Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 120 (3.1.1930)
- Date
- 1930-01-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 2× ep/1048155
- Haifa 1× ep/1047930
- Staßfurt 1× ep/1045768
- Zagreb 1× ep/1046069
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4 1RE3BWE SeKe iö DIE NEUE WELT Araber vertreten: es ist darum bemerkenswert, daß die arabische Presse in den letzten Monaten sich sehr dafür einsetzte, daß auch die Araber Aktien der neuen Gesellschaft in möglichst großer Zahl erwerben. Ziffern und Daten. Das Tote Meer, dessen Spiegelfläche 930 Quadratkilometer beträgt und 400 Meter unter der des Mittelländischen Meeres liegt, hat eine Länge von 76 Kilometern: seine Wassermenge wurde mit 140 Kubikkilometer bestimmt; seine größte Tiefe im Norden erreicht 400 Meter, der südliche Teil verläuft allmählich ins Ufergelände. Innerhalb von 24 Stunden verdunsten am Toten Meer 14 Millimeter Wasser — ein Vorteil für die industrielle Gewinnung von Salzen aus dem Meerwasscr, der sonst nirgends in der Welt geboten ist! Das Tote Meer stellt eine konzentrierte Salzlösung dar, doch variiert die Konzentration — wie ich mich gelegentlich meiner in den Jahren 1925 und 1926 am Toten Meer selbst vorgenommenen Untersuchungen überzeugen konnte (und worüber ich in Fachblättern und in einer Broschüre, Verlag Heinz Lafaire, Hannover: „Ein unerschöpflicher Naturschatz in Palästina", eingehend berichtete) — mit der Tiefe und auch in der Nord-Südrichtung — das spezifische Gewicht, schwankt hier zwischen 1,11 und 1,02 Gramm. Höchst charakteristisch ist die Zusammensetzung des M e e r w.a s s e r s; eine Analyse ergab: Magnesiumchlörid 12,007 Prozent (auffallend hoch!), Kochsalz 7,317 „ (mittel) Kaliumchlorid 1,201 „ Kalziumchlorid 2,357 ,, (hoch) Magnesiumbromid 0,484 „ (sehr hoch" Kaliumsulfat 0,125 Salze "23591 Prozent Auf Grund verschiedener Analysen konnte man die im Toten Meer enthaltenen S a l z m e n g e n leicht errechnen; sie betragen in Tonnen: Magnesiumchlorid 22.000,000.000 Kochsalz 11.800,000.000 Kaliumchlorid' ' 2.000,000.000 Kalziumchlorid 6.000,000.000 Kalziumsulfat81,000.000 Brom 839,000.000 ' * Unter diesen Salzen sind es vor allem die Kalisalze, die von großem Wert sind; nach den gegenwärtigen - Marktpreisen berechnet, schätzt man sie auf — 720 Milliarden österreichische Schilling! Die chemische Fabrik am Toten Meer. ,!*Die.^ewinnurig der.Salze aus ,;der Meersole wird sehr einfach und billig erfolgen können — yprnehmlichst mit Hilfe der Sonnenenergie 'i 'Wenn man' nämlich das Meerwasser in' Beeten verdunsten läßt, fällt zunächst Kochsalz aus; "bei weiterer Konzentration in anderen Beeten werden 94 Prozent des vorhandenen Kaliumchlorids als künstlicher Karnallit ausgefällt, verunreinigt durch 8 Prozent Kochsalz; die noch vorhandene Mutterlauge scheidet in anderen Beeten bei der fortgesetzten Einengung reines Magnesiumchlorid aus; die, Restlauge enthält noch 1,5 Prozent Magnesiumbromid, aus welchem leicht das freie Brom erhalten werden kann (am Toten Meer wird diese letzte Operation wahrscheinlich auf elektrischem Wege erfolgen; die im Bau befindliche Rothenbergs che Kraftstation wird die. notwendige. Energie beistellen). Unter den so abgeschiedenen .Salzen ist natürlich der künstliche Karnallit. das wertvollste, da er 21 Prozent Kaliumchlorid enthält. Man löst es und engt .es wieder ein; dabei fallen der Reihe nach aus: 50 Prozent des vorhandenen Kaliums als reines Kaliunichlorid, 25 Prozent als, unreiner Karnallit — der entweder als minderwertiger Kalidünger verkauft oder der ersten Mutterlauge zugesetzt wird — und 25 Prozent als reiner Karnallit, der ebenfalls verkauft oder zusammen mit dem aus; der Ausgangssole gewonnenen weiter verarbeitet werden kann. * Man hat berechnet, daß die Erzeugung von 90prozentigem