Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 139 (16.5.1930)
- Date
- 1930-05-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 13* in Aden. Alle diese Flüchtlinge leben in bitterstem Elend. Etwa 50 dieser Familien sind kürzlich nach Palästina gebracht worden; es ist schwer, weitere Einreisezertifikate für diese Flücht* Jinge zu erhalten. Die Reisespesen betragen 8 Pfund pro Kopf, die Palästinabehörden fordern als Garantie für die Erhaltung der Waisenkinder einen Betrag von 200 Pfund für jedes Kind. Bezüglich, der Hilfe an die notleidenden Yemen-Juden steht "Joint Foreign Committee in Verbindung mit der Zionistischen Organisation und dem American Jewish Committee. Die Judensteuer des Numerus clausus. Von unserem Budapester Korrespondenten. Die ungarischen Juden haben jetzt Gelegenheit, ein trauriges Jubiläum zu feiern. Mit dem laufen* den Semester schließt das zwanzigste Semester der Wirksamkeit des Numerus clausus ab. Heute ist es verpönt, in Ungarn offiziell vom Numerus clausus zu sprechen. Die maßgebenden Regierungs» faktoren empfinden es als eine Belästigung und „u n? patriotische" Störung der innen* und außenpoliti* sehen Konsolidierungspläne, wenn, besonders von jüdi» scher Seite, die Aufhebung oder tatsächliche Milderung des Numerus clausus*Gesetzes gefordert wird. Rechts« argumente und Hinweis auf Menschlichkeit und Kultur finden bei der Regierung nur täube Ohren. Die Strafe, die in Form des Numerus clausus vor zehn Jahren den ungarländischen Juden auferlegt wurde, ist noch nicht völlig erschöpft, und den Juden bleibt nichts anderes übrig, als neben der Erniedrigung und Entrechtung, die in dem Fortbestehen des Schandesetzes zum Ausdruck kommt, durch eine eigene, sehr bedeutende Judensteuer die Folgen des Gesetzes wenigstens teilweise zu mildern. Ein großer Teil der jüdischen Mittelschüler hat trotz der vorzüglichen Reifezeugnisse resigniert dem Hoch» schulstudium entsagt. Aber ein beträchtlicher Teil dieser von den ungarischen Hochschulen vertriebenen jüdischen Studenten hat sich mit diesem schmachvollen Hindernis nicht abgefunden und ist an verschiedene a u s 1 ä n d u s c h e Hochschulen abgewandert, wo sie ihre Studien in der Regel mit sehr gutem Erfolg absolvieren. Aus Anlaß dieses traurigen Jubiläums erschien ein Bericht der Zentralstelle für die Unters Stützung ungarisch*jüdtscher Studenten im Ausland, in welchem die Bilanz der bisherigen Hohe dieser Judensteuer gezogen wird. Nach dieser Bilanz hat die Zentralstelle bisher jährlich durch» schnittlich 346.500 Pengö verausgabt, welche an jährlich 550 bedürftige Studenten im Ausland als Unterstützung geleistet würde. AußeY diesen unterstützungsbedürftigen Studenten studieren jährlich 1650 jüdische Hoch* schüler, die die Zentralstelle nicht in Anspruch nehs» men, auf eigene Kosten im Ausland. Eine genaue Durch» rechnung ergab nun, daß durch den Numerus clausus in den letzten zehn Jahren 30 M i 11 i o n e n P eh g ö ins Ausland abgewandert sind. Durch, diese ganz überflüssige Abwanderung ungarischer Valuta ins Aus« land wurde die ungarische Handelsbilanz naturgemäß in sehr empfindlicher Weise beeinträchtigt. Es ergibt sich nun das Groteske, daß die Juden, die mit dem Numerus clausus*Gesetz für angebliches unpatriotu sches Verhalten bestraft werden sollen, nunmehr ge* zwungen werden, durch eine eigene Judenste.uer für erhöhtes Bildungs* und Kulturbedürfnis eine noch „un* patriotischere", das Land