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Die neue Welt · 1930-04-18 · Heft 135 (18.4.1930) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 135 (18.4.1930)
Date
1930-04-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seife Dü NEUE WELT Nf. m GRABSTEINE FRIEDLÄNDER # DEUTSCH Wien, /. Bes., SeHenaleüengtam 2, Tetephon U»28'1*28 XIH Zentralfriedhof, neb. d. /. To* Telephon ü-18 0 85 fiiniiitiitiniiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiitimmtimintiiiHiiiiiiiiiiiiiu § Gegründet 1882 | I lebensueßlctierunssbunuiyt I | Gesellschaft ,r nUWlA | | Zentradirektion: WIEN I., Rtemergitse Nr. 2 | s VnidiinnigsttttMd s fftfltfogtziftRts IWwüpRD s Prlnltnmd Zhimcinoabntn in Mrt 19Zt s Gvaifftlittil Ende 1928 s Huahlongtn an ifii fmtoirtoi ta Jibrt 1921 2 MMn Spiinp s 4Jt9.N0.- SM 5 91 MHUsmn Sdtiiiiag 242 Wittum SdtSHng 265 MBIInn SAiffing s a Tätigkeitsgebiet: Österreich, DeuttchM Reloh, Frankreich, s s Bslglen, Holland. Hallen, Spanien, Tschechoslowakische a a Republik, Polen, Ungern, Jugoslawien, Bulgarien, Orteehen- 5 a land. TUrkei, Aegypten und Pallttljia. s niiiiiiiiiiiiifiiiiiiifiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiS RADIO in ftlejcjantejr Koff«rlorm für Radio und Schallplatten, spielt Ubeirall ohne An« f«rtft«, ohne Erde, sowie alle modernen Netzempfänger, Radioapparate) mit Auslandsempfang. Radio-Bestandteile, Krsclit bis 30 Monat«, bei 10% Anzahlung u. 1*/« Zinsen per Monat. Billigst« u. b«st« f Inkautscju«i1« Radio-Musikhaus Schlei Inger nur Im Wl«n, VII., Burggasse 122*124 Katalog pratlsi Neue Sprachschule Montag den 3. Marz 1930 wurde die neue, vom Wiener Städtschalrat konzessionierte Schule für die englische und französische Sprache für weibliche Personen im ..Dr. Krüger-Heim". Wien. II., Malzgasse 7. Tel. R-43-5-40 (10 bis 12 Uhr und 3 bis 5 Uhr), eröffnet. Kurse für Anfänger und Vorgeschrittene, an Nachmittagen und Abenden. Spezielle Kinderkurse. Erprobte, erstklassige Lehrerinnen. 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Nach zwei — drei Sekunden des Nachdenkens sagte er fest: „Mit dem größten Vergnügen, mit allen Ehren und mit dem größten Dank." „Allright. Gebt mir; also eure Hand und sei's mit Glück und mit Segen. Euer Kapitalist — das bin ich." Worauf Mr. Klamer mit der Hand auf sich zeigte und seinen Freund mit einem so süßlieblich großartigen Lächeln beehrte und gleichzeitig soviel Eigenwüfde an den Tag legte, daß wenn' zum Beispiel der Loipd Roth« schild selbst an seiner Stelle wäre, es süßer, lieblicher und großartiger nicht hätte sein können. Nissl Schwalb war so sehr überrascht, daß er ver* gaß die Hand auszustrecken und das Gelöbnis zu be* siegeln. Er kennt Mr. Klamer nicht seit heuer und. weiß, daß er' ein Zionist, ein Territofialist und ein Gemeinde* geschäftemann ist und ein Kochlöffell und ein braver Kamerad und ein Gasthausbesitzer und ein Ratschlaggeber und was ihr wollt. Aber daß Mr. Klamer ein Kapitalist ist, das war für ihn eine unerwartete, fast unglaubliche Neuigkeit. Mr. Klamer seinerseits erriet scheinbar Schwalbs Gedanken und sagte mit dem gleichen groß« artigen Lächeln zu ihm:. „Es soll euch nicht überraschen, daß ich auf ein solches Geschäft eingehe, wie man sagt, eine blinde Zeder. Ich bin aber auch nicht so grün wie ihr glaubt. Ich geh nicht mit meinem ganzen Kapital. Ich lasse, mein Geschäft für meine Misses zurück, ich hab es schon, lange satt, Lbkschen zu verkaufen. Jeder muß seinen Platz wissen, für den er fähig ist.. Wie sagt <*{er engliqhman: Every man in its place... Mr. Schwalb, gebt nur eure Hand, solang 'ich's nicht bereue. Bei mir ist ein Prinzip, tu; ich was, soll es getan sein t oder wie sagt der e'nglish* man: if you want, to. do a thinkU." ( An jenem Abend war beim Lomscher Chanen im Keller eine solche Freude, daß die Nachbarn, dje schon an die ständige Musik und den ständigen Lärm