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Die neue Welt · 1930-10-03 · Heft 159 (3.10.1930) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 159 (3.10.1930)
Date
1930-10-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 1» 27. wenn er neben seinem offiziellen Namen auch andere bei Juden übliche Namen trägt; 28. wenn er beim Brotbacken ein Stück vom Teig nimmt und verbrennt, als Zeichen eines dargebrachten Opfers; 29. wenn er in den letzten Augenblicken seines Lebens sich der Mauer zuwendet oder ein anderer ihn so legt; 30. wenn er einen Leichnam mit warmem Wasser wäscht; 31. wenn er bei dem Toten Lob« oder Klagelieder rezitiert; 32. wenn er zum Zeichen der Trauer nur Fische und Oliven genießt, anstatt Fleisch; 33. wenn er im Falle eines Todesfalls in seinem Haus alle Behälter, in denen sich Wasser befindet, vom Wasser entleert; 34. wenn er einen. Leichnam in jungfräulichem Boden oder im jüdischen Friedhof begraben hat. Der jfidfcdie Fürst von Naxos« Ein Buch von kulturhistorischem Wert für Forscher und Laien ist kürzlich in Athen erschienen. Es stammt aus der Feder des bekannten griechischen Professors für Archäologie an der Universität Athen, M. Ohas« s a z o g 1 u, und heißt „Josef Nasi, der jüdische Prinz der griechischen Inseln". Inhaltlich setzt das Buch mit den türkisch*vene# zianischen Kriegen des 14. Jahrhunderts ein, mit der Zeit also, da die Dogen von Venedig als Schiffahrer und Pi» raten Naxos unter ihre Herrschaft brachten und die Insel an den Signor Sanoida verkauften, der das Fürstentum Naxos begründete, dessen Dynastie aber von den Tür» ken inmitten schwerster Wirren gestürzt wurde. S e 1 i m III. setzte im Jahre 1556 seinen Freund Josef Nasi als Fürsten des Reiches Naxos für Lebens» dauer ein. Der junge Josef Nasi, Prinz von Naxos, war Sprößling einer alten, reichen portugiesischen Fa* milie, dem die Eltern, große Ueberseekaufleute, eine Erb* schaft hinterließen, die es ihm ermöglichte, der Bankier Europäs zu werden. Sein Vetter eröffnete gemeinsam mit seiner schönen Tochter G r a z i a ein großes Bankhaus in Amsterdam und verlieh ganze Fässer Goldes an die Regierungen von Holland und England. Auf dem Höhepunkt seines Aufstiegs traf Josef Nasi die grausame Hand der portugiesischen Inqu isi 11 on, die ihn zwingen wollte, seinem Glauben abzuschwören oder sein ganzes Vermögen herzugeben. Josef Nasi ließ sein Hab und Gut verfallen, griff zum Wanderstab und wanderte nach Holland, das damals alle von der Inquisition ver* folgten Juden gastfreundlich aufnahm Das Glück war ihm hold. Er nahm Aufenthalt in Amsterdam, wurde nach Verkauf der ihm noch gebliebenen Handelsschiffe Kompagnon seines Vetters, des größten Bankiers. Seine hervorragende diplomatische Begabung befähigte ihn, in der europäischen Politik, allerdings hinter den Kulissen, eine entscheidende Rolle zu spielen. Auch sein finanzielles Ansehen wuchs. Es gelang' ihm, vom türkischen Sultan Sei im III. eine gewaltige Summe Geldes ge* liehen zu bekommen, die er unter günstigen Bedingungen an den König von Frankreich weitergab. Als Günstling des französischen Hofes baute er in Venedig eine große Handelsflotte und heiratete seine Kusine Grazia. Nachdem die freie Republik unter verschiedenen Vorwänden seine Handelsflotte mit Beschlag belegt hatte, rettete er . selbst sich durch .Flucht in die Türkei. Hier, in seinem prächtigen Palast am Ufer des Bospörus, ergriff den jungen' heldenhaften Josef Nasi, den Märtyrer seines Glaubens, eine mächtige Idee: die Wiedjeraufrichtung eines heuen Staates Zionl Er bekam, tatkräftig, wie er sich für seine Idee einsetzte, als Geschenk vom Sultan Stadt und Land Tiberias und be* gann sogleich, die