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Die neue Welt · 1930-08-15 · Heft 152 (15.8.1930) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 152 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seit» 12 DIE NEUE WELT Nr. 152 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Viert, I. Bee., SeUeneteitengasee 2, Telephon V-28-1-28 XL, Zentralfriedhof, neb. d. 1. Tor, Telephon U-78 0-85 <£ beim Sportwagen S12 Kinderwagens32^ Beuger M. ENGELBf HO, XX., Wallenetelnplatx 3 iEingang Bäuerlejjasae 1) Filiale; Telephon A-41-406 und A-47-4-97 XX.. KlostcfneuburgerstraBe 91 Kataloge gratis £uiiiiriiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiituiii|iiiiiiiiiiiiiiitt | Begründet 1882 I Leöensußrsicherunss- | Gesellschaft 9 11 I Zentradirektion: WIEN lM Riemergasse Nr. 2 Versidwuattiutiiia 2 iilliardia SaiHing s VoiMogenliilej jUHtokipitn 4.086.000.— Sttüüng PrimUR- M ZiMeniiSMiiRiin in Jiftte ISN UWüm SduSi&a 5 s Garantietnittel 1928 ,242 MiUtown SdüDing AumWii^en an At Versidiirfm in Jita 1928 265 Millienn Sditiiig s 5 Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Dautphes Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische s Republik, Polen, Unoarn, Jugoslawien. 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Zum Beispiel erzählt man, daß er, Nickel Auchs jemand, sich dessen rühme, er isei einmal mit einem Automobil über den NiagarasFall gefahren, mitten im Sommer bei brennendem Frost. s Na, was sich die Kibetzarni ausdenken magl Plapperer! Nichtstuer'; Feinde! Konkurrenten! Was für Wunder dann? Na, soll noch einer der Theatcrmanagcc herkommen und sieh eines solchen succes rühmen kons nen wie er, Nickel! Na, soll nur jemand probieren wie er,-Nickel, eine Tour mit der« Truppe -durch die Country zu machen, in einer Woche zwölf Vorstellungen zu geben, in acht Städten zweimal von Philadelphia bis Chicago und zurück! ■' - ' « So rühmte sich unser neuer Bekannter .Mr. Nickel vor unseren zwei alten Bekannten, Nissl Schwalb und Mr. Klamer, die ihm jejder.'nnt sejner Eigenen Geschichte antworteten, sich bewahre ^ehf sch/amjen mußten vor Nickel ob seiner Fahrt .durch'die''Coüritry^in "einer Woche durch acht Städte zweimal von Philadelphia bis Chicago und zurück. > Man kann sagen, daß die Drei sich, im Bluff und im Humbug auf die Probe stellten, Äver wen überbluffen werde. 33. Kapitel.' ytBluff" und ■jrlumbug''.;: , „Bluff" und ,;Humbug'\ auch das sind, echt; ame* rikahischc Worte und Begriffe, die sich nieht^so leicht in eiHe.- andere Sprache übersetzen - lassen. Bluffen heißt — nicht glatt eine dicke Lüge heruntersagen, Lügen in die Welt hineintragen, sich auf d«m Himmel einen Jahrs markt ausdenken, eine Sache ,. erzählen, nicht ersonnen, nicht gesponnen, ohne jeden Zweck;. "ruir-vum, des Lügens willen,— pfui, das mag Arnerika nicht. D^rt nennen sie das in. ihrer Sprache einen Samövardampf vormachen — ein häßliches dummes Verbrechen. Nein, der, Amerikaner ..ist; m klug,, dafür, zu sehr Feinschmecker und r-au viel« büsinessman.; Wenrr der Arne* rjkaner das Hütchen zur Seite rückt, die beiden dicken Finger hinter die Weste, steckt und euch eine Lüge .heraus» drechselt, dann ist sie rund und glatt und kunstvoll« unschuldig. Und, die, Hauptsache, sie.1 gehört zum Ge* schäft, zu, der . business. . . AU die obenerwähnten Personen; die in der Ki* hetzariü .: sitzen unc| <,stch kibetzen, sind bewahre keine Nichtstuer' wie bei uns zum Beispiel die .gewissen ,,Weisen, die am Ofen im Beth HamiüraschAsitzeri", die nichts zu tun haben und darum dort sitzen und reden. Nein. Kibetzen, das ist eine Arbeit, eine Beschäftigung oder wie man es hier nennt, business. Nissl Stehwalb, Mr. Klamer und Nickel, die au jenem Vormittag in -der' Kibetzarni s?»