Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 153 (22.8.1930)
- Date
- 1930-08-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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f Seife 12 DIE NEUE WELT Nr. 155 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER <ft DEUTSCH Wien, l Set., Seiiensieiiengasse 2, Tetephon V-28-7-28 XL, Zeniralfrieitkof, neb. d. 1. Tor, Telephon U-18-0 85 sowie diverse Käsesorten in feinster Qualität, streng verläßlich, liefert Stauffer & Söhne, Käsefabrlken, Sopron, Ungarn /Vertretung: Ludwig Schischa, Wien II, PraterstraBe SO Telephon R-43-7-27 RADIO in eleganter Kollerlorm für Radio una Schallplatten, spielt überall ohne An- ~ - tonne, ohne Erde, sowie alle modernen Netzempfängei, Radio-Apparate mit Auslandsempfang. Radio-Bestandteile, Kredit bla 20 Monate, 10% Anzahlung, 1% Kreditspesen pro Monat. 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Sept. 1930 %m/Mm (Rotunde bis 14. Sept.) Sonderveranstaltungen: Pelzmode-Salon / Schuh- und Ledermesse / Möbelmesse Reklamemesse / Ausstellung „Christliche Kunst" INTERNATIONALE RADIO - AUSSTELLUNG Elsen- und Patentmöbelmesse / Büro-Ausstellung / Ausstellung für Nahrungs- und Genußmittel / Französische Sonderausstellung / Bau- und Straßenbaumesse / Techn. Neuheiten und Erfindungen / Griechische und Indische Kollektivausstellungen Land- und forstwirtschaftliche Musterschau Blumenaus Stellung / Auftfttellun-öste'r. Getreidesaatgutzüchter / Gerstenschau / Milch. w.rtscnaftHcne Ausstellung / *«sste.I.ifi* der LandwIrUhaftlknerffifwäJMsfflten Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte / Kleintierzucht Bundesweinkost 3. Oesterreichische Tiermesse (10. bis 12. September 1930) Bedeutende Pahrpreis-ErmäOigungen! Messeausweise & S 6.- bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft, Wien, VII., Messeplatz 1 — Eintrittskarten (zum einmaligen Besuch der Rotunde oder des Messepalastes und der Neuen Burg) ä S 2.50 bei den Kassenschaltern der Messehäuser. Sportwagen S12 * b.M Kinderwagens321 M. ENGELBERG, XX., Wallensteinplatz 3 (Eingang Bauerlegasse 1) Filiale; XX„ KloslcrneuburgerstraOe Ol Telephon - A«41-406 und A-47-»-97 _ Kataloge gratis Vorzüglicher ~~ ysnm Kiip ,n?sn?yn . . mit .schöner Stimme sucht Posten Unter „Fromm" an die Expedition d. Blattes oder Tel. B-40,8-56 — Vermittlung erbeten Kofferapparate luxua-Apparate mit u. ohne Trichter, Schallplatten v. S 2.-, die neuesten Schlager in größte! Auswahl, erhalten Sie für S 2.S0 Wochenraten, sowie Mändolinen, Gitarren, Harmonikas, Lauten, Violinen, Zithern, Blasinstrumente. Musikhaus SCHLESINGER gSfa-f» NAHMASCHINEN FAHRRÄDER 1930 Sau.— monatlich ohne Angabe! Blef IfIX« Liechtensteinstraße Hr. 27 Kr Te>> a 16"5"64 und A 16-5-65 ti. 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Spivak ihre Kar« riere mit einem traurigen Epilog beendet hätte "wie alle Straßensängerinnene, wenn sie nicht ein glücklicher Zu* fall vor die weltberühmte Sängerin MarceÜa Embrichr gebracht hätte, die sich für sie wegen ihrer reizenden Zigeunerlieder und ihrer, glühenden Zigeuneraugen ins teressierte. Diese wunderbare Sängerin hat. dann , mit ihrer reizenden Stimme großen Enthusiasmus am öster* reichischen Hof erregt, so daß sie von