Stadt auszubauen und die Felder urbar zu machen. Diese Taten begleitete ein Manifest an seine Brüder in Europa. Es blieb, wie all seine angestrengten Bemühungen um die Errichtung ums Zustandekommen, erfolglos, wenn es auch die, Judenheit eine Zeitlang intensiv beschäftigte. Aus Dankbarkeit für große Dienste machte ihn der Sultan zum Fürsten von Naxos und die grie* chischskatholische Bevölkerung der Insel schwur ihrem jüdischen Herrscher die Treue. Josef Nasi regierte 13 Jahre und die Dokumente, die der Verfasser des Nasi*Werkes durchforscht hat, be« mMmmmmmmmmmmmmmmmammmmmm Ali die Freunde und Leser des Blattes! Wenn Sie der Ansicht sind, daB die t,Ne»"9 Welt" ein empfehlenswertes Blatt ist, geben Sie uns freund* liehst die Adressen von Freunden und Bekonnten an. Wir werden denselben die „Nene Weif* durch mehrere Wochen zur Probe gratis zukommen lassen* Wenn wir uns bei der Werbung auf Sie berufen dürfen, bitte dies ausdrücklich zu bemerken. Aus der Zusendung erwachsen weder Ihnen noch den Empfängern irgend welche Ver« pflichtungen. Die Verwaltung der „Neuen Welt*'. weisen die Liebe, die das von ihm regierte christliche j Volk und seine jüdischen Brüder in der Welt ihm ent» I gegenbrachten. Diese Liebe und Verehrung hatte ihren Grund in den von-ihm geschaffenen demokratischen Ein» richtungen, in der Weisheit seiner Rechtsprechung und in der von den Christen bewunderten und gerühmten Glaubenstreue, von der1 sein* ^rlojhattung' erfüllt war. Im Jahre 1569 starb Josef Nasi, der Bankier und Diplomat Europas; der einzige jüdische Fürst eines griechischxkatholischen Staates. Max Markus gestorben Im Alter von 71 Jahren ist Kommerzialrat Max Markus in Wien am 24. September nach kurzer Krankheit verschieden. Wieder hat das österreichische Judentum, der Wiener Zionismus einen seiner besten Söhne verloren. Ein konsequenter Kämpfer für die zionistische Sache, ein aufrechter Mann in allen Dingen, die das jüdische Leben des Landes betrafen, hat Max Markus Jahrzehnte hindurch dort gestanden, wo es galt, für jüdische und zionistische Interessen die Kräfte einzusetzen. Max Markus hatte eine reiche zionistische Vergangenheit. Einer Familie entstammend, in der alte jüdische Tradition herrschte, wandte er sich frühzeitig jener Arbeit zu, die der Erhaltung des jüdischen Volkstums in seinem ganzen Umfang diente. Vor mehr als dreißig Jahren schon, als Herzls Zionsgedanke in die jüdische Gasse drang, war Max Markus in der Reihe der aktiven Zionisten zu sehen. Mit richtigem Blick erkannte er, daß die Durchdringung der nationaljüdischen Idee dort beginnen müsse, wo bereits eine Art Geschlossenheit des jüdischen Volkskörpers vorhanden war; und darum galt, von allem Anfang an 6ein Interesse den Aufgaben der Kultusgemeinde. Der Boden war noch unter Theodor Herzl durch den Zionisten Gewitsch und dem Vertreter des jüdischen Volksvereines Eltbogen vorbereitet worden. Als unter der Aegide des Kultuspräs'denten Dr. Alfred Stern Oberbaurat Robert Stricker und Dr. Ehrlich in die Kultusstube kamen und nach .Kriegsende die Herren Doktor Plaschkes, Dr. Auerbach und Dr. Karl Pollak kooptiert wurden, begann eine neue Aera innerzionistisehen Wickens. Damitz setzte zugleich die Aufgabe ein, die Wiener Israelitische Kultusgemeinde in eine jüdische Volksgemeinde. umzugestalten. Max Markus, im Jahre 1920 gewählter Kultusret, als welcher er bis zu seinem Ableben unermüdlich gewirkt hat, wendete 6ein Interesse vor allem den Finarizpröblemen der Ge-. meinde jzu. wqbei ihm zahlreiche wertvolle Anregungen zu verdanken ,;sin€^ ^tv'* *i;VC.. Im zionistischen Leben Wiens war sein Wirken überaus fruchtbar. Ilm Direktorium des zionistischen Landesverbandes