ßen, sprachen von dringenden business undebenwegen dieser business blufften sie. Unsere zwei altbekannten Bluffer aus der Alten Welt mußten aber jeder bei sich im Herzen ein» gestehen, daß in Dingen des bluff sie bei ihrem neuen Bekannten den Ofen putzen sollten. Nickel übertrumpfte sie mit seinen Geschichten und Großtuereien so sehr, hieb ihnen so sehr auf den Kopf und betäubte so sehr ihr Hirn, daß sie fast machtlos dasaßen und zuguter Jetzt verstummen mußten. Es ging hier um eine wichtige Ana gelegenheit. Nickel hatte soeben für sein Theater den berühmten Jungen'.Star aus Bukarest, den die Königin von . Rumänien zum größten, Tragöden der Welt gekrönt hatte, engagiert. Nissl Schwalb und Mr.. Klamer hörten nicht auf, einer nach dem andern große Dinge, Wunder und Zauber vom jungen Künstler zu erzählen. Während Mr. Klamer erzählte, wie Rafalesco . das Londoner- Publikum über* rascht, sogar einen solchen Mann wie ihn, Mr. Klamer, bezaubert habe, der niemals hineingegangen war, um die Zigeunerkomödiaritchen des Londoner Pavillon»Theaters! zu hören, unterbrach ihn Nissl Schwalb immer wieder. „Was Wollen Sie mehr, wirkliche Engländer, Christen, konnten nicht genug loben. Irving, sagten sie, ist ein Hund; ihm gegenüber,.. ich soll .so aller /Menschen Gutes haben", ■ . Nickel aber hörte sie beide nicht an. Als jene zwei blufften, lächelte er, zeigte seine goldenen Zähne und dachte sich unterdessen neue Geschichten und neue Großsprechereien über sieh und seine Truppe aus, die deiv ersten Platz in-den „United. .States of America" eins genommen habe. Na, sagte er, soll ein jüdisches Theater in Amerika es wagen, sieh dessen zu rühmen; daß es bei-sieh den .Präsidenten der Linited States in der bo.v bravoklatschend sitzen hatte-. So etwas, kann" nur bei ihm vorkommen. Nur er, Nickel, hatte die Gnade, sich Rooseyelt vorstellen zu dürfen,: der ihm vor den Augen des ganzen Theaters die Hand drückte und auf dje Schulter klopfte: „Nickel,' du bist allright!'1' Ulid vor aller'- Augen, hat Teddy von. seiner Weste wateh änoVchinc losgelöst und sie ihni als Präsent zum Andenkeir 'hinge* reicht. Bei diesen Worten ' zog Nickel eine iabgewetzte Stahluhr hervor und entschuldigte sich, daß er die goldene. Uhr mit der Kette, die ihm der Präsident ge* schenkt habe,, nicht an Wochentagen trage. Never! So schloß Nickel und bemerkte nicht, was hinter ihm vorging. Hinter ihm sitzt eine Gesellschaft von Spöttern und kibetzt den Direktor Nickel mit seiner Kompanie, verspottet den Bukafester Vogel und übt Kritik an ihm, noch1 bevor er' aufgetreten ist. Hier in der Kihetzarni krönte man schon unsern Leo Rafalesco mit allerlei Namen wie zum 'Beispiel: Greenhorn, PechvogeL Chajim Jankel, Rumänischer Hirtenbub, feines Jünger! unc( mit ähnlichen Beinamen," die zeigten, es sei. night anders, als daß die Leute ein besonderes Interesse dabei harten. Das waren entweder Anhänger eines Theaters, •dem es nicht gelungen Mar, den jungen Star aus. Bukarest ejnsufangen oder Leute von der „press" des andern Lagers, die es nicht verschmerzen konnten, daß die Ge* genpartei zuerst mit dem Lob des aufgehenden Sterns angefangen habe. Und vielleicht waren es junge Schau» Spieler, Konkurrenten, die Jahre lang in New York sitzen und warten, bis die Union sich ihrer erbarmen und sio in ihre Gemeinschaft aufnehmen wird — und da. kommt so ein Schneck daher, so ein Junge, irgend ein Rafalesco und wird aufgefangen wie ein Edelstein, bekommt das besäte Engagement, wird in der press