Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 156 (12.9.1930)
- Date
- 1930-09-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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f Seite 12 DIE NEUE WELT Nr. 156 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, I. Bei.» SeHentieiiengaue 2, Telephon U-28'U28 XL, Zeniralfriedhof, neb. d. t. Tor* Telephon U-tS O 8S Besitze 8000 Schilling, suche Kompagnon: mit ebenso hohem Kapital zwecks Orttndung irgend eines lukrativen . Unternehm t». Züsch« Ilten erbeten «ntei: „Nur seriöser, ehftlc .er Bewerber 1304" an Haasensttin <S Vogler A. O., Wien I, Schulerstraße 11 £Mifiiiniiifiiiiiiiimiiiiiimitiiitiitiitiniimiiiitiimiitiiiiiiiik 1 Gegründet 1882 f I Lebensversicherung DUnUlY« 1 f Gesellschaft frnUlliA I | Zentradirektion: WIEN I., Riemergasse Nr. 2 | 1!«*«p"H t 2 Wliirfn SAÜHB9 | s lollelajiniltii UttiMkapIial . 4,060891— StiHn s s Priaiin- und ZIwmtiRoifiBCT k) Jibrt 19Zf }/ MiBionw $B s OnaiHaHtit End« 1928 : m M\sm JdüUi» s buziMwim in dii Ttnkbutn Ii Jasn 1921 , . 265 XDknu Sdöftig s 2 Tätigkeitsgebiet: OwtBrrelc^.Dtutsühes R«icli,Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanren, Tachechoalowaklsche s Republik, Polen, Unoarn, Jugoslawien, Bulgarien, arischen- 5 s land. Türkei, Aegypten und Palästina, s ^lllllllllllllllllllllllllllllllltlHIIIIIIinillllllllllllHIIIIIIIItlMF RADIO >n eleganter Kollerlorm füi Radio unu Schallplatten, spielt Oberall ohne An« (eniie, ohne Erde, sowie alle modernen Netzernptängei. Radio-Apparate mit Auslandsempfang. 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Wenn ihr achtzehn Köpfe hättet, würdet ihr es nicht er*' raten. Zuerst gibt sie mir eine richtige Portion wegen ihres Briefes, der wie durch ein Wunder zu mir gelangt ist! Der Brief, sagt sie, war an'einen andern adressiert. Hätte sie, sagt sie, zu mir schreiben wollen, kennt sie meine Adresse/Zweitens, sagt sie, wer mir den Gedanken eingegeben hat —- hört ihr eine Sprache? —. wer hat euch den Gedanken eingegeben, sagt sie, daß ich Absichten liabe auf euren Söhn. Alle eure Gedanken, sagt sie, drehen sich immer um einen Pünkt, der Grischa Stellmach heißt. Und ihr habt einen großen Irrtum, sagt sie, wenn ihr glaubt; daß der Punkt, der Grischa Stellmach heißt, der Mittelpunkt der .ganzen Welt sei, um den sich alles dreht, was lebt und was denkt.-Es gibt, sagt sie, solche Menschen und der ■ Zahl ist Menge, die üm vor Augen haben solange wie er auf der Estrade steht und seine Geige spricht und seine Hände in einer solchen Sprache, die nicht viele sonst, sprechen können. Vom Augenblick an, sägt sie, da er die Geige .weglegt. und vom Podium heruntersteigt, ist er für die, Welt picht mehr und viel« leicht noch weniger als ein angenehmer Traum. Gefällt" euch eine solche Sprache? Und weiter schreibt sie mir, woher ich denn wisse, daß ihr Brief an meinen Sohn keine Antwort sei auf seinen Brief an sie, und vielleicht sei das nicht der erste und nicht der einzige Brief. Der Unterschied ist nür der, VsagV sie, daß alle Briefe von meinem Sohn an sie direkt zu'jhr in ihre Hände gelangen, während ihre Briefe an ihn anscheinend eine gewisse Zensur passieren müssen . . . Wenn - dem so, sagt sie, kann sie mir versichern, sie