIO n aiagantar Koilar form tut Radio unu Schallplatte*. t»Ütft ttnarall Ohrt« An* tantie, ohne Erde sowie alle modernen Netzempfänger Aadio-Apparate mit Auslandsempfang. Radio-Bestand .eile, Kredit bla 20 Monat«, tO«,„ Anzahlung, 1°|„ Kredit Spesen pro Monat. OJInaate u bat!« Ilaikaufsaualf« Radio-Muftkhaui tchleiinger Olli »in Wien, VII., Burggasse 132*124 MMHHHMMBiaHHM iiatalon v*ov> wmmmmmmmm Kofferapparate Luxua«Apparats mit u. ohne Trichter, Schall« platten v.S 2.-, die neuesten Schlager in größte! Auswahl, erhalten Sie für S 2.30 Wochenraten, sowie Mandolinen, Gitarren, Harmonikas, Lauten. Violinen, Zithern, Blasinstrumente. Musikhaus SCHLESINGER Dia beiibewaftrta tinachaducha NUSS 1 HÄARFARBEV SEM Tllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllllllllltlllllllllltlllllllllllltll färbt ecnt naturgetreu und dauerhaft von blond bis schwarz _ Ueberau erhä.tllch a ueid S 3.50 £ W. S**«E'»„ W «tu tftf. 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Ist mir finster geworden in meinen Augen und ich hab kaum . zur Türklinke gefunden, ach und weh Scholem Meir .zu deinem Kopf, wohin es mit dir gekommen ist, hab ich gesagt zu mir selbst, und wenn es passiert, daß ein Mensch zu Glück kommt, muß er schon so groß tun? Wo sind eure Worte, was ihr mir versprochen habt, daß ihr mich nie verlassen werdet und zum Schluß, als ich euch nachgelaufen .bin in Lon* don auf der datsche hab ich euch gesehen vorbeifliegen in einem Autemebil mit Stellmachs Jüngelchen hab ich heruntergerissen die Kappe, habt ihr getan, daß ihr mich nicht seht, hab ich euch einmal geschrieben und zweimal und dreimal, und ihr habt mir nicht geantwortet, warum, weiß ich nicht, jetzt aber hoff ich, daß ihr mir schon ja werdet antworten, denn ich hab mit euch ein Stückchen Geschäft, und zwar, es befindet sich, bei einem, einem Menschen, ein Paket von euch mit Briefen, was mir der Mensch angetragen hat und sich einen Hut voll verlangt, wollte gut bezahlt haben, aber wirklich dick, er weiß, sagt er, daß ihr heute in den Federn seid und da dort sich allerlei Briefe befinden, sagt er, werdet ihr wahr« scheinlich nicht glauben, sagt er, daß man sich mit euren Briefen herumträgt, hab ich ihm gesagt, wißt ihr was, Vetter, gleich schreib ich zu ihr einen Brief, sagt er, hörst du, um was denn red ich euch ein Loch in den Kopf, ich meine nicht die Hagodeh, ich meine die Knödel, deshalb Mtte ich euch, meine liebe geschätzte Freundin Rosa, ihr sollt mir gleich einen Brief schreiben, ob ihr zurückhaben wollt eure Papiere und wenn ihr sie braucht, schreibt mir, werd ich/umschauen! nach diesem Menschen, ich hoffe, daß ich mit Gotteshilfe - ihn 'herumkriegen werde und schreibt mir auf meinen Namen zum Direktor des Pariser jidischen Thiaters Waxman, wieviel soll ich ihm arteten, denn der Mensch weiß selbst nicht, wie« viel er sich geben heißen soll, geben' soll ihm Gott eine Kränk von mir euer ergebenster Diener, was wünscht euch viel Glück und Erfolg mit achtungsvoll Scholem Meir xMurawtschik.,.' 38. Kapitel. Von Rosa Spiwak an Marcella Embrich.' Teures.getreues Mütterchen Marcella! Diesesmal werde* ich Ihnen ein bißchen mehr Zeit wegnehmen, als. sonst, da ich Ihnen; seit langem nicht geschrieben, habe und sich bei mir so viele Neuigkeiten ungesammelt haben, daß' ich nicht weiß, womit beginnen. Erstens bin ich nicht mehr, wie-Sie sehen, in Paris, aus rn.it Paris, aus, mit der GrandJOpera. Wieder ein freies Vögelchen. Wieder eine Zigeunerin, Wieder unstet in der. großen freien Welt. Und wie Sie aus den beigelegten Zeitungsausschnitten sehen, gastiere ich mit dem. größten Erfolg und nicht allein, sondern' zurzeit mit unserem ah Wunderkind 50 