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Die neue Welt · 1930-05-09 · Heft 138 (9.5.1930) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 138 (9.5.1930)
Date
1930-05-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 136 der junge, moderne und gebildete Jude: Er beginnt sich für das Geschäft seines Vaters zu schämen, selbst wenn es sehr gut geht (d. h. wenn das Leben beweist, dafl dieser Händler wenigstens nicht „überflüssig" ist) und «las Ende vom Lied ist, daß intelligente, unverbrauchte Kräfte vom Handel weggehen und wir wichtige ökonomische Positionen verlieren. Es ist schwer, den einen oder anderen Zweig menschlicher Tätigkeit herzunehmen und zu sogen: Das ist die wichtigste Maschine, die alle anderen Formen der Kultur hervorbringt. Das kollektive Leben ist sehr kompliziert und dezentralisiert — eine richtige Analogie mit einem wirklichen Organismus, mit dem Körper z. B., dessen Mittelpunkt das Herz ist, ist nicht zu finden . . . Nimmt man nun einen Faktor aus dem Gesamtkomplex und sagt: Das ist das Herz, die Wurzel, alle anderen Zweige des Schaffens und der Leistung erklären sich daraus, dann hat eine solche Behauptung nur rhetorischen Wert. Wenn wir aber eine solche Annahme schon akzeptieren wollen, dann ist dodi gerade der Handel derjenige aller Schaffenszweige, der die Aufgabe eines Motors oder Herzens mehr als alle anderen erfüllt. Dabei ist nebensächlich, daß nur wenige Menschen im Handel unterkommen können, nicht mehr als ein Zehntel derer, die ihren Lebensunterhalt in Landwirtschaft und Industrie finden. Ein Herz ist doch auch klein, sicherlich kein Zehntel der Gesamtmasse des Organismus. Die Hauptsache ist nicht der Umfang, sondern die Rolle. Da haben wir zuerst den Handel mit allen seinen Arten und daun die „Produktion" in ihren verschiedenen Formen. Wer von beiden bedingt und bestimmt den anderen, wer ist der Vater und wer das Kind? Die Antwort liegt doch schon in der Frage. Ein Anfang, ein Minimum an Produktion, muß ganz unabhängig vom Ilaadel vorhanden sein, selbst auf Robinsons Insel, aus dem Grund aller Gründe, den Mendele Moicher Sforim „die Gewohnheit, zu essen" nennt. Aber schon der kleinste Fortschritt der Produktion, von jenem Augenblicke an, da der Mensch von der Jagd ganz bewußt mehr Felle brachte, als er für sich und seine Familie nötig hatte, oder mehr Land bebaute, als für seine Erhaltung zwingend notwendig war — diese erste Entwicklung der Produktion hatte doch nur einen Wert, weil der Mensch gleichzeitig die Kunst des Austausches entdeckte. Das wissen alle. Aber nur selten ist es uns bewußt, was für eine Rolle der Händler in unserem Leben spielt und wie wir ohne ihn aussehen würden. In der englischen Fibel für die Volksschulkinder findet man eine Statistik darüber, wieviele Länder notwendig waren, um das Frühstück des Kindes herbeizuschaffen. Ungefähr 20 Länder aus allen fünf Kontinenten der Welt. Andere Kinder, die jüdischen z. B., sind vielleicht bei ihrem Frühstück noch nicht so gut verpflegt, aber geographisch ist der Unterschied nicht so groß. Kaffee kommt aus Brasilien, Tee aus Ceylon oder China, Brot vielleicht aus Argentinien usw. Der Aermste unter uns trägt Kleider und Schuhe, die aus Produkten von 10 bis 12 Ländern bestehen. — Während der Mensch in Frankreich einen gewöhnlichen Tag seines Lebens verlebt, wäscht er sich mit Seife, putzt die Zähne mit