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Die neue Welt · 1930-07-25 · Heft 149 (25.7.1930) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 149 (25.7.1930)
Date
1930-07-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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f Seife 12 DIE NEUE WELT Nr. 149 <l RA Bit fei NE FRlEDLÄNDEk & DKUTSCH Bffcit, /. Set., SeiiengieHeitioMge 2, ffhphon U-28*f-23 \ ZtlUrälfriedhöf, na*. ffcf, ftlethOn U-78-aaS Sportwagen $12, bßl ' Kinderwagens 321 m 'M. INOlLBtAQ, &fc* WaMcntUlnplafi 3 ♦EJiigang Bäuerksrass« 1) Plllalci■" Kfosterneubur^erstraOe 91 Telephon A-41-4M und A-47-4-97 Kataloge gratis mm 3 «■» «■ BegrDnM 1112 Ubensuenlcherun$s-, fiesenschott 2entradlrlkti*n: WIE* I., ft'.mtrgu«. Nr. 2 mm s mm *l . s MB X ttfinltfiial , ______^IfoittiiÄMtafö«Jrtn ff* ' Cimtitatttt WtlHI u ftTinttiit* bi mm Vgfoto* *-*9 f,M(l!,8W.-» ScttffM 8/ KüiSMI SlfetSIVf 2411Him&SdNlR9 2(iNi!iOH m\n Tätigkeitsgebiet: Ottttrrilch, Duttet-tdRtiöh, fttnltraiclt, lien,. floltind, KtHtn, femiM, Tfehtehwlowtkisch« .3 ni r»'?nt "■"■na. ixwwn, mnwn, luaeenwewakische s lipublllt, T>»ltn, Ünotrn, iüq&mto, Bulgarien, Arischen. 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Beruf, zu. ergreifen,, einen andern „shop". Worin, dieser, shop. bestand, werden wir weiter sehen. Vorläufig .halten wir bei sefheY Sclnvester Henrietta, der berühmten-Primadonna aus Öüenos Aires. V.X ' ' ' ■ ■' '. 29" Kaf»itel.;; '. ■■ t ' t ' Der Stern ^ölngB^h^s^iresy '• V Brejndele Kosak hat;lfi;iih]rc(n\.^rie{e9 an Henrietta nicht übertrieben, wenn sie ||hf{ sfchrteb, daß man sie in Amerika reicht nur mit Hon0 überziehen werde, sondern daß " die- Manager des jüdischen Theaters sj.ch. um sie raüftsn werden wie um 'eineäs Edelstein. Es. genügte, daß Nisäl Schwalb sich mit aeinejrt-'S^Kwe^tgr .Henrietta'' zuerst in dem Mne^ Theater 'zeige, ffann in Adern andern, um $ie[ Augen des ganzen /Farterrep|w{iibr^/auf'.sich zu ziehen. Henrietta. war zu jener Zei^ kan,n r^nan sagen, in ihtsr waWn -Bliite und . i^?.wii^|n!:..(|lan^'' ihrer . Schönheit. Qb^ndre|n^.'^ar(' sie so' ele^d-:'''£^piäht,''. ihr Hut 90 schlßiend1 Äodern, ihre-'StiiÄ^iu^J?" denen* sich mehr falsche als ^eente befanden, >Mb^n :i^T so viel Reiz, daß mari. sogleich, da d&JBtvidji^^;Müt^ die: Kulissen führte Und1 siedfen Sehauspielern^^ünd Se|iauspielerinnen vor* stelUe, im Parterre wußte, ^"l^ie^ejije; berühmte;^r|ma» d,o^^ :sji;v. e^ aüf> dem Himmel der; jüdischen Bülme;'; Wer..;^;sa, ,i;r^^woher sie. sei, das wüßte vorlaüfig' noch' riieiri^ndf-'^ -D^;^ erfuhrIi man erst später,?nachdem in» den Zeitungen^ zuerst'Artikelerschie» nen/ war?n,- dann « posaünienscKaiU v und ^choftirtoriartige Annoncen: mit -yoÜmond^tt^^'in (jenen;:' stand,' daß in dem'igid:*4f>n»'.'T|yjaiter'' eiä' $$^r£t$n. aus: Buenos . Aires mit> dem' - Namen' Henrietta j^hwalb: ^uf traten werde, der mit seinem sympathischen Au^seh^n u^id seiner schlanken Figur alle1 Schönheiten beschämen Xverde, die jemals night nur;/ die ^dis^he.. Bqhne, sondern -/alle/ Bühnen dieses Randes und d^c'ganzen. .W^jft^b'etr^ten^.b^b^ßn. Und da der; Manager gerade über''Sehpnheite.n sprach, erlaufte er sich auch noch; die pa^iA^iprf^ hinzuzufügen, daß HepHetta Schwalb auf der Ausstellung von Schönheiten in |^aris, den;e ■ v! ^.O.enug^ A1^de^^Vö*|^^f •a^uz|hi1en 'konnte er sich ersparen. Das Theater tjojjsieb^^fichön ohnehin unter dem Publikum, das den Stevp - i»us' Buenos Aires, die be» vühinte Schönheit, die den e|st«n Preis bekommen hat, zu begrüßen gekommen. war. E4t wt nöd^ 'zu bemerken, daß das,;-werte Publikum,, das vSfitt;eir^mal^gewöhnt war, ge» blufft zu •werden,* Mnd dkßTntan iförn. „von Einern. Jahr» aj^jfke auf,^fein ^Hi'm^ell'j v^rW^¥.r$*f besten \Ve]ise b«friedigt^>vi}rde.t ■ Und f9s nifhm " den .Stern ä,us BuenosV^res mit' solch '.d^hj^riäle^. Applaus auf, w)e m.