Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 140 (23.5.1930)
- Date
- 1930-05-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 140 der Anklage der Beteiligung an diesen Morden freige sprochen; er war aber schon früher wegen Teilnahme an der Ermordung der Familie Abushdid zum Tode verurteilt worden. Das Gericht lehnte es ab, über die Entschädigungsansprüche der Zivilbeteiligten eine Entscheidung zu treffen und verwies die Zivilkläger an das Zivilgericht. Während der Verhandlung sprach der Gerichtsvorsitzende sein Erstaunen darüber aus, daß zwei * im Regierungsdienst befindliche Männer, cm arabischer Polizist und ein Angestellter des Obersten Mosleinitischen Rates, falsche Aus sagen machten, indem sie versuchten, für einen der Angeklagten ein Alibi nachzuweisen, das sich nach- träglich als erfunden herausgestellt hat. Von 16 Arabern aus Safed, die beschuldigt wur den, den früheren persischen Konsul Salim Cohen und seinen Sohn E1 i a h u ernstlich verletzt und sein Haus niedergebrannt und ausgeplündert »u haben, wurden 11 freigesprochen. Das Urteil über die restlichen fünf Angeklagten wird in diesen Tagen gesprochen werden. Der Jude Joseph Silber mann uns der Jerusalemer Vorstadt Bajith Wegan, der unter der Anklage stand, einem Juden, der während der Unruhen auf Araber geschossen hat, zur Flucht verholfen zu haben, wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, aber gleich auf freien Fuß gesetzt, weil ihm die dreimonatige Untersuchungshaft in die Strafe eingerechnet wurde. Silbermann sagte vor Gericht aus, er habe den Juden, die die Vorstadt gegen den arabischen Angriff verteidigten, nur zugerufen, daß Polizei im Anmarsch sei. Weitere Kom»»nistenverhaftungen in Palästina. Jerusalem, ifc Mai. Die palästinensische politische Polizei setzt ihren verschärften Kurs gegen die Kommunisten fort. Neuerdings wurde der Kommunist Michael Elimelech, von dem sich herausstellte, daß er seit 1922 ohne gesetzliche Erlaubnis in Palästina ansässig ist, zu vier Monaten Gefängnis mit nachfolgender Deportation wegen kommunistischer Tätigkeit verurteilt. •Die Tatsache, daß an einem Telegraphenmast in Haifa eine rote Fahne mit Inschriften gegen die Todesstrafe befestigt war, gab Anlaß zur Verhaftung von, drei weiteren Kommunisten. Wurde Amerika von einem Juden entdeckt? Eine neue Theorie. Es geht jetzt nicht mehr um die Frage, ob Christoph Kolumbus, an dessen Namen sich die Entdeckung Amerikas. knüpft, Jude war oder nicht. Diese Streitfrage ist ja bis zum heutigen Tage noch nicht endgültig gelöst und dürfte auch niemals völlig einwandfrei, gelöst werden. Eine ganz neue Theorie beschäftigt jetzt die amerikanischen Geschichtsforscher, eine Theorie, die ganz besonders von dem Historiker H y a 11 War reil, der sich seit 40 Jahren ausschließlich mit dem Studium und der Erforschung der Urgeschichte Amerikas befaßt, vertreten wird. Der Gelehrte hat-seine Vermutung, daß ein Jude vor etwalOOO Jahren, also' 2500 Jahre vor der Geburt Christoph Kolumbus', bereits in Amerika war und unter den vorgefundenen Urstämanen eiaie neue Religion und Kultur verbreitet hat, in einer der letzten Nummern des New Yorker „W.or;ld" des näheren auseinandergesetzt. Er erzählt, wjc er zu dieser seiner äußerst interessanten Theorie gelangt sei. Im Laufe seiner Studien sei es ihm schon lange aufgefallen, daß zwischen den Mythologien, Legenden upd Traditionen der drei ältesten und zivilisier testen amerikanischen Urvölker, der Azteken in Mexiko, der Maja in Zentralamerika und der Inka in Peru, eine so auffallende Aehnlichkeit. besteht. In allen diesen Ueberlieferungen wird erzählt, daß ihr „G o 11" aus dem Orient, einem Land, das jenseits des Atlantischen Ozeans liegt; zu ihnen gekommen sei. In allen Legenden dieser drei 'Völkerstäranie wird festgehalten, daß dieser ihr „Gott" von h e 11 e r e r Gesichtsfarbe war, als sie selbst, und ■ einen dichten schwarzen Bart hatte. Dieser geheimnisvolle göttliche Besucher voon Jenseits des Meeres lehrte sie Hänser und Paläste bauen, Gefäße aus Ton formen und sie an der Sonne ausbrennen zu lassen, unterwies sie in verschiedenen Arbeiten und Handwerken und änderte auch ihre Religion und ihre Sitten, in denen sie bis dahin gelebt hatten. Hierauf sei der göttliche Mann verschwunden, nachdem er ihnen noch die Versicherung gegeben hatte, daß er noch einm'a 1 wiederkehren und über sie herrschen werde. Sollte er persönlich nicht mehr erscheinen, so würden es seine Kinder und Kindeskinder sicherlich tun. Es sei selbstverständlich, daß diese göttliche Persönlichkeit bei den drei 'Iiidianerstämmen je nach Sprache und Kulturniveau eine andere Benennung erhalten hat. So wird er bei den Azteken Quezalkotl, bei den Maja Kukulkan und bei den Inkas W i t ak o c h a genannt. Auffallend ist nun, daß trotz der verschiedenen Benennung die Statuen und Bildhauerwerke von diesem Gott aus der Fremde bei allen drei Stämmen dasselbe Gesicht haben. Er wird bej allen dreien als ein. Mann aus dem Orient mit langer typisch jtt 4 lieber Nase, einem dichten herrlichen Vollbart, Dienstag, den 27. Mal I. J., 8 Uhr abends, findet im Misrächi-Heime, 11., Praterstraße Nr. 11, eine Festversam m I u n g xu Ehren der 80-Jahr-Feler des Präeidenten der Mlsrachl-Weltsentrale, Herrn Raw MSR BERLIN, statt, wozu alle Mitglieder und Gesinnungsgenossen freundlichst eingeladen werden. MUrachi-Zentrale. einer Art Käppchen auf dem Haupt, das mit länglichen gekrausten Haaren bedeckt ist, dargestellt. Einen solchen Typus hat es unter den eingeborenen indischen Stämmen niemals gegeben, hingegen ist diese Figur so typisch jüdisch, daß man sie für eine Skulptur eines modernen Juden aus der New Yorker Ostseite halten könnte. Mr. Warrell kann sich nicht denken, daß das ein reiner Zufall sei. Die Skulpturen der alten Indianerstümme, besonders diejenigen der Inka, zeichneten sich durch ganz besonderen Realismus aus. Tongefäße aus jener Zeit sind reich mit plastischen Figuren verziert. Man findet unter ihnen allerlei Szenen aus der Natur, Menschen, Tiere, Früchte, Blumen, Fische und alles wurde naturgetreu, mit geradezu photographischer Genauigkeit wiedergegeben. Und denuoch stößt man zwischen diesen Skulpturen unausgesetzt auf ein und dasselbe Gesicht desselben Witakocha. Das Gesicht ist lebendig und es ist gar kein Zweifel zulässig, daß es sich hier um die Wiedergabc eines Menschen gehandelt hat, der tatsächlich unter ihnen lebte. Merkwürdigerweise wird mit jedem Jahrhundert das Gesicht dieses peruanischen Gottes aus dem Orient immer weniger klar und plastisch und verläuft immer mehr ins Phantastische. Das scheint darauf zurückzuführen zu sein, daß die Künstler späterer Generationen das Original nicht mehr persönlich gekannt haben, wie die Zeitgenossen jenes Gottes mit dem schwarzen Bart. Ebenso zweifellos ist es, daß das Original kein eingeborener Indianer sein konnte. Indianer haben niemals dichte Bärte gehabt, und es wäre zu gewagt, anzunehmen, daß sich der ganze menschliche Typus der Indianer so vom Grund auf geändert habe. In den Skulpturen der Azteken und Maja findet man oft Statuen, auf denen das Gesicht des göttlichen Besuchers aus dem Orient mit Bildern von Tieren verflochten ist, welche als Symbole für Kraft oder Weisheit gelten. Der aztekische Gott aus der Ferne, wird oft mit dem Kopf eines Jaguars, amerikanischen Löwen oder einer Schlange verwoben. Aber jener Teil dieser phantastischen Gottheit, in welcher der Mann zum Ausdruck kommt, ist durchaus semitisch. Der amerikanische Gelehrte ba ut seine Theorie vom jüdischen Ursprung der alten amerikanischen Zivilisation auch noch auf andere Tatsachen auf. Die