und das ständige Gepolter dieser musikalischen Familie gewöhnt warent draußen zusammenliefen und durch die QÜ&t ver* hängten Fenster in den Keller hinunterblickten und -beim Lomscher Chasen eine Masse Gäste sitzen und trinken sahen, von denen einer, ein Hoher, Dicker,'mit dem. Glas in der Hand steht und „spitscht": Dann griff die Kinder* schar zu den Instrumenten und der Hohe, Dicke warf das Jakett ab und ging ein Tänzchen mit solcher Hitze und mit solchem Feuer an, wie nur ein glücklicher Vater tanzt, der seine > jüngste Tochter verheiratet hat. 15. Kapitel Der Hund verdient -den Steckern ,r r 5 1 * .' ' ' '?- I; Die Nachricht, daß das PavillomTheater gejebjos» sen werde, traf uMer^n Holzman wie mit der Pistole'ins Horz und er fiel fi|!er aeinen K^mfagh^ her, daß er ihn in den' Kot" hjfcejägejrerrt und stehen« gelassen habe, nicht *bin — nicht-her. Er hieb in ihn spfiele Flüche Mein, als in ihn nur bieingehen mochten, Isaak Schwalb hatte aber <M gute Natur, einen goldenen Charakter, und beschimpft man ihn, schweigt er. Ihr könnt ihm den Teufel an den Kopf werden, er wird nicht mit der Zunge rühren, auch schaut er euch wie ein sündiger Mensch in die Augen und schweigt dennoch. Diesmal konnte er nicht mehr durch* schweigen. Man hatte den honour seines Bruders Nissl angetastet. Holzman hatte ihn mit einem häßlichen Namen belegt — und für den Bruder Nissl geht er euch ans Blut. Vor Erregung kochend ob der mißlungenen Ge* schäfte in London, gereizt von der lärmenden nebligen Stadt mit ihren feuchten Schwaden, mit den grauen, finsteren, kalten Mauern, mit ihren grauen kalten Mens sehen und überhaupt verbittert vom alten Husten, der ihm in London mehr zusetzte als überall, hörte unser armer Direktor nicht auf, zu bohren und zu stückeln. „Versinken hätte dieses London sollen mit euch zusammen, bevor ich hierhergekommen bin. Hätt' ich lieber einen Fuß oder beide Füße und Hals und Nacken! Wenig hatt' ich von einem Kompagnon, brauch ich zwei auf mir." „Was wirfst du mir allemal zwei Kompagnons vor?" fragt ihn Schwalb. „Was denn sonst? Wenn das Theater aus ist Theater, ist unsere Kompagnonschaft aus Kompagnon* schaft. Was brauch ich auf mir zwei solche Esser wi$ du mit deinem Bruderchen?" „Wirklich wahr. Gibts halt nicht mehr Lebkuchen", sagt Schwalb und erhebt sich. „Wir fahren ohnehin weg, nach Amerika." „Nach Amerika fährst du?" Holzmann wirft ihm einen sekundenlangen Blick in die Augen. „Fahr gesund! Selbst in die1 Erd* hineinl" Schwalb wendet sich zum Gehen und bleibt stehen. Er kehrt seinem Kompagnon das rote Gesicht zu. „Die Schwester fährt aber auch mit uns4\,.. Holzman klatscht in die Hände, greift sich mit der Hand an die Wange und macht ein schiefes Gesicht. „Uh ba, sofort zerreiß ich mir meine Windel und setz' mich hin mitten im Whiteshapel weinen über deine Jahre und Tage." Schon an der Tür, antwortet ihm Schwalb: „Dann wisse aber auch, daß du mit Gottes Hilfe auf beiden Augen weinen wirst, denn mit uns fährt noch jemand..." Hier nimmt Holzman schon allerlei Farben an. Die spitzen Augen sprühen Funken. „Nicht erleben wird das dein Bruder, der Paradiesochs." , Was steckt denn eigentlich im Wort „Paradiesochs" fjir Beleidigung? Benennt ihn denn Holzman nicht alle Tage mit dem Namen Maulwurf und Wasserocbs? Worin igt Maulwurf und Wasserochs schöner als Paradiesochs? Geht aber, hin und redet mit einem solchen Wesen wie Isaak Schwalb! Wie er nur das Wort „Paradiesochs" hörte, flammte es in ihm auf. Das immer rote Gesicht wurde fast grün. Voll Wut. ging er an seinen Kompagnon ganz nahe heran und sagte leise, aber4 scharf: „Hör nur du. Cholera, die du bist, läßt du noch -einmal aus deinem Mupd dieses Wort auf tip-eii|eii JQ^dieir». versprech' ich dir, daß du aus meinen ^SAdea:!:i^C(il* gehst eine Leiche." Kinderwagen vomtlnfMtMttn Wt zum feinsten Senrt ertragt Koibwartnlnaastrft M. INOELOtRG, XX.V Wallenstalnplats * (Eingang B&uerlegasse 1) Ptllale: XX., Klostemeuburgerstfaße 91 _ . . -- -« - -. ~» **waf Telephon A-41-406 und A-47.4-97 Katalog« gratis BEI BESTELLUNGEN BITTE SICH AUF ,DIE NEUE WELT' ZU BERUFENI (gintöfuitg Don ©Olt>, Silber, statin bei ©. 