Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1930-07-11 · Heft 147 (11.7.1930) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 147 (11.7.1930)
Date
1930-07-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2711613-2711736-2711765--1941-2715193
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

r Seife 12 DIE NEUE WELT Nr. 147 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER Ä DEUTSCH Wien, I. Bes., SeUenetettengaste 2, Telephon V'28*1»28 XI., Zentralftiedhof, neb, d. 1, Tor, Telephon ü-18-0 85 Sportwagen S12*- Kinderwagens32« Emuger M. ENOILBERO, XX., Wallenstelnplats 3 {Einging ßftuerlegasse 1) Filiale: XX., KlosterneuburgeratraOe 91 Telephon A-41-406 und A-47-4-97 Kataloge gratis .PHÖNIX' ■MiiiiiiiiiiiiiiiiiiinitnniiiiiiiniiiiiiiiiiminiiiiiiiMiiiiiiiiiit: § Gegründet 1882 1 IßbcnsoßKicherunssf Gesellschaft | Zentradirtktlon: WIEN I., Riemergaise Nr. 2 5 § firiUNraiiitHllRl 2 Hindu Saifling | s filltaitzeltit Ikliubpiiil 4.0S0.008.- Sdüfflni E Pritlssaatf ZlMMiinikiin Ei Jiift 1921 9/Milliomo SdiDüno 5 2 GinMimittii Ende 1928 242 MOlioam Sdnlling s lisaUaniffl in dii VeRinirtiR ii Jilvi 1928 265 Miltionan Schilling s Tätigkeitsgebiet: Oestorreich, Oeutsohes Reich, Frankreich, a Belgien, Holland. Italien» Spanien, Tschechoslowakische E s Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- E s fand. Türkei. Aegypten und Palästina. niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiS RADIO in eleganter Kofterlorm für Radio uno Schallplatten, epielt Uberall ohne An« lernte, ohne Erde, sowie alle modernen Netzempfänger Radioapparate mit Auslandsempfang. Radio-Bestand» teile, Kredit ble 20 Monate, 10% Anzahlung, 1% Kreditspesen pro Monat. Billigste u. beste Einkaufsquelfe Radio-Mui ikhauf Schlesinger nui im Wien, VII., Burggasse 122*124 ««taio* or.ti« Pension ,Austriaa Kinderheim Vöslau «OLGA KAOISCH) JSgermayerstraße IS Telephon Nr. 141 Für Dauer' und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch'Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin - Erstklassige Verköstigung. - Mütterliche Pflege. - Mäfllge Preise Kofferapparate Luxus-Apparate mit u. ohne Trichter, Schall« platten v. S 2.-, die neuesten Schlager in größter Auswahl, erhalten Sie für S 2.50 Wochenraton, sowie Mandolinen, Gitarren, Harmonikas, Lauten, Violinen, Zithern, Blasinstrumente. Musikhaus SCHLESINGER SSSfÄ-EgB iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii..iiiniiiiiiniiiiiiiinm BEI BESTELLUNGEN BITTE SICH AUF fDIE NEUE WELT- ZU BERUFENI llllllllllll'IHHlhlHllllllllllllHIIHIIIHIIIIIII (ginlöfuttg ttoii @olb, ©Uber. <plaitn bei 0. 91. Stftclb, 28tett« I. $ran) 3otef»Jtai 49, #<rnrrale: VI.. tttamlmtertrferftritfte 8ft NÄHMASCHINEN FAHRRÄDER 1930 S20.— monatlich ohne Angäbet nitf |f IX. UechtensteinstrnBe Nr. 27 sT^l^lm Tmtt A16"3"64 und A nww» ■^bhbh IV- Wiedner Hauptstraße Hr.8 BsHmHHbI Tel. A 30*0-36 SPORT UND TO U RISTEN ARTIKEL Die bestbewährte unschädliche wKrWA^ turbt echt, naturgetreu und dauerhaft von blond bis schwarz Ueberau erhältlich o '£.