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Die neue Welt · 1930-08-15 · Heft 152 (15.8.1930) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 152 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. '152 Der Arbeitslohn ändert sich vom Norden nach Süden. Bei den Chausseen, die in Galiläa errichtet werden zahlt die Regierung Müs 70 bis 90 pro Tag, in der Um* gegend von Afuleh und Nazareth Müs 100 bis 110, in der Nähe von Haifa und im Süddistrikt Mils 110 bis 140 und auch darüber. Frauen und Kinder sind fast nur im Nord* distrikt beschäftigt. Ihr Tageslohn beträgt Mils 50 bis 60. Der niedrigste Lohn, der an Juden gezahlt wird, beträgt Mils 160 pro Tag. Wie aber erwähnt, werden die Juden meistens bei fachmännischen Arbeiten beschäftigt. Die Zahl der Arbeitsstunden beträgt bei den Chaus seen 10 bis 11 pro Tag; bei den Chausseen von Haifa, Nazareth und Afuleh 9,5, bei den Gebäuden und Stein« brüchen von Bethlehem 9. Die meisten arabischen Arbeiter arbeiten die ganze Woche hindurch ohne jeden Ruhetag. 654 Arbeiter arbeiten 10 bis 11 Stunden pro Tag. Verhaftung und Verbannung von Kommunisten. Jerusalem, 4. August. (J. A. T.) Im Zusammenhang mit dem von der kommunistischen Internationale ver öffentlichten Appell, den 1. August als Anti-Imperialisten tag zu feiern, wurden in Palästina mehrere Personen verhaftet, die in dem Verdacht standen, daß sie dem kommunistischen Appell gemäß handelten. Unter den in Tel-Awiw Verhafteten befindet sich auch Riwka Orn stein, die vor einigen Tagen, den wegen kommunisti scher Betätigung zu sechs Monaten Gefängnis und nach maliger Landesverweisung verurteilten Eliezer Mosco vitsky geheiratet hat. Diese Heiratszeremonie voll zog sich unter außergewöhnlichen Umständen. Moscovitsky wurde in Handschellen aus dem Jaffaer Gefängnis in das Rabbinatsbüro in Tel-Awiw gebracht, wo die Chuppäh in Anwesenheit von Polizeibeamten zur Vollziehung der Trauung aufgespannt wurde. — Die Gerichte beschleunigen die Aburteilung der Kommunisten; die Urteile schließen in den meisten Fällen Landesverweisung ein. Die Ermordung £es Sergeanten Singleton. Haifa, 7. August. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit der am 26. Mai d. J. in der Acco-Bucht bei Haifa erfolgten Ermordung des Sergeanten William S i n g 1 e t o n von der britischen Sektion der Palästina-Polizei wurden fünf Personen verhaftet, die des Mordes, bezw. der Beihilfe am Morde verdächtig sind. Miß Berenson, die sich in der Gesellschaft Singletons befand, als der Mord an ihm ausgeführt wurde, soll in einem der Verhafteten mit Sicherheit den Mörder erkannt haben. Die Orangenpflanzungen der Leipziger Zionisten. Un« weit von Pctach Tikwah — auf dem Wege nach Bnei Brak — befindet sich eine Orangenpflanzung von 200 Dunam, die einer Gruppe von Leipziger Zionisten unter der Leitung des Herrn Georg Freudenheim gehört. Die Pflanzung ist nach den neuesten Methoden angelegt: kalifornische Irrigation, ein elektrischer Brunnenmotor und Bearbeitung mit Maschinen. 100 Dunam wurden im Früh* ling J929 angelegt, weitere 100 Dunam im Jahre 1930. Die Pflaijzüpgen,,entwickela-sich güfc-Es yröteten Jjur; judische organisierte Arbeiter beschäftigt und das Verhältnis zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitern ist ausge* zeichnet. Der Direktor der IIa in Wien. Herr Jakob Landau, Direktor der Jüdischen Telegraphenagcntur (New York), hält sich derzeit in Wien auf. Er wurde vom Bundeskanzler Schober empfangen und hatte eine längere Unterredung über jüdische Fragen in Oesterreich. RehabiHlieruns des „Gollcs der Rache/' Ein ungarischer Jude, der Bibelforscher Benjamin Dq'nath in Budapest hat sich eine Lebensaufgabe gestellt, von deren Gelingen er erwartet, daß die seit Entstehung des Christentums und insbesondere seit der Herausgabe der lateinischen. Bibelübersetzung „V u!