gehörte Max Markus dem Drei- Männer-Kollegium an. Als Mitglied des zionistischen Parteirates und sonstiger parteipolitischer Institutionen war der Verstorbene im Getriebe der politischen Leidenschaften die vermittelnde Kraft. Der österreichische Keren Hajes6od hat in Max Markus einen seiner eifrigsten,'talentiertesten Mitarbeiter verloren. Auch im Privatleben kam seine Rechtlichkeit, Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft zur^ Geltung, was seine Berufskollegen in der Wiener' Markthalle' zu schätzen wußten. Ein treuer Zionist, ein aufrechter Nationaljude, ein gütiger Mensch, ein vornehmer Charakter ist mit Max Markus dahingegangen. * zuwandern, sich vorher mit ihr in Verbindung zu setzen, da sie sonst jede Verantwortung für deren Arbeitslosigkeit im Lande ablehnen müßte. Regine Pick. Donnerstag, den 25. September wurde Frau Regine Pick, die Gattin des Präsidenten der Kultusgemeinde Prof. A. Pick, unter Beteiligung aller Wiener Gesellschaftskreise bestattet. Der Dahingeschiede* nen hielt Rabbiner Dr. Feuchtwang einen ergreifenden Nachruf, worauf der Präsident des Kuratoriums der Merores*Waisenstiftung, Dr. Ornstein, Worte des Ge« denkens sprach und insbesondere die Wirksamkeit der Verstorbenen als Beschützerin der jüdischen Waisens kinder in warmen Worten hervorhob. Nach Absingung des von Oberkantor G. Margulies meisterhaft ge» leiteten Trauerchorals legten Waisenkinder Blumen auf das offene Grab ihrer unvergeßlichen Beschützerin. Ein Stipendium für Klavierstudierende. Durch Ver* mittlung des Professors Juliusz Wolfsohn deponierte ein unbekannt bleiben wollender Kunstmäzen aus Süd« amertka einen Betrag, von dem für zehn begabte, junge Klavierstudierende die Hälfte des Studiumhonorars entrichtet werden soll. Dadurch ist Prof. Wolfsohn in der Lage, zehn Schülern oder Schülerinnen halbe Freiplätze zu gewähren. Anfragen und Anmeldungen Wien, III., Pfarrhofgasse 16. Tel. Ü*i6*i*32. 30 Jahre Jüdische Bühne. Die „Jüdische B ü h n e" (Hotel Stefanie) begeht in dieser Spielzeit ihr aojähriges Bestandsjubiläum. Für die Saison ist eine Reihe neuer Gastspielkräfte verpflichtet worden. Unter Leitung von Leopold Jungwirth gelangt als erste Novität die Komödie „A Gan»Eden" am 2. Oktober zur Auf« führung und bleibt bis zum 9. Oktober auf dem Spielplan. Neues jüdisches Theater, II., Praterstraße 60. Saisoneröffnung Donnerstag, den 2. Oktober, mit der Komödie „Süße Chalomes" von J. Lilien. Wiederholung von Freitag, den 3., bis Sonntag, den 5. Oktober. Mitwirkung der bekannten Schauspieler und Sänger Paula Dreiblatt und Bernhard Wi111 er. Todesfall. In Waidhofen a. d. Ybbs verschied am 20. September Gg. Herr Siegfried Baumgarten, Kauf* mann daselbst, im 60. Lebensjahre. Der Verstorbene war zionistischer Mandatar der Kultusgemeinde Amstetten und Mitglied der Union der Zionisten*Revisionisten. Die Beerdigung fand Montag, den 22. d. in aller Stille statt. *W*heater, Kunst und M illHll'iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii! Literatur Wilnaer Truppe '■■•.•<,.'. '1; ... ■:. .t . Die erste Premiere „Sabbatai ZwiM Die Dispositionen für die kommende Spielzeit wurden bereits getroffen. Danach wird das Gastspiel der „W i 1 n a e r Truppe" unter Führung von Alex Stein Freitag den 10. Oktober im Theatet Reklame, IL, Praterstraße 34, beginnen. Als erste Novität geht das Drama in 4 Akten „Sabbatai Zwi", nach dem Werk von Schalom Asch bearbeitet, in Szene. Für diese Premiere wurde ein neuer szenischer Apparat geschaffen, der den dramatischen Anforderungen des Stückes gerecht werden soll. Außerdem wurde eine Tanzgruppe und ein Sprechchor verpflichtet. In den Hauptrollen sind die Damen Altbaum, Walter, Pikus, Witalina, Scheftel und die Herren Domb, Schigorin, Kovalsky, Scheftel, Kamay, Sorokin beschäftigt. Die Titelrolle spielt Alex Stein. Die Proben für die erste Novität sind in vollem Gang. — Der Vorverkauf an der Kassa des Theaters Reklame, IL, Praterstraße 34, hat bereits begonnen. Unter ungeheurer Beteiligung wurde Max Markus am 26. September zu Grabe getragen. Aus der überwältigenden Zahl deru Freunde nahmen Dr. Löwenherz (Zion. Organ.), Dr. Ornstein . .