berühmten,, jetzt aber noch berühmteren. Virtuosen Grischa Stellmach, den ich ja zum erstenmal gerade auf Ihrem Konzert kennen lernte. Auf jenem un* vergeßlichen Konzert, das in mein ganzes Leben eine Umwälzung brachte. Ach, das ist ein ganzer Roman. Ich werde Ihnen beschreiben, möglichst kurz, denn erstens wtfj' ich Inner nicht viel Zeit rauben und zweitem schreibe ich diesen Brief* auf'dem Schiff, das mich nach Amerika trägt. Uebermorgen sind wir schon in New York. | Wir, — d. h. ich fahro nicht allein, sondern zu zweit ... So wie ich es haben wollte, so wie ich schon seit langem danach strebte. Darin besteht mein Sieg, mein Triumph. Ach, wie würde ich Sie jetzt umarmen wollen, ans Herz drucken und abküssen, Sie, teures teures Mütterchen 1 Aber' Sie glauben gewiß, daß ich be» trunken bin. Ja, ich'bin betrunken, betrunken, aber nicht von Liebe, nein. Nennen Sie mich Zigeunerin, nennen Sie mich Phantastin, nennen Sie mich Abenteurerin, nen* nen Sic mich, wie. Sie wollen, vielleicht werden Sie mich verstehen. Sie, nur Sie werden mich verstehen. D1s was ich Ihnen jetzt erzählet Werde, ist eine Episode aus meinem Leben, mit der ich Sie bis jetzt noch nicht berkannt gemacht habe.* Denn in dieser Episode spielen Sie die' Hauptrolle und "es trat sich an jenem sonderbaren Vormittag. Ihres Mätineekonzertes, das ich nie und nie vergessen werde. Es war der glücklichste Vormittag meines Lebens; der Beginn meiner Karriere. " Verwirrt, erregt, traumverloren, bezaubert ob Ihres Singens und seines Spielens, wurde ich damals mit dem Strom der Menschehköpfe aus dem Saal fast. hinausge» tragen und blieb mit einem großen Teil des Publikums bei der Tür stehen, auf die Sieger jener Stunde, wartend, auf die berühmte Marcella Embrich. und den berühmten Grischa Stellmäch. Wie lange das Warten dauerte — eine Minute, eine Stunde, einen Tag, daran erinnere ich mich nicht. Denn meine Seele war damals in einer andern Welt, in der Welt himmlischen Gesanges und unirdischer Tqne. Plötzlich hörte man rauschenden Applaus und der Strom der Menschenköpfe geriet in Fluß. Ich erhob die Augen und erblickte ein prächtiges Automobil. Wie ein Blitz seid ihr - beide anmeinen Augen vorüber, zuerst Sic, dann er, seid mit einem Dritten in den Wagen gestiegen, und wie ein schöner Traum verschwandet ihr unter i rauschendem Applaus im Triumph. . 7' "'■ Aber in meinem Gedächtnis blieb dieser Moment fest. Ich mußte . nur für . einen Moment die Augen schließen , und'■ schon 'tauchte vor mir' dieser schöne Traum auf, in dem Sie die Königin sind und er der »Prinz und ich und alle anderen Menschen, die auf der : Erde herumkrabbeln, eure Untertanen, . eure Knechte. Und ihr* beide herrschet über uns. Das Publikum, .'ist;'*', schon längst auseinanderge* stoben wie Rauch hinter dem davoneilenden Automobil. Zurückgeblieben waren nur einige bekannte Menschen, undich stand immer noch verzaubert, verträumt, voll von Phantasien, die mich auf ihre Flügeln nahmen, mich an Ihren Platz, meine'-zauberhafte Königin, setzten, zu* sammen mit diesem jungen schönen Prinzen, und ich, die kleine arme elende Rosa, erblickte plötzlich meinen eigenen Triumph und hörte meinen eigenen Namen zu* sammen mitdem Namen Grischa Stellmach und erbebte Es erhob sich ein Sturm über meinem Haupt und ein Feuer in meinem Herzen und ich sagte mir: Der Traum muß Wahrheit werden! Der Traum, wie Sie sehen, ist Wahrheit geworden. Er ist in der'schönsten Weise in Erfüllung gegangen. Nicht nur habe ich einen solchen nichtverdienten Triumph erlebt, sondern auch noch eines: Der junge Prinz ist herangewachsen. "'Aua einebi Wunderkind ist ein * großer Künstler geworden. Und dieser große Künstler'ist jetzt mein, ganz mein.