Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 146 (4.7.1930)
- Date
- 1930-07-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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f Seite 12 DIE NEUE WELT N*. 146 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER <ft DEUTSCH Wien, I, Bei., S*itentteitengas$e 2, Telephon Ü-28-1-28 Xtn Zeniralfriedhof, neb. d. 1. Tört Telephon U-780 85 Kinderwagen »omtlnfachsten bis «imftlflitert Gtnrt ornuQt Kotbwarenindusttls M. ENOELBERO, XX., Wallenateinplatx 3 <Einging Bluerlegasse 1) Filiale: XX., Klostcrneuburgerstrafie 91 Telephon A-41-406 und A-47-4-97 Kataloge gratis RADIO in eleganter Koifertorm für Radio unci Schallplatten, spielt Uberall ohne Antenne, ohne Erde, sowie alle modernen Netzempfänger, Radio-Apparate mit Auslandsempfang. Radio-Bestand, teile, Kredit bit 20 Monate, 10°/0 Anzahlung, \%Kreditspesen pro Monat. Billigste u. beste Elnkautsquelle Radio-Muilkhaut f Chief Inger nur im JImIikm ^iiiiiiiiHiitiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimniiiiiiiiiititiiiiiiu I Gegründet 1882 1 1 Lebensuersicherunss- DULILUIY" | Gesellschaft 9r nUlllA § | Zentradirektion: WIEN I.! Riemergasse Nr. 2 § 3 iBiiAOTBgrtutanfl 2 MOliardm SAilfing | S ViNsgoaMtn Iktieskapilü 4.000.000.— Schilling a PrlsitRui ZwiMiinMlmn ha Jtbt8 1928 9/ HDlionen Scbüling S 5 Gamtienitttl End* 1928 242 Hillionjn Schilling S InaMonoti u die Tenkbtrtto in Jihn 1928 26S Hitnen Willing s 5 Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, S 5 Belgien, Holland, Hallen, Spanien, Tschechoslowakische s Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- E . iand, Türkei, Aegypten und Palästina. SlillUIIIIIIJIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIfllllllllllllllllllllllllllllllllilliHri Gittlttfitito ÖOlt @olb, 6Uber, $laiiit bei 0. «. SifjeiD, act««, i. 9rnns 3ofef<äat 49, Zentral«: VI., Qtantjtenftorfetfrrafte 85 BEI BESTELLUNGEN BITTE SICH AUF ,DIE NEUE WELT' ZU BERUFEN! 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Es schjmmern euch ganze; Seiten auf, hier heißt es „pages", von oben bis herunter in vollhiondgroßen Lettern, schöne glatte Worte, hochtrabende Phrasen, die wie Baumöl dahinfließen und sich so leicht lesen wie Wasser und zu euch von himmlischen Freuden sprechen, die der und der Manager für euch vorbereitet hat, und von einem wirk« lieh paradiesischen Genuß, den ihr in jenem Theater haben.werdet. Diese schönen, glätten, baumöligen Artikel sind so kunstvoll zusammengestellt, so tückisch ausgc« stattet, .daß>, der , einfache naive Leser Maul und Augen öffnet.'Er weiß-nicht, ist das ein Leitartikel oder wie man es hier nennt, (ein * „editorial", vom Redakteur selbst! Oder igt ^as.so .eine Art Kritik, ein Hallelujah, ein Lobgesang des' zufriedenen entzückten Theaterrezensenten 1 Niemals in der Welt' wird der Gedanke in den Kopf kommen, daß;.dasbewahre eine gut bezahlte Annonce ist, hier heißt das ,,ädvertissement", für Geld, eine gedungene ,,ßage'\ worin,, der'Theatermanager schreiben kann, was seinem Hirzen gelüstet. Er kracht dort hinein mit seinem Theater, klingelt, pfeift und trompetet mit Posaunen« schall und Schofarton. „Wollt ihr etwas Erhabenes, sehen, so etwas, das ihr'noch nie gesehen'habt," ergießt sich und singt eine Nachtigall in einer Zeitung, „wollt ihr verbringen wenig« stens eine Stunde, eine