einer Zahnbürste und Pasta, schreibt einen Brief mit Stahlfeder, die er in Tinte taucht, auf einen Bogen Papier, raucht eine Zigarette und streicht dazu ein Zündholz an, fährt mit dem Autobus (oder der Autobus fährt über ihu und zerdrückt ihn mit seinen Gummirädern), kurz, während eines solchen Tages hat er schon die Natur und die menschliche Arbeit der ganzen Welt für sich ausgenützt. Und auch das Haus, in dem wir wohnen, das Pflaster, auf welchem wir gehen, sogar diese Pariser Luft, welche ich atme und die mit Automobilduft und Kohlenstaub gesättigt ist, das alles verdanken wir dem Händler, dem Welthändler, der aus dem Erdball einen kleinen Raum gemacht hat. Wenn wir ihn uns wegdenken, dann werden Paris, London und New York zu Dörfern und alles verschwindet wie Rauch im Winde, was wir Kultur nennen. Es ist kein gegenseitiger Einfluß. Man darf nicht sagen, daß das Anwachsen der Produktion die Entwicklung des Handels in demselben Maße bedingt, wie der Handel die der Produktion. Man kann das nicht vergleichen. Natürlich: Während ein Pariser Modenschneider einen neuen Schnitt schafft, hat der Konfektionär noch ein Stück zu verkaufen. Das ist aber eine Kleinigkeit im Vergleich dazu, daß das ganze Entstehen und die ganze Entwicklung der Produktion (abgesehen vom patriarchalischen Fumilienleben zur Zeit der Sintflut) vom Anfang bis zum Ende das Resultat der Arbeit des Händlers ist. Denn ohne ihn hätte keine Fabrik die ihr nötigen Maschinen und Rohstoffe bekommen, die sie braucht, um das erste Paar Schuhe zu erzeugen. Und ohne Händler wäre für eine Fabrik, für eine Anstalt, die für eine Welt vou Kaufleuten arbeitet, überhaupt keine Existenzmöglichkeit gewesen. Und nicht nur die materielle Kultur ist ein Kind des Hundeis: Auch die Geisteskultur, vielleicht mit Ausnahme der Religion, ist nur durch ihn entstanden, und hat sich durch ihn entwickelt. Was wäre aus der Astronomie geworden (von Geographie schon gar nicht zu. sprechen), wenn der Kaufmann nicht den Gang der Sterne hätte studieren müssen, um für seine Schiffe den Weg über den Ozean zu finden? Wer hat Kolumbus Geld zu einer Expedition gegeben und warum? Für wen haben alle Chemiker, Mechaniker und Mathematiker gearbeitet? Selbst für die reine Dichtung mache ich keine absolute Ausnahme. Kurz vor dem Kriege erschien in Frankreich ein Buch vou Leon Berar „Der semitische Ursprung der O d y s e c Homer s". Der Verfasser beweist, daß diese unsterbliche Dichtung, Anfang und Grundlage der epischen Weltdichtung, vollständig aus Reiseeindrücken uud Abenteuern phönizischer Seefahrer und Piraten besteht und auf sie aufgebaut ist:W iederKaufl e u t e! Von der Uias weiß man schon lange: Der ganze Streit zwischen Griechen und Trojern war doch nur der letzte Akt eines langen Konfliktes zweier Handelsvölker, der sich historisch in der Zerstörung der uralten kretischen Kultur ausdrückt, deren letzte koloniale Festung Troja war. Die wirkliche Ursache des trojanischen Krieges war nicht die Schönheit Hellenas, sondern die Tatsache, daß Troja damals dieselbe geographische Rolle spielte, wie heute die Dardanellen, und die Handelsflotte der Griechen nicht in die Kornkammer des Schwarzen Meeres einließ. Stolz sein hätte man sollen auf solch eine geschichtliche Mission und nicht sich schämen! „Unproduktiv"? Kolumbus hat an Produktivem mehr geschaffen als alle Bauern und manuellen Arbeiter