Franz. Josef selbst mit einem .Stipendium zum Studium der Musik ausge« zeichnet wurde. Nachdem sie in kurzer Zeit das Wiener Konservatorium glänzend absolviert hatte, wurde sie auf Rechnung eines ungarischen Magnaten nach Berlin ge* schickt und von dort für zwei Jahre nach Paris, wo sie mit einem französischen Mäzen, einem gewissen Jaque Reszko bekannt wurde, der sie zur Pariser Grande Opera brachte, wo sie zum erstenmal in der neuen Oper „Elcctra" unter der Leitung von Richard Strauß mit so großem succes auftrat, daß sie sofort von der Oper für drei Monate mit einer Gage von einer halben Million Franken engagiert wurde. Kurze Zeit später sehen wir sie in Wien und in Budapest, wo sie bereits zehntausend Kronen für den Abend erhielt". Ein bißchen später wird sie nach London engagiert, mit 200 Pfund für den Abend, und jetzt ist sie in New York, mit 2000 Dollar für den Auftritf — eine Gage, die 'bis -jetzt, nur die größte Sän; gerin der Welt,' die Melba, erreicht hat." Jetzt wollen wir ein paar Briefchen von verschie» denen Personen, geschrieben in verschiedenen Zeiten, bringen. Wir hoffen, daß diese Briefe, die in naher Be* Ziehung zum inneren Leben unserer Heldin - stehen, uns viel mehr sagen werden als eine Biographien und Zeitungs» artikel. 35. Kapitel. Von Rosa Spivak an Marcella Embrich. Teures Mütterchen Marcella 1 Ich bin schon die dritte Woche in meiner Geburts» stadt und habe noch keinen einzigen Brief geschrieben. Das ist nicht recht von mir und ich verdiene bestraft zu werden. Meine Strafe Wird sein: ein. größer Brief. Ich will Ihnen, liebes Mütterchen, alles schreiben. Und die reine, die heilige Wahrheit. 1 Mpin Mütterchen weiß, daß es vor ihr kein Geheimnis gibt, wie es kein Geheimnis gibt vor sich selbst. Ich. beginne ganz von Anfang — von meiner Heimat. , Ich habe meine Heimat angetroffen, wie ich sie zu» rückgelassen habe.\..:P4s's^^r.kIeinc, arme Städtchen, das es war. Dieselben kleinen, armen Leutchen. Und dennoch klopfte mir , das Herz, kläpfte^ichr, als die Augen das alte, liebe Städtchen erblickten^1 <Der Puls schlug gut hundertzwanzig,., als das, Öhr .'den lieben, süßen Namen I loleneschti hörte. Ho — le — nesch — ti! ... .Werden Sie mir glauben, Mütterchen, ich war bereit hinzusinken und die schwarze Erde zu küssen, den grauen Staub der ungepflasterten, nichtgereinigten Gassen. Und ich hätte es bestimmt, be* stimmt getan, wenn ich allein? gewesen wäre, ohne die Bande, ohne den Maestro Salfonmi, ohne meine Freundin» nen. Ach, wozu hab' ich sie mitgenommen! Wozu hab' ich den Lärm gebraucht? Warum bin-ich nicht lieber allein ge* fahren? Ich gesteh' Ihnen, 'Mütterchen, wie häßlich das auch seih mag, daß mir vor ihrien das Gesicht brannte, als mein Vater und meine Mutter mich umarmten, küßten und halsten. Meine Mutter weinte und lachte und redete und redete, — sie hat es lieb zu reden — und mein Vater war blaß wie der Tod und seihe Hände zitterten. Ich weiß nicht, was mir war, aber ich., konnte mir keinen Platz finden. Vielleicht weil sie alfmodisch angezogen gehen wie alle in unserem kleinen Städtchen oder weil sie keine andere Sprache verstehen außer Jiddisch. Aber das ist eine Tatsache, liebes Mütterchen. Ich weiß, wie gemein das ist, aber es war so, ich