i gute, eine ruhige, im Paradies? .Wollt ihr wissen, was Himmelsgenuß heißt? Wollt ihr hören, das Echo echt jüdischen Gesanges? Wollt ihr bitterlich weinen mit echt jüdischen Tränen Wie .in den „Gebrochenen Herzen"? Wollt ihr herzlich' lachen von natürlichem Humor und reinem jüdischen AVitz wie in den „Olreltnik'es"? Wollt ihr euer Auge: sättigen an moder* n§n,;. reichen; „sceneries" und patriotischen Dekorationen und Ausstattung wie im „Pintele jid"? Wollt ihr sehen wunderbare Tänzer und Tänzerinnen, wie noch niemals dagewesen? — Kommt sehen jeden Abend und Matinee den ganzen Feiertag die „Vier Steckens"! — Die schönste tragikomische, melodrämatisch»patriotische Operette, die je gesehen ^\vurde auf einer jüdischen-Bühne." „Unter , allen Piecen in . allen-jüdischen Theatiren auf diesen Feiertag strahlt hervor die „Menorah" durch ein so helles Licht, daß alle Piecen, die irgendwann auf» geführt wurden, verdunkelt werden und gänzlich ver» loren gehen." So singt ganz bescheiden ein anderer Manager eines anderen Theater. „Die „Menorah", sagt er weiter mit seltenem. Äplomb, „steht unter ihnen wie ein Riese unter Zwergen. Man - hat schon Tränen gesehen in diesem Lande, Tränen von verlassenen „Witwen" und von unglücklichen „Waisen"; Tränen von verlorenen Kin* dem und umgebrachten Säuglingen auf der Bühne. Man hat schon Blut gesehen von verunglückten jüdischen Töchtern und geschändeten Frauen in den bestialischen Pogromen. Man hat schon Gelächter gehört auf der stage von unsern Theat'6ren, natürliche Gelächter und herzlichen Humor und: jüdischen Witz. Man hat schon Gesänge gehört und süße Melodien von berühmten Primadonnen. Man hat schon Tänze gesehen ' von den schönsten Tänzerinnen der Welt — so was überraschend Erhabenes und Himmelheiliges lauschte man noch nie und sähe man. noch nie in New York!" Eindritter Manager eines .dritten Theaters läßt sich wie ein StadJverordneter in seinem.„paper" verneh* men und gibt so einfach eine Geschichte von sich,: wie er so .diesen Sommer seine' „vaeätibn" glänzendin „Europo" verbracht, alle großen' Städte bereist/ alle Theater besucht, zugeschaut und zugehört, wie eine Biene von überall ein wenig Honig genascht, und ihn das auf die ■ Idee gebracht habe, „ für das New Yorker jüdische Publikum eine FeiertagsPiece zusammenzustellen, die zu gleicher Zeit den Zuhörer bezaubert mit noch nie dage» wjssenen nationalen Kostümen und das Herz mit echt jüdischem Stolz und Patriotismus anfüllen soll. Eine Pfece, die darstellen soll die feinsten, herrlichsten jüdU sehen Typen vom alten vergangenen Judentum mit^ den modernsten Banditen des zwanzigsten, Jahrhunderts. Eine Piece, die enthalten soll echt biblische Motive, höchst jüdische Nationalmelodien und patriotische vLieder „mit den allerneuesten Tänzen des Pariser Balletts. Das alles zusammenzustellen, schreibt dieser ManagersDräraa« turgist, hat ihn genug Mühe gekostet und genug Geld. Und als er nach vieler jMühe und unermüdlicher-Arbeit mit ungeheuren großen "Kosten mit der Piece fertig ge» worden war, da war er örst in der größten Verlegenheit .