Kaliumchlorid am Toten Meer per Tonne höchstens 16 Schilling kosten wird; ,in Staßfurt und in Elsaß machten die. Selbstkosten ein Vielfaches davon aus! Ueberdies werden — kostenlos! —- auf je eine Tonne Kalisalze 3,5 Tonnen Kochsalz in reiner Form erhalten; solches Köchsalz wird je nach seiner Feinheit mit 50 bis 85 Schilling per Tonne bewertet. Brom wird um die Hälfte des Herstellungspreises, der in Westvirginia oder Michigan (den beiden bekannten amerikanischen Hauptvorkommen) gültig ist, Magnesiumchlorid vielleicht um ein Drittel der Unkosten, die es dem Staßfurter Werke bei der Fortschaffung bereitet, erzeugt werden können. Es darf allerdings nicht übersehen werden, daß der Bedarf an Brom und Magnesiumchlorid ziemlich klein ist-, Palästina allein wäre in der Lage, -die-Welt mit diesen Produkten für viele Jahrtausende zu versorgen. Wie im vorstehenden kurz dargestellt wurde, bieten sich der Errichtung einer Anlage zur Gewinnung der Salze des Toten Meeres vom chemisch-technischen Standpunkt aus nicht nur keine Schwierigkeiten, sondern sogar so viele Vorteile, daß diese Anlage billiger und besser, also wirtschaftlicher und nutzbringender wird arbeiten können als irgend eine andere, wo immer sie in der Welt steht. Die einzige Schwierigkeit —• und die ist Nr. 110 allerdings nicht unwesentlich! — ist mit der Frage des Abtransportes der Fertigprodukte verknüpft. Bau einer neuen Bahnlinie. Mit Recht hat darum England von allen Konzessionswerbern u. a. verlangt, daß sie Vorschläge zur Lösung dieses Problems madien. Es ist notwendig, daß zunächst eine geeignete Verbindung des Toten Meeres mit Haifa, wo England nunmehr den neuen, modern angelegten Hafen erbaut, geschaffen wird. Es ist bereits beschlossen, daß eine Schmalspurbahn vom Nordufer des Toten Meeres nach dem 85 Kilometer entfernten, im Jordantal gelegenen B e i s a n errichtet wird, von wo aus auf der Bahnlinie Damaskus— Haifa diese Hafenstadt bald zu erreichen ist, da ihre Entfernung von Beisan nur 60 Kilometer beträgt. Auf dieser Strecke werden die Transportkosten per Tonne nur 6 bis 8 Schilling betragen, also auf etwa ein Drittel der bisherigen sinken. Daraus erkennt man, Welche Bedeutung der Lösung des Transportproblems gerade für das Tote-Meer-Projekt zukommt. Die Hafen- und Bahnarbeiten haben bereits begonnen, und in den letzten Wochen haben auch Ing. Novomeyski und Ing. Tulloch die ersten Vorarbeiter ans Tote Meer entsendet. Die Trennungsorthodoxie in der Tschechoslowakei. Bekanntlich hat die Bratislavaer orthodoxe Landeskanzlei vor mehreren Monaten Richtlinien für die „Reorganisation" der orthodoxen Judengemeinden in der Slowakei beschlossen und an die einzelnen Gemeinden mit dem Auftrage verschickt, unverzüglich an die in den Richtlinien umschriebene Reorganisation zu schreiten. Dem Auftrag der Kanzlei hat aber bloß die orthodoxe Gemeinde von Kaschau insoferne Folge geleistet, als der Kultusvorstand den Auftrag durch Anschlag im Gemeindehaus den Gemeindemitgliedern zur Kenntnis brachte. Aber eine tatsächliche Durchführung des Auftrages ist bisher noch nicht erfolgt. Den Hauptgegenstand dieser Richtlinien bildet nämlich der Beschluß, daß zionistische, zionistenfreundliche oder solche Mitglieder der Gemeinde, die des Zionismus verdächtig sind, wohl die Kultussteuern sowie die indirekten Abgaben an die Gemeinde leisten dürfen, aber weder das aktive noch das passive Wahlrecht besitzen.