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Die neue Welt · 1930-06-20 · Heft 144 (20.6.1930) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 144 (20.6.1930)
Date
1930-06-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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r fei?« u DIE NEUE WELT GRABSTEINE FRIED LÄ NDER & DEUTSCH Wien, I. Bei., SeHensieUengaste 2, Telephon Ü'28-1-28 XL, Zentralfriedhof, neb, d. 7. Tör, Tetephon U-18-0-85 Mg Kinderwagen flH romtinfMhttin Ift mm Maiten Bann arttugt Kaibwartnlnduttrfe M. INOHBIftO, XX., Wallenttefnplats 3 (Elngane?*««rj«K«92e.,1L Plliaiei XX.» KloslerneuburgerstraBe 91 Telephon A-4L406 und A«47-i-97 Kataloge gratis RADIO in eleganter Kefferform für Radio una Schallplatten, epltlt überall ohne An* tenne, ohne Erde, sowie alle modernen Netzempfängei, ftatfio«Apparale m\i Auslandsempfang. 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Nur muß'die MüriW äa:,s«lnT.:;So; klärte manihh auf,' schon nachher,' schon etwas spät;' Er müsse zeigen, gab man ihm zu verstehen, bare,»Groschen, daß ,er, heißt das, für die erste J Zeit woyönzüvleben habe, und nicht-, F*emdenvzur\^ •gantf der;Chäsen der-Arme stichzu verteidigen, wie er nur kojinte, ein halbes englische und ein wenig deutsch, Er gaÖ:. mitbeiden'Händenzu vbrstehen^ daß5, er hier bewahre nicht allein sei,; daß, er;hjer setfkejnböses Auge, mit einer). .ganzen Bande;;y VVennV deni; so . ist, tat man ihm küftd,' soll: er 'dieC Freundlichkeit hiben5 zu zeigen, womit er" die ganze Bande ernähren - werde. '}J : \ , . Kurz, je weiter, desto tiefer Verwickelte sich unser Qhas.en. Man Wa| sc^hon .^arai); ihnzu, jenen zu führen, die. schön das. Marsch^kommando „Kehrt euch" be» griffen^haben... ' i; { yergebens:cwar; lejder s|in Stahmeln,' halb' englisch, ein-Avenig>;'deütschi Ver^ebens>war sein Herummachen mit [ den^*Händen, sein Zublinzeln ihit den Brauen, sein Appell an den Kompagnon Klamer, der englisch' sprechen kann; .Air. Klamer .tat so,, als sehe er nichts.. Mr. Klamer ist; ein' Held im, R^tgcben dort im ^Vhitesjiapel .beisich |m Cafe National, aber nicht hier, beim Heruntersteigen vom Schiff, auf .amerikanischem Bohlen,, ^o.: die ver» wünschten russischen Sciinorrerl ein solches. Getümmel) und einen .solchen- ^äjm. mächen, daß r.man verrückt; werden kanin. Unser Mr. Klamer drehte s^chi langsam um,, strich den. smoking zurepht, teilte' den HerzUBart auseinander, da her, dort hin, r;gan^ S^elje-w, und' verschwand, ^wi© sagt, der^englishm^n ,J; disavou^ it bag and bagage*'.^ In unserer, B^Hejrnsprache .wird^das -so vielJheißen wie:„moja chata skrajaul".. -; . : ' Ein Glück, daß; sich auf dem Schiff noch ein anderer Kompagnon befand, 'Nißl Schwalb, ein Mensch mit Kom» binatioh.^Von-fern 'gerejehen,"* daß der Chasen im trouble ist, verstand unser Kombinator sogleich,' was da vorgehe. Er rief die Chasenfrau zur Spite, geheimniste mit ihr eine Weile, winkte ihr scharf mit'd^nAugen zu -und machte sich «etwas! an ihrem 1 Bus^nlatz zu schaffen. Dann blinzelte er ihr und ihren Kindern zu: Kommt l Ihr könnt euch malen, was ein andermal und unter anderen Um« ständen für scharfe Abfuhr/, unser Kombinator von der Chasenfrau erlebt hätte, Dit^halb^stl^htl^t oalb zügellose Chasenfrau fährt zwar mit einer, wie wir sagen wollen, Kompanie Schauspieler in ein Land, das Amerika heißt. Das ist wahr. Mari darf aber nicht vergessen, daß sie für ihn vorläufig keine Choristin ist, keine Tänzerin und keine Sängerin und schon gar nicht ein^ Primadonna (damit Meint"' sie die Schwester HenriejtW, die sich mit einem fremden, jungen Mann küßt Qfämit meint sie Rafalesco), von dem man'noch nicht weiß, ob er ihr Bräutigam ist oder nur von gestern... Vorläufig ist^sie'noch dem Lpmä scher Chasen die Frau nach billiger, Trauung,; und« so ein Kerl wie Nißl Schwalb muß.'