- gata entstanden sei. Es ist hier nicht der. Ort, Donaths ein Go11 der Rache sei, aus der Welt geschafft und als weitere Folge aus dem Bewußtsein und dem Glauben der Christenheit getilgt werden wird. Auf Grund langwierigen Studiums konnte Donath feststellen, daß die landläufige Uebersetzung, daß der Gott Israels ein rachsüchtiger Gott sei, auf Grund einer irrigen Uebersetzung ,cler betreffenden Stelle in der Vulgata entstanden sei. Es ist hier nicht der Ort, Donath!! Beweismaterial wissenschaftlich zu behandeln. Es sei nur chronistisch festgestellt, daß es Benjamin Donath schließlich doch gelungen ist, bei der römischen „Commissione Pontificale per la revisione dela Vulgata0 zu erreichen, daß sie sich nach langwieriger Nachprüfung der Argumente Donaths seine Beweisführung zu eigen gemacht, den Irrtum der Vulgata bekennt und erklärt hat, bei der demnächst erscheinenden revidierten Vulgataausgabe diesem Irrtum auch Rechnung zu tragen, so daß in der vatikanischen lateinischen Bibelausgabe der Gott Israels nicht mehr als „Gott der-Rache" figurieren werde. ,, Es sei der historischen Wahrheit wegen auch mitgeteilt, daß der Fürstprimas von Ungarn und der Erzbischof von Canterbury sowie andere hohe kallllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll1 Als Mitbewohner bei alleinstehendem Herrn in grossem Gassenzimmer, herrliche Gartenauäsicht, an besseren Herrn mit Beruf zu vergeben. Anfragen von 12-2 Mittag XX., Wasnergasse 35/10 l^, 14—4 muiag AA., wasnergasse jo/iu l||||fllllHlf!!!!!!!f,,''':''l!llllllll||||||||||||||||||||||||||||||||||| tholische Kirchenfürsten den jüdischen Bi beiforscher in seinem Kampfe unterstützt haben Ebenso sei festgehalten, daß die Häupter der refor mierten Kirchen sich bisher gegen eine solche Revision des Alten Testaments ablehnend verhalten. Aber, wie gesagt, soll hier nicht die wissenschaftliche Seite dieser Frage behandelt oder gar die Bedeutung des Erfolges des jüdischen Bibelforschers herabgesetzt werden. Ebensowenig sind wir in der Lage, uns dem Triumphgesang gewisser rabbinischer Stellen in Ungarn anzuschließen, die der Meinung sind, daß es sich hier um die glückliche Lösung einer der vi talsten Fragen des Judentums handelt. Nur wer die Leidensgeschichte des Judentums seit der Entstehung des Christentums mit oberflädilichem, naivem Sinn durchgegangen ist, kann glauben, daß auch nur ein Rassenantisemit oder Judenfeind aus wirtschaftlichen Gründen, ja selbst der Antisemit aus reli giösen Motiven sich durch die übrigens gewissermaßen im stillen durchgeführte Korrektur der Vulgata von seinem Judenhass werde abbringen lassen. Die Le gende vom jüdischen Ritualmord wurde von den angesehensten Päpsten als Lüge und der jüdischen Religion widersprechend abgelehnt. Dennoch will die Ritualmordlüge seit Jahrhunderten nicht aussterben. Der deutsche Rassenantisemit wird sich gewiss nicht von Rom vorschreiben lassen, nach wie vor den jüdischen Gott als den „Gott der Rache" hinzustellen und wird höchstens in seiner romfeindlichen Haltung bestärkt werden, weil auch dieser Fall beweise, daß „Rom und J u d a" unter einer Decke arbeiten. Es genügt eben nicht, daß die vatikanische Revisionskommission der Vulgata den jüdischen „Gott der Rache" rehabilitiert, solange nicht von Rom aus eine Aufklärung der christlichen Massen erfolgt, die das Judentum und den jüdischen Gott herabsetzenden Stellen in den Katechismen und sonstigen christlichen Lehrbüchern ausgemerzt und der Vatikan selbst stets auf der Seite der Judenfeinde zu finden ist, wenn es sich um wirklHi vitale Fragen des jüdischen Volkes handelt. Eine jüdische Lehrerin darf keine Mischehe eingehen« Wir brachten vor kurzem die Mitteilung über den Fall der Lehrerin an der Bürgerschule der Miskolczer orthödox*jüdischeri' Gemeinde' Magdalene H o r n, die mit einem Katholiken eine Ehe schloß und deshalb von der Gemeinde fristlos entlassenwurde. Die Lehrerin