Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 143 (13.6.1930)
- Date
- 1930-06-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Urweizens, stand. Die jüdidften Kolonisten wandten sich an den Oberkommandanten der türkisdien Armee, Dschemal Pascha, mit der Forderung, Aronson die Leitung des systematischen Kampfes gegen" die Heuschreckenplage zu übertragen* Die türkische Bttfeaukratie sah sich durdi Aronson in ihrem Geschält bedroht und führten ihren Kampf nicht so sehr gegen die Heuschrecken als gegen Aronson und seine Familie und die jüdischen Kolonisten Überhaupt, die verdachtigt wurden, daß sie den Kampf gegen die Heuschrecken als Vorwand für Spionagedienste zugunsten Englands benutzen. Man weiß aus der Geschichte des Krieges in Palästina, daß es Aronson nur mit schwerer Mühe gelang, aus dem Lande zu Hüditen und bei den Engländern Schutz zu finden. Seine Sdiwester, Sara Aronson, wurde mit anderen Kolonisten aus Sidiron Jakob mit allen Mitteln der Inquisition gefoltert, damit man ihr die Namen der Mitschuldigen erpresse. Doch ohne Erfolg. Mit den letzten Kräften gelang es ihr, als sie einige Minuten in ihrer Zelle allein geblieben war, durch Selbstmord sich den weiteren Leiden zu entziehen. Das Fiasko der „nordischen" Politik. Als die Vereinigten Staaten von Nordamerika durch die gesetzliche Begünstigung des „nordischen" Elementes in der Einwanderungsfrage eine gewalt» same Korrektur des Ürsprungsverhaltnisses der zum über« wiegendsten Teile aus Einwanderern bestehenden Bürger* schaft beschloß, haben auch andere amerikanische Staaten geglaubt, mit einer solchen Nordic*Politik einen neuen, hundertprozentigen amerikanischen Typus schaffen und überdies Einwanderer aus Ost« und Südeuropa möglichst fernhalten zu müssen. Unter denen, die sich die NordiciPolitik sehr rasch zu eigen machten, befand sich auch Kanada. Kanada, das auf größere Einwandereungsmassen angewiesen ist, hat in England eigene Werbekomitees gebildet und finanziell erhalten, um eine verläßliche Auslese der Kanadawanderer schon in England selbst zu überwachen. In allen größeren Städten Englands, wie London, Man« ehester, Glasgow, Edinburg usw. waren diese Komitees tätig, und belasteten mit ihrem Budget den Staat. Aber auch hinsichtlich der Qualität des Auswanderermaterials, haben,diese Werbekomitees k 1 ägliche ErIo 1 go auf* zuweisen. Die eingeborene Mittel* und Arbeiterklasse widerstand den Lockungen der Werbezentralen, die schließlich, um doch die Notwendigkeit, ihrer Existenz irgendwie darzutun,, gezwungen waren, in die N i e d e* ru ngen der Gesellschaft hinabzusteigen, und die Auswanderer aus den ,;S 1 u m s" zu hplen. Diese für Geld angeworbenen „Gordischen" bähen die weitestgehenden Begünstigungen er« halten, viele von ihnen bekamen sogar noch beträchtliche Summen Geldes auf die Hand, waren aber auf wirk* liehe Arbeit und Aufbau brachliegender Gebiete in Kanada durchaus nicht erpicht. Die einzelnen Provinzen, in welche diese nordischen Taugenichtse geschickt wurden, empfanden es als eine wirtschaftliche und soziale Katastrophe, und erhoben bei der Zentralregierung in Ottawa ein* dringliche Proteste gegen die Noi$c*Politik. Die Protestbewegung und die schlimmen Erfahrungen, die mit' diesem Einwanderungsmaterial gemacht wurden, haben endlich die Zentralregierung von Kanada veranlaßt, of«, fiziell sich von der bisherigen N o r d i c * P o 1 i t i k los* zusagen. Ein offizielles Kommunique besagt, daß die Werbekomitees in England aufgelöst und die staatlich gestützte Einzeleinwanderung bestimmter Emigranten« kategorien eingestellt wird. Nicht ■ mimieri wichtig ist der weitere Beschluß der kanadischen Zentralregierung, daß von nun ab die