schädigende Selbstschutzmaß« nähme zu treffen. < Aber auch der Entgang von Kulturwerten und Kulturkräften ist für Ungarn kein geringer. Die Zentral« stelle hat einwandfrei festgestellt, daß im Verlaufe dieser zehn Jahre 1O00 u n gari s ch* j üdi s c h e Studen; ten an ausländischen Hochschulen Diplome erwarben und da diese Diplome in Ungarn nicht nostrifiziert wer» den£ in den meisten Fällen im Ausland auch in ihren Berufen gut untergekommen sind. Diese tausend diplo« mierten ungarischen Juden gehen für die ungarische Kub tur glatt verloren, und man findet es menschlich erklär« lieh, daß diese, eingedenk ihres Leidensweges, nicht ge« rade Pioniere und Vorkämpfer des ungarischen Faschis» mus im Ausland sind. Daran ändert auch die nur in Um garn denkbare Tatsache nichts, daß, wenn ein hervor» ragendes glücklich gelandetes Opfer des Numerus clausus* Gesetzes es im Ausland zu Ansehen und Anerkennung gebracht hat, die ungarische Regierung sofort bei der Hand ist, mit jesuitischem Augenzwinkern diesen ver» triebenen Juden als Magyaren und Exponenten magyarischer Kultur zu reklamieren. Ein großer Teil d.ieser im Ausland absolvierten Studenten bekleidet verantwortungsvolle staatliche oder städtische öffent* liehe Stellen. Manche von ihnen haben sich durch Er« findungtn berühmt gemacht und eine Anzahl deutscher, italienischer, französischer und tschechoslowakischer Städte haben mit diesen Numerus clausus»Opfern die vorzüglichsten Erfahrungen gemacht. T healer, Kunst und Literatur Sunt gelifs W ml Sie fdjönen, ftvoblenben gforbeniuunber öeS gtübjtmgs im bunten $Iütentepptd) bei Üatm finben ihr teijenbeS $enbant in f»en lüunbetfdjönen, faxten, buftigen ^tüblmaSfleibern bev Slam«. $5ie 9Rob^cid)nct haben präd)ttge SBIumett*, $latt* unb ^tgutal^uSmuftetungen auf ben fetnften ®eibenfotten im* pttmiett, bie in jatt aufeinanber abgefttmmten Rathen eine hmnbetbolle SBHtfuna. erzielen. &iefe neueften 9Jtobefeiben führen mir in «tdfjftet &u$Waljl ju unferen Mannten Sief« greifen. 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Damit zugleich aber haben sie auch, die Aufgabe» in ^{.Gestaltungskraft an der Verkörperung milieufremder ^Welten zu erweisen, über sich selbst hinauszugehen. ,Den Anfang machte Leonid Andrejews „Gedanke", ein höchst problematisches Stück. Jetzt bringen die. Wilnaer „Komödie des Glücks" des russischen Schriftstellers und Regisseurs N. E v r e i ii q w, ebenfalls ein Problemstück, aber ein solches, das die Möglichkeit auch reicher szenischer und artistischer Entfaltung gibt. Die Idee, das Theater möge , über die Grenzen dieser Kunstgattung hinausgehen und als Spiel ins Leben eingreifen, um hier als Naturelement wirksam zu sein, im besonderen das, was die Menschen brauchen — die Illusion des Glücks — ihnen zu geben, ist theatralisch überaus geschickt gestaltet, rollenmäßig verteilt und in eine spannende Fabel gepreßt. Alex Stein, der die Regie führt, wußte in allen Nuancen bis zum Schluß, zu fesseln: als Wahrsagerin, Dr. Fregoli,' Schmidt, Mönch und Räspnneur. Ihm sekundierte der blendend'' charakterisierende Theaterdirektor Adam D o m b, in dessen Truppe sich die sonderbarsten Artistentypen, wie Regisseur (Scheft e 1), Liebhaber (Kamii y)', Tänzerin (P i k u s), Komiker (S c h i g o r i n, ausgezeichnet in Maske und in alten Drolerien), heruintummeln. Nach dem Theater kommt das Leben: die Pension 'der Frau Petrowa (Sonja Altbaum). Hier wiederum sind all die Figuren