- Auf diese Weise sollten die jüdischen Ratsstuben in der Slowakei von Zionisten einfür allemal befreit werden. Einer der Haupttührer und Initiator dieses Feldzuges gegen die zionistischen Kultusräte in der- Slowakei ist ein Herr Samuel Reiner in Eperjes. Seit kurzer-Zeit erscheint in Kaschau ein neues Organ dermilitanten Trennungsorthodoxie, das den Namen „J ü d i<s ch e T r a d i t i o n" führt. Dort gibt Herr Samuel Reiner auf die Anfrage eines Lesers eine sehr interessante Aufklärung darüber, weshalb die so fein ausgetüftelte Reorganisation der orthodoxen Juden? gemeinden bisher unterblieben ist. Reiner erzählt nämlich, daß, als seinerzeit eine Delegation der orthodoxen Landeskanzlei die „Richtlinien" dem bevollmächtigten Minister für die Slowakei K a 11 a y vorlegte, der Minister geantwortet habe, daß er diese Beschlüsse in entschiedenster Weise ablehnen müsse, weil die in ihnen aufgestellte Forderung, den Zionisten das aktive und passive Wahlrecht in der: Kultusgemeinde zu . entziehen, unvereinbar sei mit den demokratischen Grundsätzen der tsche choslo wakis c h e n Republik. Aber Samuel Reiner kommt nicht leicht in Verlegenheit. Er weiß, wie man den demokratischen Grundsätzen beikommen kann, wenn man doch die verdammten Zionisten aus den Kultusvorständen vertreiben will. Die Bratislavaer Landeskanzlei hat beschlossen, daß dort, wo es der heilige Zweck erheischt, zu dem unlauteren Mittel gegriffen werden kann, daß man eine zweite orthodoxe Kultusgemeinde gründet, die natürlich ganz zionistenrein sein muß. Gleichzeitig, heißt es in den Beschlüssen, soll ein gewähl t es S c h i e ds ge r i ch t innerhalb der orthodoxen Gemeinden geschaffen werden, welches über die Verteilung der Lasten und Abgaben der beiden orthodoxen Gemeinden ia einer Stadt zu entscheiden hat. Auflösung der jüdischen Gemeinde in Wiesbaden. Im Jahresberichte der Württemberger israelitischen Landesversämmlung, die am 22. Dezember in Stuttgart tagte, wird mitgeteilt; daß die jüdische Gemeinde in Wiesbaden aufgelöst worden ist. Ihre Mitglieder sind der Gemeinde Wiesenbach zugeteilt worden. Ferner sind die Gemeinden in Bockberg, Pflaumloch und- Laib ach in Württemberg eingegangen. Die Friedhöhe hat die Landesversammlung in Sorge genommen. Eine jüdische Wohltäterin gestorben, Frau Jenny Schur. Die Wiener Judenschaft hat einen schmerzlichen Verlust' zu beklagen. Frau Jenny Schur, die Gattin des Industriellen Moriz Schur, ist nach einem Leben edelsten Tuns gestorben. So selten die Eigenschaften dieser Frau waren, ebenso still wirkten sie. Zahllos sind die Fälle, in denen die Verstorbene ganz im geheimen Wohltaten übte, besonders an armen jüdischen Studenten, deren Los sie durch Beihilfe erleichterte. Unzählige Male griff siei wo die staatliche soziale Hilfe nicht einsetzen konnte, nur dem Antrieb ihres Herzens folgend, ein. Groß war ihr Respekt vor der religiösen Tradition. Sie hielt alle religiösen Gebräuche und in ihrem Heim bedeutete die Sabbathaltung eine tiefreligiöse Erhebung für alle, die daran teilnahmen. Ihr ganzes Leben war der Menschenhilfe geweiht. Mit ihrem Gatten und ihren Kindern trauert die lange Schar aller derjenigen, die das Glück hatten, die Verstorbene wirken und Wohltaten üben zu sehen. Ein jüdischer Philanthrop in Jugoslawien gestorben. In Belgrad ist der bekannte Philanthrop, Herr Schandor A. Alexander plötzlich verschieden. Sein Ableben hat unter der Bevölkerung Jugoslawiens große Trauer hervorgerufen. Der Verstorbene, ein stolzer Jude, hinterließ Stiftungen im Werte von 32 Millionen Dinar. Als größter Wohltäter in Zagreb war er lebenslänglicher Ehrenvorsitzender vieler wichtiger Institutionen und Besitzer der höchsten jugoslawischen Orden. König Alexander von Jugoslawien ließ an die Bahre des Verstorbenen, sehr populären Philanthropen einen Kranz niederlegen und delegierte einen Vertreter zum Begräbnis, das unter riesiger Teilnahme der christlichen und der jüdischen Bevölkerung stattfand. Das neue Institut für jüdische Kultur in Kiew. Wie bekannt, hat schon längere Zeit an der allukrainischen wissenschaftlichen Akademie eine eigene Lehrkanzel für jüdische Kultur bestanden. Auf Grund des