Entscheidung über Zulassung von be* stimmten Einwandererkategorien nicht mehr von Ottawa aus gefällt werden soll, vielmehr soll jeder. Provinzstaat auf seinem Gebiet eine eigene unabt hängige Entscheidung über die Zulassung freistehen, so daß es denkbar {st, daß der eine kanadis sehe Staat beschließt, eine bestimmte Anzahl von Ein» wanderern zuzulassen, während ein anderer zur gleichen Zeit sein Gebiet für eine Zeit für Einwanderer völlig sperrt. : ' Diese neue Situation ist auch für jüdische Ein» wanderer von großer Bedeutung. Aber sonderbarer« weise zeigt sich in den letzten z^hn Jahren in den Grenz« gebieten, den sogenannten Präriegebieten, ein a u f f a h lender Rückgang der jüdischen Bevölke« rung.' Die Volkszählung im Jahre 1921 stellte in diesen Prärieprovinzen 25.291, das ist etwa ein Fünftel der ge« samten jüdischen Bevölkerung in Kanada, fest. Die meistne von ihnen waren in Manitoba ansäßig. Auch seither hatten diese Gebiete eine ziemlich lebhafte jüdj» sehe Einwanderung zu verzeichnen, L/nd dennoch kann heute trotz der natürlichen Vermehrung ein Rückgang der jüdischen Bevölkerung kon* s t a t i e r t werden. Man bringt das mit der Beobachtung in Zusammenbang, daft viele Einwandrer ^Kanada, bloß als Umsteig* und Wartestation auf dein Weg nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika betrachten, und so eigentlich niemals recht seßhaft in Ktäfä werden. Trotz alledem üst |fe? * außer Zwyiß}, dafLdje geänderte Einwanderungspolitik der kanadischeil Zentraliegierung Tausenden vQnjüdischen Aus*!•»<•» ##s# DIE NEUE WELT Nr. 145 »MlMMMMMMMr........MtMMMMMMH Volksblbliothek Zlon N, KMm Mohr«ng«st« 3 veranstaltet am Donnerstag, den 19. Juni ein Gartenfest im Kasino lttft**ftltS, XIX., Döblinger Hauptstraße 76 (Haltestelle Q9) bei sehlechter Witterung im Strauß-Saale dortselbst / Tanz Tombola / Juxpost / Ballonsehlacht u. v. a. Belustigungen / Beginn 5 h / Ende nach 12 h Hatten erhältlich: Bibliothek, Zionistische» Landeskoniltee, (., KärntnefstraBe 28 und Buchhandlung Rath, II., Taborstraße 20a wanderern aus Europa die Möglichkeit bietet, in Kanada einzuwandern und dort, soferne sie nden ddrtb gen wirtschaftlichen Bedingungen entsprechen, auch zu reüssieren. Ein Standardwerk über Palästina Seit Monaten ist die Frage des jüdischen Aufbauwerkes und der bjritischen Palästinapolitik in der englischen und der übrigen politisch interessierten Oeffentlichkeit Gegenstand einer lebhaften Erörterung. Nicht allein die politische Seite der Palästinafrage ist es, die zur Debatte steht, im Zusammenhang damit ist vielmehr durch den Bericht der Shaw-Kommission die Diskussion auf das Gebiet der realen und ökonomischen Probleme gelenkt worden. Die Tatsachen beginnen zu sprechen und es ist höchstes zionistisches Interesse, daß sie in unserem Sinne sprechen. Es ist Aufgabe der Ziönisten, zu beweisen, daß inre Arbeit in Palästina zu einer a 11 g e m e inen Hebung des Landes b e i g e t r a g e h h a t < und auf Grund von Ziffern gegnerische Argumente zu entkräften. . In diesem Zusammenhange kommt ein neues ^Verk besonders erwünscht, das einem wirklich lange empfundenen Bedürfnis entspricht. Das vom Direktorium des Kercn Ha jesso d 1 herausgegebene Statistische Palästina-Handbuch war wohl schon früher geplant; es wird sich aber heute um so mehr als unentbehrlich für jedermann erweisen, der sich mit Palästinafragen beschäftigt oder der sich irgendwie über Palästina informieren will. In dem starken Band mit. dreisprachigem Text (hebräisch, deutsch, englisch) steckt eine Fülle von Arbeit und ist ein Material übersichtlich zusammengestellt, das bisher nur 'sehr schwer zugänglich gewesen ist. In 23 Abteilungen mit 126 Kapiteln sind alle