werde/alle Kraft anwenden und-iialles mögliche tun;,daß; von •heute ab und künftighin ihre., Briefe das Ziel erreichen ^undr NVunder nicht mehr geschehen werden; Tch 'wer'dä-'.cS •tfm^sa'gt sie, nicht so sehr5 deshalb, weil es mir mein Leben gern dran liegt, mit eurem Sohn zu korrespondieren,:.,, wie deshalb, um euch zu beweisen, daß, obwohl ich, wie ihr sagt, ein Bessaraber Mädel bin, euer väterlicher Despotismus, der von eurer verstiegenen Anhänglichkeit stammt, nicht so gefährlich ist wie ihr glaubt, und daß alles auf der Welt eine Grenze hat. Nun, was sagt . ihr zu einem solchen Frechling? Nein, hört, was sie mir weiter schreibt. Ich versichere euch, sagt sie, daß, wenn ich eurem Sohn gc* genüb^r das fühlen würde, ^*as er mir gegenüber, in gleichem Maße, wir : euch schon'zeigen würden, daß uns nicht bange wäre und wir allright wären. Was sagt ihr dazu? S'e spricht zu mir gar auf englisch! Ich; will nicht ermüden, lieber Freund. Ich hab auf ihren Brief die richtige Antwort,gegeben und sie hat mir auf inicinen Brief die richtige. .Antwort gegeben und so ging zwischen uns ein Hin* und Herschreiben, ich ihr und sie.'mir. Und das Ende war, daß wir mit ihr gut Freund wurden. Aber was gut Freund sein heißt! Und zwar, auf welche Weise, glaubt ihr? Als sie nach London auf ein Konzerc kam, ,—' und dies Konzert! war gerade zusamt men mit meinem Sohn — haben'wir den Boden bereitet für den Kniefall, ich und meine Frau soll leben, bis wir es erreichten, daß sie uns mit einer Visite beehrte. Was tun Eltern tischt für ihr Kind? Und wenn wir uns zehn» mal dagegen stemmen würden, wird es besser sein? Wenn man sagt ljubow, läßt sich doch nichts tun... Von da an, was soll ich euch sagen, ist das Mädel bei uns eo heimisch geworden, so lieb und so allen hinein« gewachsen ins Herz, daß wir schon glücklich gewesen wären, wenn die Partie eine Partie — ein Ende soll es haben. Hat es aber keins. Nicht sie, nicht er. Kinder heutzutage! Wenn man mit einfachen Worten zu ihnen nicht sprechen kann! Ist esdoch nicht so einfach, so ein Jüngling, eine Jungfrau! Es sind . doch wirklich zwei Sterne auf der Welt. Viele solche gibt es nicht. Ein Ge» spräch rnjt ihnen wegen. Heiraten —- Gott soll hüten! Was wollt ihr mehr, daß der Name Brautpaar gar nicht erwähnt werden darf. Habt was mit ihnen! Muß man halt ein bißchen zuwarten — ,was soll man tun? Sagt aber meine Frau soll gesund sein in einemfort, sie würde schon wollen, sagt sie; ein, Stückchen Freude erleben... Sag ich ihr, hab Zeit,, wirst es schon rechtzeitig'erleben... Und ich selbst fühl es,, daß mir der Atem ausgeht. Wer .würde :s,chon selbst .auch wollen,, nicht so sehr der Freude wegen, ich bin doch kein Weib, das heißt, Freude, bitte sehr, Ayarum nichtl Mich wurmt eine andere Sache. Ich weiß licht, ..ob ichs euch richtig werde wiedergeben kön» nen. Mein Sohn,, versteht, ihr mich, ist ein Artist, ein großer Artist, und dazu noch ein Kind, ein unschuldiges Lamm. Sein-ljubow geht ihm ans Leben! Und sie ist ein Mädchen, viel zu reizend, viel zu klug und viel zu ge* scheit. Was ,,zü viel", sagt man, ist ungesund... Jetzt fliegen sie herum beide durch London, bewahre nicht zu Fuß, sondern in einem motor*car, einem Automobil heißt das, und man kauft und man