Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 133 (4.4.1930)
- Date
- 1930-04-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite K DIE NEUE WELT Nr. 133 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER 6 DEUTSCH Wien, I. Btein Seiten$teHenga*ie 2, Telephon 0*28*1'28 A7„ Zeniralfriedhof, neb. d. 1. Tor, Telephon 0*18> 0 85 Kinderwagen vameinfaehstM b's wmfilntttn Sann ir zeugt Kaibwrartnlndustti« M. INdBLBtHe, XX., Wallanatelnpiati 3 (Eingang BSuerlegasse 1) FHItlet XX., Klosterneuburgerstrafic 91 Telephon A-41-406 und A-47-4-97 Kataloge gratis wmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm AUFRUF! Alle Gesinnungsgenossen und Freunde des Misrachi werden ersucht, ihren Bedarf an echten und unverfälschten Palästina-Weinen und Mazzoth nur bei dem Palästina-Produktenvertrieb der Misrachi- Zentrale, Wien, IL, Praterstraße 11, Tel. R-45-6-25, zu decken. £iiiiiiiiiiifiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiit)niiiiiiiiiiiiiiifiiiu | Begründet 1882 | reo w SämtuciMi noo SPEZEREIWAREN OftiQlNAL PALASTINA-MAZZOTH und Will« liefert billigst und bestens J. SONNENBLUM, WIEN, XVII., Hauptf.tr. 80 Ttt» B*40*8*S6 Neue Sprachschule Montng den 3. März 1930 wurde die neue, vom Wiener Stadtschulrat konzessionierte Schule für die englische und französische Sprache für weibliche Personen im ..Dr. Krüger-Heim". Wien. II., Malzgasse 7. Tel. R.43-5-40 (10 bis 12 Uhr und 3 bis 5 Uhr), eröffnet. Kurse für Anfänger und Vorgeschrittene, an Nachmittagen und Abenden. Spezielle Kinderkurse. Erprobte, erstklassige Lehrerinnen. Billige Kurs» beitrage. aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaHaaaai RADIO in alagantar Koftartorm für Radio und Schallplatten, «platt Uberall ohna An« latlfta, ohne Erde, sowie alte modernen Netzempfänger, ftacHo«Apparata mit Auslandsempfang. Radio-Bestandteile, Kradit bis 20 Monafa, bei 10% Anzahlung u.!•/« Zinsen per Monat. Bllligata u. baste Einttaufaqualta Z Radio-Muilkhauff chles Inger Wian, VNn Burggasta 132*124 Katalog pratlsi s Prämien- und Zinseniiwuhmen im Jährt 1921 5 GarantiemitW Ende 1928 s jtoiiablnngin an die Vtrsidittten in Jahn 1928 9/«üIImw Sdrillinp 242 NilliBRin Stililling 285 Küliiitto Shilling Kofferapparate Luxus*Apparate mit u. ohne Trichter, Schall* plattan v. S 2.-, die neuesten Schlager in größtei Auswahl, erhalten Sie für S 2.80 Woohenraten, sowie Mandolinen, Gitarren, Harmonikas, Lauten Violinen, Zithern, Blasinstrumente. Musikhaus SCHLESINGER 'ffi'STt 18^58 mmm BEI BESTELLUNGEN BITTE SICH AUF ,DIE NEUE WELT- ZU BERUFEN I einldfung m\ ©Olfr, ©Uber, <piattit bei ©. 91. m\t>, 2Bien, I. #ranj ^otef'äai 49, Zentrale: VI., ©nmtienbdcfetfttflfte 85 MÄHMAtCHINEN FAHRRÄDER 1930 S20.— monatlich ohne Angabei nifif IX. LIechtensteinstraöe Hr. 27 P*71\■ * 1<-3**4 ond A 1S-3-SS •jaBavaaaH IV- WierJner Hauptstraße flr.8 mwBKmWkwmwmm r«i. a 30-0-35 SPORT UND TOU RISTEN ARTIKEL Copyright 1928 by „Die Meue Welt", Wien. Nachdruck verboten. Roman von Schaf om Alechetn. Ins Deutsche übertragen von P. Rosen hall. Rosalie Spejvek, rief Brejndele Kosak zu sich selbst aus und gab sich einen Schlag mit beiden Händen auf die Schenkel. Gewalt, das ist doch Rosa, Rosa Spivak. Die Mme. Tschernjak war im siebenten Himmel. Donnerwetter, Rosa, Rosa Spivak kommt gefahren-. Und es fuhren durch ihren Kopf : wie ein Wickelkind allerbi Gedanken und Phantasien. Ach, was das für Freude geben wird,-wenn Rosa sie erblickt. Sie werden einander um den Hals fallen und sich küssen — das ist Nummer eins. Dann wird Rosa 'sie auszufragen beginnen, was sie macht. Schon lange in diesem Land? In'welchem Theater arbeitet sie? Welche Rollen. spielt sie!? Ach, welche Rollen . » , Im Theater arbeitet sie, aber Rollen spielt sie nicht mehr. Hier in diesem „gesegneten Reich des Columbus" gibt es für jedes Handwerk e}ne Unie und die Unie läßt keine fremden