über Palästina bis 1928 und teilweise 1929 erhobenen Zahlen gesammelt. Man erhält einen genauen Einblick in die wichtigsten Materien, wie: B e v ö I k er.un g s b e,w egtäng, Einwanderung,. Gesundheitswesen, Landwirt schäft, Produktion, Außenhandel, inaustrie, Bautätigkeit, .Lebenskost ei, Löh.n\e, B an k we se n,'^K po|>e;ra t.i v en, städtische Finanzen, Zahl der jüdischen Arbeite r, F ü r io r g eu h d E r z i e h u n g s w e s e n. Die. einzelnen Abschnitte leiten kurze: Vor Worte ein, die statistische Darstellung wird durch zahlreiche. D i agramme ergänzt. Es ist beabsichtigt, durch von Zeit zu Zeit erscheinende N a c h t r ä g e das Werk mit der weiteren Entwicklung der Verhältnisse in Einklang zu bringen, da an eine Neuauflage in nächster Zeit kaum zu denken sein wird. Um so unentbehrlicher bleibt das Werk als grundlegendes Handbuch für jedermann, der sich in irgendeiner Richtung mit Palästina befaßt. d. ,i ■■■■■■*•■ > ..; Das oben angezeigte Werk kann durch den Keren Ha je ss od, Wien, I., Kärntners, trafle. Nr. 28, bestellt werden. Der Preis des gebundenen Exemplars beträgt S 15.50. Theater, Kunst und HiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiKiiiiiiHiiitiiifiiiiiiifiiiiii! Ljfcjrftfur Überkantor Landerer. Wiener jüdische Ko||/ertvereinigung.^ Wir ergänzen unseren letzten Bericht Uber das Eröffnungskonzert der Vereinigung dahin, daß ihre Gründung der tatkräftigen, mühevollen Arbeit des Hern? Oberkantors Samuel Land er er und des Kapellmeisters Bernhard Vajda zu danken ist. Beide Herren haben 4er jüdischen Musik, dem jüdischen Chorgesang neue Wege eröffnet. Exaktheit der Darbietungen, feine Abtönung in der Stimmgebung hervorzuheben, stellen die Chortereii»iguug würdig neben die erprobtesten Sing vereine, Dem überaus temperamentvollen Kapellmeister und feinfühligen Musiker Vajda muß besonderes Lob gezollt werden, Die schwierigen Solie wurden ausscbließlieh von Herrn Oberkantor Landerer bestritten. Seine außerordentlich wohlklingende, in allen Registern des Belkanto durchgebildete Stimme entspricht den höchsten Anforderungen. Herr Landerer trat auch als Lfedersänger auf und bewies auch da hohe Qualität. Das erklärt den sensationellen Erfolg des Konzertes. Dabei besteht der ganze Chor vorläufig nur aus 40 Sängerinnen und Sängern! Wir fordern alle Freunde guter jüdischer Musik auf, der Wiener jüdischen Konzertvereinigung tatkräftige Unterstützung zuteil werden zu lassen. Der Jahresbeitrag für ein unterst'-fitzendes Mitglied betrügt S 10, für Gönner S 20 pro Jahr und für Gründer S 50 einmalig. lu Anbetracht des großen Zweckes eine geringfügige Forderung. Die Funktionäre der Vereinigung nehmen allabendlich im Cafe Produktenbörse. IT., Taborstraße 10, und im Cafe Neptun, XX., Gaußplatz 7, Anmeldungen entgegen. Die „Wiliiaer" in der Tschechoslowakei. Die Schauspieler der Wilnaer Truppe haben ihr Gastspiel in Wien beendet und sich in Fortsetzung ihrer Welttournee in die Tschechoslowakei begeben, wohin sie (nach Brünn, Mähr.-Ostrau, Prag u. a.) für eine Reihe von Gastspielen verpflichtet wurden. Der Truppe wird besonders in Prag großes Interesse entgegengebracht. Sie wird dort für fünf Abende Gast des Tschechischen Kammertheaters sein und soll neben den Werken aus ihrem jiddischen Repertoire auch die Tragödie des tschechischen Dichters Frantischek Langer „Peripherie" in ihrer Wiener Inszenierung zur Aufführung bringen. Nach Beendigung der tschechoslowakischen Gastspielreise dürften die Wilnaer, die von Dr. Oskar llosenfcld begleitet werden, nach Wien zurückkehren. Eugenie Kreitler. Beim letzten Konzerte der Wiener jüdischen Konzertvereinigung fiel die bekannte Lieder- und Ariensängerin Frau Eugenie Kreitler