kauft und man kauft. Was für einen Wert hat schon bei ihnen zum Beispiel Geld? Ein Stück Glück nur, daß ich daneben bin,, zur Seite und die Tausender nicht verbrennen lasse. Es wird das für den Weg eingekauft. Es ist nämlich möglich, daß wir alle mit Gottes Hilfe bald nach Amerika fahren.. Sie sind dort beide für eine ganze Saison engagiert und Gott, sei Dank unter solchen Konditionen, daß man sie alle im» seren Lieben wünschen darf'. Gott gebe ihnen nür' Ge* sundheit und glückliches- Gelingen wie bisher. und Jahre viel beiden und wir sollen es sehen und Freude, haben, denn heute sind bei uns beide gleich ohne Unterschied. Sie Jst uns, ihr könnt mir's .glauben, wert wie das eigene Kind. Vielleicht noch mehr, obwohl sie, die Wahrheit zu sagen, mit mir auch. jetzt noch nicht, ganz einstimmig lebt, anscheinend noch wegen des ersten Briefes. Ich bin mit ihr, wie sagt man, „aber bitte*bitte" und sie mit rnu* „nein•keine Spur". Sie kann es nicht ertragen, daß ich von Geld spreche. Sic hält mich für. einen Knicker. Kinder sind Narren. Sie verstehen nicht, daß alles um ihretwillen geschieht. Zum Beispiel, ihr kommt es vor, •daß es teureres als Geld für mich nicht gibt. Sie selbst sagt es mir. Natürlich nicht gradeheraus. Sie glaubt, daß sie mich schon kennt. Deswegen reden und streiten wir oft. Ich lache, aber mein Sohn leidet darunter. Daher ist es mir nicht angenehm, es wird sich aber mit der Zeit einrenken. Alle Kinder sind sq. Sie glauben, daß. es schlimmeres als Eltern auf der Welt gar nicht mehr gibt. Was kann es noch schlimmeres geben als Eltern?... Aber ich glaube, daß ich mich schon ein bißchen zuviel zerschrieben habe. Bald kein Papier mehr da. Ein bißchen sich heruntergeredet, ein bißchen leichter geworden auf der Seele. Einem andern, versteht sich, hätte ich nicht so viel anvertraut, aber ihr seid etwas anderes, aber ihr seid ein'Mensch, der ein Geheimnis wahrt. Es wird unter uns bleiben. iiniiiiiiiiiiiiiiHininiiiHiiiHmiiiininiiini sei BESTELLUNGEN BITTE SICH AUF ,DIE NEUE WELT* ZU ERUPEN I £ eitttöfititg üon Qotb, ©Uber, <platttt Bei 0. 9L Meto, 3Bt«n, f., ftratts 3otef<Aoi 4*. ^fntroie: ■ VI« Gtainacttbtftfteftviittt Hb NÄHMASCHINEN FAHRRÄDER 1930 S20.— monatlich ohne An gab« i nitf ■# IX. LleetitenstefnstroBe Nr.» BaerBei BOx tu. « 16.S.M und * m.s«U ■■BsaiBBi w. Wiedner HouptstraBe tlr.8 sVsMsaVseVHB rei. A 30-0-30 SPORT. UND TO U RISTEN ARTIKEL Die beitbew üh r t iinsch * d 11 che) NUSS \ 'AARFARBE rr WESENÄ färbt echt, naturgetreu und dauerhaft von'blond bis schwarz Ueberau erhältlich . ■ a 2.— und S &5Ö W. SEEGE«, Wien XV, Wurzbachgaf so 19 Seid mir recht wohl und macht gute business und schreibt mir öfter angenehme. Briefe so . wie; nur ihr es könnt. , •;.;»,,. Von mir, eurem alten Freund Meir Stellmach;: Vergessen zu erwähnen. . \ r . [ Meine Frau bittet mich, euch grüßen zu lassen. Und mein Sohn erkundigt sich, ob ihr noch manchmal eine Geige zur Hand nehmt. Meir Stellmach.- 37. Kapitel. V - Von Scholens Meir Murawtschik an Rosa Spiwak. An meine liebe und geehrte Freundin Rosa Spiwak lebt wohl, was ist die Geschichte, da*ß ityr seid, zu; mir geworden so fremd, daß ihr mir nicht einmal: antworten wollt auf; alle meine Briefe, mit was hab .ich;esvet» schuldet, ich'glaube im Gegenteil was ich für. euchvauj» gestanden habe gebührt mir nicht ihr sollt mir1-so, Darjk. sagen, denn wenn nicht ich, wäret iir auch jetzt no.