^«|6^'.vi)i9'' so:nur än cil^e^ jUd^hen Theater New Yöfks -ypntitypii' lf«Jini . Es ist laicht sich auszudenken, in; welchem Ton Nif*l' Schwalb zuin Manager^ desi Theaters sprach, als er jzur zweiten; Vorstellung kam,) ..Än ' ü|er die! KbnditibnjBn 2?üfred^n,* ühd ' an* der Kassa' ilhen Ansphläg vorfand: ^K•|ioe^'Tikett8,.m^hr;, Nissl Schwalb' hatte da ganz ver• aef««n; daß die Geschichte vom ersten Preis in Paris der Mtnt'ger aus seiner eigenen Fhantasifc erdacht hatte, und er begann mit Hitze und-mit Feuer, wie es seine 'Art ist, Wunder und Zauber zu erzählen, wie seine Schwester diesen Preis bekommen habe, Wie alle, anderen' faild* schönen Frauen sie beneideten, es ihr nicht gönnten. Wie ' die Direktion selbst aufgeregt war, als sie erfuhr, daß sie., ein Mädchen aus jüdischem Hause sei. Wie sie fast — fast Um den ersten Preis, gekommen wäre. Ein' Glück, daß er, Nissl Schwalb, dazwischen getreten war, ihnen allen einen Skandal machen, wollte. Und nicht nur wollte, sondern auch wirklich einen Skandal, gemacht hat. Er lia^t ihnen das und das gesagt, es ihnen so und so' ge« geben... Nissl Schwalb mußte mitten drin unterbrechen, .denn in diesem Augenblick spürte er, wie ihm jemand .auf den Fuß trat, aber so schwer, als wäre es ein Fuß eines Gardesoldatcn. Zuguterletzt war es Brejndele ,Kbsaks Fuß. Das tat sie, auf daß er ein wenig Zurück» hältung übe. Wie Brejndele Kosak daher kommt? --'Na, sie war es doch,'die eigentlich die Primadonna SchSyalb gemanagt hat. Sie hatte ja aus I^ondon den Stern von Buenos Aires gebracht. "Wie ist es dann möglich, daß man von Konditionen spricht, Ahne daß sie dabei ist?. Nissl ScKwalb wunderte sich nachher nicht darüber, daß er mit' seinen Geschichten ein bißchen zu (weit gegangen ■ war, sondern nur, daß eine Frau einen so schweren -Fuß habe. ' Glückliche Henriettal Seitdem sie bei der Bühne v ist, seitdem sie 'Primadonnaist, hat sie nirgends noch solch eine Aufnahme gehabt wie hier in New'/York.' Einen solch donnernden Applaus hat sie, seit, dem sie lebt, noch nicht gehört. Nein. Das war kein Applaus vpn , Menschenhand. Ist eine Menschenhand imstande/ einen so-betäubenden Lärm; zu erzeugen? So kracht,'es nur, wenn man Bettzeug, klopft, - Kissen schlägt, Pelz\verk,\m Sommer »mit tüchtigen. Prackern reinigt- oder, zumindest, wenn man jemand zwei B^r.et]ter; in , die t Hände-gibt und ihm sagt: hau, klopf, drisch, was1 die; Welt ist! , Wir müssen uns zum Geständnis bequemen und daß Geheimnis verraten, daß ganz oben auf der Galerie einige Menschen mit derlei „Instrumenten" in den Händen saßen, die* sooft1 der 'Stern' von Buenos1 'Aires/;auf der Bühne erschien oder abzugehen hatte, diesen Wirbel machten. Das Theater stürzte vor diesem Donher und diesem Sturm fast ein. Das Publikum unten blickte angst» voll. hinauf, wollte sehen, woher das Gekrach klömme, und half dann selbst mit, zu donnern und zu poltern. Das, liegt schon in dej Natur ^des Pubjkums, daß. es'nur das erste Signal braucht. Wen geht es was an zu wissen, woher das Signal kommt? Wem wird es zum Beispiel in den Sinn kommen, daß dort irgendwo Menschen mit; „Instrumenten" in den Händen/sitzen, installiert; qm c]er Primadonna den Erfolg zu n^achen, und daß unter diesen „Klapperern" sieh auch ihr/leibhaftiger Bruder befindet? Ja, der erste, u^nter den ,,Klapperer,n" wa^. kein an» derer-als unser bekannter' Tra^ödist Isaak ' Schwalb «— und das war .auch'.seini shop,, den ihm sein.ßju'd^r. Nissl r vorläufig für, die erste Zeit in Amerika zugeteilt hatte. / '; Sic'trarisit glbria mund 1— §agt/ein lateini« sches Sprichwort. In unserem. Jüdisch, wenn wir. es etwas freier übersetzen wollen, wird das heißen: So wird ein» mal aus einem Tragödisten ein Klapperer. 