seiner Generation zusammengenommen; und er war Kaufmann von Beruf, Kaufleute haben ihn gesandt, aus kaufmännischen Gründen. Eine dumme Kurzsichtigkeit ist diese Scham des modernen Juden, wenn man ihn daran erinnert, daß wir ein Handelsvolk waren und sind. Historisch ist der Kaufmann der wirkliche Kämpfer für den Fortschritt, der Erste unter den Fahnenträgern der Zivilisation. Wenn wahr ist, was gesagt wird, daß nämlich der erste und größte aller Kaufleute ein Jude war und daß wir diese Rolle noch heute innehaben, dann sollen wir auf so eine Ehre nicht verzichten. Denn selbst der kleinste Dorfhändler, sei er auch nur ein Hausierer mit Socken, ist dieses Adels teilhaftig, Mitglied einer Klasse zu sein, deren historisches Verdienst und deren Rolle in der heutigen Welt der des Landwirtes und Fabriksarbeiters zumindest ebenbürtig ist, wenn nicht überlegen. Man pflegt Medizin und Jus zum Unterschied vom Handel „Intelligenzberuf" zu nennen. Ich will hier niemand beleidigen, gehöre ich doch selbst eiuem solchen „Intelligenzberuf" an. Abercsistsehr fraglich, welche der beiden „Branchen" mehr Denken erfordert, welche von ihnen einem guten Kopf mehr Möglichkeiten schöpferischer Betätigung bietet. Daß es bei uns Juden zuviel Händler gebe, für die in der Weltwirtschaft schon lange kein Platz mehr sei, daß es gut und gesund sei, die Zahl der jüdischen Land- und Fabriksarbeiter möglichst zu vergrößern, daß wir in Palästina nicht mehr als 10 Prozent Kaufleute brauchen, das alles ist wahr und unantastbar: Es gibt darüber keine Diskussion. Die antikommerzielle Ideologie aber, die besonders für uns Juden etwas wie ein Schlag ins Gesicht ist, scheint mir eine dumme und überflüssige Begleiterscheinung. Durch Gottes Gnade stammen wir nicht nur von einem Volke der Gesetzgeber, Propheten und Eroberer ab, sondern in den letzten zwei Jahrtausenden auch von einem Volke der Kaufleute. Heute suchen wir neue und breitere Wege für unsere nationale Betätigung. Das bedeutet aber nicht, daß wir die Bude sperren müssen! Die Bude sperren, hieße eine Position evakuieren. Vorsicht! (Geschrieben 1928.) T heater, Kunst und Literatur Gastspiel der „Wilnaer Truppe". „Der Dorfsjing". Mit L. Kobrins Volksstück „Der Dorfsjing" setzte das neue Gastspiel der „Wilnaer" ein. Verglichen im weiten Abstand mit Schalom Alejchems „Schwer zu sein ein Jud" und Perez Hirschbeins „Grünen Feldern" zeigt der „Dorfsjing" eine derbere, robustere Struktur, die in der Darstellung der Wilnaer noch mehr betont wurde. Alex Stein, als Darsteller der Titelrolle, stellte die von ihm verkörperte Figur zunächst auf Natur* burschentum ein, mußte aber später, um den tragischen Schluß glaubhaft zu machen, zu Mittel* und Zwischen» tönen greifen, eine Art Hamlet vom Fischerdorf kon* struieien, was seinem verfeinerten Intellekt sehr gut gelang. Ausgezeichnete Leistungen boten Adam Dorab als aufklärerischer und Jakob Schi gor in als fromm* asketischer Dorfjude. Um die beiden herum schufen Frau Wita 1 ina als Frume, Israel Kamay, Samuel Schaf» tel, D. Schneidow und S. Lonek treffliche Typen. Dem Christenmädchen Natascha verlieh Manja P i k u s, geschult und gereift in der Gestaltung von Mädchen* figuren mit übervollem, aber gebrochenem Herzen, menschlich rührende Züge und Töne. Und Paula Walter, der als Charakterschauspielerin ein hoher Ruf vorausgeht, bewahrte und bestätigte ihn, indem