bis in den Himmel gehoben, nun, kann einem da die Galle nicht platzen?, Nun, soll man ihn nicht Kibetzen, was das Zeug hält? Nein, kibetzen allein ist zu wenig. Man . muß gegen ein solches Unrecht ein Komplott. schmieden. Man muß zusehen, daß das greenhorn einen ehrenvollen Durchfall habe, daß er beim ersten Auftritt auf die schönste Weise ausgepfiffen werde. Mit einem Wort, daß er Hamans Geschick erleide und Lust bekomme, aus Columbus* Reich zurück nach Bukarest, und zwar rasch zu fahren. Oh, Amerika ist ein gesegnetes Land, das alles kann. Hier kann man .einen Menschen auf eine Stange setzen und direkt in den Himmel hineinheben, aber wenn nicht, dann gleich in die tiefste Hölle hinunter. Ein Mittelding, einen goldenen Mittelweg, das gibt es nicht in Amerika. Armer Rafalesco! Er wußte gar nicht, was für Uebcrraschung ihn im goldenen Land erwarte. Aber was ging das Rafalesco an, wenn sein Kopf gar weiß ich wo war, dort im aristokratischesten Viertel New Yorks, in der fünften avenucl Dort wohnte und erklang über ganz Amerika die berühmte Sängerin der Pariser Grand Opera mit dem Namen Miss Rosalia Spivak. 34. Kapitel. Ein wenig über die Heldin des Romans. Unsere Heldin, die noch in jungen Jahren, fast noch als < Kind, mit der Wandertruppe des Albert Schtschuppak umherirrte und das jüdische Publikum mit „Schabbes machen" und mit „Oj oj oj Chawe" und mit •„fratig ojf der nacht" und mit noch solchen schönen .Liedein crfreüte.yhatte bestimiht nicht erwartet, daß ihr Name einmalganz au der Spitze der ersten Berühmt« heiten der Welt genannt würde. Es hatte ihr, so glauben wir, nicht einmal geträüint, es würde eine Zeit kommen, wo sie .'ein .'ganzes• Appartement in einem, der nobelsten Hotels in einer der reichsten > Straßen ~-r-, auf •der 5. avenue — der großen überreichen Weltstadt New York be* wohnen' werde. - Öder wo> sie in einem eigenen Automobil mit einem blakedriver am Volant fahren werde. Oder wo Reporter der größten. Weltb'lätter sie dutzendweise be« lagern und stundenlang ,niit phptographischen Apparaten warten werden, um die Gnade zu erlangen, . mit ihr wenigstens zwei, drei-Minuten zu sprechen. Wie' kommt man plötzlich so hoch? Eine solche Veränderung geschieht nicht auf Ja und Nein. Eine Be« rühmtheit wird nicht in einer. Nach geboren. Das Leben jedes einzelnen, der sich in der 'Welt berühmt gemacht hat, mag er ein Schauspieler, ein Sänger, ein, Künstler, ein Maler, ein' Schriftsteller oder ein vielfacher'Millionär sein, gibt sich uns als ein stufenweises: Bergaufsteigen. I}ef Weg igt lang, weit, schwer und nicht immer mit Blumen bestreut,, zumeist mit Dornen. Könnte man die Leiden und seelischen Qualen, die unsere Heldin beispiels» weise zu erdulden hatte, messe», und die Tränen, die sie auf ihrem Lager ganz geheim, vergoß, daß niemand davon wisse, so ist es möglich, daß sie den Glanz ihrer jetzigen Erfolge und den rauschenden Applaus, den ihr jetzt: das vornehme Publikum so gerne schenkt, die duftenden Blumen, mit denen man sie überall vom Kopf bis zu den Füßen überschüttet, die vielen kostbaren Ge* schenke, die man ihr'jetzt in der großen aristokratischen Gesellschaft spendet, um vieles überwiegen. Das was wir hier wiedergeben, ist einigen amerika» nischen Zeitungen, englischen und jiddischen, entnommen. Der Leser wird selbst erkennen, was Wahrheit ist und was ein wenig Bluff im Dienst der Reklame. (Fortsetzung folgt.) Elsentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Koben Stricker. ««» Druckerei« trad Veriags-A^U Ljoaj Steiunaoa« beide Wien, IX* Uolversitätsstraßo 6~&

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