^^Respekt. kennen..; . Aber jetzt, im" Wirbel, und obendrein hörend, daß,, .ihr „.Mann im trouble, hatte sie nicht 'einmal Zeit, sich umzusehen.' Und schon hatte sie da der Kerl; Schwalb "an'dör Hand' göfaßt und gradeaus zum Tischchen geführt, und als Mann,: der gut englisch spricht, trat er mit der Chasenfrau und|ieren ganzer musikalischer Kinderschar als Fürsprecher hervor^ um.;' so zU sprechen (wir übersetzen"seinecRedc iri' unsere jüdische Sprache): „Meine Herren! Ich bin bevollmächtigt, Ihnen die Frau dieses Herrn vorzustellen. Keiner von r ihnen kann auch nur ein Wort englisch sprechen. Sehen Sie diese Ge* Seilschaft (er zeigte mit einer Hand auf die ganze Schar), das ist mit Gotteshilfe eine Familie von lauter 'Musikern, begabten Talenten. Sie alle, wie Sie sie da sehen, vom Vater'1 bis zum kleinsten Kind, verdienen sich ihr Stück Brot, man kann sogar sagen Stücke Gold. Nur eine, diese da (er zeigte auf die Chasenfrau), sie ist die einzige, die nichts verdient. Sie ist nur, ihrem Mann eine treue Frau; eine Mutter ihren Kindern, eine Hausfrau im Hause und die'Verwahrerin des Geldes. Die ganze Kasse befindet sich immer bei mir, an einem guten Platz... Bei ihr einen cent herauszubekommen, ist, Meer, trockne aus!" Das waren die Worte, die er zu den Herren auf eng« lisch sprach. Und zur Chasenfrau sagte er schon auf ein* fach Jüdisch: ,,?l „Frau, knöpft, seid so freundlich, beim Busen, auf und heraus mit den pari 1"... t? . Als man schon den Fuß aufs Land setzte, auf ameri« kanischen Boden, da erkannte der Lomscher. Chasen, in welcher Gefahr er'sich befunden hatte und" aus welcher Not er erlöst worden war. Er umarmte seinen Beschützer und Erlöser, soweit es nur möglich war, einen solchen Menschen wie Nissl Schwalb zu umarmen, küßte ihn und i halste ihn und erstickte ihn fast und dankte ihm unter Tränen. „Tatenju, Herzchen, Väterchen, was seid ihr doch für ein Mensch ein Weiserl Ein König Salomo, ein Enget von Gott; ein.. . ein;... ich weiß selbst nicht was", und wollte ihn wieder, einmal küssen, i »,Äber genug, genug", riß "sich Sch\yaib aus-^e* Chasen: Atmen. Was will von mir der Mensch? , E& wird mich ja bald ersticken, dieser Mensch! Auf arnerikanischem Bode^ ich soll so aller Menschen Gutes haben! 25. Kapitel. Gesegnet sei dies Land! In dem rührenden Augenblick, da der Lomscher Chasen seinen' Beschützer und Erlöser umarmte, halste .und küßte und dieser seinerseits sich mit beiden Händen seiner . erwehrte, erblickte Nissl Schwalb irgend ein Wesen in Ge« stalt eines Weibes mit einer roten Pelerine, mit einem breiten Gesicht wie der Mond bei beginnendem Monat, mit einem, fetten Lächeln und mit vielen , weißen Zähnen. ■ . •""". ■■ ■ i.-;',;'^;^'• Dasv Wesen >tutzte ^sich, . wie' e seine Schwester Henrietta... Dänin küßte es'"-'sich1'innig rffit seinemv Bruder Isaak.;Und zunv;SchIuß/:':fieli. '«s, -'über Rafalesco her, ümfaljte;. ihn mit ihren kurzen^ dicken Armen und begann ihn zu küssen, zu. halsen wie eine SchWester.'wic-eiheMutter, eine liebevolle Mutter. ' „Wer ist das Untier?" wandte „sich? Nissl, Schwalb f zuerst an den -f Ghäs0h7''-äänh an^ die Chäsenfraü. Aber der Chasen und die Chasenfrau selber befanden sich; in den Händen von * einem Knäuel Menschen, Lomscher Männern und,Frauen.Diese warfen sich zuerst, auf den Chasen,'• dann' auf 'die Chasenfrau, dann auf die' Bande Kinder, halsten: sie, küßten sie und drückten-sie* fest, fest" ans.'Hetz/l;f' , ... - ' .'''v'?' .Urittfr diesen Juden gab es allerhand1 Typen:; solche, die schon lang ,,ausgegrüntM waren \in Ame^rikjfj;, und solche, die noch gänz;;,grün"^:iwaren) nicht'^einpn^ Rest;d6r^ v(jotte^zeichen yerlpren , hatten, selbst;, das jr^pj Tuch;an>;.Hlals ^wa^.fhoch^da^". . •;'; '" 7$'--! "■Äiielk;;'»die'r Frauen gehörten aUerhand; Typen... .an: ganze und halbe yankees, die sich. schon misses und ladies nennen, große hats auf dem Kopf haben und goldene Zähne im Munde; und solche,; die sjch von der Perücke nicht trennen können, durch deren'.: Mitte ein heller Scheitelstreifen führt, genau so wie . man sie-bei ihnen in Lomsche trägt —- echt „Jente*Mirl8,'*,. i-All die aufgezahlten Typen, die grünen so wie ^[ie ausgegrünten, die misses wie die Jente*Mirls — a^ö© waren •' hocherfreut von ihren Landsleuten — vpm Lomscher Chasen und seiner Familie. Und alle schrien und'flärmten,^wirbelten durcheinander,'warfen, mit den Händen,1 als wäre es nicht in New York, sondern wirk* lieh*mitten in. Lomsche, auf der jüdischen Gasse. Die Lomscher Männer und Frauen' fielen buchstäb« lieh über ihre Landsleute, den Lomscher Chasen und seine musikalische Familie, her, machten eine Art Po» grom auf sie, scbjeptten sie jeder zu sich, der zum break« fast, der zum dinncr, der zum super. Um Gottes willen, zu mir! Nein, zu mir! Ohne ein Wort zu reden! (Fortsein* folgt) "; " EJtfWttnifri'iyjrlegeT, Herausgeber aad verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker, Vcrlas3.A..G, I«naz Stelomaun, beide Wien. IX, UrUvai^twträÖa 6-8. Druckerei'« vad

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