91. Sfleifc 2öictt, I. 8fr<wj 3ofef*SU» 49, gentittie: Vi., »umftcttfttftfeeftrafie 85 NÄHMASCHINEN stüt v^p $20.. FAHRRÄDER 1930 monatlich ohne Anaabel IX. LI echtenstelnstrofie Hr. Z7 Teil. A1S-S.64 und A W*9-6S lü.Wißdnßr Hauptstraße Hr. 8 Tel. A 30-0-36 SPORT- UND TOURISTENARTIKEL PICK „Eine Leiche?" „Ein Toter, ein Kadaver." Holzman ist anscheinend gar wenig erschrocken vor seinem Kompagnon Schwalb. Er .platzt in ein Lachen los und verhustet sich dabei. „Ich? Ich aus deinen Händen eine Leiche? Chacha! Pche — pche —» pchc! Viehl... Bevor du dich rührst* mit deinem Schmerleib, garantier' ich dir, daß ich dir deine roten Backen zerhau und einen Brei mach' aus ihnen." Es besteht kein Zweifel, daß ein großer Teil des» sen, was die Zwei einander garantierten, ausgeführt wor« den wäre, denn sie sind beide darin sehr beglaubigt, wäre nicht die alte Sore Broche mit ihren dürren, aber breitknochigen Schultern, zwischen den hejden empor* gewachsen und hätte nicht eine Schlichtung herbeige« führt: den Sohn riß sie weg, den Kompagnon warf sie hinaus und sperrte die Tür ab. , Unserem Holzman eröffnete sich damals leibhaftig die Hölle. Tief ins Herz krochen ihm .die Worte des Kompagnons „Dann wisse aber auch, daß du mit Gottes Hilfe auf beiden Augen weinen wirst, denn .mit' uns fährt noch jemand".., ... Eine deutliche Rede, ein klares Wprt.' Braucht man noch eine Erklärung dazu? Jetzt ist es ihm schon klar, warum der Junge wie auf einer fremden Welt umhergeht... Die Brüder Schwalb haben ihn vom richtigen Weg abgebracht. Die Schwester hat ihm den Kopf verdreht. Es - ist klar wie der Tag. Möglich, daß der Junge es vielleicht selbst nicht gern tut. Er kann nirgends Ruhe finden. Sieht man es ihm denn nicht an? Oh, man sieht es ihm sehr gut an.' Hotzmach, verbrannt sollst du werdenl Wo waren deine Augen? So sagt Holzman zu sich selbst und spart nicht mit Flüchen. Die Flüche aber sind ihm noch zu wenig. Könnte er sich nur ohrfeigen oder würde ihm nur* jemand die Knochen zerschlagen! Hotzmach, du verdienst, es, sagt Holzman weiter zu sich selber, das Zimmer bin und her durchschreitend wie ein gereiztes Wild und aus den spitzen Augen blitzend. Recht geschieht dir, Hotz« mach, der Hund verdient den Stecken. Vor Herzweh und vor Wut gegen! sich selber schleudert er mit dem Fuß einen Stuhl von sich weg, der unschuldig an der Wand steht. Auf den Fall hin kommt die. Mutter Sore Broche nicht tot, nicht lebendig hereingelaufen. „Was istschon wieder? Was hat hier so geklopft, daß ich's bis in die „Kitschen" gehört;bab?" " Sore Broche ist nicht allein hereingekommen. In den Händen hält sie ein „t'schiken". Einlast schpn ge« rupftes Huhn. Das Huhn hat das bleiche töte Köpfchen mit dem durchgeschnittenen Hals nach hinten zur Seite gefegt und blickt mit bleichen eingezogenen verglasten Aeuglein, wie es Holzman scheint,, direkt auf ihn. Allo auf ihn! Alle auf ihn! Es ergreift ihn eine derartige Wut, daß er spürt bald wird ihm das Herz jentzweispringen. Und er geht auf die alte Mutter mit; halbgesehlossenen Fäusten loa und schreit wie mit fremder Stimme: \. 1 „In die Kitseben hinein, in die Kitsebwi, ro die Kitschen!" Die alte Sore Broche bleibt eine Weile stehen, spuckt hin und geht mit dem halbgerupften Huhn in die Küche zurück. Recht fgeschteht dir, sagt wieder einmal Holeman zu sich. Der Hund verdient den Stwken} (Fortsetzung, folgt) Eigentümer, Verlesw; Herenegeber und veMntwortiieber ^Redakteur Obertaii^t^ertaStriqktr, yeri»ga*A.«C. Ignaz Stettmaon, beide Wien. IX« Unlve^sitätsjtraße 6-«, DruckcrcU und c

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