klagte die . Gemeinde und tatsächlich hat die erste Instanz die Kultusgemeinde verurteilt, die jüdische Lehrerin mit allen Rechten in ihr Amt wiedereinzusetzen. Ueber Berufung der Kultusgemeinde befaßte sich das Kultusministerium mit dieser Angelegenheit und brachte dieser Tage eine Entscheidung, die aus mehrfachen Gründen von Interesse ist. Der Kultusminister. hebt das erstinstanzliche Urteil auf ' und spricht die E n 11 a s s u ng der jüdischen Lehrerin endgültig aus, verpflichtet allerdings die Kultusgemeinde, ihr ein Drittel ihres Gehaltes als Ahmen* tatiön auszuzahlen. In der Begründung dieser Entscheis dung hebt der Kultusminister-hervor, daß die Lehrerin mit ihrem Entschluß, einen Christen zu heiraten, in so schwerwiegenden Gegensatz zu den Satzungen ihrer eigenen Religion geraten ist, daß es unmöglich geworden sei, ihr den Unterricht und die Erziehung ihrer Schülerinnen auch weiterhin ans zuvertrauen. Erschwert wird ihr Disziplinarvergehen noch dadurch, daß sie ihre vorgesetzte Schulbehörde hinter« ging, indem sie verschwieg, daß ihr künftiger Gatte dem christlichen Glauben angehört. Die letzten Reste der SabbataiffZwifr§ekte# Es ist bekannt, daß auch heute noch eine, wenn auch nur geringe Zahl von Anhängern des falschen Messias SabbataiaZwi, der im siebzehnten Jahrhundert durch seine MessiasJdee das gesamte Juden* tum in Aufregung und. Unruhe versetzt hatte, als gc* schlossene Gemeinschaft in einer eigenen Sekte lebt, Bis zum Ausbruch des Krieges und auch einige Zeit nach dem Friedensschluß lebten diese Judenmohammedaner in Saloniki, wo sie unter dem Namen „D o n m c s" in einem eigenen Stadtviertel wohnten. Die Donmes waren zumeist reiche Leute, hatten einen großen Teil der Indu« strie und Finanzunternehinungen in Saloniki in ihren Händen, waren aber trotzdem sowohl von den M o« hammedanern als auch von den Juden verachtet. Diese Donmes stammen bekanntlich von jenen An« hängern des falschen Propheten Sabbatai Zwi, die mit dem Führer zusammen den mohammedanischen Glauben angenommen hatten. In Saloniki lebten sie in einer geradezu hermetisch geschlossenen In* zucht, da sich weder die Mohammedaner, die in ihnen jüdische Marranen erblickten, noch die Juden, die sie als Verräter ablehnten, verschwägern wollten. Die Donmes haben einige Zeremonien und Feste, die nur scheinbar jüdischen Ursprungs sind. Sie lassen ihre Söhne wohl beschneiden, aber nicht wie die Moslims nach dem achten Lebenstag, sondern wie es Sabbatai dekretierte, am Ende des dritten Lebensjahres. »IHllflfflHflff Gediegenen englischen und hebräischen Unterricht erteilt Akademiker Zuschriften unter „Akademiker" an die Redaktion dieses Blattes ^tii^iY^^IIIIIII|ittii^|tniit^ipiij[piiiiiitti^ittiiiipiiitiiitiHiiiiiiiiitiitniiiiititniimnimiiiiittniiiiiituuitiiiiiiiiini^iiii^ Der erste Tag des Monats Tischri, des jüdischen- Neu* jahrsfestes, ist ihnen nur deshalb gleichfalls heilig, weil Sabbatai Zwi im Jahre 1665 in Smyrna am ersten Roschhaschanatage, nachdem er den Schofar geblasen hatte, sich als Messias offenbarte. Auch der zehnte Tag des Tischri, der Jomkipptirtag, gilt bei ihnen nur deshalb als Trauer* und Fasttag, weil Sabbatai Zwi am 10. Tischri begraben wurde. Der neunte Ab wird nicht als Trauertag, sondern als Freudentag ge* feiert, weil an diesem Tag Sabbatai Zwi geboren wurde. Und so gibt es eine ganze Anzahl von Donmesfesten, die nur zeitlich mit jüdischen Festtagen zusammenfallen, ihr Ursprung aber mit der Person und den Handlungen ihres Messias zusammenhängt. Merkwürdigerweise ist auch dieses Häuflein Judenmohammedaner in drei verschiedene Untersekten gespalten, die sich voneinander nur darin unterscheiden, daß die einen Sabbatai Zwi, die anderen einen anderen falschen Propheten Jakob Kerido und ein dritter Teil wieder einen anderen als ihren Messias anerkennen. Der Weltkrieg ist auch an den Donmes nicht