religiösen Sitten und Gebräuche der Inka und Maja waren in den wichtigsten Punkten sehr ähnlich zu den jüdischen religiösen Zeremonien jener Zeit, da die jüdische Religion noch nicht „durch die Propheten veredelt worden sei". Mister Warrell stellt nun die Hypothese auf, daß zur Zeit des Baues des Heiligtums, als die Juden mit dem damals größten Handelsvolk, den Phöniziern, aufs engste verbunden waren, ein Jude an einer solchen phönizisohen Handelsexpedition jenseits des Gibraltars teilgenommen habe. Es scheint nun, daß das Handelsschiff, das ursprünglich mit dem Kurs auf Marokko oder Gallien ausfuhr, von einem stürmischen Ostwind westwärts getrieben und so an jene Stelle geriet, wo sich der mächtige Amazonenstrom in das Meer ergießt. Da ist es nun nicht unmöglich, daß bei der Strandung dieses Schiffes der Jude ans Land kommen konnte und unter den eingeborenen Stämmen als abgesandter Gott aufgenommen und später von ihnen auch als Gott verehrt wurde. Tatsache bleibt jedenfalls, daß in diesem äußersten Winkel von Amerika ein Mann aus dem Orient aufgetaucht war, der nach allen typischen Merkmalen zu urteilen, ein Jude war und den angetroffenen wilden Stämmen die ersten Begriffe von Religion und staatlicher Ordnung beigebracht hat. Feststeht ebenso, daß die Inka, als sie von den Spaniern erobert wurden, noch alle die sozialen und religiösen Einrichtungen in der reinsten Form besaßen, wie sie ihnen von dem göttlichen Mann aus dem Orient beigebracht wurden. Sie hatten das Jubeljahr, die Schmittah und andere in der jüdischen Gesetzgebung festgelegte soziale Einrichtungen, so daß die Historiker den Staat der Inka den „ältesten Sozialstaat" nennen. Nach den Legenden der drei bezeichneten amerikanischen Stämme'hat der göttliche Abgesandte, nachdem er die Inka in die Gesetze der Religion und der Staatskunst eingeführt hatte, plötzlich seine Wirkungsstätte verlassen und ist nach Mexiko, beziehungsweise Peru gewandert, um auch dort seine Mission zu erfüllen. Damit 'will Warreil erklären, daß fast zu gleicher Zeit au drei Stellen dieselbe Regenerierung der wilden Stämme erfolgt ist. Zum Schlüsse sei hoch darauf hingewiesen, daß viele Generationen später, als Cortez seine Eroberungszüge nach Mexiko und später, nach Peru unternahm, die dortigen Stämme ursprünglich nicht gegen die Eroberer kämpfen wollten, weil sie in ihnen die Kinder und Kindeskinder ihres ehemaligen göttlichen Lehrers zu erkennen glaubten. Wie Spanien diese kindliche Friedensliebe und Pietät gedankt hat, ist aus der Geschichte bekannt. , T heaier, Kunst und iin Literatur Wiener jüdische Konzert« Vereinigung. Eine begrüßenswerte Neugründung. Lange Jahre hindurch war es lebhafter, aber nie erfüllter Wunsch jüdischer Musikliebhaber, eine Vereine gung entstehen zu lassen, welche die Pflege der herrlichen liturgischen jüdischen Gesänge auf sich nehmen, die Schätze alter jüdischer Meister zum Gemeingut machen soll. Endlich ist der Wunsch erfüllt. Die „Wiener jüdische Konzertvereinigung" ist gegründet worden. Sie hat sich der großen Aufgabe unterzogen. Ihre musikalische Leitung wurde Herrn Kapellmeistsr Bernhard Vayda anvertraut. Alle VereinstempeLChöre stellten sich ihm zur Verfügung, eine Körperschaft von achtzig Sängern und Sängerinnen. Zweimal wirkte die Vereinigung versuchsweise bei großen jüdischen Ver* anstaltungen mit: Beide Male wurde sie zum Glanzpunkt des Abends! Köstliches Stimmaterial unter der hinreißenden Leitung des Dirigenten spendete musikalischen Hochgenuß. s Nun veranstaltet die Vereinigung ihr erstes Konzert. Es findet Samstag, den 31. Mai um %9 Uhr abends im Festsaalc des Hotel Continen* tal, IL, Taborstraße 6, statt. Es werden Kompositionen von Rawncr, Sulzer, Lojw, Nürnberg und Weiß zur Aufführung gelangen. Der Besuch dieser Ver* anstaltung ist Pflicht aller, welche an