Schauspieler. zu... Sie ist zwar beim Jüdischen Theater, aber nicht auf der Szene. Sie hat: einen anderen job! Sie macht den Misses die Frisur, zieht ihnen die dresses an, — nun, was macht das aus? Wejmnur verdient und sich gelebt. Was, ist . es nicht so?... Gewiß, gewiß, wird ihr Rosa antworten', und sie mit ihren glühenden Zigeuneraugen' .ansehen... Die Mme. Tschernjak versteht den Blick, sie kennt das Mädel durch und durch. Sie denkt sich gewiß dabei: warum soll die Mme Tschernjak nicht lieber bei mir sein?... Gewiß so. Muß sie/bei Fremden arbeiten,, wenn sie einen job bei einer eigenen, einer Freundin haben kann, die immer mit mir zusammengelebt hat wie eine leibliche Schwester? So verbrachte die arme Brejndele Kosak eine ganze Nacht mit glücklichen Träumen, so daß sie fast fieberte. Sie konnte den Tag7 kaum erwarten, legte den Schlafrock an, setzte sich hin und schrieb einen Brief an „Leo Rafajesco im Pavillon*Theater Whiteshapel London'* mit großen halbrunden Lettern, die ausseben wie geflochtenes Backwerk, mit folgenden Worten; Mein lieber Leo Rafalesco 1 Gewiß haben Sie noch nicht an Ihre alte Bekannte und ergebene Freundin Tschernjak vergessen, die mit Ihnen zusammen einmal gewandert ist, n)it Ihnen zusam» men in einer, Truppe spielte,, mit Ihnen Freud und Leid teilte... Ach, welch glückliche Zeit wa| das! Obwohl es uns allen an Kümmernis nicht fehlte. Jeder mit seinem Bündel. Aber wollen wir nicht davon sprechen, was war. Sprechen wir lieber von jetzt. In den hiesigen papecs .habe ich gelesen, daß Eure Truppe sich, jetzt in London befindet und daß ihr den größten succes habt. Sie können sich schon vorstellen, welche Freude es rnir das .bereitete, so daß ich mich sofort hingesetzt habe, Ihnen einen'lettre zu schreiben und Ihnen einen warmen warmen Gruß aus dem fernen Land zu schicken, wo ich, mich jetzt befinde und lebe. Ich bereue es nicht, daß ich Holzman mit der 'Kompanie verlassen habe und ich hoffe bei Gott, daß ich auch^künftighin nichts zu bereuen haben* werde.. Amerika ist das wahrhaft richtige Land für jüdisches Theater. Ich glaube, daß, wenn Sie hierher gefahren kommen, man nicht wissen wird, wie hoch man Sie stellen soll. Es ist wahr, nicht jeden Schauspieler nimmt man hier gern auf; Hier im gesegneten Land des Gplumbus ist für jedes Handwerk eine Unie da. Auch Schauspieler haben ihre Unie, die. keinen Fremden zur Bühne zuläßt, es sei dehn, es kommt ein berühmter Star. Zum Beispiel, wenn Sie hierherkommen, ist keine Rede von einer Unie. Ich habe einen Beweis. Ich habe versucht, mit den hiesigen Theatermanagers zu sprechen, wie es wäre, wenn zum Beispiel ein solcher Star, wie Rafalesco hierher auf Gast« rollen käme. Da lachten sie mich aus. Wollte er nur so kommen, sagen sie,, wie man ihn hier verzuckern würde. Ich gebe Ihnen ihre eigenen Worte wieder und finde, daß' nicht London für Sie der gewünschte Platz ist. Ihr Platz ist hier, in dem goldenen Land, wo Sie nicht nur der Gast für eine . Weile sein werden, sondern einer der größten Stars für immer und ewig, mit tausenden, aber« tausenden Verehrern, unter denen die erste ich bin... Ihre ergebene Freundin Brejndele Tschernjak. Ja, gut, ich erinnere mich, es verlautet, daß dieser Tage aus Paris hierher meine einstige Freundin Rosa Spivak kommt — Sic haben sie; noch nicht vergessen In den hiesigen papers, die ihr picture bringen, heißt sie nicht mehr Rosa Spivak, sondern Miß Rosalie Spejvek und ist noch schöner als sie war. Ich schicke Ihnen hier einen Ausschnitt aus dem paper mit dem picture von Rosa Spivak oder, wie man sie heute nennt, Miß Rosalie Spejvek. Selbstverständlich muß mein Brief an Sie ein heiliges Geheimnis bleiben, kein Vogel darf es wissen. Nur ich und Sie und Gott. Damit Sie meinen Brief be» antworten, schicke ich Ihnen meine Adresse. Brejne Tschernjak. 