spur* los vorübergegangen. Saloniki kam an die Griechen und als schließlich zwischen Kemal Pascha und Griechenland der bekannte Bevölkerungsaustausch durch einen Vertrag geregelt wurde und Griechenland für ihre repatriierten •Staatsangehörigen Platz und Arbeit brauchte, wurden die Donmes, die sich übrigens in dem griechischen Saloniki gleichfalls nicht recht wohl fühlten und ihren einstigen alten Einfluß nicht wieder herzustellen vermochten, als Türken gleichfalls ausgetauscht. Aber diese interessante Ueberpflanzung ganzer Gemeinschaften hat die Donmes abermals nach verschiedenen Richtungen verstreut. Das jüngere Element hat sich in Konstan» tinopel niedergelassen und versucht dort bei dem gegen* wärtig in der Türkei herrschenden nationalen Chauviniss mus ganz unter den mohammedanischen Türken unters zugehen und auch die letzten Ueberbleibsel der jüdischen Abstammungsmerkmale abzustreifen. Die Orthodoxen unter ihnen haben sich in Smyrna, dem seinerzeitigen Mittelpunkt der 'Sabbatai*ZwisBewegung, niedergelassen, während ein geringer Teil von ihnen in verschiedenen, kleineren Städten der neuen Türkei sich gleichfalls den ottomanischen Mohammedanern ganz zu assimilieren trachtet. Diese Zersplitterung, gemeinsam mit den Folgen zweieinhalb Jahrhunderte lang befolgter Inzucht, werden das Ihrige dazu beitragen, daß die Sekte der Donmes, der Anhänger des falschen Messias Sabbatai Zwi, vollends verschwinden wird. heater, Kunst und iiiiniiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiii Literatur Hebräischer Vortrag im Radio. Kürzlich hielt Mau* rice E 1 m a 1 e h in Kairo einen hebräischen Vortrag durch die Radiozentrale über das Thema: Das Radio als Mittel zur Verbreitung der hebräischen Sprache. Der Referent schlug .vor, f,»r. diesen Zweck in Palästina eine Radio* zentrale zu errichten. Von der Hebräischen Nationais und Universitäts« bibliothek. Dank der Hilfe der jüdischen Aerztc aus Amerika hat letztens die medizinische Abteilung der Bibliothek eine Reihe wichtiger. Werke erhalten. Prof. Liebmann aus New York hat für den Verband der jüdischen Aerzte in Amerika die neuen Werke auf dem Gebiete von Magen», Darm« und Nierenkrankheiten und neue' Werke,' die 4 in* den' letzten Jahren in Frankreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten „über die Dia* gnose' von inneren Krankheiten erschienen sind, erworben. . Eine Zeitschrift für KwuzasFragen. Der Verband der Kwuzoth gab die erste Nummer einer Zeitschrift „N vw Hakewuza" (Stimme der Kwuza) heraus. Die Zeitschrift soll periodisch erscheinen. Die erste Nummer enthält 48 Seiten. Es werden in ihr u. a. die Fragen der Arbeiterfrau, der Selbstarbeit, der Arbeit in der Küche, die Tätigkeit im Auslande behandelt.. Die Geschichte der Juden in der /schechoslo« wakei. In Brünn erschien soeben die erste Nummer der vom „Jüdischen Buch? und Kunstverlag" heraus* gegebenen vierteljährlich erscheinenden „Z e i t s c h r i i t für die Geschichte der Juden in der Ts che* choslowakei". Das Heft enthält Beiträge von Dr. B. Wachstein (Wien), Dr. N. M. Gelber (Wien), Dr. H. Schwenger (Lundenburg), Jaroslav Polak* Rokycana (Prag) u. a. m. Professor Eduard Baneth gestorben. Am JDonuerstag, den 7. August, verstarb in seiner Berliner Wohnung der in der gelehrten jüdischen Welt als Talmudforscher hochgeschätzte Professor Dr. Eduard. B u n e t h im Alter von 75 Jahren. Prof. Baneth war ein Sohn des 1871 verstorbenen berühmten Talmudisten Jerachmiel Dob Baneth, Schülers des Rabbi Moses Sofer in Preßburg:, und ein Enkel des Talmudforschers Ezechiel Baneth, der 1854 in Neutra als Rabbiner und Leiter dqr dortigen großen Jeschiwah starb. Vou seinen Werken sind zu nennen „Samuel Hanagid als Staatsmann un:d Dichter", „Ursprung der Saddokäer und Boethosäer", Maimunis Kommentar zum Traktat Abot", „Maimunis

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