Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 117 (13.12.1929)
- Date
- 1929-12-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 11? Weihnachten der Tabakregie. Die österreichische Tabakregie bringt zu Weihnachten eine Reihe von Neuheiten. Für rlie Zigarrenraucher zwei feine, sehr leichte. Isolde, aromatische Zigarrensorten mit eleganten Hingen, ebenso wie die „Gaisberg", deutscher Typ: die „G r o fi g 1 o c k n e r" zu 42 g, und die ..f rau Hit t" zu 36 g, verpackt in ErlenhoJzkistchen zu 10 Stück, ferner die „Olympicos" in neuer Fasson und moderner Aufmachung, zum alten Preis (1 S 20 g), verpackt in Zedernholzkistchen zu 10 Stück. Für die Pfeifeiiraucher erscheinen als Original typen in Päckchen zu 25 Gramm: ,.K r u 11", sehr fein, leicht, mild, rötlichgelb (60 g) und „Feinster U n g a r", lang- und kürzgeschnitten (35 g), der kurzgeschnittene in heller und in brauner Farbe. Außerdem gelangen noch zwei Mischtypen für kurze Pfeifen in den Verschleiß: „Caballero" in neuer Zubereitung, sauciert, hochfein, besonders gehaltvoll, zu 50 Gramm (1 S 30 g), und eine „S p e z i al m i s c h un g", nicht sauciert, sehr fein, mit mildem Aroma," in Päckchen zu 25 Gramm (40 g). Die Parallelschnittabake sind bereits seit einiger Zeit in Packungen zu 50 Gramm neben den zu 100 Gramm erhältlich: „Sultan flor" und „Superfein Türkische r" in Blechkassetten zu 4 S 50 g, beziehungsweise 4 S, „Feiner Kir", „Feiner Pursitschan" und „Feins t e r Bulgarischer" in Kappenschachteln zu 3 S 20 g, 5 S und 2 S 50 g. Aegyptisch und Hebräisch, Ein Vortrag Professor Yahudas in Berlin. Aus Berlin, 6. Dezember, wird gemeldet: Auf Einladung der Vorderasiatisch-Aegyptisehen Gesellschaft sprach der hervorragende jüdische Gelehrte Professor A. S. Yahuda (London) in der Berliner Universität über den Einfluß des Aegyptischen auf Sprache und Stil des Pentateuch. Professor Dr. Yahuda, der seine Studienjahre zum Teil in Deutschland (Heidelberg und Stvaßburg) zubrachte, war früher Dozent an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und später Ordinarius für semitische Sprachen an der .Universität in Madrid. Sein zu Beginn dieses Jahres4'erschienenes ."Werk. „Die Sprache des Pentateuch in ihren. Beziehungen zum Aegyptischen" hat viel Auf- , sehen erregt und Anlaßzu tiefgreifenden Diskussionen in Orientalistenkreisen gegeben. An dieses Werk knüpfte auch sein Vortrag an. Professor Yahudas These ist es. daß sich die ' hebräische Sprache als Literatursprache unter dem , Einfluß des Aegyptischen. in der Zeit der Knechtschaft unter den Pharaoaen aus einem primitiven •kanaanäischen Dialekt entwickelt. hat. Schon die frühesten Produkte der israelitischen 'Literatur," so argumentiert Yai huda, zeigen einen sehr hohen Stand im Ausdruck und Stil, sie sind in einer Schriftsprache verfaßt, die weit über; die Stufe der primitiven Mundart eines in rohen Anfängen' steckenden Volkes hinaus, ist. Sie setzen daher eine lange Geschichte sprachlicher Bildung und Verfeinerung voraus. Die Kanaanäer Palästinas, die es niemals-zu einer eigenen Schriftsprache und Literatur gebracht hatten, können nicht Anreger und Lehrmeister der eingewanderten. Israeliten auf diesem Kulturgebiet gewesen, sein. Also