habe mich geschämt. Geschämt wegen meiner lieben, treuen Eltern, die meinetwegen so», viel Schmach - und Schande, soviel Leid, Kummer, Not und Herzweh erduldet haben. Es ist wahr, ich bin jetzt eine Büßerin. Mit allen Kräften will ich es ihrien ver» gelten, aber was hat das für einen Wert? Die Freude und das bißthen Vergnügen, das ich ihnen bereiten kann; ist nicht imstande,;-auch nur ein Zehntel des großen Schmer* zes zu v e r d c c k e n, den ich ihnen damals durch meine Flucht mit der judischen Wandertruppe verschaffte. Dieses Verbrechen werde ich niemals verwischen, wenn ich zu ihnen auch zehnmal so gut lind" so lieb und so zärtlich bin, wie i.ch es. 'bin. Jeden Hunderter, jeden Tausender, den ich für sie aüs'geb'e/Höre ich mir zurufen: Zu spät, zu spät! Und. ich sehe meinen armen kranken Vater ah, den ich einst so liebte/ und es . scheint mir,, daß seine großen schwarzen Augen fragen: „Wo warst du, Tochter, damals,' in den langen -. finsteren Nächten, : da. ich kein Auge schließen, konnte und Gott um' den Tod bat? . . . Ein Briefchen von dir, eine Zeile von dir, ein gutes Wort hätte mich^döch damals die Welt sehen lassen . . ." Und ich erinnere mich, liebes Mütterchen, wie ich vor Ihnen einmal ' verleugnen wollte, daß ich Eltern habe, und wie Sie mich diann dafür tadelten — jetzt brennt mir noch das. Gesicht vor Scham und ich finde, daß es keine Zweite auf der.AVeit gibt, die eine so schwere Sünderin 'wäre wie ich.- Es kommt, mir.,vor, als gäbe es gar kein Opfer auf der Welt, das, ichnicht1 bereit?wäre,, meinen 'armen beleidigten Eltern zu bringen! Ich wollte' sie! zu mir nehmen, das ist aber nicht möglich. Der Vater ist krank und die Mutter wird ihn nicht für einen Tag allein lassen, wenn man ihr ausfüllt, sagte sie, „diese ganze Stube mit Gold", und ihr gibt, sagt sie, „die. Krone der englischen Königin als Bräutgabe"..Nun,-so sagte ich mir, werde,ich sie halt für das Alter sicherstellen. Ich werde ihneA ein Haus kaufen, sie mit, einen* Besitztum versorgen, wonach jeder Bürger strebt, wie warin er auch sein mag, ein Eigentum zu haben, ein „Besitztum". Aber auch; in -die» sem Punkt bin ich mit meinen Eltern nicht verfahren, wie es sich gebührt. Ich tat das mehr mir als ihnen zujiebe.— genau so, wie das ganze Nachhausefahren mehr mhV als ihnen zuliebe geschah. Denn mich zog hieher nur ein Ding, nur ein Mensch ... '' ' Mein Mütterchen-Marcella weiß, wen ich meine... Ich habe ihn nicht nur nicht gefunden, ich, könnte nicht einmal erfahren, wo seine Gebeine hingeraten sind,. Kein Andenken von ihm ist hier und kein Anzeichen, Aus der ganzen Familie ist nichts geworden. Die Mutter gestor» ben, der Vater von Sinnen, Brüder und Schwestern zer» streut, zurückgeblieben sind nur Haus und Hof. Haus und Hof, die meinen Augen einst so groß und so schön schienen, jenes Haus, das mir einst so reich,, so hell und so feiertäglich;Vorkam» Pas, Haus, das ich einst betrat wie ein unerreichhares Paradies, das Haus, das einst so voll war von Leben,-Lachen und Freude. Klein und nieder und arm und alltäglich und traurig sah es jetzt in meinen Augen aus. (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker, Verlags*A.~G. Ignaz Steiumaiia beide Wien, IX„ Universitätsstraße 6—8. Druckerei« und