sie eine in Ton und Gebärde durchaus originelle Aschenbrödelfigur auf die Beine stellte. Von ihr griff der Erfolg auf alle Wilnaer über, die sich einem dankbar applaudierenden Publikum unzähligemal zeigen konnten. o. r. Die neue Premiere. Als nächste Premiere wird von Alex Stein das Schauspiel „Komödie des Glücks" von Evreinow vorbereitet. In diesem Stück sind die Damen Sonja A11 b a u m, Manja P i k u s, Paula Walter und Frieda WitaIina und die Herren Adam Domb, Israel Kamay, Samuel Scheftel, Jakob Schigor in und Alex Stein beschäftigt. Außerdem wurde eine Tanzgruppe engagiert. Evreinows Stück bleibt ab Freitag, den 9. d. bis auf weiteres auf dem Spielplan. Neues Jüdisches Theater, Praterstraße 60. Es ist der Leitung des Theaters gelungen, für ein kurzes Gastspiel den berühmten nissisch-amerikanischen Star J. Are o, langjähriges Mitglied der Fischsohn-Truppe in Rußland, zu gewinnen. Samstag, den 10. und Sonntag, den 11. Mai zum ersten Male in Wien „Der Wojler Jüng", Lebensbild in drei Akten mit Gesang und Tanz. Beginn 8,30 Uhr abends. Theatervorstellung der „großen Adler". In einem Theater des New Yorker Broadway hat dieser Tage eine einzigartige jüdische Theatervorstellung stattgefunden und ungeheuren Erfolg erzielt. Gegeben wurde Jakob Gordins „Der wilde Mensch" und das Ensemble bestand ausschließlich aus der Witwe, den Kindern und Schwiegersöhnen des berühmten Schauspielers und Theaterdirektors Jacob P. Adler. An der Spitze dieses Ensembles steht die Witwe des großen Künstlers, Sarah Adler, ihm gehören ferner an ihre drei Töchter, vier Söhne und der Schwiegersohn Josef Schengold. „Der wilde Mensch" gehörte zu den erfolgreichsten Rollen Jacob P. Adlers. Von den Mitwirkenden sind fast sämtliche als Stars auf jüdischen und englischen Bühnen tätig. Die Witwe Sarah Adler und ihre Töchter Franois, Julia und Stella sind berühmte Schauspielerinnen und die vier Söhne, die alle mitwirkten, sind Lieblinge des jüdischen TJieaterpublikums. Der älteste der Söhne, Abc Adler, spielte 15 Jahre lang in einem Ensemble mit seinem Vater und war dann während 20 Jahren sein Manager. Luther Adler spielte zusammen jiddisches Theater mit Sigmund Mogulesco, Rudolf Schildkraut, Morris Moschkowitsch. Seit längerer Zeit gilt er als einer der berühmtesten Schauspieler der e n g 1 i s di e n Provinzbühnen. Auch die zwei jüngeren Söhne C h a r 1 e y und I r w i n g sind bekannte Schauspieler. Die Regie, dieser Truppe der „großen Adler" lag in den Händen des berühmten Josef Schengold, Adlers ältestem Schwiegersohn. Das bis aufs letzte Plätzchen gefüllte Theater bereitete den „großen Adlern" einen enthusiastischen Empfang. Die Vorstellung wird einigemal wiederholt werden, worauf dann die Aufführung von Gordins „O h n a Hei m" folgen soll. Die Truppe hat bereits vou zahlreidien größeren Provinzbühnen der anderen Staaten Einladungen bekommen, und es ist gar kein Zweifel, daß sich diese Tournee für die „großen Adler" zu einem Triumphzug durch die Vereinigten Staaten gestalten wird. Kunstausstellungen jüdischer Gemeinden. In der Berliner jüdischen Gemeinde besteht die Absicht, im Herbst 1930 eine Ausstellung von Werken jüdischer Künstler zu veranstalten, die als eine Art Generalschau des zeitgenössischen Schaffens gedacht ist. Zweck dieser Ausstellung soll sein, die wichtigsten Repräsentanten jüdischer Kunst in Berlin in einer einzigen Ausstellung