(Kultus-, gemeinde), Buchwald (Versorguingshaus), Klemp e r e r (Loge), Dr. Landau (Seudath Schabbath) u. a. vom Verstorbenen Abschied. Rabb» Dr. Taglicht hielt eine ergreifende Trauerrede. Die kantoralen Funktionen versah Oberkantor Gerson Margulies. Das Fürsorgeweric der Israelitischen Kultusgemeinde. Unter dem Titel, „Unser Fü.rsorgewerk" ist soeben die Nr. 1 der Mitteilungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (L, Seitenstettengasse 2*4) er* schienen. Die Schrift will den Mitgliedern der Gemeinde die Kenntnis der Leistungen auf dem Gebiet des Für* sorgewesens vermitteln ff.'Und faßt den ganzen umfang* reichen Stoff in den Kapiteln Jugendfürsorge, Fürsorge für Erwachsene, Die Reform des Fürsorgewesens und Das Fürsorgewerk der jüdischen Vereine und Institutio* nen in Wien zusammen. Die Illustrationen führen Kindergärten, Erholungsheime, Spitäler, Versorgungsanstalten, Waisenhäuser, Heime, das Blindeninstitut u. a. vor. Das ' Interesse für das jüdische Fürsorgewesen Wiens wird durch diese Publikation zweifellos gefördert werden. Tierärzte für Palästina. Laut Mitteilung der Tierärzte*Organisat»on in. Tel- Awiw gibt es derzeit keine freien Tierärzte*Stellen in Palästina; es ist auch keine Aussicht vorhanden, eine private Beschäftigung auf diesem Gebiete zu finden. Die TierärztCiOrganisation ersucht diejenigen Tier» ärzte, welche die Absicht haben, nach Palästina aus« Moderne jüdische Kunst in Breslau. Der Verein Jüdisches Museum in Breslau, dessen Ausstellung: „Das Judentum in der Geschichte ^Schle* siens" im Jahre 1929 die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich gezogen hat, bereitet nunmehr eine gänzlich andersartige Ausstellung vor. Wie jene Ausstellung auf auf dem Gebiete jüdischer Kunst und Kulturgeschichte ganz neue Wege gegangen ist, so wird auch die kom« mende Gelegenheit geben, das Schaffen jüdischer Künst* ler der letzten 50 Jahre in eigenartiger, bisher nie dar« gebotener Zusammenstellung zu sehen. Sie soll den Titel führen: „Pissaro — Lieb er mann — Chagall und Zeitgenossen". Ihre künstlerische Leitung liegt in den Händen des Direktors des Schlesischen Museums der Bildenden Künste, Dr. Erich Wiese. Man wird in der Ausstellung kleine geschlossene Sammlungen der drei Künstler finden, nach denen sie genannt ist, daneben soll aber auch das Werk von 20 anderen jüdischen Künstlern gezeigt werden. Namen wie Lesser Ury, Max Pechstein, Th. Th. Heine zeigen die Linie, auf der sich die Ausstellung bewegen wird. Der Verein begibt sich mit dieser Ausstellung bewußt auf ein neues Gebiet. Er will damit der jüdi* sehen Oeffentlichkeit sagen, daß er seine Aufgabe nicht nur in der Pflege der Schätze unserer Altvorderen, son* dern auch in der Förderung des Schaffens der zeit* genössischen jüdischen Künstler sieht. Von dieser Ausstellung wird sicherlich eine starke An* regung für das jüdische Leben der Gegenwart ausgehen, Klaviervirtuose Professor Juliusz Wolfsohn ist zu* ' rückgekehrt und hat seine Lehrtätigkeit in seiner Woh« J nung (III., Pfarrhofgasse 16, Telephon U*16*l*32) wieder aufgenommen. Aus der großen Zahl der Schüler seien folgende Namen erwähnenswert: Miscba Lewitzki (New

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