versammelt, an denen das Experiment des Dr. Fregoli verwirklicht werden soll: an der liebebedürftigen Lydia (Paula Walter), am Selbstmordkandidaten (M. Schneid ow), au der ältlichen Lehrerin (F. Witalin a). Theater und Leben vermischen sich. Die Illusion des Glücks ist zustandegekommen. Das Stück schließt mit dem Sieg des Experimentators Dr. Fregoli. Die Aufführung hatte allen Glanz und Schwung und auch die Triebkraft, die dem Suiet zugrundeliegt. Die Wilnacr, mit Alex Stein an der Spitze, wurden gebührend gefeiert — ein Sieg, auch des Theaters im Theater. o. r. * Evreinows Schauspiel „Komödie des G1 ü ck s" bleibt wegen des großen Erfolges auch weiterhin in der Premierenbesetzung auf dem Repertoire, „Habimah Das hebräische Theater „Habimah" hat vor einigen Tagen seine Tournee durch Polen beendet. Es wurde nach vierjähriger Abwesenheit von Polen seitens der. polnischen Judenheit und aller Freunde der Theaterkunst sehr warm begrüßt; das neue Repertoire hatte einen außer* gewöhnlichen Erfolg. In allen Städten der Polen*Tournee bildeten sich Kreise der Freunde von „Habimah"« die sich mit dem deutschen Kreise, dessen Zentrale und Sekretariat in Berlin ist, zu gemeinsamer Arbeit zusammen« schlössen. „Habimah" bereitet gegenwärtig in Berlin zwei neue Aufführungen vor: Shakespeares „Was ihr wollt" und David Bergelsohns „Der Taube". Die Shakespeare» Uebersetzung stammt von dem hebräischen Dichter Doktor Saul Tschernichowski, die Regie hat M. Tschechow inhe, die Musik ist von Dr. Ernst Toch, die Bühnenaus« stattung von M. Masjutin. Die Uebertragung des Berget« söhn sehen Dramas vom Jiddischen ins Hebräische besorgt Dr. Wojslawski. Die Premieren dieser beiden Stücke werden in Berlin stattfinden. Im Herbst dieses Jahres begibt sich „Habimah" zurück nach Palästina und wird auf dem Wege dahin wahrscheinlich noch Oesterreich, die Tschechoslowakei, Jugoslawien und Ru« mänien besuchen. Während ihres Aufenthaltes in Berlin bereitet „Habimah" gemeinsam mit dem Freundeskreis ein kulturel* les Werk vor, die Errichtung einer TheatersBiblio» thek in Palästina und die Gründung eines Theater« Museums. Schüler#Chorkonzert. Das Chajes«Realgymnasium. veranstaltet Mittwoch, den 21. Mai um halb 8 Uhr abends im kleinen Konzerthaussaal ein Chorkonzert der Schüler der unteren Klassen unter Leitung Dr. Berthold Löwenfelds. Dieses Konzert ist das erste Auftreten ein«» jüdischen Kinderchores in Wien; das Programm, daf hebräische und deutsche Chorgesänge enthält, wird sicher das Interesse breiter zionistischer Kreise wecken. Der Kartenverkauf findet in der Buchhandlung M. Rath, IL, Taborstraße 20a, und an der Abendkasse statt. Das Rein« erträgnis fließt der Ferienkolonie der Schüler des Chajes« Realgymnasiums zu. Lazar Samlnky in Wien. Am 28. Mai d. J. wird der bekannte Komponist und Dirigent Lazar S a m i n s k y aus New York im kleinen Musikvereinssaal ein Konzert dirigieren. Das Programm enthält sowohl eigene Werke, als auch Werke anderer moderner Komponisten. In diesem Konzert wirken mit: Elisabeth Guttmann (Sopran), aus Baltimore, Samuel P o s t o 1 o w (Tenor), Jakob Gimpel (Klaviervirtuose) und der Wiener Jüdische Gesang« verein. Jüdische Sport- und /iiim Der Kampf um die Erstklassigkeit. Hakoah verliert gegen W. A. C. 2:1 (0:0). Der F. C. Hakoah hat vergangenen Sonntag durch die Niedei*age gegen den W. A. C. die letzte Chance, sich in der ersten Klasse zu behaupten, vergeben. Es müßte ein Wunder