müssen die Anfänge der hebräischen Literatur in die-Ze»it vorder Einwanderung in Palästina zu datieren sein. Das Schrifttum des Pentateuch ist in seinem Wortbestande wie in seiner religiösen und kulturellen Vorstelluugswelt von zahlreichen ägyptischen Elementen . durchsetzt; Aegypten hat;- den tiefsten und nachhaltigsten Einfluß auf das geistige Leben des" alteti Israelgehabt; Nach Yahuda hat Israel das Land der Pharaonen, bereits als ein h och w e r t i g e s* Kulturvolk verlasset; nicht als primititve/Beduinen. Nach Yahuda erlebten die eingewanderten Israeliten in Kanaan infolge der Angleichung an die minderwertige kanaanäische Umgebung zunächst eine Epoche desNiederganges und erst viel später den Aufstieg zur Höhe des Prophetismüs. Yahuda versuchte cm Beispielen die ägyptische Grundläge für zahlreiche kultische Riten und Vorschriften in den gesetzlichen Büchern des Pentateuch nachzuweisen.'.'...... . . . , \ Dem Vortrag folgte eine lebhafte Ausprache, in der die Berliner Professoren Sellin, und B.crth.ol et.in Anerkennung der von Yahudas Forsdiungen ausgehenden ta Miebeife! als SiWomatfo! .., Jlan SdjaM, fpiel' irn tue Schlager ntcftt blendend? . .. fflein, eljer betänbettfr, 3ef) bin wie etfcftlaßett. 3e&t mitftt tu mit «18 «elonnnnq für meine (Seoulft uti& mt (Brnoiung bei „Sdjiffma »n bie prächtigen iDeihiadUsfcijlager »erfahren loffeit, bei beten flnbficn einem ttöü &cr$ bor ftreu&e aufgebt. . . * unb bie Srieftafdte! «6er, Schaut, öu tteftt äoeb fd)ort, tote btHig *»ie w6ff)tffmrtnn»Sd)Iußec* ftttt»! Unfetc fenfatioiteOen ffietljnacfjts Scöloser: $onsIIclbcr S 3.90, M »«»«.«.r,-.»« ... 8 2.98 S(f)IilffÜCf£, BetoutMHiinrtl, »tmlle Sklfllns.....S 4.50 Somcit'SIonfrlj.QJlätttcI..... .....8 19.50 »ilftranan-^inftfj=!OTänteI Ä'S.. 8 29.50 jPßl^ÜMfltCl, ®eoI.eiecttit, flanj <mf Selbe .... 8 98. 93elourß»5Ianeßef für »w,«, w ..... 8 — 2Ö0ü«ßre|jeila, mr,M............ 8 ßtefoe De ßfiine, aa* garten, m ot.i«..... 8 glaneU«Äa(öa«öemDcnr muRne» * Kami* S 3amen»8eiDenMenf am......... 8 08Qlll||OfCf flffticft, mit Sutöen, «He garü u...... 8 üRefee-StrfitnWe f;,...............S $UK0t)Cr, «ine ffio0e, «ort .........;.......8 2amen-6röncefd|itöe.............. 8 $eule beditint öer Mflige ffieifjnatfjtstjerfauf th flpn uhfereil StßicUutißett ""8385 @$ifflttaitttr »•> M«**. 2.90 4.98 4.90 3.90 1.98 -.98 2.50 7.90 Anregung endennochr gegen Ynhüdus These gewichtige Einwendungen machten und u. a. vorbrachten, daß die Tatsache des ägyptischen; Einflusses . auf das jüdische Schrifttum - durchaus"»nicht 'beweise; daß dieser Einfluß in der Hauptsache in den,, ersten Anfängen Israels während seines Aufenthaltes in Aegypten erfolgt und daß der Pentateuch vor: der ■ Einwanderung in Palästina verfaßt worden sei. T hcaieiv Kunst und Literatur Carusos letzter „Eleazar". Von Artur Bodansky, ehemaligem Dirigenten der Metropolitan Opera in New York. Wie aus den Tagesblättern bekannt ist, hat der erste Dirigent der Metropolitan Opera in New York Artur Bodansky vor kurzem seine Stelle niedergelegt. In einer New Yorker englischen Zeitung veröffentlicht Bodansky jetzt .einige interessante Erinnerungen an seine Tätigkeit in dem bedeutendsten Opernhaus der Vereinigten Staaten, denen