der Hebung des jüdischen Meistergesanges mitwirken wollen. In der Er* füllung dieser Pflicht werden sie aber auch hohe Befrie« digung und erlesenen Genuß finden. Zw. Wilnaer Truppe. Frantisek Langers „Peripherie". Die Wilnaer Truppe, unter Führung von Alex Stein, begibt sich Ende Mai auf eine Tournee, die sie in die Tsdiechoslowakei, nach Deutschland, Rumänien und Jugoslawien führen wird. Als letzte Premiere in Wien gelangt ab Sanistag, den 24. Mai, Frantisek Langers „Peripherie" unter dem Titel „Unterwelt" zur Aufführung. Die Wünaer Fassung zeigt 14 Bilder, in denen das dunkle Treiben an der Peripherie einer Großstadt abrollt. Für diese Aufführungen wurde die Bühne völlig umgebaut, um ein rasdies Abwickeln der Szenen zu ermöglichen. In den Hauptrollen sind die Damen Altbaum, Pikus, Walter, Scheftel und die Herren Doinb, Kamay, Schigorini Scheftel, Lonek und Schneidow besdxäftigt. Regie: Direktor Alex Stein. Bühnenbilder: Architekt Richter. Beginn halb 9 Uhr. — Für Studenten werden nadi Maßgabe der Plätze ermäßigte Karten zu diesen Abschiedsvorstellungen ausgegeben. Konzert unter Leitung Lazar Saminsky. Das am 28. Mai im kleinen Musikvereinssaal unter Leitung von Lazar Saminsky stattfindende Konzert enthält: „Adön ölom" von Salamon Rossi, XVI. Jahrhundert, zwei Gesänge jemenitischer Juden, Psalm 137, Arie und Chor aus der Ballettoper „Die Pest" von Saminsky, „König Saul" von Mussorgsky, ferner hebräische und andere Lieder, Klavierwerke von Ruth Crawford, Vogel und Winogradowa. Es wirken mit: Elisabeth Gutmann (Sopran), Baltimore, Samuel Postolow (Tenor), Jakob Gimpel, Klavier, Jella Peßl, Orgel und der Wiener jüdische Ge* sangverein. — Das Konzert wird von Polyhymnia Society, New York, veranstaltet. Aus der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek Jerusalem. Das erste Heft des 7. Bandes der bibliographischen Vierteljahrsschrift' „Kirjath Se- Eh e r ist soeben erschienen. Es enthält eine besondere ibliographische Liste von Aufrufen und verschiedenen Flugblättern, die in „Palästina während der Unruhen des August 1929 und nachher in hebräischer und arabischer Sprache erschienen sind. Das Heft umfaßt folgende Arbeiten: J. Heilprin: Die Bibliographie der Schriften des Rabbi Jörn Lipman Heller. — G. Scholem: Aus der Geschichte der kabbalistischen Literatur: Kap. 9: Die neuen Forschungen des Rabbi Abraham b. Elieser Halevi. — Verschiedene Anmerkungen über die hebräischen Inkunabeln von A. M. Haberman, I, Sonne, Sh. Ch. Kook und A. Tauber. — Außer den oben erwähnten Arbeiten enthält das Heft ausführliche Kritiken neuer Bücher. Das vorliegende Heft umfaßt 172 Seiten. Judische Sport« und iiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiinTurnbeweöung Ein Sensationssieg der Hakoah, Gegen A u s t r i a 5:4 (2:1). Die Hakoah hat vergangenen Sonntag gegen ihren erbittertsteh ' Rivalen A ü s t r i a einen bemerkenswerten Sieg errungen. Wir haben ununterbrochen darauf hinge* wiesen, daß der jüdische Verein mehr Aufmerksamkeit auf seinen Nachwuchs lenken soll. Erst in letzter Stunde.hat,sich die Leitung entschlossen, die sogenannten Stars herauszustellen und durch junge Talente zu er* setzen. Es war eine Freude zu sehen, wie die Blau*Weißen ihr letztes' Match absolvierten. Nicht in der Verpflich* tung müder, abgetackelter Stars, sondern, wie es sich zeigte, in der Kampfbegeisterung der Jugend liegt die Zukunft—des Vereines. Die, junge Hakoah hat in einem voll Begeisterung und Aufopferung geführten Spiel den Kampf verdient gewonnen. Dabei hatte Oppenheim einen nicht sehr glücklichen Tag. Zwei Treffer waren zu verhindern. Scheuer verstand es, die gegnerischen An* griffe zu zerstören. Auch B e r s o n kämpfte zeitweise sehr brav. In der Deckung war Stroß der Beste. Plät* M„*^.-.»ÄSAif5äJ: ^äSk^ätät^ämMf»' -^m^fryiii ^UXiääiftKK*««^,,