— wegen des Namens. . Er hatte keinen passenden Namen. Stellt euch vor, daß das Aller schwierigste, an einem musi» kalischfdramatischen Werk nicht die Musik ist, nicht die dramatische Handlung, nicht die Typen, nicht die Bilder, und nicht die Ausstattung, sondern der Name. Ein rausi» kalischcs Drama muß einen Namen haben, der klingen soll wie eine Glocke, der spielen soll wie eine Fiedel, der. singen soll wie eine Primadonna. Und,gqttseidank, er .hat gefunden, daß der richtigste Name für eine so riesige musikalisch*dramatische und nationalpatriotische Tragi« komödie kein anderer zu sein hat als. „Mpjsche"t ..... \ 27. Kapitel. „Mojsche." Der Name „Mpjsc.he,* ist sehr populär in der jüdi* sehen Theaterwelt Amerikas. „Mojsche" in ^Gänsefüßchen heißt dort fast das ganze jüdische Theaterpublikum. „Mojsche" — das ist ein Symbol für Naivität, Ungehobeltheit und Ungebildet« heit. „Mojsche", das ist der Typus der dummen Masse, mit der man keine Zeremonien machen muß. Mäh hat ihr Heu und Stroh zu kauen gegeben, macht nichts, „Mojsche" hat einen guten Magen, der alles vertragen kann. Man nimmt an und das ist so gut wie sicher, 'daß der Verfasser des Wortes „Mojsche", er mag es mir ver* zeihen, der sogenannte Vater des jüdischen Theaters, der gottselige Goldfaden ist. Ich sage, er mag es mir verzeihen — deshalb, weil das Wort „Mojsche" von einem andern Wort begleitet wird, das man nicht gut verwenden kann und das der größte jüdischsamerikanische Poet auf „Barsch" zu rei« men sich nicht abhalten läßt. Es haben sich dort zwar auch Leute gefunden, die mit 'dein-Wort unzufrieden sind. Einer von s innen^tiat nicht weiter mitgemacht und ist plötzlich eines schöben Tages in, der „press" mit einem feurigen Protest gegen die schamlose Gotteslästerung und-Entheiligung des hei« ligsten historischen Namens, den .wir besitzen,;.hervorge* treten. Aber' auch das hat-nichts geholfenv E|en Protest las man, lachte dabei ausgiebig und der Name „Mojsche" blieb bis -in unsere Tage nicht nur. dort in des, Columbüs Reich, er wälzte sich auch zu uns in die alte Heimat hinüber, zusammen mit seinem'Begleitwort, so daß man, wenn ' einer unserer jüdischen Schauspieler „Mojsche" sagt," schön weiß; Was folgt. ' Mit einem Wort — der., Verfasser der national« feiertägigeh*musikalisch«dramatischen , und patriotischen Piece zielte mit dem Namen „Mojsche" gut und traf noch besser. Für die Primadonna steht dort ein patriotisches Lied, das wohl einzig is* in der: Welt. Die Primadonna singt das Lied so reizvoll süß, mit einer so herzerquickend süßen Melodie, daß es einfach in alle; Glieder gellt;'und den größten Applaus hervorruft. Dasv Lied wird' nich't'nur von der Primadonna allein gesungen. Das. ganze Theater mit allen Schauspielern, mit dem Chor, mit dem werten Publikum helfen ihr mit. „Mojsche" heißt das Liddel und gesungen wird es so: Es erscheint die Primadonna, ein bildhübsches Frauenzimmer und just in Offiziersuniform, und^strömt eine sehr angenehme Mezzosopranstimme aus; „Izi hot ir nit gesen mejn mojsche? Mojsche? Mojsche? Mojsche?, Er tut oif sach'n grojssel > Grojsse! Grojssel Grojssel Gewalt, jidische Kinder, mojsche! Izi hot ir nit gesen mojs'ch'n?" Hier werden von der Primadonna aufs werte Pubiii kum Augen geworfen, nach aÜen; Seiten — ins Parterre, in die boxes, auf die Galerie. Da läßt sich aus dem werten Publikum eine Stimme vernehmen, vom Parterre, von den boxes, von der Galerie. „Ich heiß' Mojsche." (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker« » Druckerei* uod u .. Verlags-A,'G, Igoaz Steiwnaao, beide Wien, IX« UnlversitätsstraQe 6—8,....................