30. K a p i t e 1. Die Lömscher Nachtigall. Unsere Kommune „Klammer, Schwalb et Comp." ging in Amerika, kann man sagen, durch offene Tore und Türen. In derselben Zeit, da der Stern von Buenos Aires aufging auf dem Himmel der jüdischen Bühne, ließ sich in der jüdischen „press" über eine Lomscher Nachtigall eine schmelzende Melodie hören, die die Blätter auffingen und durch ganz Amerika trommelten. Hakol talui bemasal — alles ist nur Glückssache. In London lag dieser Chasen in einein Winkel vet» steckt, wälzte sich in einem Keller, starb mit der ganzen Familie, nicht heute sei's gedacht, dreimal des :Tages vor Hunger, mußte auf Wohltaten der Londoner „charitys" angewiesen sein und ,auf den Rat so guter Menschen wie des Mr. Klamer. Und hier in New York ist er auf einmui ein Starker geworden, um drei Köpfe höher gewachsen und hat einen Namen bekommen, der 'von,'einem Ende der Stadt bis zuhi andern ertönt. Und in allen Blättern und auf allen Säulen für Affichen könntet ihr in jener scuson an jedem Tag'diese schreienden, posauncnschalU und schpfartonartigen Ans noncen lesen: „Kommt heute in unser, Theater, Kol N i d r e s i n g e n h ö r; e n die Lomscher'Nachti« gall mit ihrer ei-ge:neu- Kapelle,- d i e 'der König Georg bewandert hat." Wieso der Lomscher Chasen plötzlich im Theater aufgetaucht ist? Und woher der Gott die Seele schuldige König Georg sich da her genommen hat? Unsere Freunde Leser sollen solche Fragen nicht stellen. Sie; müssen nur daran denken; daß ' wir mit unserer Kommune nicht in Jehupetz sind, sondern im goldenen Reich des Columbus, im freien,,-guten,-, glückljehen, Land,, das, Amerika heißt., .'Was it^an will, kann man über, unsere Brüder im goldenen Reich sagen: zum Beispiel, daß sie ein bißchen zu sehr den business nachjagen, daß sie sich aufdas amerikanische Leben, mit ungeheurer Gier stürzen,: rasch amerikanisiert '."'werden, 'amerikanischer als die Amerikaner selbst aussehen wollen, und ähnliche Dinge, die der eine als Fehler, der andere als Vorzug ansieht — aber das Lob müssen, wir' "ihnenr 'angqdeihen.' lassen, daß sie den;- alten Vers in unserem alten Fünfbuch „Weachajftera et hagejr" iIhr sollte den 'Fremden lieben, denn ihr selbst seid Fremde:gewesen1'^-'diesen Vers nicht vergessen und nicht .vergessen! werden,.'sollten* sie auch ausgegrünt werden in der. „gelbsten"' Weise.^ Wüßte ich, daß man mich, nicht der 'UebertreibuRg[ beschuldigen wird, würde ich sagen, daß in 1 der Erfüllung 'des Dienstes am Fremden jeder Jude dort fast ein Erzvater Abraham ist. Ein Gast, nicht gerade ein Verwandter, sondern irgend ein Landsmann ist bei ihnen eine Kostbarkeit. Jeder amerikanische Jude, der sejbst eipm'411 ein Gehetzter war und vom1 Emigrant» sein, gekostet hat,'wird, kaum hat er sich auch nur ein Stückchen Position geschaffen, nicht früher, ruhen, als bis er einzelweise die übrige Familie aus der alten Heimat hierhergebracht. hat; Könnte er nur, würde er gern sein ganzes Städtchen mit dem Row und mit dem Schächter und mit dem Chasen zu sich in seine neue gesegnete Heimat herüberschaffen, 'Sollen nur alle sehen, was für Leben er sich im'goldenen Reich des Columbus geschaffen hat und sollen auch sie sich ein solches Leben schaffenl Nichtsdestoweniger muß man nicht glauben, daß wir geneigt jsind, e^inen Dithyrambus, ein Loblied für unsere amerikanischen Brüder anzustimmen und sie alle als lauter Gerechte hinzustellen. Menschen sind immer und überall nur Menschen. Kommt ein Landsmann, wird er mit der größten Gastfreundlichkeit empfangen. (Fortsetzung.) EificmQracr, Verleger» Herausgeber and verantwortlicher Redakteur Uberbaurai Robert Stricker. » Druckerei* und VerUg^-U Igoa* Steiumatw, beide Wien. IX. UmVewltatwtrafi« 6-*

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