Beschlusses der Rätezentrale der Ukraina wurde nunmehr diese Lehrkanzel in ein eigenes selbständiges „Institut für jüdische Kultur" umgewandelt, dem 37 Personen als Mitarbeiter angehören. Dem Institut wurde jetzt für das Jahr 1929-30 ein Budget von rund 90.000 Rubel bewilligt. Bei diesem Anlaß wurde auch die bisher unter Leitung des bekannten Hebräisten Galant bestandene hebräistische historisch-archäographische Kommission liquidiert und ihr wissenschaftliches Vermögen dem neuen Institut überantwortet. Zwei Millionen Dollar für die Vereinigten Wohlfahrtsorganisationen in New York. Seit langem schon waren in New York Bestrebungen im Zuge, die zwei größten und reichsten jüdischen philanthrophischen Federationen von New York und Brooklyn durch eine völlige Fusion zu vereinheitlichen. Die gesonderte Tätigkeit der beiden Federationen hat viele überflüssige' Arbeit und Auslagen verursacht Nun haben die Philanthropen Brüder Jonas die Fusion schließlich dadurch ermöglicht, daß Ralph Jonas aus eigenen Mitteln für die Vereinigungszwecke eine Million Dollar spendete und sein Bruder Nathan S. Jonas es übernahm, eine zweite-Million Dollar für den gleichen Zweck binnenkurzem aufzubringen. Da die Brüder Jonas, wie uns aus New York berichtet wird, ihr Versprechen eingelöst haben, wird die Fusion der zwei großen Federationen nunmehr durchgeführt Auf diese Weise kommt die größte und reichste jüdische Wohlfahrtsfednration der. Welt zustande, die über eine große Anzahl modernster. Wohlfahrtseinrichtungen auf allen Gebieten der sozialen Fürsorge verfügt und diese nunmehr auf rationalisierter Grundlage weiterführen und ausbauen wird. Die Assanierung der Judenviertel in Tunis» Aus Reisebeschreibungen ist bekannt, in welch verwahrlostem Zustand sich in den einzelnen Städten von Tunis das uralte jüdische Ghetto oder die „Hara", wie die Judenyiertel. genannt werden, befindet. Die Regierung und die Lokalyerwältungen kümmern sich wenig um diese Zustände und die jüdische Bevölkerung ist wirtschaftlich .zu, schwach, um selbst die Assanierung der „Hara" durchzuführen. Nun hat ein führendes Mitglied der Judengemeinde von Sfax, einer der größten jüdischen Gemein wirtschaften in Tunis, Dr. Maurice U z a n an die Behörden ein interessantes Anbot gestellt, durch dessen Annahme die Assanierung der „Hara" auf moderner Grundlage durchgeführt werden soll. Dr. Uzan schlägt vor, einer zu gründenden Aktiengesellschaft; das Monopol für "die* Erwerbung der Grundstücke in der „Hara" und der Inanspruchnahme der alten Festungswerke Bab-el-Kh'adrah und Bab-Säadoun zu überlassen, wogegen die Gesellschaft verpflichtet wäre, die alten verfallenen Häuser in der „Hara" niederzureißen und an ihre Stelle moderne, hygienisch eingerichtete Wohnhäuser zu errichten und die Assanierung des ganzen Stadtteiles nach den modernsten Anforderungen durchzuführen. Das Projekt wird gegenwärtig an den kompetenten Stellen studiert' Das neue Jahr hat begonnen, viele wohlgemeinte Glückwünsche haben es eingeleitet und wohl jeder von uns hat es sich fest vorgenommen, das kommende Jahr schöner und besser zu verbringen als das vergangene. Man will seine Zeit viel mehr als bisher in froher und guter Laune im Kreise seiner Lieben verleben und sich an Musik, Gesang und Tanz erfreuen. Das beste und wirksamste Mittel hiezu ist die Anschaffung einer guten Sprechmaschine. Alle Marken von Weltruf, Koffer-, und Tischapparate von der einfachsten bis zur luxuriösesten Ausführung, bekommen Sie zu sehr billigen Preisen, auf Wunsch auch zu günstigen Teilzahlungen, im bestrenommierten Musikhaus „Excelsior". Wir verweisen unsere Leser auf die Annonce des bekannten Musik- und Radiohauses „Excelsior", L, Adlergasse 5, in unserer heutigen Nummer, auf Seite?, und bitten, bei Käufen sich auf unser Blatt zu berufen. (E)