durch die ungewöhnlich hochkultivierte Vortragskunst und das reiche Stimmaterial auf. Sic brachte in vollendeter Technik Mendelssohns „Israel" zum Vortrage. Einmalige Sondervorstellung Gertrud Kraus und Jehuda Ehrenkranz. Im Theater Reklame (Praterstraße 24) findet Dienstag, den 17. d. M. eine Sondervorstellung statt, für die Gertrud Kraus und Jehuda Ehrenkranz verpflichtet wurden. Gertrud Kraus und ihre Tanzgruppe bringen chassidische Tänze. Jehuda Ehrenkranz liest chassidische Dichtungen. Eine Gesellschaft für jüdische Tonfilme. In New York wurde vor einiger Zeit unter dem Namen „Judäa Film Kompagnie" eine Gesellschaft zur Herstellung und Vorführung jiddischer Tonfilme ins Leben gerufen. An der Spitze der Gesellschaft steht Direktor Sidiiey G o 1 d i n, von dem auch der erste jüdische Tonfilm „Jiskor", der vom Ensemble des jiddischen Kunsttheaters Morris Schwarz gespielt wurde, gedreht worden ist. Die hierauf folgenden Tonfilmproduktionen waren die musikalische Komödie „Style Class" mit Morris Baratz und Golde Eis man, ferner „Meine jüdischeMama", ein Drama mit May S i m o n in den Hauptrollen, wahrend in der Burleske i.Oj Doctor" der bekannte Komiker. Menasche Skolnik die Hauptrolle inne hat. Die Komödie „S c h u s t e r 1 i e b e" zeigt die auf der jiddischen Bühne schon seit langem bekannten Mitglieder der Wilnaer Truppe Josef Bulow.und Ljuba Kadison, sowie Lea Naami zum erstenmal ia Filmstücken '■■ auftreten. Etwa 50 größere Theater der Fox-Unternehmung haben diese jidischen Tonfilme in ihr Repertoire aufgenommen. Habimah und die Berliner Judengemeinde. In der Repräsentanten Versammlung der Jüdischen Gemeinde vom 5. Juni teilie der Gemeindevorstand mit, daß die Verhandlungen wegen der Errichtung des Lehrstuhles der Berliner Gemeinde an der Universität Jerusalem noch zu keinem Ergebnis geführt hätten. Der Vorstand schlägt vor, von den hierdurch frei werdenden 15.000 RM. aus dem Etatsjahr 1929 5 00 0 Mark der Habimah in Palästina in Anerkennung ihrer kulturellen Leistungen zuzuweisen. —- R.-A. Dr. Klee unterstützt die im Aiusschuß abgelehnte Vorlage: Der Betrag sei einmal für palästinensische Kulturzwecke festgelegt "gewesen und die „Habimah" habe sich den Anspruch auf Unterstützung kraft ihrer Leistung und ihres Prestiges erworben. — Prof. L o e w e unterstreicht die sprachschöpferische Bedeutung der heute schon in Palästina fest verwurzelten „Habimah". R.-A. Stern rühmt zwar ebenfalls den Idealismus' und die Arbeitsergebnisse der „Habimah"-Sdiar, aber der Universitätsbetrag sei für einen bestimmten Zweck festgelegt und mangels Erreichung des Zweckes als nicht ausgegeben eingespart. Einer anderweitigen Verwendung würden die Liberalen bei Aufzeigung eines anderen, der Universität ebenbürtigen wissenschaftlichen Zweckes zustimmen, nicht aber einer Abziebung des Betrages van seinem ursprünglichen rein wissenschaftlichen Verwendungszweck. — Zur Vorbereitung einhelliger Beschlußfassung wird die Entscheidung vertagt......' „Unser, Wort" — eine Wochenschrift in jiddischer Sprache in Berlin. In diesen Tagen erschien Nr. i der von J. Lantschener und M. N. Goldrosen redigierten Wochenschrift in jiddischer Sprache „Unser Wort". Die Nummer enthält neben einem Programmartikel eine Wochenübersicht von J* Lantschener, eine Chronik „In der großen jüdischen Welt", eine Begrüßung durch deu Präsidenten der Jüdischen Volkspartei, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, „Auf „Unser Wort" wird man hören" von Markus Hornstein, Repiäsentanten der Jüdischen Gemeinde Berlin, „Zehn Jahre Volkspartei" von Moses Waldmauu, „Von Tan« nonberg bis Weimar" von Hermaun Swet, eine JBer* Huer Chronik, „Don Josef Nassi" von Ben-Nahum,