— und S 3.30 W. SEEGE9, Wien XV, Wurzbachgasse 19 Copyright 1928 by „Die Neue Welt", Wien. ee Nachdruck verboten. KOMÖDIANTEN. Roman von Schalem Mechern. Ins Deutsche übertragen von P. Rosenhall. ' . . v * 28. Kapitel. Die Gemeinschaft bröckelt ab. Die Feiertage gingen zuendc. „Die dumme Woche" Die Primadonna antwortet mit teurem Lächeln: „Nejn! Bist nit mejn mojsche!" Da antwortet jemand vom Parterre, "von den boxes oder von der Galerie wieder: „Ich heiß' Mojsche." Da erst schließt die Primadonna und der Chor mit dem werten. Publikum fällt mit ein: „Mojsche do un mojsche dort — . Mojsche is oif jed'n Ort." Nach den ersten zwei, drei Vorstellungen wurde das Lied „Mojsche" aufgefangen und durch den neunten Distrikt New Yorks getragen, und im Haus und auf der Gasse, in der Kitschen und im shop, in allen jüdischen Restaurants, in den Störys und effectories < gesungen — überall hörte man nur „Mojsche" singen und „Mojsche" und „Mojsche". Einen größeren succes konnte man nicht erwarten. Denn wenn von einer national*musikalisch*dras matisch*patriotischen Piece beim werten Publikum ein Liedel zurückbleibt, ist das der beste Beweis für den Erfolg der ganzen Piece, daß sie mit Gottes Hilfe ihre Zeit erfüllen werde. Der Manager jenes Theaters konnte gewiß sein, daß ein „Mojsche" nicht eher vom Repertoire ■ verschwinden wird, bis-es „Mojsche". nicht zuwider wird, „Mojsche" zu singen Mögen die Kritiker kritisieren, wieviel ihr Herz begehrt, mögen Feuilletonisten Witze reißen über die Feiertagspiecen, sie mit dem schändlichen Namen;,Die dumme Woche" belegen — die Manager der jüdischen Theater sagen, daß sie es besser wissen, was „Mojsche" lieb hat und was man „Mojsche" geben muß. Und wenn, sagen sie, es darum geht,,wer am meisten den Geschmack des werten Publikums verdirbt, ob das /Theater oder die „press", möge man nur rasch, sagen sie, infden jüdischen Zeitungen Amerikas blättern und nach« sehen, was für Schundromane sie da drucken zu Ehren „Möjsches". Und es geht eine heiße Polemik in den Blät» fern'los. Und es entbrennt ein blutiger Kampf' zwischen den Repräsentanten der zwei großen Mächte in der groß* ten jüdischen Gemeinde der Welt — zwischen der jüdi» sehen „press" und dem jüdischen Theater — und allss wegen' „Mojsche". Und „Mojsche" liest das, was man über ihn in den Blättern schreibt — und schert sich den Teufel darum. Wo;.hat *er Zeit, im Lande des „havy up" . und - des „helf your seif" , bei solchen Dummheiten yja. .vervfeilen, und sich damit,,zu beschäftigen,, mit Philo» «ophie? Das.verknarrte, verlärmte, tumultuösc, verbusyte und, verbusinesste Publikum, vom Tag abgearbeitet und abgemüdet, kaum den . Abend erlebt, geht hinaus1 auf die jüdische Gass' und versieht sich mit tiketts und füllt die Galerie und das Parterre und'die boxes und verschlingt das süße,' reizvoll patriotische Lied , „Mojsche", das die berühmte Primadonna singt, mit so viel Anmut und mit ^^n Augen , im Publikum suchend: , , „Gewalt, jidische Kinder, mojsche! Sogt mir, wu is mojsche?" Und das werte Publikum fällt ein: „Mojsche do un mojsche dort — Mojsch'n treft ir oif jed'n ort!" mit ihren wilden ungeheuerlichen Feiertag*Pieccn war schon im Abtreten hegriffen. Die, jüdischen Theater New Yorks waren schon daran,, ans ernste Repertoire von lauter literarischen Piecen; zuvschreiten. Auf den großen Affichen in den streets und aufder zweiten Seite der