12. Kapitel. Was ist mit dem „Jungen"? Brejndele Kosak hat gut gezielt und nicht schlecht getroffen. Dazu hat ihr ein bißchen auch noch das Glück mitgeholfen. Ihre Briefe an Henrietta Schwalb und an Rafalesco mußten gerade zu jener Zeit eintreffen, als das Londoner PaviUon*Theater beim Sperren hielt und die Gesellschaft Holzman, Schwalb et Comp, beim Aus» einanderf allen. Außerdem hat sie mit ihrem Brief an Rafalesco diesem die Augen geöffnet. Erst vor ein paar Tagen, bevoi Rafalesco diesen: Brief erhalten hatte, erblickte er auf einem Spaziergang durch London mit dem Souffleur Benje Gorgel in einer der fashionablen Gassen des aristokratischen Vierteid eine ganz große Anzeige Jn' ganz/großen Lettern ipit dem Namen Rosalie Spivak oder Spejvek und zusammen mit diesen Namen noch einen Namen: Grischa Stellmach. Und wie er das nur erblickte, blieb er stehen und griff sich ans Herz. „Was ist, Gott, mit dir?" fragte der Souffleur. „Was siehst du da so was? Eine alte Affichc, noch aus ChmeU nic.kys Zeiten I" ........ „Bleib nur eine, Weile ruhig. Laß' uns durchlesen, was da steht", sagte Rafalesco und beide blieben stehen und erfuhren aus der Affiche, daß es vor zwei, drei Monaten in einer der größten Halls in London ein Konzert zweier Berühmtheiten gegeben habe, Miß'Rosalie Spivak und Maestro Grischa Stellmach... Ein Sturm erhob sich in der Seele unseres jungen Helden: um Gotteswillen, zur selben Zeit, da er, Räfas lesco, bereits in London war, wie konnte er eine solche Gelegenheit vorübergehen lassen, mit Res! in derselben Stadt und sie nicht gesehen... und wer weiß, vielleicht ist sie auch jetzt noch, in London. Und er begann nachzuforschen, nachzufragen, um vielleicht doch noch etwas herauszubekommen. : Der erste, den er fand, um zu fragen, war sein neuer guter Freund und Führer durch London, 'Nissl Schwalb. Versteht sich, daß er nicht so gerade heraus mit dieser Sache an ihn heranging. Rafalesco packte ihn von einer ganz andern Seite an... er möge ihm die Namen aufzählen von berühmten Schauspielern, Sängern und Sängerinnen, die er in seinem'Leben gehört,; ' Nissl Schwalb als wirklicher Theatermensch ließ sich nicht lange bitten und begann . alsogleich an den Fingern eine Liste mit Namen herunterzusägen, aber eine'solche Masse von Namen, daß es zum Staunen'war. Es ist wahr, unter diesen Namen waren viele „aus der Haggadah", .d. 'h. 'solche, die bei Nissl. Schwalb ge» rade in diesem Augenblick,4 just in derselben Minute ge* boren wurden. Es stellte sich , heraus, daß Nissl Schwalb mit vielen Berühmtheiten, bekannt war, gut bekannt, so» gar eng befreundet. Zum Beispiel Patti... „Laß die Patti zur Ruh", unterbrach ihn Rafalesco, „sag mir lieber, 6b du einmal den Namen Spivak" gehört hast." . ' ' ''' ' ' ■ „Was für Spivak? Es gibt zwei Spivakst' . „Zwei Spivaks??' Auf: einen solchen Schlag war Rafalesco nicht vorbereitet. Und er sagte zu seinem Freund: „Ihr Name ist Rösa oder Rosalie Spivak.". „Chachacha", . lachte Schwalb mit einem, breiten Gelächter los, das bedeuten konnte, daß er: diese Spivak so kenne wie seine eigene Tasche, oder daß es hie? nicht wen zu kennen gebe. Nach diesem Lachen legte er eine lange. Geschichte los, aber wieder einmal um die Patti. W}e er mit ihr be* könnt geworden sei,' wie, es fast zu einem Skandal ge» kommen wäre mit einem Enkel von der Patti. „Mit einem Enkel von der Patti?" „Oho oh, die hat schon Urenkel und Ururerikel?'* An jenem Tag ruhte Rafalesco nicht. Nicht eine Minute konnte er im Zimmer sitzen bleiben, es riß ihn immer wieder hinaus. Er hörte fast nicht, was man zu ihm sprach. ' „Was ist mit dem Jungen", richtete; Holzman die yFrage an seinen Kompagnon Isaak Schwalb, (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Verleger, Herausgeber "arid verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker, Druckerei« und Verlag*-Igoai SteiutnaotL beide Wiea IX-Uulversitätsstraße ö—8.