wir die folgende entnehmen: Ueber die Launenhaftigkeit Carusos wurden Zeit seines Lebens und auch später von seinem Biographen ganze Legenden verbreitet. In Wahrheit war jedoch Caruso bloß ein pedantisch genauer Künstler, der sich für jede seiner Rolle»; gründlich bis ins kleinste Detail vorbereitet hatte. Zu seinen' Lieblingsrollen gehörte der „Eleazar" in der „Jüdin". Zorn ersten Male hat Caruso den „Eleazar" im Jahre 1919 in der Metropolitan Opera hindurch besuchte er einen bekannten Rabbiner, um bei ihm Stunden über die Abhaltung des Seders gesungen. Caruso bereitete sich für diese Rolle lange vorher mit der minutiösesten Gründlichkeit vor. Wochen äfiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinii iiiiiiiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifliiiiiiiiii»^ 5 ~ «■* | «INION OER ZIONISTEN-REVISIONISTGN § | Montag, den 16. Dezemt>$r, halb 9 Uhr abends Caf6 Arkadeny Souterrainsaal Versammlung | „Gegen die Politik des Britb Schalom" Zionisten, erscheinet in Massen! zu nehmen, um in dieser Szene des zweiten Aktes der Halevyschen Oper ganz stilgerecht sein zu könneu. Caruso ging hierin so weit, daß er darauf bestand, daß selbst bei jeder Probe, wenn schon nicht der ganze Sedertisch, wie er ihn im Hause des Rabbiners gesehen hat, ■ so doch zumindest die Sederschüsscl mit den Mazzoth und dem übrigen Zubehör bereitgestellt sei. Der „Eleazar" war nicht nur eine Lieblingsrolle Carusos, er wurde auch der Schwanengesang des großen Künstlers. Bekanntlich ereilte Caruso der erste Unfall bei einer Akademie in Brooklyn, in welcher er den „Eleazar" gesungen hat. Es hieß damals, daß ihm eine Ader im Hals geplatzt sei und die Aerzte rieten schon damals dem Künstler längere Zeit auszuspannen oder zumindest den überaus schweren Part des „Eleazar" nicht zu singen. Als aber kurze Zeit darnach die Metropolitan Oper die „Jüdin" geben wollte und man daran dachte, den „Eleazar" einem anderen anzuvertrauen, bestand Caruso darauf, „seinen Juden" selbst zu spielen. Ich werde diesen Abend niemals vergessen. Caruso sang unter den furchtbarsten Schmerzen. Aber gleichzeitig in einer Art Verklärung, einem Todesahnen, die ihn vielleicht unbewußt die ganze Kraft seiner Stimme und seiner Kunst in diese „letzte Rolle" hineinlegen ließen. Ich glaube wohl, daß Caruso niemals vorher einen so ehrlichen und verdienten Beifallssturm erzeugt hat, als an jenem Abend. Ich versuchte Caruso, dessen Leiden mir bekannt war, durch unauffällige Kürzungen die schwere Rolle zu erleichtern, aber es war bei ihm nichts auszurichten. Und als ich nach dem Schluß in sein Zimmer trat, fand ich den Künstler bitter weinend und klagend, daß es wohl mit ihm vorüber sei. Nie mehr würde er — so jammerte Caruso — seinen lieben Juden „Eleazar" singen können. Und in der Tat, es war sein letzter „Eleazar". Bald darauf ist er gestorben. Zur Förderung der Musik-Erziehung in Palästina. Wir erhallten folgenden Aufruf! Bedenkt man, daß in Amerika das gesamte Musikwesen hauptsächlich aus privaten Mitteln 'bestritten wird, so kann es nicht wundernehmen, wenn in dem kleinen Lande Palästina, wo die Gestaltung des jüdischen Volkslebens erst in Bildung begriffen ist, die MusUcpflege ebenfalls der