jüdischen Zeitungen , erschienen -die wohlbekannten Namen der jüdisehsamerikanischen Theaterwelt. Die „press" sprach von neuen Dramen, nannte neue Namen von alten Stücken, die übers Meer aus der alten Welt hierhergeschlagen, kunstvoll? gewendet und meisterhaft, nach amerikanischer Art, umgearbeitet, aufgewichst und so verjüdischt wurden, daß kein Hund erkennen kann, woher sie stammen. Mit einem Wort — es war allright. Ganz ernst sprachen die Kritiker über diese neuen places, widmeten ihnen ganze pages und schenkten den Autoren die schönsten, glänzendsten Namen. Den einen nannten sie Sudermann, den andern Hauptmann, den dritten segnete man mit dem Namen Ibsen, den vierten krönte man mit dem Namen Shakespeare — der jüdische Shakespeare, größer hoch als Shakespeare!... Selbstverständlich wäreii nicht alle Rezensenten einer Meinung und alle Rezensionen gleich. Die Meinun» gen waren geteilt, wie es dort seit altersher Brauch ist, scharf geteilt. Das Stück, das der eine Kritiker in der einen Zeitung in den Tag hibeinlobte, in den Himmel hob und den Autor vergötterte,- riß der andere Kritiker in der anderen Zeitung unbarmherzig herunter, trat die Piece mit Füßen, machte Asche aus dem Autor, s bewies durch Zeichen und Wunde)?, daß, seit Columbus Amerika entdeckt habe, ein solcher Schund vom Schund nicht geschaffen wurde. Mit einem Wort,., die „season" war in vollem Glanz. Und 'noch immer herrschte „Mojsche" in der jüdischen Gasse. Der Manager: jenes Theaters, wo „Mojsche" gespielt wurde, hielt die Hände in den Taschen und beklagte sich, es sei nicht gut, sehr nicht gut. Sein Theater zu klein für das ganze Publikum, das jeden Abend kommen und seinen „Mojsche" sehen und hören wolle. Dabei verzog er das Gesicht wie ein unglücklicher Rockefeller, der nicht weiß, was er init den schweren Milliarden anfangen soll, die wie Steine vom Himmel auf ihn heruntersausen. Man kann sich denken, wie die Manager der an» dem Theater ihn beneideten. Vergeblich waren ihre An» strengungen rechts und links, vergeblich das. Heraus* ziehen der besten Ware, der besten Dramatiker aus der Schublade. Vergehlich das Sehreihen über sich. selbst, daß nur bei ihnen allein „die wahre Heimat des jüdischen Dramas" sei. „Mojsche" überschrie sie alle, betäubte den Kopf, besiegte. Die armen Theaterbesitzer waren leider in der größten Verzweiflung, bis sich ihnen plötzlich an einem schönen Tag eine neue Hoffnung auf Wieder» belebung auf tat. Eine Hoffnungsquelle, die sie aufatmen machte, wirklieh erquickte, fast lebendig machte; Die Quelle war die uns, bekannte' Gemeinschaft „Klamer, Schwalb et Comp."'Die irrende Gemeinschaft tat in der ersten Zeit der Verirrung naeh N,ew York vorläufig nichts. Sic stand nur von fern und beobachtete und bewunderte, was im jüdischen Theater im Reich des Columbus vorgehe. Wenn ein fremder Mensch seinen Fuß auf einen neuen Ort in einem fremden Land setzt, ist er wie einer, der in unbekannten Wassern schwimmt. Man muß sich zuerst umsehen, wo man eigentlich ist auf der Welt, sich die Sitten anschauen, die Sprache hören, sich akklimatisieren. Lange so zu sitzen, hatte für sie keinen Zweck. Unsere Schauspieler der Wandertruppe „Klamer, Schwalb et Comp." hätten so das