geschehen, wenn es trotzdem gelingen würde, den jüdischen Verein vor dem Abstieg zu bewahren. Die Blau-Weißen haben aus 15 Spielen im ganzen 7 Punkte zusammengebracht und, ihre nächsten Gegner sind nicht solche Vereine, von denen leicht Punkte zu holen sind. Gegen W. A. C. war Hakoah gezwungen ohne Scheuer, Feldmann, Lö winger anzutreten, außerdem mußten die abgebauten Spieler Stern, Nadler und Haar ersetzt werden. Die radikale Verjüngung der Mannschaft hat sich nicht so ausgewirkt, wie man es vielleicht erwartet hätte. Von den Junioren konnte nur Donnenfeld vollwertige Arbeit leisten. Fischer zeigte einige schöne Kunststücke, und der nach längerer Zeit wieder mitwirkende K a tz, war der gefährlichste Stürmer. Auch Mausner hielt sich recht gut. Der schwächste im Angriff war M o 1 n a r. Molnar, der bei ein wenig mehr Courage vielleicht ein dutzendmal Erfolgsmöglichkeiten gehabt hätte, ging jeder persönlichen Begegnung aus dem Wege. Die Ersatzleute Platschek und Liebermann zeigten Mut und Opferwillen, aber nicht mehr. Am besten in der Deckung gefiel noch Heß. Ohne Feldmann und Scheuer, also mit einer Notbesetzung, war für den jüdischen Verein im vorhinein nichts zu holen, obzwar Amster und Stroß ihr Möglichstes taten. Oppenheim befriedigte. Die Spiele zwischen Hakoah und W. A. C. verliefen bisher immer sehr scharf und es kam nicht selten zu großen Ausschreitungen. Die W. A. C.-Spieler sorgten dafür, daß es auch im letzten Match arg zuging. Die Athletiker kämpften äußerst roh Und der Schiedsrichter Pruschina sah sich gezwungen, Grohmann und Müller auszuschließen. Um die Gemüter des W. A. C. zu beruhigen, würde auch Mäüsner vom Platze gewiesen. Hakoah ist die erste Spielzeit stark überlegen, doch verstehen es die Stürmer nicht, in der lang andauerndeu Offensive Tore zu schießen. In der 31. Minute wird Liebermann nach einem Zusammenstoß mit Janny verletzt und muß kurze Zeit pausieren. Einige Minuten später begeht Müller einen Rohheitsakt an Heß und wird vom Schiedsrichter ausgeschlossen. Bald nach der Pause vergibt Katz eine sichere Torchance. Bis gegen Schluß kommen die Stürmer oft vor das gegnerische Tor, es gelingt ihnen aber nur in der 40. Minute durch einen Elfmeter, den Heß verwandelt, das einzige Tor zu erzielen. Hakoah trat in folgender Aufstellung an: Oppenheim; Amster, Stroß; Liebermann, Platschek, Heß; Katz, Donnenfeld, Molnar, Mausner, Fischer. Kommenden Sonntag spielt Hakoah gegen A u s t r i a. Außerdem sind noch Wettspiele gegen F. A. C, Wacker, Vienua und Admira ausständig. Hakoah Zweiter im Quer-durch«Wien-Laufen. Der Sp. Cl. Hakoah, der jedes Jahr beim Laufen „Quer durch Wien" immer unter den ersten drei Vereinen zu .finden war, konnte vergangenen Sonntag nach W. A. F. den zweiten Platz besetzen. Insgesamt wurde das Rennen in allen Gruppen zusammen von 800 Leichtathleten bestritten, wovon auch Hakoah einen großen Teil stellte. Hakoah wurde von W. A. F. nur knapp geschlagen ■ und lag sogar längere Zeit in Führung. H a i d e g g e r für W. A. F. und B1 ö d y für Hakoah eröffnen das Rennen. Nach drei Etappen gelingt es Hakoah aufzuholen und Deutscher überholt sogar den W. A. F.-Mann. Erst beim Praterstern gelingt es dem W. A. F. wieder die Führung zu übernehmen und auf dem Cricketer-Platz mit 60 Meter Vorsprung als Erster durchs Ziel zu gehen. In der Gruppe B besetzte Hakoah ebenfalls den zweiten Platz. Das Jungmannschaftsrennen auf der Strecke vom Praterstern zum