Privatinitiative ihre Existenz verdankt. Die jetzige Generation arbeitet dort mit heiligem Ernst unter Aufgebot der ganzen Energie an der Schaffung einer eigenen Kultur. Das jüdische Volk ist zweifellos musikliöbend und musikbegabt. Diese Liebe und Begabung sollten jedoch mehr gepflegt und vertieft werden. Die gesamte Musikpflege in Palästina Hegt in den Händen namhafter Musiker, die nicht die Jagd nach neuen Verdienstmöglichkeiten, sondern eine glühende Begeistegö'ßg für die Musik und ein starkes Verantwortungsgefühl iljÄ Volke gegenüber in das Land geführt haben. Sie sind nun bemüht, das jüdische Volk, vor allem die Jugend, zur Musik zu erziehen, damit Musik eine dem Leben und dem Menschen unmittelbar dienende Kunst werde. Auf neuen Wogen wandelnd, sucht diese Musikerziehung weiteste Kreise heranzuziehen, den Verhältnissen und Bedürfnissen des Landes in jeder Richtung gerecht zu werden. Unnütz besonders hervorzuheben, daß diese Pioniere unter ungünstigen Bedingungen, unter größten persönlichen Opfern ihre Aufgabe zu vollbringen trachten. Es fehlt an Noten, Instrumenten, Geld und immer.; vyleder Geld! Da es bisher nicht gelang, im stillen die notwendigen Hilfsmittel aufzutreiben, muß zu einer lauten Propaganda gegriffen werden. Dieser Ruf kann nicht deutlich und eindringlich geling allen, die es angeht, ertönen. Nur mit Zuhilfenahme privater Mittel, auch außerhalb Palästinas, können die bescheidenen Wünsche der paläst> nensischen Musiker befriedigt, kann ihre aufopfernde und fruchtbringende Arbeit gefördert' werden, Ich appelliere an die weitherzige und großzügige Gebefreudigikeit aller Musikli-ebendcu, ich fordere alle Musikfreunde, zionistischen und sonstigen Vereine auf, 'mitzuwirken an dem Ausbau der Musikerziehung und dem Musikleben Palästinas. Unterstützungen fallen keinen Experimenten zum Opfer, sondern dienen einzig und allein dem Aufbau des Opfer, sondern dienen einzig und allein dem Ausbau des, Musikunterrichtes und wollen auch Minderbemittelten eine gründliche musikalische Ausbildung ermöglichen.*) Joachim Stutschewsky (Wien). Großes hebräisches Koggsert. Wie bereits bekannt, findet am 15. d., um halb 8 Uhr abends, im Großen Konzerthaussaal, das HI;< Hebräische Konzert des Jugendvereines „Erez Israel" zugunsten des Chajes-Realgymnasium statt. Herr Kammersänger Josef Manowarda von der Wiener Staatsoper wird hebräische Lieder zum Vortrag bringen. Frau Erika Wagner singt hebräischeVolksweisen. Frau Rena Pfiffer-Lax, welche diese Woche in der Staatsoper als Gast aufgetreten ist und einen durchschlagenden Erfolg hatte, sowie Oberkantor Gerson Margulies und ein gemischter: Chor unter Mitwirkung des Prof. Carl Lafite werden das Publikum mit den neuesten hebräischen Weisen bekanntmachen. Die künstlerische Leitung der Veranstaltung liegt in den bewährten Händen des Herrn Prof. Artur Wolf. Restliche noch vorrätige Karten sind bis Freitag, 4 Uhr nachmittags, in dem Zionistischen Büros, I., Kärntnerstraße 28, Tel. R- 27-4-85-^8^,. und Sonntag von 9 bis 12 Uhr vorm. erhältlich, Sonntag von 3 bis 6 Uhr nachm. werden noch restliche Karten SS il *) Alle Sendungen sind zu richten: Prof. D. Sc hör, Tel-Awiw. Musikschule „Beth-Leviinr, Brennerstraße %s.