ganze Barvermögen, das Mr. Klamer aus London mitgebracht hatte, aufzehren können, über jedes Pfund Sterling, das Mr. Klamer in arnerikani* sehe Dollar eintauschen mußte, seufzte er, der arme, trieb seine Kompagnons an, ein wenig eifriger an die Arbeit zu gehen, gab zu hören, in Güte versteht sich, daß es sich bei ihm in der Brieftasche lichte, daß bald, bald, kaum hat man sich dessen versehen, sein wird, wie sagt der englishman „no pay — no shaw". In unserer Sprache wird das soviel heißen wie „njema papa, geh lu*l*l". Es war den übrigen Kompagnons selbstverständlich nicht angenehm, solche zarte Andeutungen zu hören; und mehr als allen war es dem Haupt und Führer der Kom* panie Nissl Schwalb unangenehm/ Aller Augen waren auf den genialen Kombinator gerichtet, was er wohl tun werde, welche Kombination bei ihm ausgären werde. Und Nissl Schwalb blamierte sich vor seinen Kompagnons nicht und büßte bewahre seine Reputation nicht ein. Er bat sie um nichts anderes als um ein bißchen Geduld und bewies ihnen wie zwei mal zwei, daß sie hier Gold scharren, ein Vermögen machen, Jacob Schiff über« treffen, drei Rockefellers in die Tasche stecken werden, er soll so aller Menschen Gutes haben. Allerdings hatte Nissl Schwalb mit seinem erfahrenen Auge erkannt, daß für dieses Land, das Amerika heißt, die Gesetze der alten Welt nicht gelten, daß das, was für „Europe" gut ist, für Amerika Selbstmord bedeutet. Er errechnete mit seinem, kombinatorischen Hirn, daß er mit einem Hervor» treten der vereinigten'Truppe,' wie es geplant war, einen jämmerlichen Durchfall erleben und Rücken und Kragen brechen könne. Vier gesünder! werde es für die-Kompanie sein, wenn sie sich nach und nach einzelweis zeige. Das heißt, die Kompanie kanm wohl ..eine .gemeinsame Gruppe bleiben wie früher, iaber, sie; muß .geteilt werden. Die Kräfte müssen in kleine Stücke z.erlegt werden, so daß jeder sich einzeln hören lassen,,Bewunderung erregen und eine „Sensation" machen könne. Dabei entpuppte ..sich Nissl Schwalb nicht nur als .genialer ''KomUnatoV>öö1leta auch als praktischer Kaufmann öder, wie es in' Amerika; heißt' als;guter businessman.1 Er ging, wie Raschi») sagt, den Weg des Irdischen, das heißt, auf :denV kaufrnanni« sehen Pf ade. *Weiin ein praktischer Kaufmann seine Ware zeigt, soholt -er zuerst das Schlechteste hervor, das er hat, und dann erst das Beste. Zuerst, vor allem, sah INissl Schwalb dazu, die Schwester Henriette, die Primadonna, und den Bruder Isaak, den Tragödisten, in Parade yorzu« führen. Was den Brüder Isaak betrifft, inuß maju sagen» ging es nicht nach Wunsch vonstatten. Außerdem, daß Isaak Schwalb von der New Yorker Theaterwelt als Tragö» dist nicht anerkannt .wurde, außer daß Kehner über ihn sagten, er tauge besser zum Fleischhacker a[s zum Schau» spieler, besser zum Milchmann oder zum . Herumtragen von barreis „Eis*Creme" außer all diesen Vorzügen gab es noch das Unglück mit den .junions" in dem Yankee*Reich. (Fortsetzung folgt) ') Berühmter Bibelkommentator. Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert .Stricker, Drucketelr ua4 VerUgs-A.-G. Uaag Stelamaou, beide Wien. IX„ Ualversitätsstraße 6—&

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.