zu vereinigen und der weitesten Oeffentlichkeit zu zeigen, wie reichhaltig das künstlerische Schaffen der Juden aufallenGebieten ist, ferner der jüdischen Künstlerschaft die Möglichkeit zu geben, in einem würdigen Rahmen sich der ganzen Oeffentlichkeit zu präsentieren, um dadurch den schweren Daseinskampf der Künstler nach Möglichkeit zu erleichtern. Man hofft, daß es möglich sein wird, auch diejenigen jüdischen Künstler von Rang und Ansehen für die Ausstellung zu gewinnen, die an sich der Förderung nicht mehr bedürfen, die aber durch den Glanz ihres Schaffens den jüngeren Mitstrebenden den geeigneten Rahmen bereiten. Die Krakauer jüdische Gemeinde trifft Anstalten für eine Ausstellung in ihrem Besitz befindlicher und anderer seltener jüdischer Antiquitäten, die im Sommer d. J. im Wawelschloß zu Krakau stattfinden wird. Im Rahmen der Feierlichkeiten aus Anlaß des 400. Geburtstages des polnischen Dichters Jan Kochanowsky wird eine große polnische Kunst- und Antiquitätenausstellung arrangiert, von der die jüdische Ausstellung einen Teil bilden wird. Das Kochanowsky-Jubiläumskomitee hat den Warschauer jüdischen Gelehrten Professor M. Balaban eingeladen, die Leitung der jüdischen Ausstellung zu übernehmen. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde Krakau hat in dieser Angelegenheit mit Professor Balaban und der Leitung der „Gesellschaft zur Verbreitung der schönen Künste unter den Juden" Beratungen abgehalten, woraufhin ein Ausstellungskomitee gebildet wurde. Der Präsident der Gemeinde L. Landau gab in dieser Sitzung einen Ueberblick über die in Krakau vorhandenen jüdischen Antiquitäten, Prof. Balaban wies auf die historische Bedeutung der jüdischen Antiquitäten in Krakau und in ganz Polen hin und kündigte die Veröffentlichung eines Katalogs im Zusammenhang mit der bevorstehenden Ausstellung und der Schaffung eines jüdischen Museums für ganz Polen an. — Die vorläufige Ausstellung im Wawelschloß enthält antike Kunstwerke und seltene Drucksachen und Manuskripte aus dem 16. Jahrhundert sowie Bildnisse' alter Synagogen und Gedenksteine aus der gleichen Epoche. Im Mai 1931 wird in Krakau die Ausstellung jüdischer Antiquitäten aus ganz Polen eröffnet werden. Der Komponist Chajes. Sonntag, den 13. April d. J. brachte das Sedlak-Winkler-Quartett im Rahmen eines Kammermusikabends das wundervolle Trio in D-Moll des jungen Komponisten Julius Chajes. Der Komponist selbst bestritt in diesem erlesenen Ensemble den Klavierpart. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Das Aprilheft wird eingeleitet durch eine Uebersicht des Herrn Rabbiners Dr. Kober in Köln über Neuerscheinungen zur Geschichteder Juden in Deutschland. In knapper Form, aber mit sicherer Kennzeichnung läßt der bekannte Fachgelehrte zahlreiche Bücher vorüberziehen, von denen ein erheblicher Teil auch das Interesse des Laien beanspruchen darf. Sehr wertvoll sind die — gleichfalls durchaus gemeinverständlich gehaltenen — Ausführungen Aptowitzers zur Geschichte des Gebetbuches. Er zeigt insbesondere, daß der Gegensatz zwischen Juden und Judenchristen schon unmittelbar nach dem Auftreten der neuen Lehre schärfer war, als man gemeinbin annimmt, und daß wichtige Anordnungen im Gottesdienst aus der Abwehr der Augriffe und Versuchungen der neuen Lehre zu erklären sind. Unter den zahlreichen

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