- Sie wollen jetzt wohl wissen, ob ich glücklich bin, ob ich zufrieden bin. Ach, Teure Teure, fragen Sie nicht! Ich bin die Liebe nicht wert, die die Menschen mir schenken. Ich bin den hundertsten Teil dessen nicht wert, das Sie, Mütterchen, mir gegeben haben. Ich trage in mir ein böses Herz. Ich besitze keine gute Seele. Ich habe niemanden, niemanden lieb. Ich tu nur das, was mir im Augenblick gefällt, nur das, was mir meine Kaprizen diktieren. Fremde Nöte sind mir ein Spaß. Des andern Tragödie ist für mich ein Spiel. Der Teufel hat sich in mein Herz gestohlen. Ein böser Geist, ein Unhold, hat von meiner Seele Besitz ergriffen. Kein Ding stellt mich zufrieden. Je mehr mir das Leben gibt, desto mehr för« dere ich. Je mehr mir gelingt, um so kapriziöser bin ich. Minuten, nicht mehr als Minuten gibt es in meinem Leben, höhe erhabene Minuten. Das sind jene Minuten", da mein Prinz und mein Zauberkünstler Sieh UUf"der Estrade befindet. Ach wie groß, wie hoch, wie schön ist er da! Himmlisch schön. Göttlich schön. Es gibt nicht seines gleichen außer , . . Ach, warum ist er nicht jener; von dem sie wissen? . . . Sagen Sie mir, Mütterchen, was ich tun soll, um zu» frieden zu sein. Lehren Sie mich, wo ich mein Glück suchen soll. Werd* ich mein Glück finden, in der neuen Welt, in die ich jetzt fahre? Und gibt es überhaupt ein Glück auf der Welt? Und hab ich nicht recht, wenn ich über mich selbst sage, daß ich ein böses Wesen bin, eine verderbte Seele? Ich war und Werde bleiben 1 . ■ Ihre verderbte, flatterhafte, kapriziöse Zigeunerin Rosa. 39. Kapitel. Von Meir Stellmach an seinen guten Freund. Teurer bester Freund1 Ich konnte eure Antwort nicht abwarten und schreib' schon wieder an euch. Ihr werdet mir. glauben oder nicht, ich fühle etwas eine Art Bedürfnis danach, etwas eine Art Magnet zieht mich, daß ich vor euch mein Herz ausschütte. Denn erstens seid ihr fast der einzige auf der Welt, der mich versteht, wie es sich ge* bührt. Ihr habt mir da neulich gesagt, daß, wenn ich seinen solchen-Solin großziehen könne, dies;ein>Beweis ist, daß ich selbst auch kein gewöhnlicher" Mensch - bin, wie die Welt meint. Diese Worte sind mir gut in die' Nase gestiegen. Solche' Worte von einem Kenner wie ihr zu hpren,,;i$t. sehr angenehm. Das versteht ihr selbst. Und zweitens lieb ich. es überhaupt, mit. euch zu sprechen, denn mit euch kann man offen sprechen und alles heraus schreiben, was. sich bei mir tut, wie vor einem leiblichen .Bruder. Ich halte euch, wie ich euch schon gesagt habe, \für.-den Geheimnisbewahrer der ganzen Welt. Ich weiß, daß ihr. ein eiserner Kasten. seid und daß ich' davor ge* schützt, bin, daß meine Briefe, die ich euch schreibe, außer euch'kein- Lebewesen,-sehen,, kein Vogel davon er« fahren 'wird. M >-••.; . : ' Jetzt ratet mal, von wo ich diesen Brief schreibe. Vom Schiff, mein lieber Freund, vom. Schiffschreib ich ^euch. Wirs>fahrenv nach Amerika. Wir, da.s?heißt;ich ■und'Grischa und Rosa und der Manager, ein amerikanU scher Vogel, der es unternommen hat, gegen ein ge» wjsses Minimum und für seine Spesen, natürlich I. Klasse, mit uns eine Tournee durch ganz Amerika zu machen. 1 Das Minimum — das ist garantiert. Weniger als diese Summe, heißt das,. darf nicht sein. Und - was mehr sein wird — ist gefunden. Habt ihr es verdaut? Auf einfach Jüdisch gesagt, daß er uns gedungen hat oder, wollen wir die ganze Wahrheit sagen, abgekauft bat für eine gewisae Zeit und Schluß. (Fortsetzung folgt.) Eigentümer. Verleger. Herausseber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker. — Druckerei« und "••'•- Veriass*A.*G Ignaz Steiumaaa beide Wien (X. Universitätsitraße 6—S. Mh^k