£h bei Schtschuppak der Teufel soll ihn holen, . er. wollte mir doch nicht bezahlen was mir gebührt Lwegen' euch;, denn er sagt, daß im ganzen daran schuld ich bin" d;e|m wenn nicht ich sagt er, hättet ihr hichf: gewußt von k^irÄr Embrich und er. wäre, nicht geblieben .sagt er ohne einen Fiedelbogen, er schwört, daß .er , durch, .euch rbetielar^n geworden ist, so . schreibt er mir und weint auf beiden Augen, ihr wüßt doch, daß ich' ihm glaube wie einpm Hund aber wenn er die Erde aufwühltweiß ihn djpr Teufel vielleicht hat er recht, ich wejßtnur, daß er jef?t Kadoches hat und. kein Medaljon und ein paar, Breijanten» ringe haben auch schon gefehlt und die goldene^ Uhr^ bj|t er scheint mir auch schön irgendwo -verschleppert uij'd alles wegen euch denn er hat sich schön1einen dicken Beutel vorbereitet äußer was: er sich noch'einen Ge« danken hineingetrommelt hat dieser Idept, daß-Gött iKn aufrichten werde und er Jpskriegt mit Götteshilfe seine Weiber und euch mit seinen- Breijanteu yertaumelen wljryd den Kopf indes , wird G §ein. Zum Schloß da habt ihr's ein solches Zusammenbrechen und nur ich. sagt er Bin schuld daran kein anderer daweil bin ich wie im ,Wasser geblieben das bißchen'Faden das ich von-euch die erste Zeit bekommen; .habe, hat-, nur-, gereicht aufeineri Zahn und ein .. Unglück 'hab fich. gehabt auf mir - ein^-Unglüok eine arme . Schwester ( hab ich hinübertr^nspprtiert, nach Amerika und selbst . war ich auch krank ein Stück Zeit fast den Todescngel gesehen wenn nicht ihr mit eurer kleinen Unterstützung wäre ich schon dort angelängt wo kein Kren wächst dank ich euch sehr aber warum sollt ihr mir nicht tun die Gefälligkeit und mir '■^beantworten wenigstens mit' einigen' Worten ich glaube..ich/:shjap;.^s. mir bei euch nich^-verdient, daß "ich euch' soU nacWaufejn wie ein Hund von Paris nach London und .yon/L'gpdon: nach Paris und von';dort nach Antwerpen'--und: ihr sollt nicht einmal mich aufnehmen wöUen ein Gott'weiß >die - Wahrheit daß ich bin euch immer beigestanden iq": euren. Nöten wenn ihr ,mir gesagt, habt IVJurawtschik, geji'^bin ich gegangen Murawtschik lauf bin1 ich gelaufen/ voni; der ersten Zeit sprech ich schon gar nicht aber selbst Jamals als ihr schon heraus wart aus Schtsph^p^aks : ^eicjj und nach Nitalien wolltet, erinnert ihr euch, hab ich^ oj[eit gespart meine Mühe keinmal und als man damals hinaus» werfen mußte den Schlemihl, der sicrj erschießen gewollt^ wer hat sich aufgeopfert' wenn nicht Murawtscliik uqd heute habt ihr schon gan» vergessen wer.derf MurawtscWk ist, wievielmal ich mich, schon zu euch gedrängt: habe, kann mich aber nicht hineingedrängen, man läßt nicht zu, ich bin einmal abgesessen bei euch! ^im ' Salon drei geschlagene Stunden euch reden gehört rnjt irgenfJ einem Franzos zuletzt kommt man heraus und man-sagt ml?, ihr seid nicht zu Hause... .. (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Verleger. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurai Robert Stricker. — Druckerei« uo4 Verlaes*A.*G Ignaz Stelamana beide Wien IX. Universitätsstraße 6—8, -i**m***äX:**m-